Neutrale Rollen

Belinde Ruth Stieve erzählt in der Berlinale-Bubble von Pro Quote Regie von Neropa. © 2016 Anke Domscheit-Berg

Mehr als die Hälfte der Menschen im Lande sind Frauen. Film und Fernsehen vermitteln eine andere Wirklichkeit. Die Schauspielerin Belinde Ruth Stieve wirbt für ein System, das es besser machen soll.

Interview: Peter Hartig

Frau Stieve, Sie machen sich in Ihrem Blog für eine andere Art der Rollenbesetzung stark. Was läuft falsch?

Das läßt sich nicht so leicht auf den Punkt bringen. Mir fällt auf, daß es seit Jahren ein starkes Übergewicht an Männerrollen gibt. Und daß Frauenrollen ab einem relativ frühen Alter – das heißt ab 40, für manche Filmgruppen sogar schon ab 35 – zurückgehen, Männerrollen aber erst 15 Jahre später. Und daß es eine Reihe von Filmen gibt, die ziemlich antiquierte Geschlechterstereotype reproduzieren: Männer handeln und reden, Frauen hören zu und sehen schön aus… Sie haben wesentlich seltener einen Beruf, sind seltener Funktionsrollen. Und man sieht so oft, wie sie brutal angegriffen oder umgebracht werden oder nackt auf dem Seziertisch liegen…
Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, daß alle Männer mit diesem Angebot zufrieden sind und nur ein paar Frauen nicht. Aber so ist es nun mal. Jetzt können und müssen wir natürlich darüber reden, in der Branche, unter den Verantwortlichen, in der Gesellschaft, über die Gründe und die Auswirkungen, aber bis sich irgendetwas grundlegend verändert, kann es noch ziemlich lange dauern. Deshalb habe ich Neropa entwickelt.

Was ist Neropa?

Neropa ist eine Abkürzung und steht für Neutrale-Rollen-Parität, also Ne-ro-pa. Das ist eine Methode, mit der das Rollenungleichgewicht in einem Film abgebaut wird zugunsten von Frauenfiguren.

Und wie?

Ein paar Leute gehen erst einzeln und dann gemeinsam alle Rollen im Drehbuch durch und prüfen, welche ein bestimmtes Geschlecht haben muß. Alle übrigen werden als neutral definiert, und dann abwechselnd als Frau-MannFrau-Mann umgeschrieben und besetzt. Das erhöht den Frauenanteil im Film zum Beispiel um zwei Rollen oder um zehn. Und auf einmal kommt als kleine oder größere Rolle eine Elektrikerin und eine Gerichtsvollzieherin, eine Stadträtin und eine Archäologin vor, es gibt mehr ältere Frauen, und das Rollenverhältnis ist nicht mehr 30 zu 70, sondern vielleicht 45 zu 55.

Das ist schön für das Publikum, und hat Auswirkungen auf Jung und Alt, denn die Gesellschaft besteht nun mal zur guten Hälfte aus Frauen, und deren persönliche, berufliche, gesellschaftliche, optische Vielfalt ist enorm. Und es ist natürlich auch gut für die Schauspielerinnen, denn dann gibt es für uns mehr Arbeit, und für die Produktionen ist es auch gut, denn Schauspielerinnen verdienen oft weniger, es wird also dazu noch billiger. Diese Gagenungerechtigkeit ändert sich aber hoffentlich bald endlich.

Was meinen Sie mit Auswirkungen auf Jung und Alt?

Das, was im Fernsehen oder Kino, in Werbung oder Spielen gezeigt wird, prägt und beeinflußt uns alle, auch wenn wir es oft nicht merken. Wie weit, ist natürlich nicht klar. Wenn gefühlt 90 Prozent der im Fernsehen übertragenen Ballsportwettkämpfe Männersport sind, wie überraschend ist es dann, daß so wenige Mädchen Fußball oder Handball spielen?
Aber es geht darüber hinaus. Die Schauspielerin Geena Davis sagt »If she can’t see it, she can’t be it«…

…»Wenn sie’s nicht sieht, kann sie’s nicht sein«?

Damit meint sie, daß Kinder und Heranwachsende Vorbilder brauchen, zum Beispiel für das Zusammenleben der Geschlechter oder die Berufswahl. Und da wirkt es sich negativ aus, wenn sie im Fernsehen einseitige Rollenvorbilder und klassische Geschlechterrollen serviert bekommen. Für die Mädchen Model, Krankenschwester oder irgendwas mit Tieren und für die Jungen alle anderen Berufe.

Das ist aber etwas übertrieben.

Klar! Aber diese Tendenz gibt es. Und es geht natürlich über die Berufswahl hinaus. Das Verhalten der Geschlechter zu- oder miteinander wird ja auch in den Filmen und Serien vorgespielt; oder nehmen wir einfach nur die stark sexualisierten jungen Frauenfiguren. Dazu kommt dann noch Germany’s Next Topmodel, und schon wird klar, warum dringend eine wesentlich größere Frauenrollenvielfalt gebraucht wird, eine höhere Medienpräsenz von Frauen aus allen gesellschaftlichen Bereichen.
Selbst wir Erwachsenen werden davon beeinflußt, wir sind ja auch damit groß geworden und sehen das noch heute. Wenn jemand eine Konferenz oder eine Radiodiskussion organisiert und für die Vorträge nur 20 Prozent Frauen einlädt, wenn in einer WG der Besuch, egal ob Mann oder Frau, sich eher vom Mitbewohner als der Mitbewohnerin den Gasherd erklären läßt, auch wenn die gerade neben ihm steht, dann fällt das oft gar nicht als seltsam auf. Und auch wir in der Filmbranche werden von den Filmen beeinflußt, ob wir nun Bücher schreiben, Rollen spielen, ein Team zusammenstellen oder Aufträge vergeben. Wo kommt denn dieser Satz »Frauen können keine Krimis inszenieren« eigentlich her? Und müßte er nicht eher heißen »Frauen dürfen keine Krimis inszenieren?«

Und da könnte Neropa helfen?

Diese Situation könnte durch Neropa besser werden, weil es dann einfach mehr und unterschiedlichere Frauenrollen zu sehen gibt, mehr Möglichkeiten, sich zu identifizieren, oder einfach nur, mehr über das Leben zu erfahren.

In den USA hatte schon 1985 die Comic-Autorin Alison Bechdel kritisiert, wie klischeehaft Frauen in Spielfilmen dargestellt werden. Der sogenannte Bechdel-Test besteht aus drei Fragen: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen, die beide einen Namen haben? Sprechen sie miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann? Inzwischen sind in einigen Ländern Kinojahrgänge nach diesen Kriterien untersucht worden – mit ernüchterndem Ergebnis.

Ja das kann sein. Den Bechdel-Test, oder richtiger: Bechdel-Wallace-Test, denn Alison Bechdel möchte, daß die Ideengeberin Liz Wallace auch erwähnt wird, kenne ich schon sehr lange. Und deshalb haut er mich nicht mehr so vom Hokker. Natürlich ist es heftig, wenn Filme den Test nicht bestehen, denn umgekehrt wäre das gar keine Frage, also zwei Männerfiguren mit Namen, die sich über etwas anderes als Frauen unterhalten. Andererseits ein Film, in dem die Figur Belinde sagt: »Voll krass, du hast ja eine neue Lippenstiftfarbe!«, und die Figur Ruth antwortet: »Ja, sie heißt Jungle Red.« – der würde den Test bestehen! Macht das den Film in irgendeiner Weise sehenswerter oder förderungswürdiger oder vielseitiger oder weniger männerzentriert oder feministischer oder sonst was? Und dann gibt es ja noch Filme wie Gravity oder Die Wand mit fast nur einer Figur im ganzen Film…

Schauen wir aufs vergangene Kinojahr: Von den zehn erfolgreichsten Produktionen, die sich an ein Publikum über 18 richten, würden wenigstens neun den Bechdel-Test ohne Probleme bestehen.

Kann sein, und was sagt das aus?

In Deutschland ist es es offenbar nicht so schlimm: Das Gros im Abendprogramm sind Krimis und Romanzen. Bei ersteren scheinen die Hauptrollen doch recht gleichmäßig verteilt, bei letzteren könnten sich Männer sogar beschweren: Da liegt der Fokus in der Regel auf der weiblichen Hauptfigur, und die findet nicht nur die große Liebe, sondern verwirklicht sich zugleich selbst

Nein, das sehe ich nicht so. Bei den Krimis sind die Hauptrollen nicht annähernd gleichmäßig verteilt, weder quantitativ, noch von der Bedeutung und Größe, das heißt Anzahl der Drehtage her. Und Ihrer Beschreibung der Romanzen stimme ich auch nicht zu. Außerdem geht es nicht nur um Hauptrollen. Etwa letztens die Miniserie Die Stadt und die Macht: Auf der ARD-Website standen drei Frauen und neun Männer – und die übrigen Rollen waren vermutlich ähnlich einseitig verteilt.

Sie haben ja gerade erstaufgeführte Fernsehfilme ausgewertet, sechs 20.15-Uhr-Sendeplätze für das Jahr 2015. Als drastischstes Beispiel führen Sie da Nackt unter Wölfen an. Der habe 15 Männer im Hauptcast, aber keine Frau. Das Problem dabei: Der Geschichte spielt ausschließlich in einem Männer-KZ. Sollte man solche Filme nun nicht mehr drehen?

Höchstens, wenn man keine Remakes von alten Filmen mag. Daß Nackt unter Wölfen eine reine Männergeschichte ist, finde ich überhaupt kein Problem.

Also was ist dann das Problem?

Es geht mir nicht um einzelne Filme, sondern um Gruppen, um Reihen, um Sendeplätze, alle geförderten Filme eines Jahres und so weiter. Und da gibt es immer wieder einige oder viele Filme mit riesigem Männerrollenübergewicht, aber keinen Ausgleich, also keine Filme mit fünfmal so vielen Frauenfiguren. In den ZDFHerzkino-Filmen gab es 2015 keinen Film, der doppelt so viele Frauen- wie Männerrollen im Hauptcast hatte, aber fünf Filme mit zwei- bis dreieinhalbmal so vielen Männerrollen.
Und selbst wenn die Vorlage eine fast reine Frauen- oder Mädchengeschichte war, dann wird das verändert oder aktualisiert, damit es auch männliche Hauptrollen gibt – ich denke jetzt an Hanni und Nanni: In den Büchern gab es nur Lehrerinnen, und höchsten noch den Vater der beiden, der am Anfang zu Hause mal kurz was sagt. Es ist ja auch okay, das zu ändern. Aber bei den Männergeschichten, da wird selten nachgebessert – etwa Weissensee, der Konflikt von zwei Brüdern und ihrem Vater. Die hätten ja auch Bruder und Schwester sein können.
An dem Punkt setzt Neropa ein. Im Grunde heißt die Frage: Müssen diese ganzen Rollen wirklich alle Männer sein? Und dann, je nachdem, wie sich die verantwortliche Gruppe einigt…

…die Gruppe?

Wie gesagt: Das sollten drei, vier Leute machen, nicht jemand alleine. Und die einigen sich auf eine Handvoll Neutrale bei den kleineren Rollen, oder es werden mehr, und es geht bis ganz oben.

Das soll funktionieren?

Warum nicht? Ein Beispiel von früher: His Girl Friday von Howard Hawks. In der Vorlage, also im Theaterstück The Front Page, standen zwei Männer im Zentrum. Funktionierte aber doch auch ganz toll mit Cary Grant und Rosalind Russell.

In ihrer Untersuchung erwähnen sie auch Die Seelen im Feuer, ein historisches Drama über die Hexenverfolgung in Bamberg. Also aus einer Zeit und Gesellschaft, in der Frauen tatsächlich auf Nebenrollen gehalten wurden. Und so gibt es auch nur eine Frauenrolle im Hauptcast gegenüber elf Männern. Wie soll das anders gehen?

Ich verstehe nie so ganz, was das heißen soll, »auf Nebenrollen gehalten«. Anfang des 17. Jahrhunderts lebten nicht nur Männer, weil die Frauen alle im Kindbett gestorben oder als Hexen hingerichtet worden waren. Es gab Bäuerinnen und Wäscherinnen, die Mütter, Frauen und Töchter der Stadträte und so weiter, die vielleicht auch etwas zur Hexenverfolgung gesagt hatten, Frauen, die von der Ermordung ihrer Nachbarin, ihrer Schwester, ihres Vaters betroffen waren…

Vielleicht ist es mit Die Seelen im Feuer ja ähnlich wie mit Nackt unter Wölfen, und es war tatsächlich eine reine Männersache.

Mag sein. Jedenfalls ist es eine bewußte Entscheidung, eine Geschichte, in der es um Hexenverfolgung geht, auf diese Weise zu erzählen, fast nur mit Männern. Bei dem Film über Margarete Steiff wurde ein Mann dazuerfunden, der maßgeblich ihr Leben und ihre berufliche Karriere beeinflußt hat, den es aber in der Wirklichkeit nicht gab. Wenn wir schon von Fiktion sprechen, warum nicht auch mal umgekehrt?
Grundsätzlich gilt doch, daß die Frauen wie die Männer 24 Stunden am Tag lebten und leben und nicht unsichtbar sind. Warum kommen sie in den Filmen so viel weniger vor?

Wieviel weniger ist das denn?

Unterschiedlich. Nehmen wir das Beispiel der Fernsehfilmabende. Das waren 208 Filme mit 1.000 Frauen- und 1.400 Männerrollen im Hauptcast. Bei den kleineren Rollen wird es ähnlich sein, vermutlich noch deutlicher auseinander gehen, denn da kommt die Sprache dazu, also daß ein Journalist nun mal männlich ist, und wenn im Drehbuch der Rollenname »Journalist« lautet, dann ist die Rolle ein Mann. Und es gibt die Trägheit, bei bestimmten Berufen automatisch nur an Männer zu denken, statt einfach mal nachzugucken, ob den Beruf wirklich nur Männer ausüben. Auch das verstärkt das Mißverhältnis.
Von den über 200 Filmen meiner Auswertung hatten nur vier ein zwei- bis dreifaches Frauenrollenübergewicht, gleichzeitig gab es in einem knappen Drittel zwei- bis sechsmal so viele Männerrollen. Wenn diese 60 Filme tatsächlich nur genau so erzählt werden konnten und nicht anders, also mit der Entscheidung, Frauen aus dem Geschehen so weit auszuklammern oder zurückzudrängen, dann werden vielleicht einfach insgesamt die falschen Stoffe ausgewählt.

Wie kann man es also besser machen?

Bei Die Seelen im Feuer vielleicht nicht, aber das ist ja auch nicht so schlimm. Dann gab es eben 15 andere ZDF-Fernsehfilme der Woche, für die eine Reihe von neutralen Rollen definiert, die zu Frau-Mann-Frau-Mann hätten werden können. Neropa führt dazu, daß darüber gesprochen wird, und daß hoffentlich bald männerlastige Casts nicht mehr die Norm sind, sondern es begründet sein muß, wenn die drei, vier Verantwortlichen sagen: »Ja, in diesem Fall müssen so viele Rollen Männer sein«. Aber das ist wahrscheinlich seltener so, als man denkt.
Kennen Sie Die zwölf Geschworenen von Sidney Lumet mit Henry Fonda? Der Film spielt in einem Geschworenenberatungszimmer, und es gibt da diese zwölf Männer. Nur, zu der Zeit, das waren die späten 50er Jahre, durften Frauen in den USA schon lange Geschworene sein, und sie saßen auch in Jurys. Irgendjemand hat aber entschieden, den Film mit einer reinen MännerJury zu drehen. Vielleicht weil der Originaltitel Twelve Angry Men besser klingt als Twelve Angry People. Oder weil in seiner Gedankenwelt Frauen keine Rolle spielen. Sämtliche Kerngewerke bei diesem Film waren mit Männern besetzt, da scheint das niemand aufgefallen zu sein oder gestört zu haben.
Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: »Oho, das sind ja die USA und ein halbes Jahrhundert her, bei uns ist das völlig anders!« Aber das ist es oft leider nicht.

Die 12 Geschworenen © United Artists

Und was kommt als nächstes, die Forderung nach einer 50-Prozent-Quote?

Ach, ich weiß nicht. Klar, in meine Grafiken und Diagrammen zum Cast von Filmgruppen zeichne ich immer die 50-Prozent-Referenzlinie ein. Insofern steht die Forderung quasi schon unausgesprochen im Raum, und sie ist ja auch schon mehrfach von anderen geäußert worden. Also können wir jetzt sagen: Klar, es sollte mindestens 50 Prozent Frauenrollen geben, das paßt ja auch zu den 51 Prozent Frauenanteil in der Bevölkerung. Nur läßt sich die Forderung nicht so einfach umsetzen und überprüfen wie die nach 30, 42, 50 Prozent Regisseurinnen-Anteil von Pro Quote Regie. Oder der Wunsch nach 50 Prozent Drehbuchautorinnen-Anteil.
Das liegt daran, daß es pro Filmprojekt eben nicht nur eine oder zwei Rollen gibt, sondern 20 bis 30, und die sind dazu noch unterschiedlich groß. Heißt 50 Prozent dann 50 Prozent der Rollen, oder 50 Prozent der Screentime, 50 Prozent der Dialoge? Wie soll das gemessen werden? Ich fürchte, es könnte eine endlose Methodikdiskussion geben, ehe etwas passiert.
Aber vielleicht wäre es ein erster Schritt, wenn Sender, Redaktionen, Produktionsfirmen sagen »Hey, wir wollen alle nicht, daß es so männerzentriert weitergeht und wählen jetzt Stoffe anders aus, beteiligen mehr Leute an den Programmkonzeptionen und lernen von anderen Ländern…« Und in der Zwischenzeit gibt es ja immer noch die Neropa-Methode.

Auf Ihrer Website zitieren Sie ja viel Zustimmung aus der Branche. Wie kommt der Vorschlag tatsächlich an?

Tatsächlich hab ich sehr viel positive Rückmeldung und Interesse aus der Branche bekommen und viele spannende Gespräche geführt mit Frauen und Männern. Aber ob gerade jetzt in diesem Moment in einer Produktionsfirma oder Redaktion darüber nachgedacht wird, die nächste Produktion mit dem Neropa-Check zu beginnen, weiß ich nicht… Ich hoffe es.
Neropa kann sehr viel bewegen. Auf den Besetzungslisten, aber auch in den Köpfen der Verantwortlichen. Wenn sie zu Beginn jeder Produktion über das Geschlecht der Rollen sprechen müssen, das wäre doch was. Vielleicht müssten dann auch die Abläufe überdacht werden, denn aktuell sind solche Gespräche, also daß vier Leute aus Regie, Redaktion, Produktion und Casting über die Rollen sprechen, vermutlich nicht vorgesehen. Aber wie lange kann so was dauern? Ist dafür wirklich keine Zeit? Notfalls ginge das ja per Video- oder Telefonkonferenz.
Und was wäre, wenn jedes Projekt, das zur Förderung eingereicht wird, oder von ARD oder ZDF mitfinanziert wird, einen Nachweis über den Neropa-Check erbringen muß? Oder jedes Filmprojekt an einer Filmhochschule – da sieht es ja oft auch nicht besser aus, und da kommen die Leute von morgen her. Die Norm wäre dann das 50:50, und wenn ein Film davon stark abweicht, dann muß der Neropa-Check und die Begründung für so eine Abweichung nachgewiesen werden. Klingt jetzt etwas bürokratisch, aber es müssen ja bei der Förderung noch ganz andere Sachen beigebracht werden, Regionaleffekte und so weiter. Wird Zeit, daß die Frauen auch mal drankommen.

Solche Vorschläge gibt es seit ein paar Jahren auch zum Thema Tariftreue, aber keine einzige Fördereinrichtung fühlt sich da angesprochen. Was befürchten läßt, daß es noch eine Weile dauern wird, bis die Förderer an sowas wie Neropa denken.

Das sehe ich nicht so pessimistisch, denn es wird schon über paritätische Besetzung von Fördergremien gesprochen beziehungsweise angefangen, es umzusetzen. Und die desolate Situation von Regisseurinnen ist nicht zuletzt dank Pro Quote Regie dort auch bekannt. Es ist also einiges im Umbruch. Aber das Schönste ist: Neropa geht auch ganz ohne solche Formalia. Es kann einfach so und sofort passieren, und es gibt nichts zu verlieren dabei. Sie sind Produzentin und bereiten ein neues Projekt vor, Sie sind Redakteur und verantwortlich für eine Reihe? Prima, benennen Sie die drei, vier Verantwortliche, die den NeropaCheck vornehmen… und los geht’s!

Belinde Ruth Stieves Blog:
https://schspin.wordpress.com

Mehr zu Neropa
http://neropa.stieve.com

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6 Antworten auf Neutrale Rollen

  1. Ich kann nur noch kotzen. Ich kann diesen Femiquatsch nicht mehr ertragen. Selbst das Wort “Frau” ist langsam aber sicher aversiv konnotiert. Wann tun wir uns endlich zusammen, und töten den Feminismus ?! Es ist längstens an der Zeit !! Feminismus ist die 3 wochen tote Ratte im Raum an denen sich nur die gestörtesten Frauen noch erlaben.

    Ich schlage vor Hashtag #Killfeminism <<<<<<<<<<<<<3

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  2. Die von Belinde geforderte Änderung – höherer Frauenanteil bei Filmrollen – ist artverwandt einer Frauenquote bei Spitzenverdienst-Positionen, und sie steht – wie jene – in Konflikt mit der Sachaufgabe: politisch korrekte Konstruktion statt spontan funktionierendes Drehbuch.

    Darüber sollten wir uns keine Illusionen machen.

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  3. Läuft das denn so wie beim Gendern von Worten? Immer abwechselnde Geschlechter, damit auch alle Vorbilder haben: Gerichtsvollzieherin, Dieb, Elektrikerin, Schläger, Ärztin, Mörder, Soldatin, Terrorist, Feuerwehrfrau, Brandstifter, Heldin, Bösewicht, …

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  4. Sind nicht die Personen in einer Geschichte die tragenden Stützen einer Geschichte, die den Leser/Seher fesseln sollen? Wenn diese einfach so getauscht werden, verlieren diese doch die Anziehungskraft.

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  5. … tiefer als dieser Stefan Wagner kann man wohl nicht mehr sinken, widerlich …

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  6. Ich habe da doch 2-3 Fragen.

    Wenn der Einfluss des Fernsehens mittel Vorbild so stark wäre, dann würden fast alle Jungs Kriminalkommissar, Fußballer, Politiker, Nachrichtensprecher, Pfaffe oder Wetterfrosch werden. Umgekehrt gäbe es die meisten Handwerker nicht, weil Handwerker in Film und Fernsehen kaum vorkommen.

    Wo kommen die ganzen Verkäufer her, die Reinigungskräfte, Verwaltungsangestellte, Banker, Unternehmensberater usw.? Dass die Berufswahl spürbar und manipulierbar von Filmvorbildern abhängt halte ich daher für eine Illusion.

    Wobei ich gar nichts gegen mehr Frauen in Film und Fernsehen habe, auch nichts gegen Frauen in Berufen, die in der Realität meist von Männern bekleidet werden.

    Bei der Anzahl Frauen im Medium fordert Frau Stieve mal, dass man die Realität abbilden soll (51% Frauen), aber dann, dass ein Wunschzustand abgebildet werden soll, also mehr Frauen in funktionaler, beruflicher Rolle, also eine Art Potjemkinsche Dörfer.
    Ich traue Frauen ja zu selbstbestimmt zu wählen, welchen Beruf sie anstreben wollen und in den meisten Bereichen (etwa wenn es nicht um körperliche Kraft geht, wie auf dem Bau) auch die Fähigkeit ihre Ziele wie Männer zu erreichen, wenn die Motivation gleich stark ist. Den Maßstab, dass 50% der Personen in allen Berufen Frauen sein müssen, sonst handele es sich um Diskriminierung halte ich für falsch. Das ist nicht leicht zu messen (Frauen im Bild, Sprechminuten von Frauen, Summe des Gehalts der Schauspielerinnen wäre eine dritte Methode), aber es ist zu messen und deshalb wird es gerne gemacht.

    Die AfD ist zurecht scharf angegangen worden, weil sie in Sachsen-Anhalt politischen Einfluss auf die Kultur nehmen wollte. Bei feministischen Zielen scheint das kein Problem zu sein.

    Wenn man diese Methode befürwortet muss man sich fragen lassen, ob man gleiches Recht allen gesellschaftlichen Gruppen zusprechen muss. Wollen wir auch Quoten für Moslems und Atheisten, für Rothaarige und Menschen asiatischer oder afrikanischer Abstammung, Nationalitätenquoten, Quoten für Behinderte aller Art, für Kleinwüchsige und Dicke, für Alte und, und, und. Wieso sieht man zuletzt so wenige Raucher?

    Die Fragestellung finde ich schon ok. Aber gehen nicht die meisten Filmschaffenden durch Universitäten, wo solche Fragestellungen ohnehin schon thematisiert werden?

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