Publizierungen von: Elmira Rafizadeh

Ergebnis der Hoffnungsschimmerumfrage: Wie fair waren die Produktionen 2013?

Vom 1. bis 31. Dezember waren alle crew united Member aufgerufen, die Fairness Ihrer Produktionen 2013 zu bewerten. Hier das Ergebnis, wobei nur Produktionen berücksichtigt werden, bei denen mindestens 15 Beteiligte abgestimmt haben:

Note    Titel Sparte Ausführende Produktion
1.29 Rico, Oskar und die Tieferschatten   NOMINIERT Kinospielfilm Lieblingsfilm GmbH
1.31 Polizeiruf 110 – Liebeswahn   NOMINIERT TV-Film (Reihe) filmpool fiction GmbH
1.38 Die Gruberin   NOMINIERT TV-Film die film gmbh
1.48 Buddy   NOMINIERT Kinospielfilm herbx film- und fernsehproduktion GmbH
1.50 Im Schleudergang (Folge 7-12) TV-Serie Infafilm GmbH Manfred Korytowski
1.50 Schoßgebete Kinospielfilm Little Shark Entertainment GmbH
1.50 Dyslexie (aka. Analphabetismus) TV-Film Tellux Film GmbH
1.54 Wer hat Angst vorm weißen Mann? TV-Film die film gmbh
1.63 SOKO Stuttgart (Folge 96-120) TV-Serie Bavaria Fernsehproduktion GmbH
1.63 Mara und der Feuerbringer Kinospielfilm Rat Pack Filmproduktion GmbH
1.75 Charleen macht Schluss Kinospielfilm IMBISSFILM Stehle & Rehbock GmbH & Co. KG
1.76 Die Rosenheim-Cops (Folge 276-305) TV-Serie Bavaria Fernsehproduktion GmbH
1.85 Die Vampirschwestern 2 und das große Herzflattern Kinospielfilm Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion GmbH
1.85 Der Koch Kinospielfilm Senator Film Köln GmbH
1.91 Als wir träumten Kinospielfilm Rommel Film e.K.
1.94 SOKO Wismar TV-Serie Cinecentrum Berlin Film- und Fernsehproduktion GmbH
1.95 Bornholmer Straße TV-Film UFA FICTION GmbH
2.00 Polizeiruf 110 – Familiensache TV-Film (Reihe) filmpool fiction GmbH
2.00 The Cut Kinospielfilm bombero international GmbH & Co KG
2.00 Vaterfreuden Kinospielfilm Pantaleon Films GmbH
2.00 Lichtjahre Kinospielfilm Heimatfilm GmbH + Co KG
2.00 Die Pfefferkörner (Folge 118-130) TV-Serie Studio Hamburg FilmProduktion GmbH
2.06 Nicht mein Tag Kinospielfilm Westside Filmproduktion GmbH
2.06 Die Bücherdiebin Kinospielfilm Zwanzigste Babelsberg Film GmbH
2.08 Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss Kinospielfilm HUPE Film- und Fernsehproduktion, Brauer Roelly Winker GbR
2.08 Freundinnen TV-Film Neue Bioskop Television GmbH
2.12 The Voices Kinospielfilm Vertigo Entertainment [us]
2.12 Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen (Folge 1-10) TV-Serie ITV Studios Germany GmbH
2.17 Let’s go TV-Film Eikon Süd GmbH
2.17 Stereo (aka. Schatten) Kinospielfilm Frisbeefilms GmbH & Co KG
2.17 Mona kriegt ein Baby TV-Film Ninety-Minute Film GmbH
2.19 The Monuments Men Kinospielfilm Zweiundzwanzigste Babelsberg Film GmbH
2.22 Die goldene Gans TV-Film Kinderfilm
2.23 Der Fall Ritter TV-Film FFP New Media
2.24 Landauer TV-Film Zeitsprung Pictures GmbH
2.25 Doc meets Dorf (Folge 5-8) TV-Serie teamWorx Television & Film GmbH
2.26 Die Chefin (Folge 9-16) TV-Serie NETWORK MOVIE Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG.
2.33 Irre sind männlich (aka. Die Therapie Crasher) Kinospielfilm Chestnut Films GmbH & Co.KG
2.35 The Business Trip Kinospielfilm Vierundzwanzigste Babelsberg Film GmbH
2.36 Tatort – Mord auf Langeoog TV-Film (Reihe) Wüste Medien GmbH
2.38 SOKO Köln TV-Serie NETWORK MOVIE Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG.
2.38 Bibi & Tina Kinospielfilm DCM Productions GmbH
2.40 WhoAmI Kinospielfilm Wiedemann & Berg Film GmbH & Co. KG
2.42 Zwischen Welten Kinospielfilm Independent Artists Filmproduktion
2.48 The Grand Budapest Hotel Kinospielfilm Neunzehnte Babelsberg Film GmbH
2.50 Der Kriminalist (Folge 55-62) TV-Serie Monaco Film GmbH
2.53 Saphirblau Kinospielfilm Lieblingsfilm GmbH
2.57 Coming In Kinospielfilm Summerstorm Entertainment GmbH
2.59 In aller Freundschaft TV-Serie Saxonia Media Filmproduktionsgesellschaft mbH
2.62 Ein Schnitzel für alle TV-Film Colonia Media Filmproduktion GmbH
2.64 Notruf Hafenkante TV-Serie Studio Hamburg FilmProduktion GmbH
2.65 V8 – Die Rache der Nitros Kinospielfilm Rat Pack Filmproduktion GmbH
2.67 Männerhort Kinospielfilm die film gmbh
2.67 Heldt (Folge 7-18) TV-Serie Sony Pictures Film und Fernseh Produktions GmbH
2.69 Tatort – Kalter Engel TV-Film (Reihe) FFP New Media
2.71 Tatort – Großer Schwarzer Vogel TV-Film (Reihe) Ziegler Film GmbH & Co. KG
2.72 SOKO Leipzig TV-Serie UFA Fernsehproduktion GmbH
2.73 Die Kanzlei (vormals Der Dicke) TV-Serie Studio Hamburg FilmProduktion GmbH
2.78 Fack Ju Göhte Kinospielfilm Rat Pack Filmproduktion GmbH
2.83 Beste Bescherung TV-Film Roxy Film GmbH
2.92 Heiter bis tödlich – Alles Klara (Folge 22-35) TV-Serie ndF – neue deutsche Filmgesellschaft mbH
2.92 Heiter bis tödlich – Akte Ex (Folge 9-16) TV-Serie Saxonia Media Filmproduktionsgesellschaft mbH
2.92 Tatort – Kopfgeld TV-Film (Reihe) Constantin Television GmbH
2.92 Hin und weg Kinospielfilm Majestic Filmproduktion GmbH
2.92 Sils Maria Kinospielfilm CG Cinéma SA [fr]
2.93 Die Auserwählten TV-Film ndF – neue deutsche Filmgesellschaft mbH
3.00 Beauty and the Beast / La belle & la bête Kinospielfilm Eskwad [fr]
3.00 Heiter bis tödlich – München 7 (Folge 17-25) TV-Serie Akzente Film- und Fernsehproduktion GmbH
3.00 Die Familiendetektivin (Folge 1-10) TV-Serie Bavaria Fernsehproduktion GmbH
3.05 Wir sind jung. Wir sind stark. Kinospielfilm teamWorx Television & Film GmbH
3.07 Im Labyrinth Kinospielfilm Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion GmbH
3.08 Konrad & Katharina TV-Film Ziegler Film GmbH & Co. KG
3.16 Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei TV-Serie action concept Film- und Stuntproduktion GmbH
3.32 Ich und Kaminski Kinospielfilm X Filme Creative Pool GmbH
3.33 Alles auf Anfang TV-Film Ninety-Minute Film GmbH
3.38 SOKO 5113 (Folge 510-534) TV-Serie UFA Fernsehproduktion GmbH
3.44 Letzte Spur Berlin (Folge 12-18) TV-Serie Novafilm Fernsehproduktion GmbH
3.50 Dora Heldt – Unzertrennlich TV-Film (Reihe) M.I.M. made in munich movies GmbH
3.87 Dessau Dancers Kinospielfilm Boogiefilm
3.90 Freistatt Kinospielfilm Zum Goldenen Lamm Filmproduktion GmbH & Co.Kg
4.00 Da muss Mann durch Kinospielfilm NFP
4.08 Letzte Spur Berlin (Folge 19-30) TV-Serie Novafilm Fernsehproduktion GmbH
4.15 Kückückskind TV-Film Dor Film Köln GmbH
4.77 LenaLove Kinospielfilm Rafkin Film Produktion GmbH
5.00 Rockabilly Requiem Kinospielfilm Neue Mira Filmproduktion GmbH

Alle Mitarbeiter der 4 nominierten Produktionen werden von Die Filmschaffenden – Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände e.V. nochmals befragt, um die diesjährige Gewinnerproduktion zu ermitteln.

Der Gewinnerproduktion und allen daran beteiligten Mitarbeitern wird die Auszeichnung während der Berlinale am 8. Februar 2014 in einem Festakt überreicht.  In der Laudatio durch den Schauspieler Dietrich Mattausch wird die Idee dieses Awards noch einmal dargestellt, und die individuellen Gegebenheiten der ausgezeichneten Produktion werden hervorgehoben.

Die Bewertungskriterien waren:

Arbeitszeiten und Arbeitsschutz
Die Arbeits-, Pausen, -Ruhe und Reisezeiten werden team- und familienfreundlich gestaltet. Das Arbeitszeitgesetz, die Regelungen der Tarifverträge zur Arbeitszeit und die Arbeitsschutzgesetze und -Vorschriften werden eingehalten.

Vertrag, Gagen und Entgelte
Der Vertrag wird rechtzeitig und persönlich verhandelt und die wichtigsten Eckdaten werden umgehend schriftlich (Dealmemo) festgehalten und ausgehändigt. Der endgültige Arbeitsvertrag liegt möglichst noch vor Arbeitsbeginn vor. Es werden mindestens Tarifgagen gezahlt, die tarifvertraglichen Regelungen werden als Mindeststandards eingehalten. Leistungen von Freischaffenden, Dienstleistern und Filmschaffenden, für deren Beruf es noch keinen Gagentarifvertrag gibt, werden nach branchenüblichen Standards entlohnt. Kreativität wird angemessen vergütet. Urheber- und Leistungsschutzrechte bleiben gewahrt. Gagen und Entgelte werden pünktlich ausgezahlt.

Kommunikation und Arbeitsklima
Das Arbeitsklima ist geprägt von der gemeinsamen Anstrengung, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Die Kommunikation zwischen Gewerken und Hierarchien ist ergebnisorientiert, gewaltfrei, offen, motivierend, respektvoll, funktional und strukturiert. Jeder Projektbeteiligte trägt seinen “wichtigen” Teil zum Ganzen bei und wird dafür wertgeschätzt. Eine angemessene Versorgung mit Essen, Trinken, evtl. Wärmekleidung, Schutzkleidung usw. wird unaufgefordert gewährleistet.

Professionalität
Das Filmprojekt wird unter Berücksichtigung der finanziellen, organisatorischen und gesetzlichen Möglichkeiten und Grenzen fachmännisch geplant, vorbereitet, gestaltet und durchgeführt. Dazu kommt professionelles Personal zum Einsatz, reguläre Positionen werden nicht durch Praktikanten besetzt.

Konflikte
Konflikte werden zeitnah, direkt und zielorientiert im Sinne des Projekts gelöst. Entscheidungen, die das gesamte Team betreffen (z.B. unerwarteter Überstundenfall) werden nicht nur mit Teilen des Teams besprochen.

Gleichbehandlung
Projektpersonal, Dienstleister und weitere Ressourcen werden nach Qualifikation und ökonomischer Notwendigkeit ausgewählt und eingesetzt. Eine Diskriminierung aufgrund Herkunft, Geschlecht, Sexualität oder Religion findet nicht statt.

 

 

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Hoffnungsschimmer – Wie fair waren die Produktionen 2013?

Die Produktionsbedingungen kann man nach Schulnoten anonym bewerten.

Ab sofort sind alle Filmschaffenden des Branchennetzwerks crew united aufgerufen, die Arbeits- und Produktionsbedingungen ihrer Produktionen 2013 bis zum 31.01.2013 zu bewerten. Jede Stimme zählt, denn ab diesem Jahr werden nicht nur die Nominierten und der Sieger veröffentlicht, sondern alle bewertete Produktionen. Die Gewinnerproduktion erhält den “Hoffnungsschimmer”, der bereits zum 4. Mal vergeben wird. Der Hoffnungsschimmer ist eine Veranstaltung der Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände in Kooperation mit crew united und German Film Commissions.

Nach Goethe! für das Jahr 2010 und Barbara für das Jahr 2011 hat die Produktion Polizeiruf 110 – Fischerkrieg den Hoffnungsschimmer 2012 erhalten. Weiterlesen

Die Bewertungskriterien für faire Arbeits- und Produktionsbedingungen sind:

Arbeitszeiten und Arbeitsschutz
Die Arbeits-, Pausen, -Ruhe und Reisezeiten werden team- und familienfreundlich
gestaltet. Das Arbeitszeitgesetz, die Regelungen der Tarifverträge zur
Arbeitszeit und die Arbeitsschutzgesetze und -Vorschriften werden eingehalten.

Vertrag, Gagen und Entgelte
Der Vertrag wird rechtzeitig und persönlich verhandelt und die wichtigsten
Eckdaten werden umgehend schriftlich (Dealmemo) festgehalten und ausgehändigt.
Der endgültige Arbeitsvertrag liegt möglichst noch vor Arbeitsbeginn vor.
Es werden mindestens Tarifgagen gezahlt, die tarifvertraglichen Regelungen
werden als Mindeststandards eingehalten. Leistungen von Freischaffenden,
Dienstleistern und Filmschaffenden, für deren Beruf es noch keinen
Gagentarifvertrag gibt, werden nach branchenüblichen Standards entlohnt.
Kreativität wird angemessen honoriert. Urheber- und Leistungsschutzrechte
bleiben gewahrt. Gagen und Entgelte werden pünktlich ausgezahlt.

Kommunikation und Arbeitsklima
Das Arbeitsklima ist geprägt von der gemeinsamen Anstrengung, das bestmögliche
Ergebnis zu erreichen. Die Kommunikation zwischen Gewerken und Hierarchien
ist ergebnisorientiert, gewaltfrei, offen, motivierend, respektvoll,
funktional und strukturiert. Jeder Projektbeteiligte trägt seinen “wichtigen”
Teil zum Ganzen bei und wird dafür wertgeschätzt. Eine angemessene Versorgung
mit Essen, Trinken, evtl. Wärmekleidung, Schutzkleidung usw. wird unaufgefordert
gewährleistet.

Professionalität
Das Filmprojekt wird unter Berücksichtigung der finanziellen, organisatorischen
und gesetzlichen Möglichkeiten und Grenzen fachmännisch geplant, vorbereitet,
gestaltet und durchgeführt. Dazu kommt professionelles Personal zum Einsatz,
reguläre Positionen werden nicht durch Praktikanten besetzt.

Konflikte
Konflikte werden zeitnah, direkt und zielorientiert im Sinne des Projekts
gelöst. Entscheidungen, die das gesamte Team betreffen (z.B. unerwarteter
Überstundenfall) werden nicht nur mit Teilen des Teams besprochen.

Gleichbehandlung
Projektpersonal, Dienstleister und weitere Ressourcen werden nach Qualifikation
und ökonomischer Notwendigkeit ausgewählt und eingesetzt. Eine Diskriminierung
aufgrund Herkunft, Geschlecht, Sexualität oder Religion findet nicht statt.

Die nominierten Produktionen und das Umfrageergebnis werden in der ersten Januarwoche bekanntgegeben.Der Gewinnerproduktion und allen daran beteiligten Mitarbeitern wird die Auszeichnung während der Berlinale am 8.2.2014 in einem Festakt überreicht. (Pressemitteilung)

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cn-kolumne: Interview mit Dr. Ulrich Spies

Foto © Detlef Ziegert

Anläßlich der 49. anstehenden Verleihung am 12. April 2013 sprach Elmira Rafizadeh mit dem Leiter des Referats Grimme-Preis des Adolf-Grimme-Instituts über heutiges Qualitätsfernsehen, den Wandel und die Entwicklung der Programme sowie den allgemeinen Stellenwert von Preisen.

Ganzes Interview lesen?

 

 

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Interview mit Mariette Rissenbeek

Foto © German Films Service

Wir sprachen angesichts des bevorstehenden Toronto International Film Festival mit der Geschäftsführerin von German Films Service + Marketing sowie Mitglied des Vorstands bei European Film Promotion über ihre Tätigkeiten rund um den deutschen Film.

Link zum Interview!

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Impressionen beim Filmfest München: BVC – Casting Night

Gastgeber des Abends: Bundesverband Casting Directors | © Foto: Michael Malfer


Der Bundesverband Casting (BVC) veranstaltete zusammen mit dem französischen Automobilhersteller Peugeot die 4. „Casting Night“ im Rahmen des Filmfestes München.

Zu diesem Branchentreff für Filmschaffende versammelten sich ca. 1.300 Gäste im HVB Forum der Hypovereinsbank. Neben namhaften Schauspielern wie Elyas M’Barek, Mišel Matičević, Lisa Wagner, Julia Koschitz, Maximilian Brückner, Uschi Glas oder Janine Reinhardt waren auch zahlreiche Produzenten, Regisseure und Redakteure wie Stephan Wagner (“Lösegeld”, “Tatort”), Roland Suso Richter (“Mogadischu”), Thorsten Ritsch (Redaktion ZDF), Torsten Lenkeit (Bavaria; Producer SOKO Stuttgart), Thomas Biehl (Redaktion ProSiebenSat.1) unter den Gästen. Weiterlesen

Schauspielerin "Eva Mattes" (SWR-Tatort Komissarin Bodensee) in der Schlange zur Begrüßung der Casting Directors | © Harry Bannoehr

Pünktlich ab 19.30 standen die Besucher in einer langen Schlange vor dem Gebäude. Obwohl die freundlichen Einlass-Damen in der Anzahl und  Organisation immer gut aufgestellt sind, kam es zum gewohnten Stau: Denn traditionellerweise stehen die Casting Directors immer der Reihe nach am Eingang und begrüßen jeden einzelnen Gast persönlich mit Handschlag. Eine sehr feine und respektvolle Geste der Gastgeber, die sich dafür innerhalb der ersten 1-2 Stunden geduldig und stimmungsvoll die Zeit nehmen. So wird die Verzögerung beim Einlass auch von den Besuchern entspannt und gut gelaunt hingenommen. Aus der Casting-Abteilung waren Charlotte Siebenrock, Dorothee Weyers, Stefany Pohlmann, Iris Baumüller, Cormelia von Braun, Ines Rahn, Marc Schötteldreier, Stephen Sikder, Kristin Diehle, Ursula Danger (ndf), Fritz Fleischhaker, An Dorthe Braker, Susanne Ritter, Daniela Tolkien, Siegfrid Wagner, Sabine Schroth, Lisa Olah, Manolya Mutlu, Gitta Uhlig und Annekathrin Heubner vertreten.

Casting Director An Dorthe Braker bei der Begrüßung mit Schauspielerin Nicole Unger | © Harry Bannoehr

v.l.: Casting Director Iris Baumüller und Thomas Biehl (ProSiebenSat.1) | © Harry Bannoehr

Die Geladenen verteilten sich dann im weitläufigen Gebäude im großen Saal oder der Galerie im oberen Geschoss. Die Atmosphäre lud ein zum Kennenlernen, Wiedersehen, Unterhalten, Amüsieren und natürlich Essen und Trinken. Lange Tischreihen zogen sich durch den großen Saal und es gab mehrere Getränkestände. Hier zählte die Havana Club Bar zum begehrtesten Hot Spot. Die Cuba libre wurden ab 23 Uhr nur noch in 12er Gruppen gleichzeitig gemischt, um der Nachfrage stand zu halten. Etwas schade nur, dass es keinen Dj oder eine Tanzgelegenheit gab. So gingen die Lichter bereits gegen 1 Uhr an. Das strenge bayerische Rauchverbot verführte zudem viele Gäste,  des Öfteren vor dem Gebäude zu verweilen.

Casting Director und BVC Vorstand Stephen Sikder mit Elmira Rafizadeh | © Harry Bannoehr

Foyer im HVB Forum der Hypovereinsbank | © Harry Bannoehr

Perfektes Ambiente bot im Hinblick auf alle Kategorien zuletzt die BVC-Casting Night im Rahmen der Berlinale 2011. Raucherlounge/Terasse, Dj, Tanzfläche und geöffnete Bars bis ca 4 oder 5 Uhr sorgten hier für ausgelassene Stimmung bis in die frühen Stunden.

Wir danken dem BVC, den Sponsoren & Veranstaltern auch diesmal für eine rauschende unterhaltsame BVC – Casting Night 2012 im Rahmen vom Filmfest München.

Infos über die Aktivitäten vom Bundesverband Casting e.V. hier! 

Weitere Bilder des Abends bei redcarpetreports!

Ein Zusammenschnitt der BVC-Podiums-Diskussion vom selben Vormittag zum Thema “Kunst und Quote” wird demnächst in der cn-klappe von casting-network zu sehen sein!

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Impressionen beim Filmfest München: Bavaria Empfang

Die jüngsten ARD Reporter Basti & Lara interviewen Tatort Komissarin "Ulrike Folkerts" auf der Terasse beim Bavaria Empfang

Wie jedes Jahr kommen auch beim traditionellen Bavaria Empfang alle Größen aus dem Film- Fernsehgeschäft zusammen.

Das Get-Together gehört zu den begehrtesten Veranstaltungen im Rahmen des Filmfest München, die man nicht verpassen sollte.  Neben prominenten Besuchern wie Jessicca Schwarz, Oliver Berben, Jasmin Schwiers, Saskia Vester oder Felix Klare genießen die Gäste in entspannter Atmosphäre den kreativen Austausch.

Die ausgewählte – märchenhaft schöne – Location im Künstlerhaus am Lenbachplatz platzt zwar jedes Jahr aus allen Nähten, doch Gerangel wird zum Gekuschel und man stößt immer wieder aufs Neue in eine andere interessante Runde.

Die Veranstaltung ist alljährlich bestens organisiert: Angefangen von der freundlichen Betreuung am Eingang, den charmanten Servicekräften an den Bars, bis hin zur ausgezeichneten Küche, die jedes mal mit neuen Kreationen überrascht. Für den angedrohten Regen wurden ebenfalls Vorkehrungen getroffen. Die gesamte Außenanlage sowie die beliebte Terrasse auf dem ersten Stock waren mit Zelten überdacht. Zu aller Erleichterung blieb aber – bis auf minimale Tröpfchen – das große Gewitter aus. So erzählte mir ein Gast, der schon viele Jahre am Stück zum Bavaria Empfang geht, dass man hier den Sonnengott gepachtet hätte. Es gab innerhalb der letzten 10 Jahre angeblich immerzu traumhaftes Wetter. Und obwohl der Empfang von ca. 18 – 20 Uhr angekündigt war, ließ man die Gäste bis etwa  24 Uhr den Abend gemütlich ausklingen.

Genug Grund zum Feiern haben die Bavaria Angehörigen allemal, sie sind im fiktionalen Bereich der Film- und Fernsehbranche äußerst fleißig und umtriebig.
Hier ein Auszug von “Streiflichter”, dem zweiwöchentlichen Presse Update der Bavaria Film Gruppe:

Den kostenlosen Bavaria Newsletter “Streiflichter” gibt es auch im Abo hier! 

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Impressionen beim Filmfest München: TELE 5 Director’s Cut

v.l. Marcus H. Rosemüller, Nico Zavelberg, Sönke Wortmann, Florian David Fitz | Foto: Agentur Baganz

Im Rahmenprogramm des Filmfest Münchens zählt der „TELE 5 Directors Cut“ zu den Highlights:

Ein feierliches Event, gepaart mit einer interaktiven Podiumsdiskussion mit vier renommierten Regisseuren aus dem deutschsprachigen Raum. In der Talk-Runde waren diesmal zu Gast: Sönke Wortmann, Marcus H. Rosemüller, Florian David Fitz und Nico Zavelberg. Unterschiedlicher könnte das Profil der einzelnen Regisseure nicht sein, was die Zusammenstellung umso interessanter macht: Weiterlesen

Sönke Wortmann wird mit seiner aktuellen Kino-Komödie „Das Hochzeitsvideo“ vorgestellt und kann auf eine breit gefächerte Filmographie blicken. Zu seinen prominentesten Werken gehören u.a. die historische Bestsellerverfilmung „Die Päpstin“ (2009), „Das Wunder von Bern“ (2003), die filmische Dokumentation „Deutschland. Ein Sommermärchen“ (2006), oder „Der bewegte Mann“ (1994). Belohnt wurden seine Filme mit Auszeichnungen wie „Adolf-Grimme-Preis“, „Deutscher Filmpreis“, „Bayerischer Filmpreis“ „Bambi“ u.v.m. 2012 hat er sogar ein gutes Händchen als Theaterregisseur unter Beweis gestellt: „Frau Müller muss weg“ am GRIPS Theater Berlin ist prompt mit dem „Monica Bleibtreu-Publikums-Preis“ geehrt worden. Neben seiner Tätigkeit als Regisseur ist er auch Produzent und geschäftsführender Gesellschafter der Little Shark Entertainment GmbH in Köln.

Marcus H. Rosemüller hat ebenfalls schon vielfache Preise in seinem Repertoire: „Prädikat besonders wertvoll“, „Max-Ophüls-Preis“, „Förderpreis deutscher Film“, „Bayerischer Filmpreis“, „New Faces Award“ bis hin zum zweifachen deutschen Filmpreis. Beim Podium stößt der Trailer seiner bevorstehenden Kino-Komödie  „Wer’s glaubt, wird selig“ auf viel jubelnden Beifall. Seine Filme finden größtenteils im Kontext moderner bayerischer Heimatfilme statt, die aus meiner Sicht dennoch stets universell und in cosmopolitischer Dosis erzählt werden. Er selbst betont während des Podiums, dass es ihm rein um die „Geschichten“ gehe und weniger um das bayerische Umfeld, in dem seine Stoffe angesiedelt sind. Während er mit seinem hochgradig bayerischen Dialekt versucht, sich von der ihm nachgesagten „Bayern-Schublade“ freizureden, kommt mehrfach herzliches Gelächter im Publikum auf. Ein bisschen Lokal-Patriotismus schadet ja auch nicht;-)

Nico Zavelberg ist mit Jahrgang 79 der jüngste in dieser Runde. Ein bereichernder Kandidat im Regie-Quartett, um einen ganz anderen Schwerpunkt zu repräsentieren. Zavelberg ist spezialisiert auf das Action-Genre. Er führt Regie in der erfolgreichen RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“, bei der eine Folge inklusive aller actiongeladener Stunts in zehn Tagen abgedreht wird. „Alarm für Cobra 11“ gehört zum fiktionalen Exportschlager aus Deutschland und ist mittlerweile in mehr als 140 Länder verkauft worden. Seit über 15 Jahren ist das RTL-Format im Programm und beschert dem Sender zuverlässige Quoten. Hier hat Zavelberg eine Nische gefunden, mit der sonst nicht viele deutsche Regisseure in Berührung kommen. Er selbst sei aber natürlich nicht abgeneigt, ebenso andere Formate zu inszenieren, wenn sich die Gelegenheit dazu bieten sollte.

Florian David Fitz, ist das „Küken“ mit seinem Regiedebüt „Jesus loves me“, dass Ende 2012 in die deutschen Kinos kommt. Als Schauspieler ist er bereits einem größeren Publikum durch seine Serienerfolge wie in „Doctors Diary“ bekannt gewesen. Das er nun über den Typ „Herzensbrecher“ hinaus auch für andere Rollen wahrgenommen wird, hat er sich selbst erarbeitet. Die Zuschauerfrage von Tessa Mittelstaedt, was sein Motor gewesen sei, das Drehbuch zu „Vincent will Meer“ – in dem er einen Autisten spielt –  zu schreiben, beantwortet er ganz simpel damit, er habe sich überlegt, „was will ich gerne mal spielen“, habe sich hingesetzt und angefangen das Buch zu entwickeln. Bei „Jesus loves me“ fiel ihm die Schauspielführung in seiner ersten Regiearbeit recht leicht, dagegen habe er den Aufwand der Postproduktion unterschätzt. „Als Schauspieler denkst du nach Drehschluss ja, der Film ist abgedreht und fertig. Aber da fängt die Arbeit erst richtig an.“

Insgesamt verlief der Talk unter den Teilnehmern sehr beherzt & sympathisch. Die Stimmung war mit der Aussicht auf das traumhafte Wetter auf der Praterinsel ohnehin blendend aufgelegt.

Zur einzig irritierenden Zwischenmeldung trug Hannelore Elsner bei, die sich mit der Frage „Wie lange muss man unbekannt bleiben, bis man mit euch drehen darf?“ etwas unbeholfen ausdrückte. Denn gemeint waren keinesfalls die zahlreichen unbekannten Kollegen. Sondern ihre eigene Position, die sie mehrfach in den Vordergrund rückte. Als „Medium“ würde sie sich ja schließlich für jede Rolle immer wieder „neu entdecken“ und wünsche sich auch vom Gegenüber „neu entdeckt“ zu werden. Zwischen verhaltenem Beifall und gleichzeitig großem Fragezeichen kam leichte Unruhe im Rauf auf, als sie weiter ansetzte mit „Wo sollen wir (Bekannten) denn hin, wenn wir schon entdeckt worden sind? Wir wollen doch auch weiter spielen“.  Auch einer Hannelore Elsner bleiben künstlerischen Ängste & Zweifel wohl nicht erspart.

Stein des Anstoßes für ihre Wortmeldung war die zuvorige Schilderung von Sönke Wortmann, der für seinen aktuellen Film „Das Hochzeitsvideo“ dem Bedürfnis nachging, mal mit gänzlich „unbekannten Talenten“ zu drehen und sich dafür in der Theaterlandschaft bundesweit viele Schauspieler angesehen hat. Wohl wissend, dass ein Film mit unbekannten Darstellern nicht den Erfolg einspielen würde, als wenn Hannelore Elsner an Bord wäre.  Eine wahnsinnig wertzuschätzende Herangehensweise, wie ich finde. Einen Hauptcast aus lauter Unbekannten Schauspielern aufzustellen, denen Wortmann mit seiner eigenen Prominenz sozusagen die Plattform bietet, „entdeckt“ und wahrgenommen zu werden. Frau Elsner verstrickte sich leider immer mehr in ihren Ausführungen. Wortmann entgegnete schlussendlich: „Hannelore, du hast in zwei von vier Filmen die wir hier zeigen mitgespielt („Wer’s glaubt wird selig“, „Jesus loves me“), wenn du überall mitspielen würdest, wäre es doch langweilig“ (…) „Um dich muss man sich doch wirklich keine Sorgen machen (…)“
Süffisant erinnerte Wortmann sie noch daran, dass sie demnächst noch den dritten Teil von „Hanni und Nanni“ drehen würde. Ihr letztes Wort dazu „Hanni und Nanni ist ganz nett, aber ich würde auch gerne mal andere Sachen machen“. Stöhnen im Publikum.

Ich persönlich kann einerseits nachvollziehen, dass auch eine prominente und hervorragende Schauspielerin wie Hannelore Elsner immer wieder auf der Suche ist, neues auszuprobieren & sich nach Fortschritten sehnt. Doch im Zeitalter von massiven Besetzungs-Hemmungen gegenüber unbekannten Schauspielern und der allgemein prekären Lage vieler Kollegen, die weitaus weniger zu tun haben, wird sie eher wenig Mitleid erregt haben für ihren persönlichen Standpunkt.

Im Anschluss an den Bühnentalk hatten die Gäste bei der After-Show-Party jedenfalls die Möglichkeit zum kreativen Austausch in bester Atmosphäre auf der Praterinsel: Unter freiem Himmel mit leckeren Drinks und beste Verköstigung. Sogar ein Schokoladenbrunnen wurde aufgefahren und selbst die Raucher kamen auf ihre Kosten: American Spirit wurde packungsweise auf Tabletts serviert.

Neben all dem Blitzlichtgewitter & der „Extraklasse“ ist der „TELE 5 Directors Cut“  eine seriöse, gelungene Fachveranstaltung der Film- und Fernsehbranche. Vom inhaltlichen Faktor (Bühnentalk) bis hin zur wunderbar organisierten Feier, den freundlichen Hostessen & dem gutem Service.

Und ganz nebenbei ist hier das Branchen-Klientel in sich sehr stimmig und gut zusammen gestellt. Neben Gästen wie Schauspieler Nikolai Kinski, BR-Fersehdirektorin Bettina Reitz, Regisseur Hans Weingartner, Schauspieler Konstantin von Jascheroff, Regisseur Jochen Alexander Freydank, Schauspielerin Juliane Köhler, Grimme-Preis Chef Ulrich Spieß oder Schauspielerin Natalia Avelon bietet das Event die perfekte Mischung aus Netzwerk-Plattform, Inhalt, Party, Exklusivität und ist keinesfalls spießig! ;-)

Für die „TELE 5 Directors Cut“ gibt es von meiner Seite die volle Punktzahl.

Am Donnerstag, den 05. Juli um 23.15 Uhr haben alle, die das einzigartige Event verpasst haben oder noch einmal ansehen möchten, auf dem TV-Sender TELE 5 die Gelegenheit, sich einen Talk-Mitschnitt unter dem Titel “TELE 5 Director’s Cut München 2012“ anzusehen. Der Beitrag wird auch auf der Homepage von TELE 5 zu finden sein: www.tele5.de

 

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Impressionen beim Filmfest München: Eröffnungsfeier

Am Eingang zum Bayerischen Hof © Foto: privat

Die neue Festivalleiterin Diana Iljine eröffnete zum 30. Jubiläum das Filmfest München 2012 mit einer Galavorstellung im Mathäser Kino und anschließender Feier im Bayerischen Hof mit ca. 1.500 geladenen Gästen, darunter auch Katja Eichinger, Julie Delpy, Udo Kier und Götz Otto.

Ein gutes Händchen wurde bei der Auswahl des Eröffnungsfilms unter Beweis gestellt. Die französisch-kanadische Komödie „Starbuck“ hat das geladene Fachpublikum durchweg begeistert. Man munkelt sogar, dass der Film das  Potenzial hätte, an den Kassen-Erfolg von „Ziemlich beste Freunde“ anzuknüpfen. Also unbedingt anschauen!

Beim anschließenden Empfang im noblen Bayerischen Hof konnten Regisseur „Ken Scott“ & sein Hauptcast mit den Gästen den Abend bis etwa 1:30 Uhr gemütlich ausklingen lassen oder im Nightclub im Untergeschoss noch das Tanzbein schwingen.

Das herrliche, aber schweißtreibende Wetter in München hat das Eis im Wein zum obligatorischen Kriterium gemacht und innen waren die Temperaturen sogar erträglicher als draußen, doch ließen sich viele Gäste nicht davon abhalten, draußen zu verweilen, da man nur vor dem Eingang rauchen durfte. Willkommen in Bayern;-)

Starbuck
Weitere Vorstellungen hier!
Trailer hier! 


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Interview mit Antoine Monot, Jr.

Antoine Monot Jr, | © Stefanie Ziellessen

Elmira Rafizadeh sprach mit dem Schauspieler, BFFS-Vorstand und Produzent über Schauspieler als „Markenprodukt“, Facebook, angemessene Vergütung und den DEUTSCHEN SCHAUSPIELERPREIS.

Ganzes Interview lesen?
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Auszüge:
Hierzulande haben wir Schauspieler größtenteils noch nicht kapiert, wer wir sind, und zwar als Marke gedacht. (…) Alle haben immer diese Angst davor: „Ich will auf gar keinen Fall immer das gleiche spielen”. Diese Ansicht widerspricht im Grunde allen marktwirtschaftlichen Gegebenheiten.

Wir Schauspieler versuchen genau das Gegenteil. Wir versuchen unsere Kunden zu überzeugen, dass wir nicht nur Salat haben, sondern auch Burger und Pizzen und Calamari-Ringe und Haxe und ein bisschen Italienisch auch noch. (…) Das Hauptproblem ist, dass wir uns nicht als Produkt begreifen, sondern unsere ureigenste Erfüllung erleben wollen.

Ein wichtiger Gedanke ist dann auch, wer unsere Zielgruppe ist. Das Publikum oder die Branche? Sind wir ein Business-to-Consumer oder ein Business-to-Business-Unternehmen? Business-to-Consumer heisst, dass das Publikum unsere Zielgruppe ist. Ist dem aber wirklich so? Oder ist unser potentieller Arbeitgeber unsere Zielgruppe? Ich glaube, wir müssen uns darüber noch sehr viele Gedanken machen.

Dann kommen immer mehr Schamützel auf wie „Ist ja eine Auftragsproduktion” oder „Ist eine Co-Produktion”. Es ist mir völlig egal, ob Auftrags- oder Co- oder ausgegliederte Produktionsfirma. Am Ende des Tages hängt trotzdem ein öffentlicher Sender mit drin.
(…) Jetzt kann man sich fragen, darf denn der Staat Tarifbruch unterstützen?

Anmerkung Redaktion:
Im Kommentier-Bereich freuen wir uns über Eure Meinungen zum gesamten Interview.
Eine lebhafte Diskussion ist jederzeit willkommen.

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Impressionen Berlinale 2012: 15 Jahre Shooting Stars!

Zum 15. Mal wurden die Shooting Stars – anlässlich der Berlinale 2012 – vergeben.
Nominiert waren 23 junge Schauspieler, von denen die Jury, der dieses Jahr auch die deutsche Casting Direktorin Simone Bär angehörte, zehn Talente auswählte. SHOOTING STARS wird unterstützt vom MEDIA Programme der EU.

Dieses Jahr sind die folgenden Schauspieler/innen zum Shooting Star 2012 gekürt worden:

  • Anna Maria Mühe (Deutschland)
  • Adèle Haenel (Frankreich)
  • Ana Ularu (Rumänien)
  • Bill Skarsgård (Irland)
  • Antonia Campbell-Hughes (Schweden)
  • Isabella Ragonese (Italien)
  • Jakub Gierszal (Polen)
  • Max Hubacher (Schweiz)
  • Riz Ahmed (Großbritanien)
  • Hilmar Gudjósson (Island)

Wir gratulieren besonders Anna Maria Mühe und ihrer Agentur fitz+skoglund.

Die deutschen Shooting Stars der vergangenen Jahre waren:

  • 1998 Franka Potente, Jürgen Vogel
  • 1999 Maria Schrader, Moritz Bleibtreu
  • 2000 Nina Hoss, August Diehl
  • 2001 Heike Makatsch, Benno Fürmann
  • 2002 Antonio Wannek
  • 2003 Daniel Brühl
  • 2004 Maria Simon
  • 2005 Max Riemelt
  • 2006 Johanna Wokalek
  • 2007 Maximilian Brückner
  • 2008 Hannah Herzsprung
  • 2009 David Kross
  • 2010 in diesem Jahr wurde kein Shooting Star aus Deutschland gekürt
  • 2011 Alexander Fehling

www.shooting-stars.eu

Hier ein paar Impressionen des Auftritts der 10 Nachwuchstalente im Rahmen des Empfangs der Film und Medienstiftung NRW vom 12. Februar in der Landesvertretung des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Impressionen Berlinale 2012: Deutscher Schauspielerpreis

Der Deutsche Schauspielerpreis wurde vom Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) – anlässlich der Berlinale 2012 – zum ersten Mal vergeben: Sieben Preise von Schauspielern allen voran für Schauspieler.
“Inspiration” war hier das vordergründige Leitmotiv: Kollegen, die uns durch ihre Arbeit und den entsprechenden Rollen inspirieren.

Die Preisträger 2012:

  • Beste Nebendarstellerin: Dagmar Manzel (für “Zettl” und “Die Unsichtbare”)
  • Bester Nebendarsteller: Ulrich Noethen (für “Die Unsichtbare”)
  • Beste Hauptdarstellerin: Petra Schmidt-Schaller (für “Das geteilte Glück”)
  • Bester Hauptdarsteller: Stefan Kurt (für “Dreileben”)
  • Ehrenpreis: Kulturstaatsminister Bernd Neumann
  • Ehrenpreis Lebenswerk: Katharina Thalbach
  • Überraschungspreis | Kategorie Nachwuchs: Alina Levshin („Kriegerin“)

Nominiert waren:

  • Beste Nebendarstellerin: Jasna Fritzi Bauer, Dagmar Manzel, Lisa Wagner
  • Bester Nebendarsteller: Justus von DohnÁnyi, Marcus Mittermeier, Ulrich Noethen
  • Beste Hauptdarstellerin: Steffi Kühnert, Petra Schmidt-Schaller, Katja Riemann
  • Bester Hauptdarsteller: Olli Dittrich, Milan Peschel, Stefan Kurt

Die Jury bestand aus folgenden Schauspielern:

  • Tim Bergmann
  • Hans-Werner Meyer
  • Antoine Monot
  • Thomas Schmuckert
  • Stefanie Stappenbeck
  • Jasmin Tabatabai

Durch den Abend führten:

  • Stefanie Sick van Hees
  • Antoine Monot (Vorstand BFFS)

Vorwort | Begrüßung:

  • Klaus Wowereit

Laudatoren:

  • Ulrich Höcherl, Chefredakteur Blickpunkt Film
  • Anja Kling, Schauspielerin und Autorin
  • Peter Lohmeyer, Schauspieler
  • Anna Loos, Schauspielerin und Sängerin
  • Prof. Jobst Plog, ehemals Intendant des NDR, BFFS-Beirat
  • Detlef Buck, Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur
  • Alina Levshin, Schauspielerin

Musikalische Einlagen:

  • Jasmin Tabatabai und Band
  • Leon Schmuckert & Vater Thomas Schmuckert

Die wirklich gelungene, bewegende und kurzweilige Verleihung dauerte ca. 2 Stunden. Die Aftershowparty ging bis in den Morgen.

Im Mittelpunkt unseres Beitrages haben wir Katharina Thalbach und Ihrem Laudator Detlev Buck den roten Teppich ausgerollt!

Hier ein paar Impressionen von der Verleihung am 12. Februar im Maritim!

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Impressionen Berlinale 2012: Peugeot-BVC-Casting Night 2012

Bei der Peugeot-BVC-Casting Night – anlässlich der Berlinale 2012 – feierte der Bundesverband Casting (BVC) mit seinen Gästen und dies bereits zum dritten Mal.
Auf dem roten Teppich wurden die Gäste zunächst vom Blitzlichtgewitter der Presse begrüßt. Für eine hervorragende Betreuung sorgten allen voran die Casting Directors Anja Dihrberg und Gitta Jauch, die selbstverständlich alle Gäste (nicht nur die Schauspieler) namentlich nennen konnten.
Im darauffolgenden Raum standen alle anderen Mitglieder des BVC respektvoll zur Begrüßung im Spalier.
Der BVC wurde 2003 gegründet und vertritt die Interessen der Casting Directors aus dem deutschsprachigen Raum – tätig in den Bereichen Kino, Fernsehen, Theater und Werbung.
Er umfasst aktuell 36 aktive Mitglieder.
Neu im Verband ist Kristin Diehle (Casting Director aus Düsseldorf).
Hier ein paar Impressionen vom 11. Februar in der Vertretung des Saarlandes beim Bund!

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Video-Protest: Wettbewerbsfilm zum 99Fire Films Award kritisiert Wettbewerb selbst

Der 99-Fire Films Award findet dieses Jahr zum 4. mal im Rahmen der Berlinale statt.

Die Facts:
Glamour, Schein, Blitzlichtgewitter: eine wirklich tolle Veranstaltung mit internationalen Sponsoren wie u.a. McDonald’s (2011) oder Fiat (2012).
Renommierte Jury bestehend aus „Constantin Film” Geschäftsführer Torsten Koch, Schauspielerin Bettina Zimmermann, Schauspieler Kai Wiesinger, Modedesigner Wolfgang Joop, Regisseur Leander Haußmann, Schauspieler Wotan Wilke Möhring, Schauspielerin Natalia Avelon, Schauspieler Roman Knizka und „Myvideo” Geschäftsführer Manuel Uhlitzsch.

Mitmachen kann laut eigenen Angaben der Veranstalter jeder Hobbyregisseur, Filmverrückte, Werber, Student, kreative Kopf mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Filmemacher kriegen unter einem Wortspiel-Motto (letztes Jahr bspw. „Kaffee”) die Gelegenheit, in exakt 99 Stunden einen Film zu konzipieren, zu drehen und zu schneiden, der wiederum genau 99 Sekunden lang sein darf. Der Gegner: Die Zeit.

1. Preis – „Bester Film” erhält 9.999 €
2. Preis – „Beste Kamera” erhält 999 € für eine Teamparty
3. Preis – „Beste Idee” erhält 999 € für eine Teamparty
„Publikumspreis” powered by MyVideo erhält 999 € für eine Teamparty.

Jubelndes Publikum, feine Party, beste Verköstigung und und und. Aber wie sieht es hinter den Kulissen tatsächlich aus? Damit hat sich ein Bewerber-Team dieses Jahr näher beschäftigt. Weiterlesen

Im vergangenen Jahr habe ich die Preisverleihung selber live miterlebt. Gutgläubig wie ich bin, war ich begeistert über die wunderbaren hochprofessionellen Clips, die nominiert waren. Ein phantasiereicher Mix aus allen Genres konnte bestaunt werden. Meine persönlichen Favoriten darunter:

ONCE UPON A COFFE
PULS DER ZEIT (Gewinner „beste Kamera 2011”)

Generation „Aufklärung via Facebook” belehrte mich dann eines besseren! Vor einigen Tagen kursierte bei Facebook der oben verlinkte Spot „Wir bitten um eure Aufmerksamkeit”. Hier haben junge Filmemacher Modalität und Teilnahmebedingungen vom „99Fire Films Award” im Hinblick auf die Filmrechte mal etwas genauer unter die Lupe genommen. Ihre Erkenntnisse sind im 99 Sekunden langen Clip – den sie zum Wettbewerb eingereicht haben – eindeutig dargestellt.

Ich bin sehr gespannt, ob die offene und kritische Botschaft es in den Kreis der Nominierten schafft, bzw. ob die Entscheidungsträger sich einen solchen Riss ins Image der glanzvollen Veranstaltung erlauben möchten.
Alternativ gibt es ja in manchen Bereichen erfreulicherweise noch ein Mitspracherecht durchs Volk. So können wir auch hier in der Kategorie „Publikumsvoting” am heutigen Tag unter 99 ausgewählten Clips mit wählen. Ob diese schöne Offenbarung der jungen Filmemacher unter die 99 kommt, ist noch offen.

Ab 15 Uhr (Freitag, 10.02.2012) ist Voting-Start. Infos dazu hier!

Ich finde dieser Beitrag hätte es verdient, oder?

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Innovatives Serienpotential: Privatsender vs. Öffentlich-Rechtliche

Anja Kling & Britta Hammelstein sind "Hannah Mangold & Lucy Palm" | Foto: © SAT.1 Wolfgang Wilde, Bernd Jaworek

Sat.1 ist mit „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ die Zuschauerbindung und Image-aufwertung im Bereich Deutsche Fiction erfolgreich gelungen. Erfreulich zu sehen ist, dass dieser Kurs weiter angesteuert wird. Im Januar erblickten zwei neue Piloten das Licht der Fersehgeräte: „Hannah Mangold & Lucy Palm“ sowie „Wolff – Kampf im Revier“.

Ich persönlich schaltete ohne große Erwartungen zufällig letzte Woche Dienstag ein, als „Hannah Mangold und Lucy Palm“ als 90-minüter zur Prime-Time auf Sendung ging. Was sich meinem geschulten und sicherlich auch Krimi-übersättigten Auge da aufbot, glich fast einer Erleuchtung. Weiterlesen

Endlich wieder ein neues Serienhighlight, war mein erster Gedanke. Das gesamte Packet stimmt. Nicht nur Look, Qualität und inhaltlicher Erzählbogen, sondern insbesondere das blendend aufgelegte Ensemble (Casting: Suse Marquardt / BVC) beeindruckt durch vielschichtige Figurentiefe, Humor und Biss. Burn-Out-frisch-aus-der-Psychiatrie-Komissarin mit übersinnlichen Intuitionen (Anja Kling) trifft auf toughe lümmelhafte Gören-Kollegin (Britta Hammelstein). Beide eigensinnig, verstört und doch irgendwie empathisch. Helden-Figuren, wie man sie sonst nur aus amerikanischen Vorbild-Serien kennt und bewundert. Aneckend, ambivalent und sexy. Britta Hammelstein gilt hierbei als „die Entdeckung“ in ihrer Rolle als Lucy Palm und „macht die Serie sehenswert“ laut Fokus.

Ein „Mix aus The Mentalist und Irre“ beschreibt die Süddeutsche, „Diese Ladys bieten allerbeste Krimikost“, sagt TV Direkt, „Ungewohnt und aufregend gut“, findet TV Spielfilm, „Mit Hannah Mangold & Lucy Palm könnte dem Sender wieder Serienpotenzial gelingen(…) Verblüffende Szenen und rotzfreche Dialoge“, urteilt Focus weiterhin.

Astrein, dachte ich. Die Presse ist auch auf meiner Seite, dann kann ja nichts mehr schief gehen, wenn es da nicht dieses gewisse böse Orakel namens Quote geben würde, das über uns schwebt. Die Ernüchterung folgte am nächsten Morgen: Lediglich 2,98  Mio Zuschauer mit einem Marktanteil von 9,2 %. Übersetzt: Zu wenig! Im Umfeld von „Um Himmels Willen“ und „In aller Freundschaft“ (ARD), „Die Simpsons“ (Pro 7), „CSI: Miami“ (RTL) oder „Daniela Katzenberger“ (VOX) ist es „Hannah Mangold und Lucy Palm“ nicht gelungen sich durchzusetzen. Tragisch!

„Der Zuschauer kriegt was er verdient“, habe ich mal hier gelesen. Aber wie lange kann es noch angehen, dass wir von hirnamputierten Katzenberger-Sendungen und Dschungel-Camps regiert werden? Innovative Angebote wie dieser Pilot sind wahre Schätze, nach denen wir uns doch immer sehnen. Generation Wut-Bürger schimpft hierzulande immer gerne und lauthals über das schlechte Fersehprogramm, aber wenn es dann endlich mal ein Häppchen Feinkost gibt, wird doch lieber der gewohnte Cheesburger  konsumiert.

Gut, die Ergebnisse einer Quote sind ansich ja nicht mehr zeitgemäß, wenn man bedenkt, dass nur anhand von 5.100 Haushalten die Fernsehgewohnheiten aller Deutschen ermittelt werden. Darüber hinaus werden nicht-EU Bürger gar nicht erst mit gezählt, Hotels, Public Viewings, versetztes Fernsehen, Internet u.s.w. auch nicht. Wir berichteten darüber bereits im cn-special „Die Einschaltquote“. Oder gut zusammengefasst auch im cn-klappen Interview mit Regisseur Hans Weingartner. Ich persönlich bin also ohnehin eine Kritikerin der allgegenwärtigen Quoten Erhebungs-Methode, die von ihren Wurzeln an schon nicht mehr repräsentativ ist. Aber das ist eine andere Baustelle.
Wir müssen mit diesem herrschenden Übel wohl vorläufig noch auskommen.

Aber wie geht es nun weiter? Vorgestern kam die Pressemeldung, dass „Hannah Mangold & Lucy Palm“ dennoch eine zweite Chance erhalten. „Wolff – Kampf im Revier“ wird dagegen keine Fortsetzung erleben. Eine verwunderliche Entscheidung, wenn man bedenkt, dass die Quote von Wolff sogar ein wenig besser war.
SAT.1-Geschäftsführer Joachim Kosacks Statement dazu: „Das positive Presse-Echo, die erneut hohe Qualität der weiteren Bücher und unsere intensive Marktforschung haben uns überzeugt: Wir glauben an das Format und die grandiose Besetzung der Hauptfiguren. Deshalb haben wir einen zweiten Teil von „Hannah Mangold & Lucy Palm“ in Auftrag gegeben“.

Schulterklopfen bei Sat.1, große Freude bei der schon entstandenen Fan-Base und allen Mitwirkenden. Ein Privatsender als großer Widerstandskämpfer gegen die Quote??? Eigentlich absurd, oder? Allerdings! So sehr man es sich auch wünschen würde, aber aus reiner Nächstenliebe und Idealismus ignoriert kein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen den Quotenwettbewerb. Die Quote ist die heiligste Währung der Programmmacher. Und man kann es ihnen auch nicht übel nehmen. Anders als die gepolsterte Lage der Öffentlich-Rechtlichen Sender mit mehr als 7 Milliarden € GEZ Einnahmen existieren Privatsender über den Verkauf von Werbung. Je besser die Quote, desto mehr Werbung und desto teurer je nach Sendeplatz. 20.15 Uhr heißt auch nicht umsonst Prime-Time, denn da sitzen die Meisten Deutschen vor der Glotze und der Rubel rollt.

Nun finden die Dreharbeiten zum nächsten 90-minüter von Hannah und Lucy bereits am 14. Februar bis 15. März 2012 in Berlin und Umgebung unter der Regie von Florian Baxmeyer statt. Bei dem kurzen Vorlauf liegt natürlich die Vermutung nahe, dass sämtliche Vorbereitungen schon längst im Gange waren. Das Drehbuch steht, Regisseur, Cast, Settings u.s.w. zaubert niemand mal eben innerhalb einer Woche aus dem Hut. So würde ein Abbruch des laufenden Prozesses wohlmöglich noch größere finanzielle Schäden bedeuten, sodass man dem ganzen noch die besagte Chance gibt. Die Ausstrahlung ist im Herbst geplant. Wenn dann wiederholt dürftige Quoten aufkommen, bedeutet das mit Sicherheit das endgültige aus der Sendung. Also nicht zu früh freuen, denn von einer seriellen Fortsetzung ist noch nirgends die Rede. Man darf erstmal auf die Ergebnisse der nächsten Folge blicken und Daumen drücken.

Positiv zu bewerten ist jedenfalls, dass die großen Privatsender mit ihren neuen Serien nach und nach ein sehr anschauliches und eigenes Serien-Profil aufbauen. Es ist mir ein Rätsel, warum unsere Öffentlich-Rechtlichen Programme, die gegenüber Privatsendern  ganz andere finanzielle Sicherheiten haben, gleichwertige Entwicklungen nicht zustande kriegen. Stattdessen wurde 2011 starkbrüstig für die neuen ARD Vorabend-Krimis „Heiter bis tödlich“ geworben. In dem Satz stimmt nur das Wort „neu“ nicht so ganz. Gut und schön, dass unser Heimat-Krimi-Dirndl-Potential noch immer nicht ausgeschöpft ist und die ARD für deutsche Fiction diesen Programmplatz adelt, aber was uns fehlt ist doch am aller wenigsten noch mehr Krimis!!!
Im Fahrwasser von – ich hole mal tief Luft – „Tatort“, „Polizeiruf“, „Soko“, „Ein Fall für zwei“, „Der Kriminalist“, „Wilsberg“, „Rosenheim-Cops“, „Notruf Hafenkante“, „Mord mit Aussicht“, „Großstadtrevier“, „Der Staatsanwalt“, „Stubbe“, „Komissar Stolberg“… – aaaausatmen! – frage ich mich: ist bei ARD und ZDF der Finger auf dem Dauer-Kriminalisierungs-Knopf festgeklebt, oder was?

Wir haben nicht einmal eine einzige deutsche Schul-Serie für Nachwuchs und Jugendliche, geschweige denn andere abwechslungsreiche Genres. Sowas wie „Türkisch für Anfänger“ scheint ein Jahrhundertwerk der ARD gewesen zu sein. Obwohl es immerhin zu fünf Staffeln kam, gab es keine vergleichbare Alternative mehr. Auch die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Mini-Serie „Klimawechsel“ von Doris Dörri gehörte zu den seltenen Kostbarkeiten, die jedoch leider mal wieder spät am Abend versendet wurden. Dabei war die Idee wirklich frisch und kein Abklatsch von…

Stattdessen leben uns die Privatsender die Serien-Innovation vor, die eigentlich Aufgabe des öffentlichen Rundfunks wäre. Obgleich die Privaten sogar einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Zugegeben, dort ist Mord und Totschlag nicht weniger im Trend, aber immerhin sind aus „Alarm für Cobra 11“ oder „der Letzte Bulle“ Marken mit Alleinstellungsmerkmal geworden. Bücher, Charaktere, Stil und Stimmung sind auch bei „Countdown“ oder nun bei „Hannah Mangold und Lucy Palm“ in ihrem Umfeld halbwegs einzigartig. Und neben diesen Krimis wagt man sich auch an Sachen wie „Danni Lowinski“, dem Revival von „Der Lehrer“ oder aktuell bei RTL in der Pipeline: „Sekretärinnen“.

Bei einem Tatort oder Polizeiruf dagegen könnte ich beim einschalten erstmal nicht einordnen, welches der zahlreichen Krimis ich mir da grad anschaue, wenn nicht die Komissare bereits bekannt für das jeweilige Produkt wären. Sprich, man könnte genauso ein Buch vom Polizeiruf als Buch für den Tatort anlegen. Oder umgekehrt.

„Das deutsche Fernsehen handele oft nach dem Motto „Wir machen etwas, was wir schon gesehen haben, weil es dann Erfog hat“. In den USA würden Verantwortliche, vor allem bei Kabelsendern, ihren Autoren hingegen eher sagen: „Macht etwas, das wir noch nie gesehen haben“. Das einseitige Schielen auf die Quote sei ein systemisches Problem, das innovativere Formate verhindere.“ laut unserem Kollegen aus dem outtakes Beitrag „Fernsehserien: besser als Kino?“.

Die Quote sei „die Mutter aller Missstände“. Auch wenn ich dankbar für die Nachrichten, Dokus und manchmal erstklassigen Fernsehfilme bin, die uns vorwiegend im ÖR TV geboten werden, sollte das staatliche Fernsehen deutlich nachlegen. Man kann es nicht oft genug schreiben, sagen, denken, schreien, und wieder von vorne.

Ich jedenfalls freue mich nun auf die nächste Folge von Hannah und Lucy und kann jedem nur empfehlen, zur nächsten Ausstrahlung dabei zu sein! Dann steigern wir evtl. auch unsere Chancen auf weitere qualitativ hochwertige Serien. Ob nun bei Sat.1 oder ARD. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

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Der deutsche Schauspielerpreis (DSP) zur Berlinale 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste Auszeichnung von Schauspielern für Schauspieler: Der vom BFFS initiierte „Deutsche Schauspielerpreis“ (DSP) wird am 12. Februar 2012 anlässlich der Berlinale im Hotel Maritim verliehen.

Der Preis wird von der Jury – bestehend aus Jasmin Tabatabai, Stefanie Stappenbeck, Tim Bergmann, Thomas Schmuckert, Antoine Monot Jr. und Hans-Werner Meyer –  in sechs Kategorien vergeben.

Die Idee einen eigenen Schauspielerpreis zu erschaffen, schlummerte in BFFS Kreisen schon länger. Der Kinderwunsch war da, das Baby musste allerdings erst gezeugt werden. So eine Herausforderung braucht schließlich erst ein finanzielles Fundament.

Nachdem 2009 die letzte große BFFS Party im Rahmen der Berlinale stattgefunden hatte, konnte die erfolgreiche Feier in den Folgejahren 2010 und 2011 leider nicht wiederholt werden. Zahlreiche Sponsoren waren aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr verfügbar. Ein Empfang in der Größenordnung ist in der Regel im fünf- bis sechsstelligen Bereich einzuordnen. Die BFFS-Mitgliedsbeiträge sollten davon unberührt bleiben. Zur alljährlichen Mitgliedervollversammlung während der Berlinale werden die Ausgaben immer transparent besprochen und da ist es eindeutig, dass der Verband die Mittel für sinnvolle soziale und politische Zwecke zugunsten unserer Berufsgruppe investieren muss statt für einen einzigen Abend zu verkonsumieren. Weiterlesen

Aber nun sind die Geburtshelfer da: Durch die großzügige Unterstützung von Sponsoren wie „Sony Ericsson“ kann am 12. Dezember der erste Geburtstag gefeiert werden. Eine glamoröse Gala mit anschließender After-Party steht bevor.

Nun fragt man sich natürlich, wie das inhaltlich über die Bühne gehen soll.
Kurz nach Bekanntgabe der Pressemitteilung kamen wie erwartet genau die Fragen auf, worüber sich BFFS-Vorstände sicherlich immernoch den Kopf wund reiben.

Zur Gestaltung der Kategorien, Auswahl der Plakatentwürfe oder Ideen zum Losverfahren werden auf der Facebook-Seite „Deutscher Schauspielerpreis“ bereits Meinungen eingeholt. Auch Vorschläge dazu, welche Schauspieler nominiert werden sollen, sind erwünscht.

Allen voran stand auch die Frage im Raum „Wie man alle knapp 2000 BFFS-Mitglieder samt der ganzen anderen Produzenten, Caster, Agenten, Regisseure u.s.w. räumlich unterkriegt?“

Zunächst einmal ist es wichtig, überhaupt irgendwo anzusetzen. Und da die finanziellen Mittel auch nicht grenzenlos sind, wollte man schon mal „klein“ anfangen.
Zur Preisverleihung können maximal 600 Plätze durch Bestuhlung eingerichtet werden. Zur After-Party danach sind alle weiteren BFFS-Mitglieder plus einer Begleitperson eingeladen.

Hans Werner Meyer beschreibt diesen Vorgang im aktuellen Newsletter wie folgt: „Vor eine ähnliche Schwierigkeit stellt uns die Gestaltung der Preisverleihung selbst. Denn die wirksamste Währung im Zusammenhang mit einer Preisverleihung ist die Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird. Und um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen, ist ein gewisser Glanz-Faktor von entscheidender Bedeutung, Entscheidungsträger aus Politik und Branche sind wichtig. Natürlich müssten eigentlich alle BFFS-Mitglieder dabei sein können und wir würden uns nichts lieber wünschen. Mit dem engen finanziellen Rahmen, der uns im ersten Jahr zur Verfügung steht, ist dies aber leider beim besten Willen nicht umsetzbar. Wir werden die Preisverleihungsgala auf 600 Plätze beschränken müssen. Ein Teil dieser Plätze wird natürlich an BFFS-Mitglieder gehen, die Lostrommel wird entscheiden. Wir bitten hierfür um Euer Verständnis und freuen uns, wenn wir im Anschluss auf der großen BFFS-Party, zu der selbstverständlich alle BFFS-Mitglieder mit Begleitung eingeladen sind, mit Euch ein rauschendes Fest feiern können.“

Das ist eine absolut nachvollziehbare und gute Lösung, wie ich finde.
Angestrebt wird natürlich – mit wachsenden Mitteln – das Event von Jahr zu Jahr zu erweitern. Und mal ganz ehrlich, die meisten Preisverleihungen sind ohnehin eine Zumutung für das Sitzfleisch, die Blase, den Magen… die Kollegen können es doch eh kaum erwarten, endlich zum vergnüglichsten Teil der Veranstaltung überzugehen: An die Bar und ab auf die Tanzfläche!

Neben der Würdigung von Schauspielleistungen geht es ja in erster Linie auch um unser Selbstwertgefühl und Ansehen als Schauspieler. Was andere Verbände mit jahrzehntelanger Erfahrung weltweit längst praktizieren, hat sich der gerade mal sechs Jahre alte BFFS in kürzester Zeit aufgebaut. Mit dieser Verleihung wird unserer Berufsgruppe sicherlich ein großer Mehrwert zuteil.

Vorab schon mal: Herzlichen Glückwunsch!

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Crowdfundig Deluxe: Fans finanzieren Stromberg – der Film

© Brainpool | Foto Willi Weber | Christoph Maria Herbst aka "Bernd Stromberg"

Seit dem 15. Dezember ist die Finanzierung von „Stromberg – der Film“ als Crowdfundig Aktion angelaufen.

Zunächst war ich entsetzt darüber, dass eine solch erfolgreiche Produktion nicht ausreichend Filmförderung oder Finanziers zusammen kriegt. So heißt es laut Spiegel-Online „so energisch Erfinder und Autor Ralf Husmann und die Produktionsfirma Brainpool ihr Anliegen bei möglichen Geldgebern auch anbrachten – eine ordentliche Summe war für das Projekt nie zusammengekommen“. Unvorstellbar!
Also hat man sich nun an die verlässlicheren Quellen gewendet: Die Fans!

Bis zum 15. März soll per Online-Crowdfunding eine Million Euro Startkapital eingesammelt werden. Der Rest des Budgets wird unter anderem über den Verkauf von Fernsehrechten eingenommen.
Autor Ralf Husmann sieht das Projekt auch als eine Art Marktforschung, um  zu ermitteln, „wie wichtig wir den Fans sind, wie sehr sie sich mit unserer Serie identifizieren“.

Und nach nur fünf Tagen (!) zeichnen sich schon gewaltige Resonanzen ab: knapp 230.000 € ist schon in den Topf geflossen. Weiterlesen

81 Tage sind nach heutigem Stand noch füllbar, das Ziel: Eine Million Euro. Dagegen hatte das Star-trächtig besetzte Crowdfundig Projekt „Hotel Desire“ gerade mal 170.000 € eingenommen. Nach wochenlangem Countdown ging zwar die gewünschten Summe auf den letzten Drücker noch ein, allerdings wurde das Projekt im Vorfeld auch durch viele Marketing- und PR-Kampagnen angetrieben. In zahlreichen Medien wurde das pornografische Genre thematisiert, dass der aufstrebende Jungregisseur und Schauspieler Sergej Moya mit seinem Cast  (u.a. Clemens Schick, Herbert Knaup) mittlerweile fertig inszeniert hat. Verhältnismäßig war das schon eine kleine Erfolgsgeschichte für den deutschen Crowdfunding Markt.
Gegen die Stromberg-Liga ist das aber wohl eher ein kleineres Sümmchen. Die Stromberg Fangemeinde kann sogar auf eine Rendite hoffen: An den Erlösen der Kinoauswertung sollen die Investoren beteiligt werden. Das Investitionsmodell wird auf der offiziellen Seite wie folgt beschrieben:

„Mit „Anteil“ wird das Recht bezeichnet, an den Erlösen aus der Kinoauswertung des Films beteiligt zu werden. Alle Personen, die solche Anteile erwerben, werden einzeln als „Investor“ und zusammen als „Investorengemeinschaft“ bezeichnet.
Wenn der Film produziert wird und im Kino läuft, wird die Investorengemeinschaft am Erfolg der Kinoauswertung des Films beteiligt. Dazu wird an die Investorengemeinschaft pro verkauftem Kinoticket ein Teil der Erlöse in folgender Höhe ausgeschüttet:
– 1,00 Euro für jedes verkaufte Kinoticket bei bis einschließlich 1 Million verkaufter Kinotickets
– 0,50 Euro für jedes weitere verkaufte Kinoticket bei über 1 Million verkaufter Kinotickets.
Mit 50 € bis 1000 € kann man an der Realisierung des Films also mitwirken. Sobald die Million bis zum 14. März 2012 eingegangen ist, sollen im Frühjahr die Dreharbeiten losgehen.

Hierzu ruft Bernd Stromberg sogar in einer Videobotschaft sehr sympathisch als Privatperson „Christoph“ seine Fans zur Beteiligung auf: „Dieses Angebot richtet sich an meine Fans, weil Ihr überhaupt dafür gesorgt habt, dass diese Serie im Fernsehen überlebt hat und Ihr könnt Sie jetzt sogar ins Kino bringen(…)“

Für die Zukunft deutscher Kinoproduktionen werden solche oder ähnliche Modelle sicherlich eine Rolle spielen. Kinofilme sind immer schwieriger finanzierbar.
Für viele junge Filmemacher, die es schaffen ihre ersten Werke auf die Leinwand zu bringen, kommt es erst dann zu den bezahlten Aufträgen, wenn sie fürs Fernsehen inszenieren/arbeiten „dürfen“. Ein deutscher Fernsehspielfilm hat teilweise mehr Budget als ein hochwertiges Kinoprojekt. „Letztendlich ist in Deutschland Fernsehen eine Industrie und Kino eher eine Manufaktur“.

Offizielle Crowdfundig Seite von Stromberg – der Film

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cn-klappe: Die Deutsche Akademie für Fernsehen: Geht´s noch?! – Das Fernsehen stößt an seine Grenzen

Ein Zusammenschnitt der Podiumsdiskussion der neu gegründeten Akademie
am Vortag des Deutschen Fernsehpreises 2011!

Einführung:
Wilfried Schmickler (Kabarettist)

Es diskutierten:
Stefan Raiser (Produzent, Dreamtool)
Carlo Rola (Regisseur)
Julia Beerhold (Schauspielerin, Vorstand BFFS)
Prof. Dr. Fred Breinersdorfer (Autor, VDD)
Gerhard Schmidt (Produzent und Stellvertretender Vorstand Deutsche Akademie für Fernsehen)

Moderation:

Dr. Ulrich Spies (Adolf-Grimme Institut)

Einführung: Wilfried Schmickler (Gesamter Beitrag siehe Link unten)

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cn-klappe: Interview mit Angelina Maccarone

A. Maccarone | © C. Schroeder

Anlässlich des Kinostarts von „The Look“ sprachen wir mit der deutschen Regisseurin über den außergewöhnlichen Prozess der Dreharbeiten, die Zusammenarbeit mit Charlotte Rampling und über die Zweifel innerhalb der mehrjährigen Produktionsphase.

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Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert

Christian Zübert | © Agnes Goßler

Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert (Grimme-Preis 2011 für den „Tatort – nie wieder frei sein“ und für „Neue Vahr Süd“) spricht über die Unterschiede bei der Stoffentwicklung von Kino- und TV-Formaten, neuen Medien beim Casting sowie der Förderung von unbekannten Schauspielern.

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Auszüge: „Der Vorteil beim Schreiben eigener Bücher ist ja, dass ich mir das Genre oder die Geschichten, die ich machen möchte, auch selbst aussuchen kann. Der Punkt dabei ist – ob es nun Drama oder Komödie wird – dass ich da nicht auf jemanden warte, der mir erst einen Auftrag gibt, sondern ich schreibe ein Drehbuch erstmal aus eigenem Antrieb.“

„Ich weiss, dass viele Kollegen gleich beim Schreiben schon Schauspieler im Kopf haben. Ich gehe anders vor: Das Besondere dabei ist für mich, sich von den Schauspielern überraschen zu lassen.“

„Also Nachwuchs und auch unbekanntere Talente sollte man auf jeden Fall fördern und mehr einsetzen, sogar unbedingt. Meiner Meinung nach tut es einem Film sogar gut.
(…) Also haben wir bei diesem ,Tatort‘ wirklich darauf geachtet, zwar sehr gute, aber eher unbekannte Schauspieler zu besetzen. Und ich hatte den Eindruck, das hat den Film noch stärker gemacht. Weil der Zuschauer eher bereit ist, sich dann auf die Figuren einzulassen und die pure Handlung aufnimmt, statt über Assoziationen der bekannten Gesichter zu grübeln, die man schon in jedem zehnten ,Tatort‘ gesehen hat.“

„Im Moment haben deutsche Fernsehfilme immer noch ein Qualitätssiegel, sodass viele Zuschauer auch gerne einschalten. Aber wenn man nicht darauf achtet, dieses Gut zu pflegen, macht man sich die Werke im Grunde selber kaputt. Dann werden die Leute irgendwann nur noch ausländische Filme auf DVD schauen, runterladen oder irgendwelche Unterhaltungsshows bevorzugen. Auf diese Werte sollte man achten und versuchen, die Qualität zu halten, anstatt nur noch auf das Budget zu schauen.“

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Interview mit Regisseur Jochen Alexander Freydank

J.A. Freydank | © Harry Schnitger

Wir sprachen mit dem Regisseur und Oscar-Preisträger über Filmfinanzierung, Grauzonen beim Rückstellungsvertrag, seinen Idealismus als Filmemacher und wieso ein „Tatort“ mehr Türen öffnen kann als ein großer Preis.

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Auszüge: „Letztendlich ist in Deutschland Fernsehen eine Industrie und Kino eher eine Manufaktur.
 Das Fernsehen redet natürlich immer ein ernsthaftes Wort mit, weil auch Kinofilme von Fernsehgeld abhängig sind. Ich selbst mache wirklich gerne auch Fernsehfilme und möchte da weiterhin zweigleisig fahren: Kino und Fernsehen. Denn wir haben im TV zum Teil ein qualitativ sehr gutes Niveau. Und man kann hier wirklich sagen, Gott sei Dank ist das Geld im TV noch da. Das ist wiederum in anderen Ländern nicht der Fall.“

„Es gibt so ein Zitat ,Die Amerikaner produzieren ihre Filme wie Kunst und verkaufen sie wie Kommerz‘ und ,Die Deutschen produzieren ihre Filme wie Kommerz und verkaufen sie wie Kunst‘.“

„Grundsätzlich sind Rückstellungsverträge etwas Kompliziertes. Ich merke das, wenn ich mit Anwälten und Steuerberatern rede, um zu erfahren, wie man es denn richtig machen könnte. Die gucken einen erst mal mit ganz großen Kulleraugen an und wissen gar nicht, warum irgendjemand überhaupt für umsonst arbeitet […]“

„Was bei Low-Budget absoluter Standard sein sollte – und das ist wirklich das Mindeste – ist die zwischenmenschliche Anerkennung. Und darunter verstehe ich so etwas wie eine Teampremiere oder die DVD für jeden Einzelnen. Dafür hat man sich gefälligst Zeit zu nehmen. Wenn so was auf der Strecke bleibt, finde ich das nicht nur ärgerlich, sondern zutiefst respektlos. Gute Umgangsformen sind nun mal ein Muss.“

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Was läuft gut im Filmbusiness? Impressionen beim First Steps Award 2011

Schnitt: Harry Bannoehr

Am 23. August wurden in Berlin wieder die First Steps Awards vergeben. Eine der wichtigsten Ehrungen für den deutschen Filmnachwuchs. Zu den Veranstaltern gehören Pro Sieben Sat.1, die Deutsche Filmakademie, Mercedes-Benz, Teamworx und Spiegel TV. Gründervater Bernd Eichinger hatte diesen Preis seit 2000 stets begleitet und maßgeblich beeinflusst. Große Aufmerksamkeit zogen in diesem Jahr daher Witwe und Tochter Eichinger auf sich, die zukünftig den Produzentenpreis „No Fear“ in Höhe von 5000 € stiften werden. Weiterhin werden mehr Platz für lange sowie kurze Dokumentarfilme eingeführt. Bislang war das allein unter der Kategorie „Dokumentarfilm“ abgedeckt. Es soll diesmal die höchste Anzahl an Einreichungen gegeben haben. Daher wird die Jury nächstes Jahr wohl aufgestockt. Als private Initiative der Filmbranche wird mit Unterstützung der Wirtschaft hier also jedes Jahr aufs Neue auf die gegebenen Anlässe eingegangen, um effektive Förderung zu leisten. Ich nahm mir für diesen Abend nun vor, kleine Mini Statements unter Kollegen und anderen Filmschaffenden zu sammeln, die sich der Frage „Was läuft im Filmbusiness gut“ stellten. Die Äußerungen waren teilweise amüsant bis „unter die Gürtellinie“. Weiterlesen

Einem prominenten Kollegen fiel überhaupt nichts Positives ein außer: „Koks und die Frauen die man dann alle umsonst haben kann“. Ah ja, und sonst? Ich war schließlich auf der Suche nach vorbildlichen Ereignissen oder Entwicklungen, die man im Rahmen einer solchen Veranstaltung auch mal würdigen könnte. „Es muss ja nicht immer alles negativ sein“ kommentierte letztens eine mir bekannte PR-Agentin. Natürlich behandeln wir bei out takes viele Brisanzthemen, die uns in der Filmlandschaft beschäftigen oder Sorgen bereiten. Es ist auch wichtig, über die Haus- und Hofpolitik mancher Institutionen oder Gesetzgebungen offen reden und diskutieren zu können. Selbst wenn die Leidenschaft für die kreative Arbeit oftmals „Leiden“ „schafft“, gibt es auch Perlen und Licht am Ende eines Tunnels zu entdecken, sonst würden wir alle unsere Berufe als Autoren, Schauspieler, Beleuchter, Regisseure, Produzenten, Kameraleute u.s.w. ja nicht machen. Bei den Meisten Befragten ließ sich zwar immer noch raushören „was besser laufen könnte“, anstatt was gegenwärtig tatsächlich „gut läuft“, doch es gab mitunter auch hoffnungsvolle Stimmen. Hier eine kleine Auswahl:

Karoline Schuch (Schauspielerin, „Tatort“ Köln, „Zeiten ändern Dich“): Ich finde es schön, dass wir alle irgendwie gemeinsam an etwas glauben. Wir haben in der Branche die gleichen Sorgen und Ängste. Vieles wirkt oft verschleiert und aufgesetzt, aber im Grunde verbindet uns auch sehr viel. Wenn man für etwas einsteht und hart gekämpft hat, wird das auch belohnt. Und ich freue mir so einen Ast ab, wenn ein Film wie „Kriegerin“ heute Abend den First Steps Award gewinnt. Besonders freue ich mich für meinen Kollegen Gerdy Zint, der dort die männliche Hauptrolle gespielt hat. Für ihn war der Weg oft sehr hart, daher ist dieser Preis wirklich hochverdient. Der Zusammenhalt ist bei so was eben sehr stark.

Patrick Simon (Redakteur Sat.1): Ich finde es positiv, dass aufgrund der budgetierten Situationen Autoren, Produktion und Regie immer mehr zusammenwachsen. Mit starren Systemen, wo nur eine Person im Elfenbeinturm sitzt, wird immer mehr aufgeräumt. Als zweites finde ich gut, dass es wieder Normalität wird, dass auch gestandene Schauspieler oder Prominente zu Castings gehen. Und  positiv ist auch, dass von Low Budget bis hin zu den grossen Events alle Genres wieder mehr bespielt werden. Sodass die Romantic-Comedy nicht zur Einbahnstrasse wird.

Birthe Wolter (Schauspielerin u.a. „Tatort“ Stuttgart, „Schillerstraße“): Die Frage ist im Grunde schwierig. Denn es gibt zwar nette Sachen wie, dass ich Klamotten gesponsert kriege, wenn ich viel drehe, und mich dann fühlen darf wie eine Barbie, obwohl ich früher nie mit Barbies gespielt habe … (lacht). Aber es gibt nun mal nicht für jeden Rollen. Natürlich finde ich es schön was wir machen, wenn wir es mal machen, aber es könnten auch ruhig mal wieder mehr verschiedene Gesichter auftreten. Ansonsten ist es für uns Schauspieler natürlich toll, dass man sehr viel über sich selber lernt und seine Kreativität ausleben darf.

Pablo Sprungala (Schauspieler u.a. „Soko Leipzig“): Ich finde es positiv, dass 99 Prozent meiner Kollegen nett und angenehm sind. Es ist normal, dass in Krisenzeiten alles negativ bewertet wird. Aber am heutigen Abend konnte man sehen, dass Produktionen von jungen aufstrebenden Autoren und Filmemachern auch honoriert werden. Filme wie „Kriegerin“ oder „Hell“ zeigen, dass sich hier eine junge Generation an Filmemachern auch mal an sperrige Themen heran traut, jenseits von den sonst zu oft thematisierten Hausfrauenproblemchen. Das macht Mut, darauf habe ich Bock.

Gerdy Zint (Schauspieler, „Kriegerin“, First Steps Award 2011): Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ich die Leute mit meiner Spielfreude und Energie unterhalten kann. Ich habe schon viel gekämpft in diesem Beruf. Heute Abend haben wir den First Steps Award für den besten Film gewonnen und davor in München zwei Preise beim Förderpreis Deutscher Film. Trotzdem gehe ich morgen früh wieder auf den Bau arbeiten. Ich bin parallel gelernter Dachklempner. Ich habe begriffen, dass es gut ist, geerdet zu sein, nicht rumzusitzen und auf die große Rolle zu warten, sondern weiter zu machen. Man ist nichts besonderes, nur weil man Schauspieler ist. Man ist ja immer noch ein Mensch und das ist ein Beruf wie jeder andere. Schön ist beim Film, so unglaublich viele interessante Menschen kennen zu lernen und viele verschiedene Spielstädten zu bereisen. Meinen Sohn immer mit zum Dreh nehmen zu können, ist auch klasse. Dass durch Preise wie First Steps Award die Leistung der Nachwuchsleute gefeiert wird, ist super. Gleichzeitig kritisiere ich bei all dem Hype aber auch, dass die Schauspieler in solchen Studentenfilmen leer ausgehen. Denn ausgezeichnet werden in der Regel nur die Regisseure oder Produzenten. Dass keiner mal auf die Idee kommt, sich auch für die Schauspieler einzusetzen, die mehrere Wochen umsonst gearbeitet haben, ist echt enttäuschend. Ein kleiner Obolus wäre schön. Oft sind Preisgelder nämlich an weiterführende Projekte gebunden. Natürlich ist der Preis für „Kriegerin“ ansonsten absolut verdient für das Buch und die Regie.

Golo Euler (Schauspieler, „Henker & Richter“, „Kasimir und Karolin“, Bester Schauspieler beim Förderpreis Deutscher Film 2011): Ich finde es super, dass man Sachen machen kann, die man sonst nicht machen darf. 
Man lernt und entdeckt so viele Dinge in unserem Bereich. Ausserdem macht es so großen Spaß, als Schauspieler mal eine Prise Schwiegersohn oder mal eine Prise Geheimagent zu sein. Weiterhin finde ich die Arbeit des BFFS sehr gut! Der Verband wächst und wächst und wird immer aktiver und ein immer wichtigerer Spieler auf dem Film- Fernsehspielfeld. Das hilft, die gesichts- und stimmlosen Einzelkämpfer zu sammeln und zu organisieren.

Mein Resümee: Es gibt natürlich viel Handlungsbedarf in unserer kleinen Filmwelt. Am Ende des Tages sitzen wir aber in einem Boot, denn wir möchten alle starke und qualitativ hochwertige Filme machen. An den Bedingungen lässt sich noch arbeiten, ganz klar. Für mich persönlich sind Preisverleihungen dieser Art aber schon mal kleine Sternstunden die erkennen lassen, wie viel Mut, Energie, Passion und Bildkraft unter den Kreativen existiert. Wenn ein Film wie „Papa“ von Umut Dag (First Steps Award 2011 als bester mittellanger Film) solch eine Spannung und Stille auslöst, dass es einen in die Sitze nagelt, ist man wirklich mit jeder Faser ergriffen. Dabei sagte der Absolvent der Wiener Filmakademie selbst, er hätte es nicht für möglich gehalten, mit diesem Film die Jury zu beeindrucken. Er habe ja völlig untypische Stilmittel verwendet, teilweise dokumentarisch und mit vielen Jump-cuts gefilmt.

Berührend zu beobachten war auch, wie Regisseur und Autor David F. Wnendt (First Steps Award 2011, bester abendfüllender Spielfilm für „Kriegerin“) in seiner Dankesrede die Tränen nicht mehr unterdrücken konnte. Er bedankte sich allen voran bei seinen Eltern, die ihm durch ihre finanzielle Unterstützung das Filmstudium überhaupt ermöglicht haben. Auch hier kann ich mich nur den Worten der oben zitierten Kollegen anschließen.

Es wurden auch witzige Einlagen wie durch den Werbespot gegen Filmpiraterie „Wir beklauen dich doch auch nicht“ geboten. Auffällig war, dass vermehrt Themen über Migration und Integration im Leben behandelt wurden. Nicht nur in Form der klassischen Abbildung sozialer Brennpunkte, sondern auf globale Sicht und durch alle Schichten. Insgesamt also intelligente, informative und unterhaltsame Werke, die einen repräsentativen Mix aus deutschen Nachwuchsarbeiten sichtbar machten.

Völlig zurecht hatte Bernd Eichinger sich im Hinblick auf das Produzieren immer vom Motto “No Fear” leiten lassen, wie die Familie Eichinger in einer Anekdote zum Hintergrund des neuen Produzentenpreises erzählte. Denn die Angst sei die größte Bremse für Kreative.

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Die Glotze aus dem Fenster werfen? Hans Weingartners Tipp für heute Abend.

Ich habe nicht schlecht gestaunt als ich erfuhr, dass ausgerechnet der Privatsender VOX die Free TV-Premiere von „Free Rainer – dein Fernseher lügt“ heute Abend um 20.15 Uhr zum Besten gibt. Regisseur Hans Weingartner kritisiert in seinem Film von 2007 die Verblödung der Zuschauer durch das Fernsehprogramm. Einer kleinen Truppe von Revoluzzern gelingt es, die Fernsehquoten zu Gunsten qualitativ anspruchsvoller Inhalte zu manipulieren.
Eine Satire über das deutsche TV.

Ohne die Hintergründe zu kennen, muss ich wirklich gestehen: Hut ab an Vox, dass sie den Film in ihr Programm aufgenommen haben. Schließlich ist der Sender selbst ein Paradebeispiel für unzählige kommerzielle Verdummungs-Sendungen. Der Stoff hätte so gesehen doch eher durch das ach so unabhängige, gebührenfinanzierte Fernsehen repräsentiert werden müssen. War man dem Thema gegenüber etwa verschlossen? Doch wozu hat man öffentlich-rechtliches Fernsehen, wenn nicht mal so eine Diskussion „öffentlich“ behandelt wird? Weiterlesen

Vielleicht hat es auch „nur“ mit der Tatsache zu tun, dass es Weingartner damals gelungen ist, den Film gänzlich ohne die übliche öffentlich-rechtliche Senderbeteiligung in die Kinos zu bringen.
Passend zu diesem Thema sind wir letztes Jahr auf den interessanten Zeit-Artikel  „Vom Volk bezahlte Verblödung – warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht leistet, wofür er Gebühren bekommt“ gestoßen. Das hat uns in der casting-network Redaktion so inspiriert, das wir innerhalb von mehreren Monaten ein ganzes cn-special zum Thema Einschaltquoten erstellt haben. Darunter befinden sich neben dem theoretischen Hintergrund zur Geschichte der Fernsehforschung, Exkurs GfK-Meter oder Exkurs Sinus-Milieus auch eine Reihe von umfangreichen Interviews mit Experten aus der Branche. Unter anderem mit Dr. Cornelia Ackers (Redakteurin BR), Sascha Mürl (Redaktionsberater Fiction RTL), Uli Aselmann (Produzent diefilm GmbH, Produzentenallianz), Eva und Volker A. Zahn (Drehbuchatoren, VDD) sowie weitere Meinungen von Casting-Directoren, Agenten und einem Medienexperten. Hans Weingartner ist in dieser Reihe ebenfalls mit einem lesenswerten Interview vertreten, dass wir im April 2011 publizierten.

Mir persönlich gefällt an seinen Filmen, dass eine gewisse Stimmung aufkommt, auch mal laut zu werden, sich nicht auf die Richtigkeit bestehender Systeme zu verlassen. Ja, ein bisschen positive Anarchie eben. Auf der Facebook-Veranstaltungsseite zur heutigen Free TV-Premiere ruft der Filmemacher sogar dazu auf: „Gucken, danach gemeinsames Glotze ausm Fenster werfen“. Das wäre ein grossartiges Szenario!

Rudel-gucken finde ich super, meinen neuen Fernseher rauszuschmeissen bringe ich jedoch nicht übers Herz.

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Prinzip Neubauer: Viel hilft viel?

Bild-Ausschnitt aus der „TV-Today“
Mich fragte letztens ein Freund aus einer gänzlich anderen Berufssparte, warum denn alle Film- und TV-Leute die Schauspielerin Christine Neubauer immer so „haten“ würden.  Ob das nicht insgeheim der „Neid der Besitzlosen“ sei? Schließlich habe sie soviel Arbeit, von der andere Schauspieler nur träumen könnten. Nun ja, ich fragte ihn, ob er jemals einen Film mit Christine Neubauer gesehen habe. Hatte er natürlich nicht!
Sicherlich ist Frau Neubauer für die AG-60-plus-Haupt-Zuschauerschaft der öffentlich-rechtlichen Sender zur wohligen, familiären Gewohnheit geworden und bietet demnach Stabilität in sonst quoten-stürmischen Zeiten. Das öffentliche Fernsehen soll ja für jede Nische was bieten, möglichst alle Altersgruppen glücklich machen und uns mit Kultur und Bildung bereichern. Da muss eben auch Platz für Schmonzetten sein. Weiterlesen

Aber wie man der ironischen „TV-Today“-Collage oben entnehmen kann, spielt sie in gefühlten 48 Prozent aller Filme der ARD und ZDF die Hauptrolle. Ergo: ARD/ZDF-Fernsehspiele sind Zentrum aller Groschenheft-Formate? Ein Auszug aus Neubauers Filmografie offenbart uns blumige Titel wie „Ein Sommer auf Sylt“, „Die Erntehelferin“, „Schaumküsse“ oder „Folge deinem Herzen“, die diese Angabe unterstreicht.

Man erinnere sich an die amüsante Eskalation, als Regisseurin Doris Dörri ihrem Neubauer-Unmut in einem Gespräch mit „TV-Spielfilm“ freien Lauf ließ: „Wenn ich noch eine Frau sehe, die eigentlich 50 ist, aber sagt, sie ist 35, und einen Bauernhof in Afrika aufmacht, dann hole ich das Maschinengewehr.“ Zwar entschuldigte sich Dörrie damals öffentlich für ihre Bemerkung, legte im „SZ-Magazin“ aber scharfe Kritik mit den Worten nach: „Ich bestehe darauf, dass die Programmverantwortlichen komplett bescheuert sind, 115 Filme im Jahr mit ihr zu zeigen.“

Die Neubauersche Überpräsenz treibt nicht nur viele Filmemacher und Schauspieler, sondern sicherlich auch das Publikum von 14 bis 49 zum Stöhnen. Die Frage ist: Sind wir gereizt von Frau Neubauers Monopol-Dasein oder vielmehr durch die Tatsache, dass die Heimatschnulze zum medialen Dauerunfall wird?

Ich kenne keinen Schauspieler, der sich nicht in wechselnden Figuren zeigen wollte. Ein Leben lang „den Bösewicht“ oder „die Prinzessin vom Lande“ spielen kann doch langfristig keine Erfüllung sein. Aber kommt man aus so einer Schublade je wieder raus? Und will das eine Frau Neubauer überhaupt? Immerhin kann sie von ihrem Beruf sehr gut leben, und im Zeitalter von sinkenden Budgets und massiger Arbeitslosigleit sitzt sie mit ihrem Genre stabil im Boot und ist absolut sicher vor dem Ertrinken. Eine düstere Rolle fernab der etablierten Idylle würde ihrem Image und folglich den Produzenten und Sendern, mit denen sie arbeitet, auch nicht unbedingt gut tun. „Sie habe nie in einem ,Tatort‘ mitgemacht, zu grau, zu kriminell ist die Krimiwelt für eine wie sie“, heisst es in „Die Vielspielerin“, wo sich weitere Statistiken zu ihrer Arbeit sehen lassen können.

In der aktuellen Print- wie auch Online-Ausgabe der „TV Spielfilm“ ist nun ein interessanter Artikel zum Thema „Schauspieler-Gagen: Wer verdient wie viel?“ zu finden. Dazu wird von einer Leserin unter anderem kommentiert: „Kein Wunder, dass Christine Neubauer jede Rolle annimmt und Tanja Schumann (,RTL Samstag Nacht‘) heute Teleshopping macht!“

Nur, um es noch einmal klar zu stellen: Es wird immer gern behauptet, Schauspieler verdienten viel, wenn nicht sogar zuviel. Im Fall von „Stars“ wie Neubauer, Ferres oder Adorf mag das auch zutreffen. Die Gagenrealität sieht beim Großteil der arbeitenden Schauspieler hierzulande aber gewaltig anders aus! Natürlich gibt es nicht nur in unserem Business, sondern in nahezu allen Berufsfeldern das Gefälle zwischen Spitzenverdienern und der mittleren bis unteren Schicht. Medienberufe und selbstständige Patchwork-Verdiener sind leider in der sozialrechtlichen Hierarchie unseres Systems massiv benachteiligt. Aber das ist wieder ein ganz eigenes Kapitel für sich…

Ein kleiner Exkurs zum Gagen-Alltag: Vergesst den Applaus, wir brauchen Geld („Spiegel-Online“), Berühmt, aber arm (NDR.de), Schauspieler in Deutschland: viel Glamour, wenig Geld (BFFS-Studie mit der Forschungsgruppe Bema an der Uni Münster).

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Abwärtsspirale Deutsches Kino: Ist Low-Budget das neue Branchenüblich?

So stellt man sich gerne die Filmarbeit vor. Doch der Alltag sieht anders aus – auch für Kollegen, die im Blitzlichtgewitter über den roten Teppich schreiten. | Foto © privat


Im Rahmen des Filmfest Münchens war ich bei der Preisverleihung „Förderpreis deutscher Film“, der als wichtigster deutscher Nachwuchspreis bekannt ist. Talentiere Frischlinge aus Regie, Produktion, Drehbuch und Schauspiel, deren Filme beim Filmfest München und den Internationalen Hofer Filmtagen gezeigt werden, sind hierbei vertreten. Im Wettbewerb werden die Filmemacher mit Preisgeldern von insgesamt 70.000 Euro ausgezeichnet. Die Kooperationspartner Bavaria Film, Bayerischer Rundfunk sowie die Hypovereinsbank leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsförderung und brachten schon so einige Karrieren in den Anfängen ins Rollen, wie unter anderem von: Oskar Roehler, Dany Levi, Sönke Wortmann, Johanna Wokalek, Katharina Schüttler, Hans Weingartner, Stipe Erceg, Alexander Fehling, Marcus H. Rosemüller oder Konstantin von Jascheroff. Es sei „das Beste, was einem jungen Filmemacher passieren kann“, sagte der Regisseur Hans Steinbichler, der dieses Jahr als Jurymitglied an Bord war.

Bei aller Freude und Rührung an diesem Abend hat mich vor allem die Dankesrede von „Golo Euler“ (bester männlich Schauspieler „Kasimir und Karoline“) amüsiert und zum schmunzeln gebracht. Auf die Frage, was er denn nun mit dem Preisgeld von 5.000 Euro vorhabe, antwortete er spontan, dass er ja selbst Kunde beim Sponsor, der Hypovereinsbank sei und sein Konto momentan rote Zahlen aufzeige. Folglich müsse er das Geld wohl zum Tilgen aufs Konto zurück fließen lassen. Ein Lacher!

Doch witzig ist die prekäre Lage des deutschen Kinos ganz und gar nicht! Weiterlesen

Denn ohne die Existenz solcher Auszeichnungen gäbe es für Filmemacher in Deutschland kaum noch Möglichkeiten, sich mit Kinoformaten eine Anerkennung im Filmbusiness zu verschaffen und obendrein noch von einer finanziellen Aufmehrksamkeit zu profitieren. Wenn von „Profit“ überhaupt die Rede sein kann.

Es ist schon beängstigend, dass selbst hoch renommierte Kinoproduktionen zunehmend unter „Low-Budget“ Bedingungen realisiert werden. Als Kinomacher wird man in Deutschland kaum reich. Im Gegenteil, viele verschulden sich und investieren ihr letztes Hemd, um das Projekt überhaupt stemmen zu können.

Da meint man als branchenfremder Betrachter:  Kinohelden, sowohl vor als auch hinter der Kamera, leben wohl wie die Made im Speck und laufen über den roten Teppich. Doch das deutsche Kino leidet massiv unter der stieftmütterlichen Behandlung im Verhältnis zum deutschen TV.

Denn nur durch die Low- bis No-Budget-Mitwirkung von Schauspielern und Filmschaffenden ist die Lebenserhaltung in der gegenwärtigen Qualität überhaupt haltbar. Auch wenn in diesem Zusammenhang oft behauptet wird, dass Schauspieler „teuer“ seien oder Gagen angeblich steigen, trifft das nur auf einige wenige Kinoschauspieler zu – eine Handvoll – würde ich gar behaupten. Kinostars sind hierzulande eh sehr selten. Schweiger, Bleibtreu und Konsorten sind die wenigen Ausnahmen. Alle anderen spielen zwar in Kinofilmen mit, verdienen ihre Brötchen aber grösstenteils durch die TV-Drehs.

„Den König spielen immer die anderen. Das bedeutet: Ohne den Hofstaat sieht der König alt aus. Der Hofstaat aber, das sind die vielen hervorragenden, aber nicht prominenten Kollegen, die inzwischen oft weniger verdienen als Tiere am Set“, so der BFFS im Rahmen der Aktion “Wir gehen baden und mit uns die Kultur”

Man erinnere sich an den prägenden Auftritt von Sibel Kekilli beim deutschen Filmpreis. Für ihre Interpretationen in „Gegen die Wand“ und „Die Fremde“ gewann sie zwei Lolas als „Beste weibliche Hauptdarstellerin“ in Folge. Trotzdem blieben Angebote nach dem ersten Preis 2004 weitestgehend aus. In ihrer Dankesrede rief sie 2010 beim zweiten mal also Produzenten und Regisseure auf, ihr doch bitte zu mehr Arbeit zu verhelfen. „Ich will arbeiten, ich will drehen, bitte nicht wieder 4 oder 6 Jahre warten (…).“  Auch der Spiegel-Online Artikel „Heute Lola, morgen Arbeitsamt“ hat einen treffenden Titel dazu gewählt.

Selbst eine so tolle und bekannte Schauspielerin wie Hannah Herzsprung war überwiegend in Kinorollen präsent, die im Low-Budget-Bereich liegen. Trotz Auszeichnungen und Prominenz entscheidet sich Hannah Herzsprung für ihre Figuren nach Bauchgefühl und Überzeugung, nicht nach finanziellem Mehrwert. Doch fragt auch jemand danach, ob Frau Herzsprung von ihren wunderbaren Kinofilmen dann überhaupt leben könnte? Ein Star ohne Erwerb? Unvorstellbar, aber im Kinofach ist das leider so. Wären da nicht auch die TV-Engagements in „Weissensee“ oder „Donna Leon“ die letztlich die Brötchen reinbringen. Das Werteverhältnis zwischen Kino und TV scheint hierzulande eindeutig verschoben zu sein.

Diese Schattenseiten sieht man nach außen nur leider nie. Berühmtheit, Qualität, grosse Leinwand und Blitzlichtgewitter bieten keine Garantie für einen finanziellen Gewinn im Kinomilieu. Wenn deutsche Schauspieler ausschließlich als Kinoträger arbeiten würden, wären sie schon längst verhungert. Nur die Mischkalkulation zwischen der Fernsehe- und Kinosparte macht es möglich.

In der cn-Interviewreihe „Hinter den Kulissen“ befrage ich auch Frau Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW zu diesem Thema. Frau Müller sieht diese Problematik eher im Diplom- und Debütfilmbereich. Hier können nunmal die zahlreichen Nachwuchstalente nicht alle gleichermaßen gefördert werden. Das leuchtet ein.

Schaut man sich auf internationalen Filmfestivals die repräsentativen deutschen Filme jedoch an, besteht die Auswahl nicht zuletzt aus Debüt- und Diplomfilmen. Sie stärken das nationale Kinorepertoire maßgeblich, bewirken weltweite Aufmerksamkeit und sind schlußendlich das Aushängeschild unserer nationalen Kinoindustrie. Sie können aber nur entstehen, weil sie durch das ungeschriebene Gesetz: „Hochschulproduktion = Low-Budget“ produziert werden. Qualitativ gleichwertige Filme sind auf branchenüblicher Ebene immer weniger finanzierbar.

So profitieren Kinoindustrie und beteiligte öffentlich-rechtliche TV-Sender nicht nur von diesen unschlagbar preiswerten Schätzen, die sie händereibend willkommen heissen können, sondern haben sich an diesen Zustand wohl auch gewöhnt. Wieso mehr Geld ausgeben, wenn man es zum Sonderangebot haben kann?
Wie diese eingeschlichene Abwärtsspirale aufzuhalten ist, bleibt also offen.
Doch sollte dieses kultur- und filmpolitische Defizit von den Filmhochschulen, Förderinstitutionen und insbesondere öffentlich-rechtlichen Sendern nicht mal hinterfragt werden?

Deutsche Kinoausstrahlungen sind zudem selten im TV-Hauptprogramm  integriert, sondern werden eher im späten Abendprogramm versendet. Für das Image Kinofilm nicht unbedingt förderlich, wie u.a. die Podiumsdiskussion des BVR im Rahmen der Berlinale 2011 mit dem Titel “Kinofilme im Fernsehen: Programmperlen oder Ladenhüter” aufzeigt.
Dagegen ist allerdings auch anzumerken, dass durch die Beteiligung vom TV die Meisten Kinofilme überhaupt erst finanzierbar werden.
Die Rolle der Filmhochschulen ist im gesamten Kostrukt ebenso eine Baustelle für sich. Die Universitäten sind schon lange nicht mehr als reine Bildungsstätten zu betrachten. Sie beeinflussen leider auch stark die marktwirtschaftliche Lage.

Selbstverständlich gehört es als Einsteiger in fast jeder Berufsgruppe dazu, erst einmal auch (unentgeltliche) Praktika zu machen oder Investitionen zu leisten, um zunächst den Fuß reinzubekommen. Doch in unserem Kinomarkt geht es vordergründig nicht mehr darum, den Talenten eine Plattform zu bieten, nein, man ernährt sich im wesentlichen aus er Nachwuchsschmiede. So werden die preisgünstigeren Erstlingsfilme zwar mitunter noch gerne aufgebaut, soll aber der zweite und dritte Film unter normalen Bedingungen finanziert werden, sieht es schon wieder ganz anders aus.

Ich befürchte, eine endlose „Low-Budget“-Kinohitliste zu sammeln, wäre hier nicht schwer. Bekanntestes Beispiel sind sogar Filmklassiker wie „Das Leben der anderen“. Wir Künstler, Kreative und Filmschaffende sind diesem Teufelskreis zwar ausgesetzt, aber man sollte das Kind auch mal öffentlich beim Namen nennen. Denn gerade im Bewusstsein der Konsumenten ist es kaum vorstellbar, dass WIR Kreativen der Kultur im Grunde das deutsche Kino schenken.

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Preisverleihung des ersten SMS Self Made Shorties Festival

Zusammenfassung der Preisverleihung des ersten SMS Self Made Shorties Festival im Rahmen des Filmfest München 2011

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Interview mit Daniel Philippen, Initiator des ersten SMS Self Made Shorties Festival

Elmira Rafizadeh sprach mit Daniel Philippen, dem Initiator des ersten SMS Self Made Shorties Festival.

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Interview mit Genija Rykova, 3. Platz SMS Self Made Shorties 2011

Elmira Rafizadeh sprach mit Genija Rykova, der Drittplatzierten des ersten SMS Self Made Shorties Festival.

Link zum SMS-Shorty von Genija Rykova

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Interview mit Navid Akhavan, 2. Platz SMS Self Made Shorties

Elmira Rafizadeh sprach mit Navid Akhavan, dem Zweitplatzierten des ersten SMS Self Made Shorties Festival.

Link zum SMS-Shorty von Navid Akhavan

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Interview mit Nadine Wrietz, 1. Platz SMS Self Made Shorties

Elmira Rafizadeh sprach mit Nadine Wrietz, der Gewinnerin des ersten SMS Self Made Shorties Festival.

Wir bitten, die dürftige (Licht-)Bildqualität zu entschuldigen.

Link zum SMS-Shorty von Nadine Wrietz

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Casting ganz anders: SMS Self Made Shorties zum Filmfest München

Wie möchte man besetzt werden? Wie möchte man gesehen werden? Wie kann man sein Können in wenigen Augenblicken einprägsam unter Beweis stellen? In unserer TV- und Filmlandschaft plagt sich die Mehrheit aller Schauspieler damit, dass man von den Entscheidungsträgern im Besetzungsprozess immerzu auf den Typ oder auf ein einziges Rollen-Profil beschränkt wird: „Einmal Polizist, immer Polizist.“ Weiterlesen

Auch Prof. Gebhard Henke (Leiter des Programmbereichs Kino, Fernsehfilm und Serie beim WDR) beschrieb im cn-Interview, wie Joachim Król damals nach seiner Rolle als Obdachloser in „Lola rennt“ zunächst unzählige Angebote bekam, einen Penner zu spielen. „Das ist ganz schön verteufelt. Man kann gleich mit dem ersten Film in so eine Schublade geraten. Das ist leider so“, so der WDR Redakteur.

Doch insbesondere die Tatsache, dass auch für Castings immer weniger Budget zur Verfügung gestellt wird, Zeitdruck herrscht und die verwalterische Schlacht sowie Recherche nach den passenden Schauspielern zunimmt, macht die Situation nicht einfacher.

Demnach hat sich das Demoband im deutschsprachigen Raum als obligatorische Visitenkarte durchgesetzt, um schnell und unverbindlich ein Talent zu überprüfen, ohne gleich reihenweise die Schauspieler quer durch die Republik zum Casting bestellen zu müssen. Spart Kosten und Wege, ganz klar. Ohne gedrehtes Material gibt es heute kaum Chancen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Idealerweise hat man dabei eine repräsentative Auswahl der gespielten Kino oder TV-Ausschnitte auf seinem Band. Doch was ist, wenn man dort noch nicht angelangt ist? Ohne Material kein Job, ohne Job aber auch kein Material. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Somit wenden sich Anfänger oder Berufseinsteiger teilweise an kostspielige Institutionen, um sich Spielzsenen produzieren zu lassen. Oder man wirkt bei Kurz- und Studentenfilmen mit, um sein Repertoire für das Showreel aufzustocken.

Wenn man jedoch ständig nur die Krankenschwester spielt, oder das brave Mädchen von nebenan, kann man selten darauf aufmerksam machen, dass durchaus auch andere Figuren authentisch verkörpert werden können. Viele schieben es auf die mangelnde Fantasie der Besetzungsentscheider. Liegt aber sicherlich auch daran, dass einfach zu wenig Zeit für Live-Castings besteht und somit in kurzen Momentaufnahmen klar sein muß, dass der Schauspieler die Rolle tragen kann. Sprich: Hat man eine Rolle im Anzug auf dem Band, ist sofort klar „Ah ja, kann den Bänker spielen“. Der gleiche Schauspieler würde aber vielleicht nicht als Bänker in Frage kommen, wenn er in einer Rolle im Jogginganzug zu sehen wäre. Hinzu kommt, dass die Partner, die mit einem arbeiten wollen, am liebsten obendrauf noch die Persönlichkeit und den Mensch dahinter auf dem Showreel erkennen möchten. Wie soll man all das in wenige Sekunden verpacken, seine Betrachter in den Bann ziehen, sich als Privatperson vorstellen und zugleich klar machen: Ich kann die Prostituierte, die Bäckerin, die Putzfrau und auch Diva spielen?

Die ZAV München macht es vor! „sms – selfmadeshorties, das Festival der Showreelhits“ hieß die Aktion, bei der Schauspieler bundesweit aufgerufen wurden, ihren ganz persönlichen zweiminütigen Clip zu drehen und sich dabei so zu zeigen, wie man wirklich gesehen werden möchte. Die Kreativität, die dabei von den Teilnehmern freigesetzt wurde, ist überwältigend. Es macht wahnsinnig großen Spaß, diese humorvollen, leidenschaftlichen und erfrischenden Videos zu sehen. Man fühlt sich sofort zum Akteur verbunden und gewinnt im Grunde den allerbesten Einblick zur Person und zu den Fähigkeiten. Man wird überrascht, berührt und inspiriert.

Mit den technisch einfachsten Mitteln zeigen die Schauspieler dabei ihre Originalität und ihren Phantasiereichtum. Ca. 500 Bänder wurden eingeschickt, davon 15 nominiert und drei Gewinner vom Publikum gekürt. Im Gloria Palast Kino München durfte ich dabei sein, als die 15 nominierten Shorties uraufgeführt wurden. Als Zuschauer waren zahlreiche Casting-Directoren anwesend, darunter zum Beispiel Franziska Aigner, Silke Klug-Bader, Fritz Fleischhacker (BVC), Siegfried Wagner (BVC), An Dorthe Braker (BVC), Susanne Ritter (BVC), weiterhin Produzenten, Senderangehörige und viele Kollegen wie auch Pressevertreter.

Zuvor wurden die Nominierungen von der hier gelisteten hochkarätige Jury festgelegt.

Uwe Sophia Aldenhoven (Producerin die film GmbH)
Uli Aselmann (die film GmbH, Vorstand Produzentenallianz, deutsche Filmakademie)
Uwe Bünker (Casting-Director, Bünker Casting Berlin, BVC)
Thomas Biehl (Programmmanager dt. Fiktion + Koproduktionen Pro7/SAT.1)
Emrah Ertem (Casting-Director, finalcast Köln)
Sandra Köppe (Casting-Director, network-movie Köln)
Herbert Krätschel (Agent, Agentur ContrAct)
Stefanie von Poser (Schauspielerin, BFFS)
Götz Otto (Schauspieler, BFFS)
Hanna Schygulla (Schauspielerin, Festivalpräsidentin)

Die sms-Shorties sind eine überaus gelungene und sicherlich nachhaltige Form der Selbstdarstellung. Es ist ernsthaft zu überlegen, ob nicht jeder Schauspieler in Zukunft eine solche Präsentation auf seinem Band implementieren sollte. Das Publikum war jedenfalls schwer begeistert, es wurde gelacht, gejubelt und großer Respekt ausgesprochen. Mit Sicherheit wird die ZAV mit Daniel Philippen (ZAV München) als Initiator dieses Herzensprojekt weiter ausbauen und viele Casting-Directoren damit bereichern. Als Kooperationspartner wurde das Projekt neben casting-network, crew-united und schauspielervideos ebenso unterstützt vom Gloria-Palast, BFFS, Die film GmbH und Trailerhaus.

Die drei Gewinner:

1. Nadine Wrietz
2. Navid Akhavan
3. Genja Rykova

werden wir euch in Kürze noch einmal mit einem Making-of-Video sowie persönlichen Interviews bei outtakes vorstellen. Doch nun überzeugt euch selbst:
Alle 15 nominierten Videos hier zum Anschauen!

Viel Vergnügen!

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BFFS Aktion “Wir gehen baden …und mit uns die Kultur” – Video

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Wir gehen baden – und mit uns die Kultur! BFFS Aktion zum Filmfest München

Der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler sorgte innerhalb der letzten Jahre durch amüsante Aktionen wie unter anderem „Sind wir nun endgültig auf den Hund gekommen?“ oder „Ich bin preiswert“ für viel Gesprächs- und Pressestoff. Amüsant sind dabei nur die Wortspiele, die Themen dahinter allerdings hochgradig ernst.

Hintergrund bei „Sind wir nun endgültig auf den Hund gekommen“ ist der Gagenverfall bei TV- und Filmproduktionen, der nach unten hin mittlerweile „Hundegagen“ erreicht hat.

Hintergrund der Aktion „Ich bin preiswert“ war die plötzliche Amputation sämtlicher Kategorien beim deutschen Fernsehpreis, bei der künstlerische Einzel-Auszeichnungen für Regie, Kamera, Schnitt, Drehbuch… gestrichen wurden. Was bleibt da noch übrig? Die unterschwellige Selbstbeweihräucherung der mitwirkenden TV-Sender? Weiterlesen

Doch anstatt aus Protest nicht zur Fernsehpreisverleihung zu erscheinen – so  wie viele namhafte Kollegen es ursprünglich vor hatten – hat der BFFS dazu aufgerufen, lieber „Gesicht zu zeigen“ und „gute Miene zum bösen Spiel“ zu machen. Den deutlich sichtbaren Protest zeigten unter anderem Hape Kerkeling, Jessicca Schwarz, Annette Frier oder Thomas Kretschmann. Sie alle trugen die vom BFFS konzipierten silbernen Buttons mit der Aufschrift „Ich bin preiswert“. Der Slogan kann im Sinne von „preiswürdig“ als auch im Sinne von „günstig“ verstanden werden. Presse und anwesende Verantwortliche konnten dem Ausrufezeichen nicht aus dem Weg gehen. Daraus resultierend entstand die Deutsche Akademie für Fernsehen, die es sich zur Aufgabe macht quoten- und senderunabhängig – die Maßstäbe nach Qualität und künstlerischen Werten anzusetzen. Aus allen Sektionen wie Bildgestaltung, Casting, Dokumentation, Drehbuch, Kostümbild, Maskenbild, Musik, Produzent, Redaktion, Regie, Schauspiel, Filmeditoren, Szenenbild, Tongestaltung und so weiter haben sich Vertreter aus der Branche hier zusammengeschlossen.

Mitten in diesen Umbruchszeiten, in denen Künstler und Filmschaffende zunehmend ihre Interessen öffentlich machen, laufen auch die Tarifverhandlungen zwischen dem BFFS  und der Produzentenallianz.

Und wieder einmal beweist der BFFS kreative Darstellungskraft und ein Get-Together der friedlichen Art, um auf die folgenden Misstände aufmerksam zu machen. „Gehen wir jetzt alle baden“ heißt der spaßige Ernst, der mit diesen Worten im Rahmen des Filmfest Münchens zum Plantschen aufruft:

„…was wird eigentlich gefeiert?

Dass die Quote auch im öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen der einzige Maßstab zu sein scheint?
Dass der Stellenwert fiktionaler Programme im deutschen Fernsehen immer weiter sinkt?
Dass Filme, Serien und Reihen immer billiger produziert werden?
Dass immer mehr Kollegen weniger verdienen als unsere vierbeinigen Freunde, die Hunde?
Dass von Schauspielern zunehmend mit der größten Selbstverständlichkeit erwartet wird, unentgeltlich zu arbeiten?
Dass Produktionsfirmen zunehmend Reise-, Übernachtungs- und Castingkosten auf die Schauspieler abwälzen?
Dass Produktionsfirmen zunehmend Praktikantenkosten vom Filmteam bezahlen lassen?
Dass Produktionsfirmen zunehmend gegen Arbeitsschutzgesetze verstoßen?
Dass es inzwischen fast nur noch Buy-out-Gagen gibt?

Da stellt sich eigentlich eher die Frage: Gehen wir jetzt alle baden? Ja, genau das tun wir. Und zwar am:

Samstag, den 25. Juni 2011
anlässlich des Münchener Filmfestes
um 12:00 Uhr
am Stachus-Brunnen, Karlsplatz.

Bitte erscheint zahlreich, bringt Getränke und Badesachen mit (oder auch nicht, je nachdem, welche Fotos ihr wollt) und begegnet der Situation in angemessener Feierlaune. Herzliche Grüße, der BFFS Vorstand“

(Quelle: BFFS Newsletter vom 20.06.2011)

Ich würde sagen, das wird ein feucht-fröhliches Event bei dem Schauspieler sowie Filmschaffende sich zeigen sollten! Mit friedvollen Wasserbomben oder auch nur Fußtritten im Brunnen…

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Studentenfilme: Ist ein Schauspieler, der nichts kostet, weniger wert?

Über unprofessionelle Anfragen, Kommunikationsfehler und den unsicheren Umgang mit Schauspielern am Set. Bestandsaufnahmen aus meiner Sicht als Schauspielerin.

Vorweg zu diesem Thema muss betont werden, dass es unzählige, wunderbare und hochprofessionelle Produktionen der deutschsprachigen Filmhochschulen gibt, die sich auch international durchsetzen und von Schauspielern sowie weiteren Branchenangehörigen sehr geschätzt, gefördert und gelobt werden. Man kann wirklich sehr stolz auf den deutschen Filmnachwuchs blicken.

In diesem Beitrag soll aber auch die andere Seite der Medaille beleuchtet werden. Schwachstellen, die mittlerweile keine Einzelfälle mehr sind und immer wieder zu Diskussionen in Fachkreisen führen.

Denn ohne die Rückstellung, den Verzicht auf Gagen und die Mitwirkung teilweise prominenter Schauspieler würden viele wunderbare Produktionen der letzten Jahre in der Form nicht existieren. Warum werden Schauspieler in der Wertschöpfungskette einer Produktion dennoch erst als allerletzte Instanz berücksichtigt? Alles heutzutage hat seine Kosten und einen verhandelbaren Wert: Ausstattung, Fahrzeuge, Reisen, Technik, Catering… Doch die Schauspieler bleiben in der Kalkulation wie eine Selbstverständlichkeit außen vor. Denn sie sind ja austauschbar, sie gibt es im Überfluß. Weiterlesen

Ein wesentlicher Grund dafür ist also sicherlich das große Angebot und damit gepaart das leidenschaftliche und triebgesteuerte Bedürfnis aller Schauspieler vor der Kamera zu stehen oder auf der Bühne zu sein. Anfänger sind auf das Material angewiesen, erfahrene Schauspieler freuen sich über gute Drehbücher, die ihnen andere Spielfacetten abseits der stereotypischen Fernsehrollen ermöglichen. Manche Profis sehen es auch als „good-will“ und Nachwuchsförderung, dem jungen Film durch ihre Mitwirkung zu einem Mehrwert zu verhelfen.

Doch in welchem Beruf gibt es das überhaupt, dass man freiwillig und immer wieder „umsonst“ arbeitet? Oder kriegt man einen Handwerker, einen Steuerberater, einen Physiotherapeuten dazu, unentgeltlich tätig zu sein??? Absurd! Wenn es nicht gerade enge Freunde sind. Aber in unserer geliebten Film- und Fernsehbranche lebt und blüht vieles nur auf, weil es durch „low-Budget“, „No-Budget“ oder unschöner ausgedrückt „Dumping“ überhaupt möglich ist. Wer steht hier in der Verantwortung? Produzenten? Sendeanstalten? Die Filmförderung?
In jedem Fall ist klar, dass auch die Filmstudenten gezwungen sind, ins low-Budget zu gehen, um ihre Debüt- oder Abschlußfilme erst einmal realisieren zu können. Auch hier ist der Markt wohl stark überlaufen.

Alle Mitwirkenden einer Nachwuchsproduktion leisten also gemeinsam viel vor, um gute Qualität, gute Arbeit, ein wertvolles Werk zu schaffen. Wo gibt es das schon? Qualität fast zum Nullpreis! Diese Ansprüche, die Filmemacher und Schauspieler gleichermaßen leidenschaftlich vertreten, sollten von der Branche weder ausgenutzt, noch von jungen Filmemachern als selbstverständlich gehalten werden. Am Ende des Tages leistet auch der Schauspieler mühevolle Arbeit, investiert Zeit, sperrt Termine, verzichtet auf andere Erwerbsquellen, setzt sich inhaltlich mit einem Buch und der Rolle intensiv auseinander. Er geht in eine Arbeitshaltung über, unabhängig davon, ob das Engagement vergütet ist oder nicht. Unzuverlässige Schäfchen lassen wir mal außen vor. Die gibt es immer und überall, egal in welcher Sparte.

Es sollte auch ein Bewußtsein dafür da sein, dass Schauspieler keine funktionierenden Maschinen sind. Natürlich sind sie darin ausgebildet, Gefühle und seelische Zustände der Figuren in kürzester Zeit vor der Kamera zu transportieren, sie glaubhaft auf den Punkt zu bringen. Aber es unterliegt auch der Verantwortung des Teams, des ganzen Settings, diese höchste Kunst der Konzentration, der Intimität, Ruhe und Spannungskraft, die ein Schauspieler braucht, durch eine positive Atmosphäre zu schaffen. Fachlich talentierte Regiestudenten sind ganz neuen Herausforderungen ausgesetzt, wenn sie plötzlich am Set einem etablierten Schauspieler gegenüber stehen. Manche sind dabei überfordert, möchten natürlich eine gute Diplomarbeit abliefern, tolle Bilder kreieren und müßen die technische Umsetzung aller Departements im Auge behalten, dafür Sorge tragen, dass alles bis ins letzte Detail rund läuft. Dabei verlieren sie manchmal das Wesentliche aus dem Auge: Die Schauspieler, die das Projekt letztendlich mit ihren Gesichtern repräsentieren. Die Qualität und Bildkraft fällt und steht nicht zuletzt auch mit der Darstellung der Schauspieler. Damit ein Schauspieler seine Energie und Konzentration also bewahrt und das Beste daraus schöpfen kann, müssen alle Glieder am Set dieses gewisse Feingefühl füreinander aufbringen. Schlechte Stimmung unter den Stabmitgliedern, Übermüdung, Zeitdruck, Hetzen, Gereiztheit, nervige Unterbrechungen… all das kennen wir im Setalltag und es läßt sich nie ganz vermeiden. Doch diese Spannungen übertragen sich auch stark auf die Psyche der Schauspieler, beeinflussen ihre Konzentration und folglich die Spielqualität. Manche Abteilungen wissen gar nicht, warum Schauspieler am Set so „gepampert“ werden. Es wird mit divenhaften Klischees in Verbindung gebracht oder mit der Vorstellung, dass man den Schauspieler als etwas „besonderes“ behandeln müsste. Aber darum geht es keinesfalls! Zunächst einmal sollte jeder in einem Team mit dem gleichen Respekt behandelt werden und einen positiven Umgang zu allen pflegen. Egal ob Kabelträger, Regieassi oder der Star.

Was nun Schauspieler und ihre „Sonderwünsche“ angehen: Einen ruhigen Raum zum Rückzug zur Verfügung stellen, ausreichend Schlaf, kein Stress, ein möglichst harmonisches Umfeld bieten u.s.w. dient ausschließlich dazu, die optimalste Leistung von Darstellern zu erzielen und sollte im eigenen Interesse der Produktion stehen.
Je ausgeglichener und entspannter ein Schauspieler am Set ist, desto höher das spielerische Einfühlungsvermögen. Die erarbeitete Rolle ist zwar verinnerlicht und technisch abrufbar, aber die Psyche ist ja unser Werkzeug und in gewisser Weise auch tagesformabhängig. Wir nehmen äußere Einflüße ja dennoch wahr. Negative Ablenkungen können mental schaden. Texthänger, Overacting, unnatürliche Wiedergabe einer Szene können die Folge sein. Und am Ende des Tages fragt keiner im Kino danach, ob der Schauspieler 16 Std. täglich am Set war oder die Heizung im Wohnwagen bei minus 10 Grad nicht funktioniert hat. Der Schauspieler ist im Endeffekt als Aushängeschild  der Produktion dem Urteil des Publikums ausgesetzt.

Aber wie läßt sich die Zusammenarbeit zwischen Filmstudenten und Schauspielern und Agenturen nun optimieren? Neben den wirklich reibungslosen und tollen Studentenfilmen scheint es gelegentlich die unkorrekten Beispiele zu geben, wo no-goes zur Regel werden. Ich bin überzeugt, die Defizite kommen überwiegend durch Unkenntnis, mangelnde Erfahrung oder Naivität auf. Weniger aus Absicht oder Kalkül. Die Sensibilisierung für die gegenseitige Arbeit sollte stets geschult und professionalisiert werden. Im Rahmen der BFFS-Stammtische begrüßten wir bereits einige Male Vertreter von Filmhochschulen, mit denen wir sehr offen, kollegial und interessiert einen Dialog führten. Grundsätzlich appelieren wir zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit diesen Themen innerhalb des Studienverlaufs. Oft hat man den Eindruck, dass die Studenten allein auf die technischen, produktionswirtschaftlichen und visuellen Notwendigkeiten konzentriert sind. Doch wie werden die anderen Bereiche abgedeckt? Werden Studienangebote zu „Schauspielführung“, „Verhalten am Set“, „Verträge mit Schauspielern“, „Formalitäten“, „Akquise“, „Agenturen“, „Casting“ „branchenübliche Bedingungen“ u.s.w. in der Praxis ausreichend trainiert? Welche Angebote und Schwerpunkte setzen die Unis und privaten Filmakademien in diesem Bereich? Oder unterliegt es der eigenen Verantwortung der Nachwuchsregisseure, sich mit diesen Aufgabengebieten eigenständig vertraut zu machen?

Es ist auch eine Persönlichkeitsfrage wie offen, selbstsicher, kommunikationsfähig, sensibel, diplomatisch und gar pädagogisch Regisseure ihre Akteure an die Hand nehmen können. Wie sie ihre Regieanweisungen vermitteln, wie aufnahmefähig auf Vorschläge oder Kritik von Schauspielern eingegangen wird. Wie sie neben all dem Produktionsdruck und Zeitmangel noch in der Lage sind, für ihre Schauspieler die bestmögliche Arbeitsumgebung am Set zu schaffen.

Eine gute Arbeitsbeziehung sowie Vertrauen fängt schon in der Vorstufe an!
Aus häufigen Fallberichten stelle ich hier einige Klassiker vor:

Agenturanfrage, die erste Hemmschwelle
Wieso werden Schauspieler, die von Agenturen vertreten werden immer wieder persönlich via mail oder Anruf kontaktiert? Den Agenten zu umgehen zeigt Unsicherheit. Der Agent ist der engste Berater und Karrierebegleiter der Schauspieler. Die Filmstudenten haben teilweise vielleicht Angst, sich der professionellen Institution „Agentur“ zu stellen oder möchten eine Ablehnung vermeiden. Sie suchen natürlich auch den direkten persönlichen Kontakt zum Schauspieler. Was sie dabei übersehen ist, das wir Schauspieler trotzdem – und allen voran – unsere Agenten einbeziehen (müssen), mit ihnen das Projekt und die Rolle besprechen, beraten, Termine abklären u.s.w.
Wenn die Filmemacher also seriös und überzeugend auftreten möchten, sollte der Weg über die Agentur nicht ausgeklammert werden. Ganz klar, wenn der man den Schauspieler bereits persönlich kennt oder über Empfehlungen auf ihn aufmerksam wurde, ist es völlig in Ordnung auch direkt auf den Schauspieler zu zugehen.

Anforderungen bei ersten Anfragen
Diverse Institutionen berichten, dass die Ansprüche an die Schauspieler von seiten der Produktionen immer höher werden. Vorab werden Materialen, Daten, Termine, Sperren und viele weitere Anforderungen gestellt, ohne dass zunächst auch ein umgekehrter Einblick erfolgt. Was hat dagegen die Produktion zu bieten? Angaben zu Referenzen des Regisseurs, Drehbucheinblick, grobes Budget, Lauflänge, verwendete Technik, konkrete Produktionszeit, geplante Auswertungen,… Sich mit dieser Transparenz zurück zu halten, aber vom Gegenüber möglichst alles im voraus einzuholen, legt keinen guten Start vor.
Ich kenne Beispiele aus Studentenproduktionen, die in ihren ersten Anfragen Fotos in aufwendigen Kostümen einfordern – in alternativen Varianten versteht sich – ohne dass im Vorfeld überhaupt mal eine Angabe zur Rolle oder zum Buch gemacht wird. Manche fordern sogar verbindliche Zusagen, bevor wesentliche Angaben offenkundig sind und besprochen wurden. Basicdaten werden – auch wenn sie erst nur grob oder ansatzweise feststehen – wohl nicht immer automatisch kommuniziert. Wenn Schauspieler hier schon hinterher rennen müssen, um zu erfahren wer die Regie macht, ob nun auf der RED oder doch nur DV gedreht wird, ob 60 Minuten oder dann plötzlich nur 30 Minuten Lauflänge übrig bleiben, sind das natürlich ausschlaggebende Werte, die für eine Zu- oder Absage entscheidend sein können.

Anreise zum Casting
Hierbei fällt auf, dass es immer selbstverständlicher wird, dass Schauspieler für einen unbezahlten Dreh quer durch die Republik zum Casting oder einem ersten Kennenlernen anreisen sollen. Man muss evtl. unterscheiden zwischen Anfängern und etablierten Schauspielern, die jahrelang im Berufsleben stehen. Für Anfänger ist ein Studentenfilm immernoch eine win-win Situation. Bei „älteren“ oder erfahreneren Schauspielern kann allerdings nicht unbedingt vorausgesetzt werden, dass sie auf eigene Kosten zum Casting fahren/fliegen würden.

Sperrtermine
Es wird drum gebeten, dass man sich für den Produktionszeitraum nun alles frei hällt, frei schaufelt, andere (bezahlte!) Engagements sogar sperrt, absagt, um am Ende zu erfahren, dass plötzlich jemand anderes die Rolle bekommt. Bitter, aber wahr! Hat es alles schon gegeben.
Falls sich ein vergütetes Angebot im Produktionszeitraum für den Schauspieler ergeben sollte, wäre es nur fair, wenn man versucht, dies zu ermöglichen. Manche sind da sehr flexibel, kulant und verständnisvoll und schmeißen ihren kompletten Drehplan um, sodass der Schauspieler parallel den Erwerb mitnehmen kann. Sowas ist top und wird sich mit nachhaltiger Verbundenheit bezahlt machen.

Verträge:
Einigen rollen sich die Fußnägel hoch, wenn man sie von Beginn an auf einen Vertrag anspricht. Erstens will man scheinbar immernoch auf die Formalitäten verzichten, zweitens sind sie damit teilweise überfordert. Wenn es dann heißt, „wir können aber eh keine Versicherung übernehmen“, bspw. im Falle eines Unfalls – von Sozialversicherung brauchen wir gar nicht erst zu reden – oder „wir haben ja im Grunde gar kein Budget“, wird damit versucht, die Relevanz eines Vertrages zu minimieren.
Doch ein Vertrag sichert ja nicht nur die Interessen des Schauspielers ab, wie Rückstellung einer Gage oder Erfolgsbeteiligung bei gewinnbringender Auswertung. Die Studenten können anhand eines Vertrages die zeitliche Verfügbarkeit des Schauspielers sicherstellen und sollten auch unbedingt die u.a. die Bildrechte mit Hilfe eines Vertrages klären. Verwunderlich finde ich, dass manche Unis offenbar Vorlagen dazu parat haben, andere wiederum gar nicht. Meistens werden diese Dokumente dann als universelle Variante ohne individuelle Anpassung dann von einer Produktion zur nächsten weiter gereicht. Was inhaltlich da verabredet wird, ist einigen scheinbar gar nicht geläufig.

Material nach dem Dreh
Last but not least ist einer der häufigsten und mit Abstand ärgerlichsten no-goes in der Zusammenarbeit: Nicht aushändigen des Materials!
Liebe Studenten, das einzige was den Schauspielern am Ende des Tages für ihren Einsatz bleibt und bereit gestellt werden sollte ist das Material!!! Undzwar nicht nach 2 Jahren, oder nachdem der Schasupieler schon 10 mal danach gefragt hat und hinterher rennen mußte, sondern unaufgefordert und möglichst vor oder gleich im Anschluß der Premiere. Ich kenne keinen einzigen Schauspieler, der diese Erfahrung nicht schon mindestens einmal gemacht hat. Und das ist unterm Strich wirklich undankbar. Und als i-Tüpfelchen nicht mal im Abspann erwähnt zu werden, ist achtlos und erweckt den Eindruck der geringen Wertschätzung nur noch mehr.

Auf ein gewisses natürliches Chaos ist jeder noch so erfahrene Schauspieler eingestellt. Man weiß diesen Lernprozess einzuordnen und die Erfahrungswerte steigen ja von Produktion zu Produktion. Dafür ist in der Regel Verständnis gegeben. Im übrigen ist Chaos ja selbst bei den hochkarätigsten TV- oder Kinoproduktionen immer mal wieder Gang und Gäbe.

Aber Fazit ist: Respekt, Anerkennung und ein rücksichtvoller Umgang miteinander ist das Wenigste und Mindeste, womit wir Kreativen unsere gegenseitige Dankbarkeit ausdrücken können und sollten. Denn wir ziehen im Grunde alle am selben Strang!

Weitere Meinungen dazu?
– Wie sind die Erfahrungen der ZAV und privaten Agenturen mit Studentenproduktionen?
– Wie beurteilen das die Leiter und Lehrkräfte der Filmhochschulen?
– Wie erleben das die Filmstudenten selbst?

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Rückschau BFFS-Stammtisch Köln | Thema: Daily-Soap-Telenovela Formate

Am vergangenen Montag Abend fanden in Köln, Berlin, Hamburg und München die monatlichen BFFS-Stammtische statt.
Bei diesen Netzwerkveranstaltungen behandeln wir abwechselnde Themen mit entsprechenden Fachgästen wie u.a. Produzenten, Casting-Directoren, Redakteure, Autoren, Regisseure, Vertreter von Filmhochschulen oder Journalisten.

Der Kölner Standort bringt viele NRW Schauspieler durch die Daily-Formate wie  „Unter uns“, „Verbotene Liebe”, „Alles was zählt“, „Lena“,  damals auch „die Arnreihner“ in Lohn und Brot. Anlass genug, einen informativen Abend im Hinblick auf Set-Alltag, Produktionsbedingungen, Budgets, Anforderungen einer Daily, Rollenentwicklung, Castingverläufe, Storyline… zu veranstalten. Weiterlesen

Als Fachgäste waren da:
Mirko Beckmann (Casting-Director bei outcast | ehemals Grundy Ufa)
Tina Franz (Casting-Director bei „Unter uns“ | Grundy Ufa)
Christian Singh (Regie „Herzflimmern“, „Marienhof“, „Verbotene Liebe“)
Christian Rietz (ehemals Story-Editor und Storyliner bei „Verbotene Liebe“)
Jo Weil (Schauspieler im Hauptcast bei „Verbotene Liebe“)

Es war ein inhaltlich sehr gut zusammen gefasster, interaktiver Abend. Der Austausch hat dazu beigetragen, einen tieferen Einblick in die Produktionsabläufe einer Daily zu gewinnen und hintergründige Entscheidungen sowie Vor- und Nachteile mancher Prozesse besser zu verstehen.

Fragen zum Thema Dailys? Auf Anregungen, Wünsche oder andere Unklarheiten versuchen wir einzugehen und ggf. weitere Expertenmeinungen einzuholen.

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cn-klappe: Interview mit Prof. Gebhard Henke

Prof. Gebhard Henke | © Foto WDR

Wir sprachen mit dem Leiter des Programmbereichs Fernsehfilm, Kino und Serie beim WDR über den Berufsstand des Redakteurs, Budgets, Serienkonzepte, den Einfluss beim Casting und so manches Schubladen-Denken.

 

HINTER DEN KULISSEN | Unsere aktuelle Reihe
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Tips zum Festival-Crashen in Cannes

Filmfestspiele Cannes 2011:
Wie schlägt man sich beim ersten Besuch auf einem internationalen Festival durch? Oberstes Gebot: rechtzeitig zu den angegebenen Fristen akkreditieren!!! Meistens laufen die bereits einen Monat vor Festivalbeginn schon aus! Wenn man die Deadline allerdings überschritten hat, gibt es manchmal noch die Möglichkeit am “Late Accreditation” Schalter eine Akkreditierung zu ersuchen. Weiterlesen

Das bedeutet allerdings viel Rennerei, Durchhaltevermögen und das Einreichen einiger Nachweise und Dokumente, aus denen hervorgehen, dass man im Filmbuisness tätig ist.
Vorteil der rechtzeitigen Akkreditierung für Schauspieler, Regisseure und anderen Filmkünstler ist, es ist kostenlos. Bei der Late Akkreditierung fällt dagegen eine Verwaltungsgebühr von 98 € an.
Schauspieler müssen in erster Linie ein Schreiben ihrer Agenturen vorzeigen, in dem die Agentur bestätigt, dass man dort exklusiv unter Vertrag ist. Darüber hinaus eine buisness-card vorlegen (!). Auf die Visitenkarte wird in Cannes größten Wert gelegt. Natürlich ist auch die Vita, evtl. noch ein Ausdruck von IMDb und eine Berufsverbandszugehörigkeit erforderlich. Wer zudem noch zusätzlich Pressematerial seiner gespielten Filme beilegt (wo man als Person bildlich zu erkennen sein sollte; Cover, Flyer, Magazinausschnitt…), hat sehr gute Chancen. Das alles würde reibungslos funktionieren, wenn man dies bereits zur Frist einreicht. Bei der Late Akkreditierung ist das Kontingent allerdings sehr beschränkt. In dem Fall haben auch meine Nachweise nichts mehr genützt. 3 Tage Schlange stehen am Schalter und immer wieder die zusätzlich geforderten Unterlagen mitbringen, war letztendlich zwecklos. Zum Finale kam mir jedoch zu Gute, dass ich als Patin beim BFFS die einzige Vertreterin des deutschen Berufsverbandes vor Ort war. So hat es dann nach einigen e-mails, die der BFFS der Akkreditierungsstelle sendete, doch noch geklappt. Das Problem ist, man kann noch so viele Einladungen auf Empfänge, Partys, Premieren und co. haben, ohne die Akkreditierung kommt man leider gar nicht erst aufs Festivalgelände. Und alles spielt sich nunmal dort ab. Die ganzen schönen Pavillions der einzelnen Länder am Strand, die gesamten Repräsentanten des internationalen Kinogeschäftes, alle Beach-Empfänge von Arri, Kodak, Arte, german films u.s.w. haben alle ihre Zelte, Pavillions, Yachten und Räumlichkeiten auf dem Festivalgelände. Filme gucken inklusive. Im Gegensatz zu deutschen Festivals ist Cannes eben kein Publikumsfestival, sondern ein reines Branchennetworking.  Normal sterbliche Zuschauer können hier somit keine Filme sehen. Punkt. Auch als Schauspielerin bin ich hier in der absoluten Minderheit. Hier treffen sich in erster Linie alle Big Player des Filmbusiness, um zukünftige Projekte und Zusammenarbeiten zu forcieren.
Produzenten gibt es es hier wie Sand am Meer und natürlich sind auch die Geschäftsführer sämtlicher Filmfördungsanstalten, Verleiher, größere Produktionsfirmenfirmen u.s.w. leibhaftig vertreten.
Ach ja, die Presse ist hier selbstverständlich auch ganz vorn dabei. Wunderbarer Ort um tagtäglich mit allen möglichen Kollegen aus Deutschland ins Gespräch zu kommen ist das “German Pavillion”. Ein Traum am Meer: eine open-Air Lounge dierekt am Strand, Getränke sind frei und W-lan inklusive. Persönliche Treffen und meetings werden hier verabredet. So sitzt tagtäglich der Geschäftsführer vom Medienboard Berlin-Brandenburg neben mir und beschpricht unter freiem Himmel künftige Projekte, Journalsitenkollegen tippen hier schnell nach jeder Pressevorführung ihre Kritiken ab, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, andere Politiker, sämtliche Produzenten und der junge Filmnachwuchs kommen hier alle zusammen.

Buisness, buisness, buisness ist hier die Devise. Mit Sonne und Meerblick und die Füße im Sand. Natürlich finden laufend – neben den Filmen – auf allen Booten und anderen noblen Räumlichkeiten weitere Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen oder Workshops statt. Doch der Treff- und Sammelpunkt bleibt das deutsche Pavillion. Es sei dann, man will mit den Belgiern oder den Asiaten oder anderen Nationen verhandeln, dann geht man nach nebenan in die Lounges der anderen Länder vorbeischauen.
“Um 15 uhr habe ich einen Termin bei den Brasilianern oder ich muß schnell zu den Briten rüber”. Die akkreditierten Produzenten und Firmen aus aller Welt sind hier in einem dicken Handbuch mit Foto, Mobilnummer und e-mail Adresse aufgeführt. Das ist sozusagen die Cannes Bibel. Potentielle Co-Produzenten werden dann bspw. direkt angerufen oder kurz angeschrieben und man macht einen Termin im jeweiligen Länder Pavillion. So ist das ein kommen und gehen den ganzen Tag. Man kann alle kennen lernen, jeder ist hier offen und aufmerksam für die gegenseitigen Arbeiten. Fast schon wie Völkerverständigung.

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cn-klappe: Im Interview mit Petra Müller

Petra Müller | Foto © Filmstiftung NRW

 

Wir sprachen mit der neuen Geschäftsführerin der Filmstiftung NRW über Starsysteme, Nachwuchsfilmemacher, Qualität und Low-Budget sowie dem Medienstandort Nordrhein-Westfalen.

Das komplette Interview lesen?

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