Publizierungen von: Ian Umlauff

Endgültig am Ende …

Das Kölner Filmhaus ist tot, das neue soll leben! Gleich nach dem Aus für die freie Weiterbildungseinrichtung, will der neugegründete Trägerverein weitermachen, wo aufgehört wurde. Nur besser. | Foto © Kölner Filmhaus

Das Kölner Filmhaus schließt endgültig. Der Kölner Filmhaus Verein wird aufgelöst. Obwohl das Sanierungskonzept des neuen Vereinsvorstands nach eigenen Angaben von der Hausbank und der Stadt Köln für aussichtsreich gehalten worden war, hat die Stadt Köln sich am Mittwoch dagegen entschieden, dem Kölner Filmhaus beziehungsweise dem Kölner Filmhaus Verein die Weiterarbeit zu ermöglichen. Die Stadt hat dem Filmhaus nicht erlaubt, die Immobilie in der Kölner Maybachstraße, der Hauptsitz des Vereins, abermals als Sicherheit für einen neuen Kredit in Höhe von 600.000 Euro einzusetzen. Einen entsprechenden Dringlichkeitsentscheid hätten der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) sowie der Vorsitzende des Liegenschaftsausschusses, Jörg Frank (Die Grünen), schließlich doch abgelehnt. „Es hat kein ausreichendes Vertrauen in das Konzept und die vorgelegten Zahlen zur Finanzierbarkeit gegeben“, begründete Stadtsprecherin Inge Schürmann laut Kölner Stadt-Anzeiger  die Entscheidung.

Unbestätigten Berichten zufolge habe auch eine Rolle gespielt, dass die Stadt den Aus- und Weiterbildungsbereich, den das Kölner Filmhaus in den vergangenen Jahren aufgebaut und betrieben habe, für zu groß und in dieser Form für nicht wünschenswert halte. Das Filmhaus sei eher als Kulturstandort erwünscht, als Veranstalter von Festivals und ähnlichen Events.

Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins am 26. Juni war es zum Eklat gekommen: Weiterlesen

Vorstand und Geschäftsführung des Vereins erklärten ihren Rücktritt. Grund seien Fragen der Vereinsmitglieder zu undurchsichtigen Finanzpraktiken der Vereinsführung gewesen. Nach dem Rücktritt, der erst Mitte September wirksam wurde, versuchte ein neugewählter Vorstand, zu retten, was noch zu retten war – und stieß nach eigenen Angaben auf noch mehr Ungereimtheiten: „Der neu gewählte Vorstand fand das Haus in einem optisch, organisatorisch und verwaltungstechnisch desolaten Zustand vor“, schrieb man am 2. November in einer Pressemitteilung: „Nachweise über die Verwendung von Fördermitteln waren über Jahre nicht erbracht und Rückzahlungsforderungen ignoriert worden. Einen Umschlag nicht erfasster Rechnungen in Höhe von über 18.000 Euro schickte der ehemalige Geschäftsführer nachträglich. Niemand weiß, ob noch weitere dieser Umschläge auftauchen.“

Die Entscheidung der Stadt kam nun nicht überraschend, dennoch hatte man sich Hoffnungen gemacht. „Nach all der ehrenamtlichen Arbeit, die wir in den letzten Wochen investiert haben, sind wir natürlich sehr enttäuscht“, sagt Manfred Ganswind, der zweite Vorsitzende des Vereins. „Im Moment denken wir noch sehr nach vorne. Wir sind noch nicht so weit, jetzt trauern zu können, sondern versuchen einfach noch zu retten, was zu retten ist.“ Auch Britta Butzmühlen, die Vorsitzende des Vereins, hält das Ende des Filmhauses für „unfassbar“. Selbst in den vergangenen Monaten, die das Filmhaus mit der Insolvenz rang, seien die Anmelde- und Teilnehmerzahlen von Seminar- und Ausbildungsangeboten des Filmhauses nach wie vor sehr gut gewesen. Diverse Angebote seien restlos ausgebucht, so Butzmühlen. Angesichts dieses erwiesen hohen Aus- und Weiterbildungsbedarfs der Kölner Medienbranche sei für sie diese Entscheidung der Stadt Köln nicht nachvollziehbar. Stephan Brüggenthies, der Vorsitzende des Filmbüro NRW, sagte laut „Kölner Stadt-Anzeiger“: „In einer Stadt, die sich Medien- und Kulturmetropole nennt, ist dies eine schlimme Nachricht.“

Um die Bereiche Aus- und Weiterbildung sowie Technik zu retten, versuche die vor zwei Wochen gegründete GmbH, diese aufzukaufen und weiterzuführen. „Im Moment“, so Ganswind, „stecken wir alle Energie da rein, die letzten Arbeitsplätze noch zu retten.“ Alle Mitarbeiter des Filmhauses, die nicht in den Bereichen Aus- und Weiterbildung gearbeitet hätten, das ist etwa die Hälfte der Belegschaft, habe jedoch bereits die Kündigung von der Insolvenzverwaltung erhalten. Ob die übrigen Arbeitsplätze gerettet werden könnten, hänge davon ab, ob und wie lange die GmbH in den nächsten Wochen und Monaten noch das Gebäude in der Kölner Maybachstraße nutzen dürfe. Sollten etwaige Mietkonditionen für die GmbH nicht annehmbar sein, müsste auch den letzten Mitarbeitern gekündigt werden.

Auch die Fortsetzung der aktuell stattfindenden Seminare sei hiervon abhängig, so Ganswind. In Babelsberg müsste eine mehrmonatige Editing Ausbildung für eine Woche unterbrochen werden, bis neue Räume gefunden seien. Aufgrund der Insolvenz habe der Vermieter die bisher genutzten Räume nicht weiter bereitgestellt. Ganswind geht jedoch davon aus, dass alle Seminare weitergeführt werden könnten, da die neu gegründete GmbH über die nötigen Mittel verfüge, den ohnehin nur symbolischen Kaufpreis für die Bereiche Aus- und Weiterbildung  beziehungsweise Technik aufzubringen. Bis Montag, 5. November 2012 abends, hätten sich die GmbH und die Insolvenzverwaltung noch nicht über den Verkauf des Bereiches Aus- und Weiterbildung einigen können, sodass die Einigung nun für Dienstagvormittag erhofft würde. Ein ausgebuchtes Drehbuchautorenseminar, dessen Beginn für das Wochenende geplant ist, solle in jedem Fall beginnen, so Ganswind am Montagabend.

In NRW war das Filmhaus über die Jahre zur festen Institution geworden. Es galt als Vorreiter in Deutschland, was freie Aus- und Weiterbildung in der Medienbranche angeht. Zu den Dozenten zählten neben vielen anderen auch Keith Cunningham, Pepe Danquart, Jörg Friedrich, Lutz Hachmeister, Kaspar Heidelbach, Slawomir Idziak und Jost Vacano. Mit der Schließung des Kölner Filmhauses geht nach 31 Jahren dieses Kapitel freier nordrhein-westfälischer Filmkultur zu Ende.

Oder vielleicht auch nicht. Schon am nächsten Tag schritten die Vereinsmitglieder zu einer Art Wiederauferstehung, über die sie am Donnerstag in einer Pressemitteilung informierten: „Am 6.11.2012 gründeten 34 Filmschaffende aus ganz Deutschland den ,Neuer Kölner Filmhaus e.V. (in Gründung)‘ in den Räumlichkeiten des Kinos 813. In dem Verein wollen sich unabhängige Filmemacher untereinander vernetzen, gemeinsam produzieren und zusammen weiterentwickeln. Professor Fosco Dubini, Gründungsmitglied des Kölner Filmhauses vor 31 Jahren, lies es sich nicht nehmen, zu den ersten Unterzeichnern zu gehören.“

Der vierköpfige Vorstand bleibt der gleiche wie beim Vorgängerverein. Die Neugründung bringe „die Chance, den Vereinszweck und dessen Ausgestaltung grundsätzlich neu zu durchdenken.“

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