Publizierungen von: Michaela Glocker

Über die Schließung meiner Schauspieleragentur MG Management

Michaela Glocker | © Stéphanie Hill

Meine Schauspieleragentur MG Management aus München hat im Frühjahr 2013 ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Der Branche bleibe ich jedoch weiterhin mit der Komparsen- und Kleindarstelleragentur Casting Glocker erhalten. Ich verabschiede mich hiermit mit den folgenden Worten:

„Der von uns so sehr erhoffte Erfolg blieb aus – die Anfragen und Besetzungen kamen leider zu selten, um sich über Wasser zu halten. Ich bedanke mich für die vielen schönen Momente mit Ihnen und wünsche Ihnen allen ein glückliches, erfolgreiches Leben! Man trifft sich bekanntlich immer zweimal im Leben – wer weiß…”

Darüber hinaus habe ich anlässlich der Aufgabe von MG Management mit Tina Thiele beschlossen, meine persönlichen Beweggründe [ohne Anspruch auf repräsentativen Charakter, Anm. d. Red.] in einem kleinen Interview zu vertiefen. Weiterlesen

Wie lange gab es Ihre Agentur?
Den Launch der Website hatte ich am 22. August 2010 – also vor drei Jahren. Der Gedanke, eine eigene Schauspieleragentur zu gründen, hatte mich zuvor jahrelang verfolgt. Ich habe bemerkt, dass es mir unendlichen Spaß bereitete, Kleindarsteller mit Textrollen zu besetzen und darf behaupten, dass ich hierfür ein gutes Händchen habe. Mir war völlig bewusst, dass die Gründung eines Schauspielermanagements eine ganz neue Herausforderung gegenüber meinem bisherigen Tätigkeitsfeld im Komparsen- und Kleindarstellerbereich darstellt! Jeder Mensch möchte sich im Leben weiter entwickeln: 2010 habe ich mir diesen Wunsch dann erfüllt und MG Management gegründet.

Was war das Alleinstellungsmerkmal bzw. der Schwerpunkt Ihrer Agentur?
Einen Schwerpunkt in diesem Sinn hatte ich nicht. Mein Wunsch und Ziel war es, jungen talentierten Schauspielern die Aufnahme in eine Agentur zu ermöglichen, sie aufzubauen und zum Erfolg zu bringen. Viele alt eingesessene Agenturen haben das Glück, sogenannte „Zugpferde“ zu vertreten. Ich hatte gehofft, aus noch nicht bekannten Darstellern solche „Zugpferde“ zu machen und zu beweisen, dass aus einem interessanten und talentierten Newcomer auch ein Daniel Brühl oder eine Alina Levshin werden kann. Als Agentur war aus meiner Sicht die Chance weitaus größer, bei Auftraggebern vorstellig zu werden. Leider hat man uns diese Chance nicht gegeben.

Nach welchen Kriterien haben Sie Ihre Schauspieler ausgewählt?
Zunächst war es mir wichtig, die Darsteller nicht aufgrund Ihrer Alleinstellungsmerkmale in Konkurrenz treten zu lassen, wie Aussehen, Special Skills und, dass sie über ganz Deutschland verteilt sind. Meine Hoffnung war es, die Caster von Süden bis Norden zu erreichen, was sich dann allerdings als Fehlentscheidung entpuppte. Nach Rücksprache mit den Castern aus Norddeutschland, teilten mir diese mit, dass sie aufgrund der hohen Hotelund Reisekosten favorisiert auf Darsteller vor Ort zurückgreifen „müssen“. Auf Empfehlung einer sehr geschätzten Casterin aus München habe ich daraufhin gezielt Künstler aus Bayern in die Agentur aufgenommen und gesteigerten Wert darauf gelegt, dass diese den entsprechenden Dialekt beherrschen und eine staatliche Ausbildung haben. Allgemein habe ich das, was mir die Casting Directors, als meine Hauptansprechpartner, empfahlen und ich als einleuchtend empfand, umgesetzt.

Was haben Sie an Ihrer Arbeit als Agentin geliebt?
Ich habe für den Aufbau dieser Agentur gelebt und das Strahlen in der Stimme eines Schauspielers, wenn er besetzt wurde, war für mich das größte Glück. Auch der Kontakt zu den Castern hat mir große Freude bereitet.

Was weniger?
Leid hat es mir getan, agenturlosen Schauspielern, die sich um einen Platz bei MGM beworben haben, Absagen zu erteilen. Die vielen E-Mails negativ zu beantworten, machte keinen Spaß. Hinzu kam die ständige Pflege aller Datenbanken und der eigenen Website sowie aller Business- und Socialmedia-Netzwerke. Dies war nicht nur ein Kosten- sondern, allen voran, auch ein Zeitaufwand. Hier steht der Output in keinem anständigen Verhältnis mehr zum Aufwand. Verstehen Sie mich hier nicht falsch, aber „der Markt“ degradierte einen nahezu zur Personalunion „Cutter – Fotograf – aktueller Demobandszenen-Beschaffer“. Zudem gab es keinen persönlichen Austausch der Schauspieler mit potentiellen Auftraggebern durch Livecastings: Bei jeder Partnerbörse erfolgt ein persönliches Kennen-Lernen, wenn man durchs Netz auf jemand Interessantes stößt.

Was waren Ihre Hauptaufgaben als Agentin?
Gezielte Auswahl der Darsteller. Hilfestellung bei der Erstellung des Profils bei MGM. Wahrung der Aktualität der Fotos, Vitae, Showreels sowohl auf meiner Website als auch bei den Datenbanken. Hilfestellung für die Künstler, wenn es um Bewerbungsgespräche bei den Castern ging. Bei erfolgreicher Besetzung: Vertrags- und Gagenverhandlung mit der Produktion und Beratung der Darsteller bis zur Vertragsunterzeichnung. Es geht ja nicht immer um die Beratung zu einem Projekt – sehr oft war ich damit beschäftigt, meinen Darstellern von Projekten abzuraten, die meines Erachtens nicht förderlich für deren Karriere sind. Ein sehr schwieriges Unterfangen, denn viele Künstler wollen unbedingt vor die Kamera und übersehen dabei vielleicht, dass sie sich mit entsprechenden Projekten eher schaden als nutzen, auch durch unterbotene Gagen, welche leider zunehmendes Preisdumping auf dem Markt unterstützen.

Was hat zur Aufgabe der Agentur geführt?
Der ausbleibende Erfolg hat mich sehr belastet, weil auch meine Klienten darüber sehr traurig waren. Darüber fand natürlich des Öfteren ein Kommunikationsaustausch statt. Ich habe zwangsläufig diesen Schmerz mitgetragen und hierzu bin ich leider nicht mehr fähig.

Wie geht es für Sie und Ihre Schauspieler nun weiter?
Meine Schauspieler sind damit beschäftigt, sich um eine neue Agentur zu bemühen. Dies gestaltet sich sehr schwierig, da es unendlich viele agenturlose Schauspieler gibt und die Konkurrenz hier sehr groß ist. Viele haben glücklicherweise noch Theaterengagements oder aber halten sich mit anderen Jobs über Wasser, die leider nicht wirklich etwas mit ihrem Lebenstraum „Schauspieler“ zu tun haben.

Was wünschen Sie sich für die Branche?
Ich habe stets darauf geachtet, den Kontakt zu den Castern in dezenter, zurückhaltender Weise zu pflegen und habe mich bemüht, die Anregungen der Caster umzusetzen. Wenn beispielsweise eine e-casting-Anfrage von Seiten der Caster reinkam, habe ich meine Schauspieler auch sofort bei der Umsetzung unterstützt. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Kolleginnen und Kollegen auch nicht zaubern können, wenn es um Besetzungen geht und, dass es sehr mühsam sein kann, wenn ständig jemand an die Tür klopft. Ich wünschte mir sehr, dass die Caster und Besetzer den Mut oder anders gesagt die Chance haben, neue Gesichter zu besetzen. Wir sehen alle sehr gerne die „altbewährten“ Künstler auf dem Bildschirm. Aber wieso dürfen sich die Newcomer nicht endlich auch einmal beweisen? In der Öffentlichkeit, wie beispielsweise bei den von mir hochgeschätzten BVC-Panels auf dem Filmfest München, bekommt man immer wieder zu hören, dass selbstverständlich junge Talente gesucht und besetzt werden. Die Realität sieht meiner Meinung nach anders aus. Eine klare Aussage, weshalb ein Darsteller immer wieder nicht besetzt werden kann, wäre zwar sehr schmerzhaft für den Künstler, es wäre aber möglicherweise eine Chance für ihn, sich gegebenenfalls beruflich umzuorientieren. Ich frage mich, weshalb wir uns immer wieder treffen, austauschen und uns nach außen sehr vertraut begegnen, wenn dieser ganze Kommunikationsaustausch im „Nirwana“ endet.

Dieses Interview erschien in der 65. cn-magazin-Ausgabe für die Monate Juni/Juli in der Rubrik Movements | Personalien auf www.casting-network.de.

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