Publizierungen von: Sabine Bernardi

Die FSK wird bunt!

"zugegeben, etwas unscharf, aber die FSK könnte dem ja Profil verleihen", so Sabine Bernardi zum symbolischen Geschenk "FSK 14"

Ich – Regisseurin und Autorin von “Romeos” – habe die Begründung des FSK-Urteils am 25.11.11 erhalten und es kurz darauf öffentlich gemacht. Gleichzeitig habe ich die FSK um eine Stellungnahme zu diesem zutiefst diskrimierenden Urteil gebeten. Noch ohne Antwort. Ich möchte klare Worte benutzen – die FSK Begründung ist eine Frechheit. Sie ist  beleidigend, verletzend und aufs schärfste zu kritisieren. Ich schließe mich dabei vollständig der Argumentation des LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) an, der sofort nach Bekanntgabe Beschwerde bei der FSK eingereicht hat. Die Beurteilung der FSK hat mich erstmal sprachlos gemacht – als Regisseurin des Films, vor allem aber als Mensch.

 

Inzwischen habe ich meine Sprache wiedergefunden und möchte ergänzend zur Stellungnahme des LSVD einen Offenen Brief an die FSK richten:

An die Geschäftsführung der FSK Frau von Wahlert und Herr Poßmann sowie die Vertreter der OLJB (Obersten Landesjugendbehörde) bei der FSK,

als Geschäftsführende der FSK fordere ich Sie zu einer überfälligen Stellungnahme bezüglich der FSK Begründung zu „Romeos“ auf und bitte Sie entschieden, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Ich setzte die Öffentlichkeit ins Cc: Weiterlesen

Ich fordere Sie auf

  1. zur Positionierung Ihrerseits hinsichtlich der Diskrimierung seitens der FSK
  2. zu einer Offenlegung der verantwortlichen GremiumsteilnehmerInnen und deren sofortige Entbindung von jeder weiteren bewertenden Gremiumsarbeit im Hause der FSK
  3. Datenschutz…jaja.
  4. gleichzeitig fordere ich die verantwortlichen GremiumsteilnehmerInnen auf, Ihre Identität öffentlich zu machen – nennen wir es ruhig: sich zu outen! (ja, ein Outing kann manchmal sehr unangenehm sein)
  5. illustrierend zu Punkt 2-4 möchte ich eine Figur aus meinem eigenen Film zitieren: „So Leuten muss man die Macht entziehen“.
  6. ab sofort müssen für alle weiteren Bewertungsgremien zum Jugendschutz VertreterInnen aus der GLBT-Jugendarbeit angefragt und vertreten sein. Es geht darum, Ihrer verzerrten Wahrnehmung der Realität kompetent und  konstruktiv etwas entgegenzusetzen.
  7. eine sofortige Überprüfung des FSK-Urteils zu „Romeos“! (kostenfrei bzw. vorherige Klärung der Kosten)

Ihre beleidigende Beurteilung läßt jedes Urteilsvermögen vermissen, es ruiniert Ihre Glaubwürdigkeit und – bringt Sie bei einer Neubewertung in die Klemme. Merken Sie das? Entscheiden Sie erneut auf FSK 16, werden Sie eine andere Begründung liefern – was ist die wert? Ich sage es Ihnen: nichts – für mich jedenfalls nichts. Entscheiden Sie nun doch für eine FSK 12, werden Sie viele andere und mit Sicherheit die Kirchen gegen sich aufbringen. Ob Sie sich das trauen?

Es geht hier nicht mehr nur um das Anfechten und Neubewerten eines Urteils, merken Sie das? Es geht darum, die homophobe und damit menschenfeindliche Haltung (feindlich gegenüber Menschen egal welcher sexuellen Ausrichtung und Identität) glaubhaft aus Ihrem Haus zu treiben. Sie sind am Zuge!

Wie entscheiden Sie? 12 oder 16? Schwarz oder Weiß.

Generell möchte ich Ihnen nun ebenfalls eine sehr verwegene Anregung mit in die Waagschale werfen. Achtung: tragen Sie der gesellschaftlichen Realität Rechnung und führen Sie die FSK 14 ein. Zugegeben, ein extremer Vorschlag, weil es unglaublicher Anstrengungen bedürfte: nicht nur die GremiumsteilnehmerInnen müssten sich dann in ihren Bewertungen gedanklich feiner justieren, es würde auch einen neuen Aufkleber erfordern. Symbolisch schenke ich Ihnen deshalb hiermit (wie oben) eine Plakette – “FSK ab 14″. Zugegeben noch etwas unscharf, aber Sie könnten dem Profil verleihen. Wäre auch änderbar auf 13. Ich habe überlegt zwischen rosa und pink. Will aber niemanden überfordern. Orange finde ich auch ganz hübsch, eingefügt in die Plakettenriege würde es das FSK Farbspektrum sicherlich bereichern. Ein bißchen könnte das Gesamtbild dann allerdings an einen Regenbogen erinnern. Aber nein, keine Angst, das Etikett gayfriendly schenke ich Ihnen noch lange nicht.  Da müssen Sie erst beweisen, dass Sie das verdient haben. Das sind Sie schuldig.

Verstehen Sie das? Das sind Sie dieser Gesellschaft schuldig.

Denn unsere Gesellschaft hat mehr Farben als schwarz oder weiß. Sie ist sogar bunt. Sie ist vielfältig. Diese diskrimierende Begründung ist keine Sache, die man einfach unter „Fehlurteil“ verbuchen kann und vom Tisch wischt. Ich fordere Sie hiermit zum ehrlichen Dialog auf, um auf diese erschreckende Homophobie in Ihrem Hause zu reagieren und Dinge konstruktiv im Sinne ALLER Jugendlichen zu verändern. Wenn Sie das nicht tun, spreche ich Ihnen die Kompetenz zur Jugendarbeit und Medienbildung ab. Sie sind nun an der Reihe.

Verstehen Sie das? Frau von Wahlert, Herr Poßmann und die Vertreter der OLJB, Sie als Geschäftsführende der FSK stehen in der Verantwortung! Reagieren Sie!  Machen Sie die FSK analog zur gesellschaftlichen Realität bunt. Nehmen Sie mein Geschenk an.

Sabine Bernardi.


Sabine Bernardi
, aufgewachsen in München und Bozen, studierte Filmregie an der ifs – internationale filmschule köln. Zu ihren Dozenten gehörten Dominik Graf, M.K. Lewis und Helga Reidemeister u.a. Bereits vor dem Studium sammelte sie mehrere Jahre Erfahrungen als Regieassistenz für Kino, TV-Movies und Serienproduktionen für ARD, ZDF und RTL sowie an den Schauspielhäusern Hamburg und Köln. Seit dem Abschluss an der ifs im Jahr 2005 ist sie als freie Autorin und Regisseurin für Spielfilm, Doku und Hörfunk sowie als Realisatorin für Daily-Formate für VOX tätig. Neben der Arbeit als Regisseurin außerdem tätig als freie Dozentin für Filmschauspiel und Kameratraining u.a. an der Arturo Schauspielschule, Theaterakademie und ifs – internationale filmschule köln, sowie am Medienprojekt Wuppertal mit der Leitung diverser Filmworkshops in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

Anmerkung der Redaktion:
Zum bundesweiten Kinostart von Romeos am 08. Dezember erscheint hier ein ausführliches Interview (cn-klappe) mit der Regisseurin Sabine Bernardi und der Casting-Directorin Iris Baumüller (Die Besetzer).

Die Entscheidung der FSK wird aktuell von Verbänden, dem ZDF und weiteren Institutionen massiv hinterfragt. Es sollen wohl schon Schritte zu einer Anfechtung eingeleitet worden sein. Die FSK-Begründung hier nochmal als Link!

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