Impressionen Berlinale 2012: Deutscher Schauspielerpreis

Der Deutsche Schauspielerpreis wurde vom Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) – anlässlich der Berlinale 2012 – zum ersten Mal vergeben: Sieben Preise von Schauspielern allen voran für Schauspieler.
“Inspiration” war hier das vordergründige Leitmotiv: Kollegen, die uns durch ihre Arbeit und den entsprechenden Rollen inspirieren.

Die Preisträger 2012:

  • Beste Nebendarstellerin: Dagmar Manzel (für “Zettl” und “Die Unsichtbare”)
  • Bester Nebendarsteller: Ulrich Noethen (für “Die Unsichtbare”)
  • Beste Hauptdarstellerin: Petra Schmidt-Schaller (für “Das geteilte Glück”)
  • Bester Hauptdarsteller: Stefan Kurt (für “Dreileben”)
  • Ehrenpreis: Kulturstaatsminister Bernd Neumann
  • Ehrenpreis Lebenswerk: Katharina Thalbach
  • Überraschungspreis | Kategorie Nachwuchs: Alina Levshin („Kriegerin“)

Nominiert waren:

  • Beste Nebendarstellerin: Jasna Fritzi Bauer, Dagmar Manzel, Lisa Wagner
  • Bester Nebendarsteller: Justus von DohnÁnyi, Marcus Mittermeier, Ulrich Noethen
  • Beste Hauptdarstellerin: Steffi Kühnert, Petra Schmidt-Schaller, Katja Riemann
  • Bester Hauptdarsteller: Olli Dittrich, Milan Peschel, Stefan Kurt

Die Jury bestand aus folgenden Schauspielern:

  • Tim Bergmann
  • Hans-Werner Meyer
  • Antoine Monot
  • Thomas Schmuckert
  • Stefanie Stappenbeck
  • Jasmin Tabatabai

Durch den Abend führten:

  • Stefanie Sick van Hees
  • Antoine Monot (Vorstand BFFS)

Vorwort | Begrüßung:

  • Klaus Wowereit

Laudatoren:

  • Ulrich Höcherl, Chefredakteur Blickpunkt Film
  • Anja Kling, Schauspielerin und Autorin
  • Peter Lohmeyer, Schauspieler
  • Anna Loos, Schauspielerin und Sängerin
  • Prof. Jobst Plog, ehemals Intendant des NDR, BFFS-Beirat
  • Detlef Buck, Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur
  • Alina Levshin, Schauspielerin

Musikalische Einlagen:

  • Jasmin Tabatabai und Band
  • Leon Schmuckert & Vater Thomas Schmuckert

Die wirklich gelungene, bewegende und kurzweilige Verleihung dauerte ca. 2 Stunden. Die Aftershowparty ging bis in den Morgen.

Im Mittelpunkt unseres Beitrages haben wir Katharina Thalbach und Ihrem Laudator Detlev Buck den roten Teppich ausgerollt!

Hier ein paar Impressionen von der Verleihung am 12. Februar im Maritim!

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Impressionen Berlinale 2012: Preisverleihung Hoffnungsschimmer

Für faire Produktionsbedingungen wurde von der Bundesvereinigung der Filmschaffenden Verbände zum zweiten Mal der Preis „Hoffnungsschimmer“ – anlässlich der Berlinale 2012 – vergeben.

22.000 Filmschaffende konnten über das Netzwerk crew united ihre fairsten Film- und Fernsehproduktion, bei der sie mitgewirkt haben, bewerten. Ca.1.400 Filmschaffende nutzen diese Möglichkeit aus 668 Filmen ihre fairste Produktion auszuwählen. 5 Filme wurden nominiert.

Preisträger 2011: Barbara von Christian Petzhold | Produktionsleitung: Dorissa Berninger Wettbewerb Berlinale 2012 | Kinostart: 8. März 2012

Hier ein paar Impressionen vom 11. Februar in der Vertretung des Landes Baden Württemberg.

Die auftretenden Personen in chronologischer Reihenfolge:

* Marion Kracht (Schauspielerin, Laudatorin)
* Rolf Becker (Schauspieler, Laudator)
* Florian Koerner von Gustorf (Produzent | Schramm Film, Koerner & Weber von „Barbara“)
* Dorissa Berninger (Produktionsleiterin von „Barbara“)
* Angelika Krüger-Leißner (medienpolitische Sprecherin der SPD Bundestagsfraktion)

www.die-filmschaffenden.de


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Impressionen Berlinale 2012: Peugeot-BVC-Casting Night 2012

Bei der Peugeot-BVC-Casting Night – anlässlich der Berlinale 2012 – feierte der Bundesverband Casting (BVC) mit seinen Gästen und dies bereits zum dritten Mal.
Auf dem roten Teppich wurden die Gäste zunächst vom Blitzlichtgewitter der Presse begrüßt. Für eine hervorragende Betreuung sorgten allen voran die Casting Directors Anja Dihrberg und Gitta Jauch, die selbstverständlich alle Gäste (nicht nur die Schauspieler) namentlich nennen konnten.
Im darauffolgenden Raum standen alle anderen Mitglieder des BVC respektvoll zur Begrüßung im Spalier.
Der BVC wurde 2003 gegründet und vertritt die Interessen der Casting Directors aus dem deutschsprachigen Raum – tätig in den Bereichen Kino, Fernsehen, Theater und Werbung.
Er umfasst aktuell 36 aktive Mitglieder.
Neu im Verband ist Kristin Diehle (Casting Director aus Düsseldorf).
Hier ein paar Impressionen vom 11. Februar in der Vertretung des Saarlandes beim Bund!

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Impressionen Berlinale 2012: crew call

Mit dem crew call trifft sich die virtuelle Filmgemeinschaft auch in der realen Welt und dies seit 5 Jahren.
Die Veranstaltung fand am 9. Februar im HBC parallel zur offiziellen Eröffnungsgala statt.
Der crew call ist eine Veranstaltung von crew united und schauspielervideos in Kooperation mit cinearte.

www.crew-united.com | www.schauspielervideos.de | www.cinearte.net

Hier ein paar Impressionen!

Weitere Informationen zum crew call 2012:
Artikel in der Berliner Zeitung: Beziehungen auf der Berlinale: Ich bin dein Netzwerk

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Video-Protest: Wettbewerbsfilm zum 99Fire Films Award kritisiert Wettbewerb selbst

Der 99-Fire Films Award findet dieses Jahr zum 4. mal im Rahmen der Berlinale statt.

Die Facts:
Glamour, Schein, Blitzlichtgewitter: eine wirklich tolle Veranstaltung mit internationalen Sponsoren wie u.a. McDonald’s (2011) oder Fiat (2012).
Renommierte Jury bestehend aus „Constantin Film” Geschäftsführer Torsten Koch, Schauspielerin Bettina Zimmermann, Schauspieler Kai Wiesinger, Modedesigner Wolfgang Joop, Regisseur Leander Haußmann, Schauspieler Wotan Wilke Möhring, Schauspielerin Natalia Avelon, Schauspieler Roman Knizka und „Myvideo” Geschäftsführer Manuel Uhlitzsch.

Mitmachen kann laut eigenen Angaben der Veranstalter jeder Hobbyregisseur, Filmverrückte, Werber, Student, kreative Kopf mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Filmemacher kriegen unter einem Wortspiel-Motto (letztes Jahr bspw. „Kaffee”) die Gelegenheit, in exakt 99 Stunden einen Film zu konzipieren, zu drehen und zu schneiden, der wiederum genau 99 Sekunden lang sein darf. Der Gegner: Die Zeit.

1. Preis – „Bester Film” erhält 9.999 €
2. Preis – „Beste Kamera” erhält 999 € für eine Teamparty
3. Preis – „Beste Idee” erhält 999 € für eine Teamparty
„Publikumspreis” powered by MyVideo erhält 999 € für eine Teamparty.

Jubelndes Publikum, feine Party, beste Verköstigung und und und. Aber wie sieht es hinter den Kulissen tatsächlich aus? Damit hat sich ein Bewerber-Team dieses Jahr näher beschäftigt. Weiterlesen

Im vergangenen Jahr habe ich die Preisverleihung selber live miterlebt. Gutgläubig wie ich bin, war ich begeistert über die wunderbaren hochprofessionellen Clips, die nominiert waren. Ein phantasiereicher Mix aus allen Genres konnte bestaunt werden. Meine persönlichen Favoriten darunter:

ONCE UPON A COFFE
PULS DER ZEIT (Gewinner „beste Kamera 2011”)

Generation „Aufklärung via Facebook” belehrte mich dann eines besseren! Vor einigen Tagen kursierte bei Facebook der oben verlinkte Spot „Wir bitten um eure Aufmerksamkeit”. Hier haben junge Filmemacher Modalität und Teilnahmebedingungen vom „99Fire Films Award” im Hinblick auf die Filmrechte mal etwas genauer unter die Lupe genommen. Ihre Erkenntnisse sind im 99 Sekunden langen Clip – den sie zum Wettbewerb eingereicht haben – eindeutig dargestellt.

Ich bin sehr gespannt, ob die offene und kritische Botschaft es in den Kreis der Nominierten schafft, bzw. ob die Entscheidungsträger sich einen solchen Riss ins Image der glanzvollen Veranstaltung erlauben möchten.
Alternativ gibt es ja in manchen Bereichen erfreulicherweise noch ein Mitspracherecht durchs Volk. So können wir auch hier in der Kategorie „Publikumsvoting” am heutigen Tag unter 99 ausgewählten Clips mit wählen. Ob diese schöne Offenbarung der jungen Filmemacher unter die 99 kommt, ist noch offen.

Ab 15 Uhr (Freitag, 10.02.2012) ist Voting-Start. Infos dazu hier!

Ich finde dieser Beitrag hätte es verdient, oder?

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Innovatives Serienpotential: Privatsender vs. Öffentlich-Rechtliche

Anja Kling & Britta Hammelstein sind "Hannah Mangold & Lucy Palm" | Foto: © SAT.1 Wolfgang Wilde, Bernd Jaworek

Sat.1 ist mit „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“ die Zuschauerbindung und Image-aufwertung im Bereich Deutsche Fiction erfolgreich gelungen. Erfreulich zu sehen ist, dass dieser Kurs weiter angesteuert wird. Im Januar erblickten zwei neue Piloten das Licht der Fersehgeräte: „Hannah Mangold & Lucy Palm“ sowie „Wolff – Kampf im Revier“.

Ich persönlich schaltete ohne große Erwartungen zufällig letzte Woche Dienstag ein, als „Hannah Mangold und Lucy Palm“ als 90-minüter zur Prime-Time auf Sendung ging. Was sich meinem geschulten und sicherlich auch Krimi-übersättigten Auge da aufbot, glich fast einer Erleuchtung. Weiterlesen

Endlich wieder ein neues Serienhighlight, war mein erster Gedanke. Das gesamte Packet stimmt. Nicht nur Look, Qualität und inhaltlicher Erzählbogen, sondern insbesondere das blendend aufgelegte Ensemble (Casting: Suse Marquardt / BVC) beeindruckt durch vielschichtige Figurentiefe, Humor und Biss. Burn-Out-frisch-aus-der-Psychiatrie-Komissarin mit übersinnlichen Intuitionen (Anja Kling) trifft auf toughe lümmelhafte Gören-Kollegin (Britta Hammelstein). Beide eigensinnig, verstört und doch irgendwie empathisch. Helden-Figuren, wie man sie sonst nur aus amerikanischen Vorbild-Serien kennt und bewundert. Aneckend, ambivalent und sexy. Britta Hammelstein gilt hierbei als „die Entdeckung“ in ihrer Rolle als Lucy Palm und „macht die Serie sehenswert“ laut Fokus.

Ein „Mix aus The Mentalist und Irre“ beschreibt die Süddeutsche, „Diese Ladys bieten allerbeste Krimikost“, sagt TV Direkt, „Ungewohnt und aufregend gut“, findet TV Spielfilm, „Mit Hannah Mangold & Lucy Palm könnte dem Sender wieder Serienpotenzial gelingen(…) Verblüffende Szenen und rotzfreche Dialoge“, urteilt Focus weiterhin.

Astrein, dachte ich. Die Presse ist auch auf meiner Seite, dann kann ja nichts mehr schief gehen, wenn es da nicht dieses gewisse böse Orakel namens Quote geben würde, das über uns schwebt. Die Ernüchterung folgte am nächsten Morgen: Lediglich 2,98  Mio Zuschauer mit einem Marktanteil von 9,2 %. Übersetzt: Zu wenig! Im Umfeld von „Um Himmels Willen“ und „In aller Freundschaft“ (ARD), „Die Simpsons“ (Pro 7), „CSI: Miami“ (RTL) oder „Daniela Katzenberger“ (VOX) ist es „Hannah Mangold und Lucy Palm“ nicht gelungen sich durchzusetzen. Tragisch!

„Der Zuschauer kriegt was er verdient“, habe ich mal hier gelesen. Aber wie lange kann es noch angehen, dass wir von hirnamputierten Katzenberger-Sendungen und Dschungel-Camps regiert werden? Innovative Angebote wie dieser Pilot sind wahre Schätze, nach denen wir uns doch immer sehnen. Generation Wut-Bürger schimpft hierzulande immer gerne und lauthals über das schlechte Fersehprogramm, aber wenn es dann endlich mal ein Häppchen Feinkost gibt, wird doch lieber der gewohnte Cheesburger  konsumiert.

Gut, die Ergebnisse einer Quote sind ansich ja nicht mehr zeitgemäß, wenn man bedenkt, dass nur anhand von 5.100 Haushalten die Fernsehgewohnheiten aller Deutschen ermittelt werden. Darüber hinaus werden nicht-EU Bürger gar nicht erst mit gezählt, Hotels, Public Viewings, versetztes Fernsehen, Internet u.s.w. auch nicht. Wir berichteten darüber bereits im cn-special „Die Einschaltquote“. Oder gut zusammengefasst auch im cn-klappen Interview mit Regisseur Hans Weingartner. Ich persönlich bin also ohnehin eine Kritikerin der allgegenwärtigen Quoten Erhebungs-Methode, die von ihren Wurzeln an schon nicht mehr repräsentativ ist. Aber das ist eine andere Baustelle.
Wir müssen mit diesem herrschenden Übel wohl vorläufig noch auskommen.

Aber wie geht es nun weiter? Vorgestern kam die Pressemeldung, dass „Hannah Mangold & Lucy Palm“ dennoch eine zweite Chance erhalten. „Wolff – Kampf im Revier“ wird dagegen keine Fortsetzung erleben. Eine verwunderliche Entscheidung, wenn man bedenkt, dass die Quote von Wolff sogar ein wenig besser war.
SAT.1-Geschäftsführer Joachim Kosacks Statement dazu: „Das positive Presse-Echo, die erneut hohe Qualität der weiteren Bücher und unsere intensive Marktforschung haben uns überzeugt: Wir glauben an das Format und die grandiose Besetzung der Hauptfiguren. Deshalb haben wir einen zweiten Teil von „Hannah Mangold & Lucy Palm“ in Auftrag gegeben“.

Schulterklopfen bei Sat.1, große Freude bei der schon entstandenen Fan-Base und allen Mitwirkenden. Ein Privatsender als großer Widerstandskämpfer gegen die Quote??? Eigentlich absurd, oder? Allerdings! So sehr man es sich auch wünschen würde, aber aus reiner Nächstenliebe und Idealismus ignoriert kein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen den Quotenwettbewerb. Die Quote ist die heiligste Währung der Programmmacher. Und man kann es ihnen auch nicht übel nehmen. Anders als die gepolsterte Lage der Öffentlich-Rechtlichen Sender mit mehr als 7 Milliarden € GEZ Einnahmen existieren Privatsender über den Verkauf von Werbung. Je besser die Quote, desto mehr Werbung und desto teurer je nach Sendeplatz. 20.15 Uhr heißt auch nicht umsonst Prime-Time, denn da sitzen die Meisten Deutschen vor der Glotze und der Rubel rollt.

Nun finden die Dreharbeiten zum nächsten 90-minüter von Hannah und Lucy bereits am 14. Februar bis 15. März 2012 in Berlin und Umgebung unter der Regie von Florian Baxmeyer statt. Bei dem kurzen Vorlauf liegt natürlich die Vermutung nahe, dass sämtliche Vorbereitungen schon längst im Gange waren. Das Drehbuch steht, Regisseur, Cast, Settings u.s.w. zaubert niemand mal eben innerhalb einer Woche aus dem Hut. So würde ein Abbruch des laufenden Prozesses wohlmöglich noch größere finanzielle Schäden bedeuten, sodass man dem ganzen noch die besagte Chance gibt. Die Ausstrahlung ist im Herbst geplant. Wenn dann wiederholt dürftige Quoten aufkommen, bedeutet das mit Sicherheit das endgültige aus der Sendung. Also nicht zu früh freuen, denn von einer seriellen Fortsetzung ist noch nirgends die Rede. Man darf erstmal auf die Ergebnisse der nächsten Folge blicken und Daumen drücken.

Positiv zu bewerten ist jedenfalls, dass die großen Privatsender mit ihren neuen Serien nach und nach ein sehr anschauliches und eigenes Serien-Profil aufbauen. Es ist mir ein Rätsel, warum unsere Öffentlich-Rechtlichen Programme, die gegenüber Privatsendern  ganz andere finanzielle Sicherheiten haben, gleichwertige Entwicklungen nicht zustande kriegen. Stattdessen wurde 2011 starkbrüstig für die neuen ARD Vorabend-Krimis „Heiter bis tödlich“ geworben. In dem Satz stimmt nur das Wort „neu“ nicht so ganz. Gut und schön, dass unser Heimat-Krimi-Dirndl-Potential noch immer nicht ausgeschöpft ist und die ARD für deutsche Fiction diesen Programmplatz adelt, aber was uns fehlt ist doch am aller wenigsten noch mehr Krimis!!!
Im Fahrwasser von – ich hole mal tief Luft – „Tatort“, „Polizeiruf“, „Soko“, „Ein Fall für zwei“, „Der Kriminalist“, „Wilsberg“, „Rosenheim-Cops“, „Notruf Hafenkante“, „Mord mit Aussicht“, „Großstadtrevier“, „Der Staatsanwalt“, „Stubbe“, „Komissar Stolberg“… – aaaausatmen! – frage ich mich: ist bei ARD und ZDF der Finger auf dem Dauer-Kriminalisierungs-Knopf festgeklebt, oder was?

Wir haben nicht einmal eine einzige deutsche Schul-Serie für Nachwuchs und Jugendliche, geschweige denn andere abwechslungsreiche Genres. Sowas wie „Türkisch für Anfänger“ scheint ein Jahrhundertwerk der ARD gewesen zu sein. Obwohl es immerhin zu fünf Staffeln kam, gab es keine vergleichbare Alternative mehr. Auch die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Mini-Serie „Klimawechsel“ von Doris Dörri gehörte zu den seltenen Kostbarkeiten, die jedoch leider mal wieder spät am Abend versendet wurden. Dabei war die Idee wirklich frisch und kein Abklatsch von…

Stattdessen leben uns die Privatsender die Serien-Innovation vor, die eigentlich Aufgabe des öffentlichen Rundfunks wäre. Obgleich die Privaten sogar einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Zugegeben, dort ist Mord und Totschlag nicht weniger im Trend, aber immerhin sind aus „Alarm für Cobra 11“ oder „der Letzte Bulle“ Marken mit Alleinstellungsmerkmal geworden. Bücher, Charaktere, Stil und Stimmung sind auch bei „Countdown“ oder nun bei „Hannah Mangold und Lucy Palm“ in ihrem Umfeld halbwegs einzigartig. Und neben diesen Krimis wagt man sich auch an Sachen wie „Danni Lowinski“, dem Revival von „Der Lehrer“ oder aktuell bei RTL in der Pipeline: „Sekretärinnen“.

Bei einem Tatort oder Polizeiruf dagegen könnte ich beim einschalten erstmal nicht einordnen, welches der zahlreichen Krimis ich mir da grad anschaue, wenn nicht die Komissare bereits bekannt für das jeweilige Produkt wären. Sprich, man könnte genauso ein Buch vom Polizeiruf als Buch für den Tatort anlegen. Oder umgekehrt.

„Das deutsche Fernsehen handele oft nach dem Motto „Wir machen etwas, was wir schon gesehen haben, weil es dann Erfog hat“. In den USA würden Verantwortliche, vor allem bei Kabelsendern, ihren Autoren hingegen eher sagen: „Macht etwas, das wir noch nie gesehen haben“. Das einseitige Schielen auf die Quote sei ein systemisches Problem, das innovativere Formate verhindere.“ laut unserem Kollegen aus dem outtakes Beitrag „Fernsehserien: besser als Kino?“.

Die Quote sei „die Mutter aller Missstände“. Auch wenn ich dankbar für die Nachrichten, Dokus und manchmal erstklassigen Fernsehfilme bin, die uns vorwiegend im ÖR TV geboten werden, sollte das staatliche Fernsehen deutlich nachlegen. Man kann es nicht oft genug schreiben, sagen, denken, schreien, und wieder von vorne.

Ich jedenfalls freue mich nun auf die nächste Folge von Hannah und Lucy und kann jedem nur empfehlen, zur nächsten Ausstrahlung dabei zu sein! Dann steigern wir evtl. auch unsere Chancen auf weitere qualitativ hochwertige Serien. Ob nun bei Sat.1 oder ARD. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

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Fernsehserien: Besser als Kino?

© AMC

Unter dem provokanten Titel „Besser als Kino?“ lud das Filmbüro Nordrhein-Westfalen im Dezember zu einem Symposium nach Köln ein, um über epische Erzählformen in modernen Fernsehserien zu diskutieren. Die These: „Das Kino hat einen Teil seiner künstlerischen Vorreiterolle verloren.“ Wichtige Impulse für filmisches Erzählen seien in letzter Zeit eher aus der früher verpönten Gattung der Serie gekommen – jedenfalls im englischsprachigen Raum. Im Filmforum NRW diskutierten Produzenten, Autoren und Redakteure mit dem überwiegend selbst aus der Branche stammenden Publikum darüber, welche Chancen diese Entwicklung auch für deutsche Filmemacher bietet.

Natürlich durften die eingeladenen Gäste auch ihre eigenen Projekte vorstellen. Auffallend war dabei, dass es sich bei gleich zwei Präsentationen gar nicht um Serien im engeren Sinn handelte. Weiterlesen

Das vor kurzem im Ersten ausgestrahlte „Dreileben“ besteht im Grunde aus drei unabhängigen Fernsehfilmen, die nur locker miteinander verknüpft sind, das für dieses Jahr im ZDF-Programm geplante „Unsere Mütter, unsere Väter“ ist ein klassischer Dreiteiler. Die Autoren zweier der innovativsten deutschen Serien der vergangenen Jahre („Im Angesicht des Verbrechens“ und „Weissensee“), Rolf Basedow und Annette Hess, hatten leider kurzfristig abgesagt.

Das vielversprechendste der vorgestellten Projekte war sicherlich das von Nico Hofmanns Produktionsfirma teamWorx umgesetzte „Unsere Mütter, unsere Väter“ über fünf befreundete junge Erwachsene, deren Lebenswege in den Wirren des Zweiten Weltkriegs unterschiedlichste Pfade einschlagen. Mit Ludwig Trepte, Katharina Schüttler und Tom Schilling ist das Drama nicht nur prominent, sondern auch mit einigen der besten deutschen Schauspieler dieser Generation besetzt. Der Film sei eine Art Dialog des Produzenten Hofmann und von ihm selbst mit ihren Vätern, erklärte Drehbuchautor Stefan Kolditz. Er zeige ganz normale Menschen, keine Nazis oder Widerstandskämpfer. Im Mittelpunkt stünden die Wechselwirkungen zwischen den Protagonisten und ihren Kriegserlebnissen, wobei der Film mit einer für das deutsche Fernsehen ungewöhnlichen Schonungslosigkeit arbeite.

Benjamin Benedict, der den Dreiteiler für teamWorx produziert, betonte, sie hätten serielles Erzählen hier einmal nicht als Beschränkung der Mittel betrachtet. Mit knapp 15 Millionen Euro Budget liege der Film an der absoluten Grenze des in Deutschland Möglichen. Die Umsetzung der ersten Drehbuchfassung hätte allerdings noch zehn Millionen Euro zusätzlich gekostet. Dem epischen Erzählen nähere sich der Film insofern, als dass er vier Handlungsstränge mit fünf Hauptfiguren über einen Zeitraum von vier Jahren erzähle. Literaturverfilmungen seien hingegen oft gerade nicht besonders episch, da sie die Romanhandlung zu stark verkürzen müssten. 50 Seiten Roman ergäben sonst etwa 90 Minuten Film. Während Filmdramaturgie eher zielgerichtet sei, eröffneten Serien mehr Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, eher handlungsorientiert wie in „24“ oder eher charakterorientiert wie in „Mad Men“. Sie seien näher am Roman als der Film, da sie nicht unbedingt auf klassische Wende- und Höhepunkte angeweisen seien. Für Sender stellten sie allerdings zunächst ein größeres Risiko dar: „Die Sendeplätze sind auch bei schlechten Quoten erst einmal belegt.“

Das deutsche Fernsehen handele deshalb oft nach dem Motto „Wir machen etwas, was wir schon gesehen haben, weil es dann Erfog hat“, so Autor Kolditz. In den USA würden Verantwortliche, vor allem bei Kabelsendern, ihren Autoren hingegen eher sagen: „Macht etwas, das wir noch nie gesehen haben“. Das einseitige Schielen auf die Quote sei ein systemisches Problem, das innovativere Formate verhindere.

Statt selbst solche Serien zu entwickeln, geht das ZDF seit einigen Jahren den Weg, skandinavische Sender als Co-Produzenten finanziell zu unterstützen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind dann hoch gelobte Krimiformate wie die dänische Serie „Kommissarin Lund“, die das ZDF am späten Sonntagabend ausstrahlt (und die sogar AMC als „The Killing“ für den US-Markt adaptiert hat). Peter Nadermann betreut diese Reihe für ZDF Enterprises. „Bei skandinavischen Krimis ist das Budget größer als beim ‘Tatort’ und es wird effizienter eingesetzt“, erklärte er in Köln. Die geringere Anzahl der Produktionen der skandinavischen Sender ermögliche eine größere kreative Freiheit bei den wenigen umgesetzten Projekten. Zudem erlaube etwa der in Dänemark fest etablierte Krimi-Sendeplatz am Sonntag um 20 Uhr 15 auch komplexere Stoffe, weil das Publikum ohnehin zu dieser Zeit einschalte. „Im Angesicht des Verbrechens“, die einzige von den Produktionbedingungen her vergleichbare deutsche Serie, habe die ARD hingegen auf dem sonst für „Tatort“-Wiederholungen vorgesehenen Programmplatz „in Grund und Boden gesendet“. Die deutschen Senderverantwortlichen würden die Zuschauer oft unterschätzen, so Nadermann. „Wir müssen ihnen sagen, wann komplexe Stoffe laufen.“ Es müsse also feste Sendeplätze dafür geben. Auf den Publikumseinwurf, warum das ZDF sich lieber Kreativität in Skandinavien einkaufe als bei deutschen Autoren, erklärte Nadermann, er arbeite gerade an einer europäischen Cop-Show über eine EU-Spezialeinheit. Die soll zwar vom ZDF produziert, allerdings ebenfalls in Skandinavien – und auf Englisch – gedreht werden.

Einig waren sich in Köln eigentlich alle Fernsehmacher, dass gerade die öffentlich-rechtlichen Sender sich vom einseitigen Quotendenken verabschieden müssten und auch künstlerisch prägende Programme bräuchten. Aber deren adäquate Ausstrahlung scheitert dann oft schon daran, dass sie nicht in das starre Programmschema passen. Solange weiterhin Ausnahmeserien wie „KDD“ oder „Im Angesicht des Verbrechens“ auf Sendeplätzen gezeigt werden, die sonst für konservativere Formate wie „SOKO“ oder den „Tatort“ reserviert sind, wird ein interessiertes, auch jüngeres Publikum sie gar nicht erst entdecken. Außerdem wäre es auch ein erster Schritt hin zu mehr Innovation, wenn ARD und ZDF auch andere Serienstoffe produzieren würden als immer nur Krimis. Wie weit deutsche Sender den hohen Ansprüchen immer noch hinterher hecheln, wurde aber spätestens klar, als zum Abschluss der Tagung „Breaking Bad“-Showrunner Vince Gilligan über Skype zugeschaltet wurde. Von den kreativen Freiheiten, die die Verantwortlichen beim US-Kabelsender AMC ihm bei seiner Serie lassen, können deutsche Autoren und Produzenten wohl weiterhin nur träumen.

Marcus Kirzynowski, 1974 in Düsseldorf geboren, studierte Diplom-Sozialwissenschaften in Wuppertal, Duisburg und Groningen. Daran schloss er ein Master-Studium Journalismus in Mainz an.
Seit 2007 schreibt er als freier Journalist für den Evangelischen Pressedienst sowie verschiedene Print- und Online-Medien über Film, Kultur und (Neue) Medien. Als Filmliebhaber fiel ihm seit einigen Jahren auf, dass ihn neuere Fernsehserien zunehmend mehr begeistern als die meisten aktuellen Kinofilme. Daraus entstand die Idee, eine Zeitschrift für Freunde anspruchsvoller, komplexer TV-Serien wie „Mad Men“ oder „Six Feet Under“ auf den Markt zu bringen. Die erste Ausgabe von „torrent – Magazin für serielles Erzählen“ soll Ende Februar erscheinen.
Link zur Webseite: torrent – Magazin für serielles Erzählen

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ZAV Panel: Kellnern bis der Tatort kommt

ZAV Panel in Berlin im Winter 2011 | © casting-network

Aktueller Videobeitrag: Ein Zusammenschnitt des 3. Netzwerkforums der ZAV Künstlervermittlung Berlin im Winter 2011

cn-klappe sehen?

Es diskutierten:
Frank Witter (Schauspieler u.a. | ZAV-Berlin)
Sigrid Andersson (Coach | Die Tankstelle)
Sophie Molitoris (Casting Director | molitoris casting)
Charlotte Siebenrock (Head of Casting | Grundy UFA)
László I. Kish (Schauspieler und Coach | ZAV-Berlin)
Julia Beerhold (Schauspielerin | Vorstand BFFS)

Moderation:
Thomas Melzer (ZAV- Künstlervermittlung Berlin)

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Der deutsche Schauspielerpreis (DSP) zur Berlinale 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

Die erste Auszeichnung von Schauspielern für Schauspieler: Der vom BFFS initiierte „Deutsche Schauspielerpreis“ (DSP) wird am 12. Februar 2012 anlässlich der Berlinale im Hotel Maritim verliehen.

Der Preis wird von der Jury – bestehend aus Jasmin Tabatabai, Stefanie Stappenbeck, Tim Bergmann, Thomas Schmuckert, Antoine Monot Jr. und Hans-Werner Meyer –  in sechs Kategorien vergeben.

Die Idee einen eigenen Schauspielerpreis zu erschaffen, schlummerte in BFFS Kreisen schon länger. Der Kinderwunsch war da, das Baby musste allerdings erst gezeugt werden. So eine Herausforderung braucht schließlich erst ein finanzielles Fundament.

Nachdem 2009 die letzte große BFFS Party im Rahmen der Berlinale stattgefunden hatte, konnte die erfolgreiche Feier in den Folgejahren 2010 und 2011 leider nicht wiederholt werden. Zahlreiche Sponsoren waren aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr verfügbar. Ein Empfang in der Größenordnung ist in der Regel im fünf- bis sechsstelligen Bereich einzuordnen. Die BFFS-Mitgliedsbeiträge sollten davon unberührt bleiben. Zur alljährlichen Mitgliedervollversammlung während der Berlinale werden die Ausgaben immer transparent besprochen und da ist es eindeutig, dass der Verband die Mittel für sinnvolle soziale und politische Zwecke zugunsten unserer Berufsgruppe investieren muss statt für einen einzigen Abend zu verkonsumieren. Weiterlesen

Aber nun sind die Geburtshelfer da: Durch die großzügige Unterstützung von Sponsoren wie „Sony Ericsson“ kann am 12. Dezember der erste Geburtstag gefeiert werden. Eine glamoröse Gala mit anschließender After-Party steht bevor.

Nun fragt man sich natürlich, wie das inhaltlich über die Bühne gehen soll.
Kurz nach Bekanntgabe der Pressemitteilung kamen wie erwartet genau die Fragen auf, worüber sich BFFS-Vorstände sicherlich immernoch den Kopf wund reiben.

Zur Gestaltung der Kategorien, Auswahl der Plakatentwürfe oder Ideen zum Losverfahren werden auf der Facebook-Seite „Deutscher Schauspielerpreis“ bereits Meinungen eingeholt. Auch Vorschläge dazu, welche Schauspieler nominiert werden sollen, sind erwünscht.

Allen voran stand auch die Frage im Raum „Wie man alle knapp 2000 BFFS-Mitglieder samt der ganzen anderen Produzenten, Caster, Agenten, Regisseure u.s.w. räumlich unterkriegt?“

Zunächst einmal ist es wichtig, überhaupt irgendwo anzusetzen. Und da die finanziellen Mittel auch nicht grenzenlos sind, wollte man schon mal „klein“ anfangen.
Zur Preisverleihung können maximal 600 Plätze durch Bestuhlung eingerichtet werden. Zur After-Party danach sind alle weiteren BFFS-Mitglieder plus einer Begleitperson eingeladen.

Hans Werner Meyer beschreibt diesen Vorgang im aktuellen Newsletter wie folgt: „Vor eine ähnliche Schwierigkeit stellt uns die Gestaltung der Preisverleihung selbst. Denn die wirksamste Währung im Zusammenhang mit einer Preisverleihung ist die Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird. Und um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen, ist ein gewisser Glanz-Faktor von entscheidender Bedeutung, Entscheidungsträger aus Politik und Branche sind wichtig. Natürlich müssten eigentlich alle BFFS-Mitglieder dabei sein können und wir würden uns nichts lieber wünschen. Mit dem engen finanziellen Rahmen, der uns im ersten Jahr zur Verfügung steht, ist dies aber leider beim besten Willen nicht umsetzbar. Wir werden die Preisverleihungsgala auf 600 Plätze beschränken müssen. Ein Teil dieser Plätze wird natürlich an BFFS-Mitglieder gehen, die Lostrommel wird entscheiden. Wir bitten hierfür um Euer Verständnis und freuen uns, wenn wir im Anschluss auf der großen BFFS-Party, zu der selbstverständlich alle BFFS-Mitglieder mit Begleitung eingeladen sind, mit Euch ein rauschendes Fest feiern können.“

Das ist eine absolut nachvollziehbare und gute Lösung, wie ich finde.
Angestrebt wird natürlich – mit wachsenden Mitteln – das Event von Jahr zu Jahr zu erweitern. Und mal ganz ehrlich, die meisten Preisverleihungen sind ohnehin eine Zumutung für das Sitzfleisch, die Blase, den Magen… die Kollegen können es doch eh kaum erwarten, endlich zum vergnüglichsten Teil der Veranstaltung überzugehen: An die Bar und ab auf die Tanzfläche!

Neben der Würdigung von Schauspielleistungen geht es ja in erster Linie auch um unser Selbstwertgefühl und Ansehen als Schauspieler. Was andere Verbände mit jahrzehntelanger Erfahrung weltweit längst praktizieren, hat sich der gerade mal sechs Jahre alte BFFS in kürzester Zeit aufgebaut. Mit dieser Verleihung wird unserer Berufsgruppe sicherlich ein großer Mehrwert zuteil.

Vorab schon mal: Herzlichen Glückwunsch!

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Crowdfundig Deluxe: Fans finanzieren Stromberg – der Film

© Brainpool | Foto Willi Weber | Christoph Maria Herbst aka "Bernd Stromberg"

Seit dem 15. Dezember ist die Finanzierung von „Stromberg - der Film“ als Crowdfundig Aktion angelaufen.

Zunächst war ich entsetzt darüber, dass eine solch erfolgreiche Produktion nicht ausreichend Filmförderung oder Finanziers zusammen kriegt. So heißt es laut Spiegel-Online „so energisch Erfinder und Autor Ralf Husmann und die Produktionsfirma Brainpool ihr Anliegen bei möglichen Geldgebern auch anbrachten – eine ordentliche Summe war für das Projekt nie zusammengekommen“. Unvorstellbar!
Also hat man sich nun an die verlässlicheren Quellen gewendet: Die Fans!

Bis zum 15. März soll per Online-Crowdfunding eine Million Euro Startkapital eingesammelt werden. Der Rest des Budgets wird unter anderem über den Verkauf von Fernsehrechten eingenommen.
Autor Ralf Husmann sieht das Projekt auch als eine Art Marktforschung, um  zu ermitteln, „wie wichtig wir den Fans sind, wie sehr sie sich mit unserer Serie identifizieren“.

Und nach nur fünf Tagen (!) zeichnen sich schon gewaltige Resonanzen ab: knapp 230.000 € ist schon in den Topf geflossen. Weiterlesen

81 Tage sind nach heutigem Stand noch füllbar, das Ziel: Eine Million Euro. Dagegen hatte das Star-trächtig besetzte Crowdfundig Projekt „Hotel Desire“ gerade mal 170.000 € eingenommen. Nach wochenlangem Countdown ging zwar die gewünschten Summe auf den letzten Drücker noch ein, allerdings wurde das Projekt im Vorfeld auch durch viele Marketing- und PR-Kampagnen angetrieben. In zahlreichen Medien wurde das pornografische Genre thematisiert, dass der aufstrebende Jungregisseur und Schauspieler Sergej Moya mit seinem Cast  (u.a. Clemens Schick, Herbert Knaup) mittlerweile fertig inszeniert hat. Verhältnismäßig war das schon eine kleine Erfolgsgeschichte für den deutschen Crowdfunding Markt.
Gegen die Stromberg-Liga ist das aber wohl eher ein kleineres Sümmchen. Die Stromberg Fangemeinde kann sogar auf eine Rendite hoffen: An den Erlösen der Kinoauswertung sollen die Investoren beteiligt werden. Das Investitionsmodell wird auf der offiziellen Seite wie folgt beschrieben:

„Mit „Anteil“ wird das Recht bezeichnet, an den Erlösen aus der Kinoauswertung des Films beteiligt zu werden. Alle Personen, die solche Anteile erwerben, werden einzeln als „Investor“ und zusammen als „Investorengemeinschaft“ bezeichnet.
Wenn der Film produziert wird und im Kino läuft, wird die Investorengemeinschaft am Erfolg der Kinoauswertung des Films beteiligt. Dazu wird an die Investorengemeinschaft pro verkauftem Kinoticket ein Teil der Erlöse in folgender Höhe ausgeschüttet:
- 1,00 Euro für jedes verkaufte Kinoticket bei bis einschließlich 1 Million verkaufter Kinotickets
- 0,50 Euro für jedes weitere verkaufte Kinoticket bei über 1 Million verkaufter Kinotickets.
Mit 50 € bis 1000 € kann man an der Realisierung des Films also mitwirken. Sobald die Million bis zum 14. März 2012 eingegangen ist, sollen im Frühjahr die Dreharbeiten losgehen.

Hierzu ruft Bernd Stromberg sogar in einer Videobotschaft sehr sympathisch als Privatperson „Christoph“ seine Fans zur Beteiligung auf: „Dieses Angebot richtet sich an meine Fans, weil Ihr überhaupt dafür gesorgt habt, dass diese Serie im Fernsehen überlebt hat und Ihr könnt Sie jetzt sogar ins Kino bringen(…)“

Für die Zukunft deutscher Kinoproduktionen werden solche oder ähnliche Modelle sicherlich eine Rolle spielen. Kinofilme sind immer schwieriger finanzierbar.
Für viele junge Filmemacher, die es schaffen ihre ersten Werke auf die Leinwand zu bringen, kommt es erst dann zu den bezahlten Aufträgen, wenn sie fürs Fernsehen inszenieren/arbeiten „dürfen“. Ein deutscher Fernsehspielfilm hat teilweise mehr Budget als ein hochwertiges Kinoprojekt. „Letztendlich ist in Deutschland Fernsehen eine Industrie und Kino eher eine Manufaktur“.

Offizielle Crowdfundig Seite von Stromberg – der Film

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Frohe Weihnachten! Finanzministerium beschert Kamerateams 12 % mehr Umsatz

Mit einer aktuellen Kurzinformation (FM Schleswig-Holstein VI 358-S 7240-051) weist das Finanzminsterium Schleswig-Holstein seine Finanzämter an, bei der Herstellung von Akquisitionsmaterial durch Kamerateams den ermäßigten Umsatzsteuersatz zu berücksichtigen. Ist das Kamerateam für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt tätig, ist dies eine äußerst positive Nachricht. Denn, anders als vorsteuerabzugsberechtigte Produktionsgesellschaften, bezahlen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten keine Umsatzsteuer aus. Das Kamerateam hat insoweit selber aus der Pauschale die Umsatzsteuer abzuführen. Wurde beispielsweise eine Tagesgage i.H.v. EUR 1.000 vereinbart, bedeutete dies (unterstellte man bislang den regulären Umsatzsteuersatz), dass das Kamerateam EUR 159,66 an das Finanzamt abführen musste. Nach der nunmehr erfolgten Klarstellung sind es nur noch EUR 65,42. Das bedeutet ein Umsatzzuwachs von 12 %. Gute Aussichten zum Jahresende! Weiterlesen

Zum Sachverhalt: Eine Rundfunkanstalt beauftragt externe Dienstleister mit der Gestellung von Kamerateams, die auf Weisung eines sog. Realisators der Rundfunkanstalt Filmaufnahmen in vertraglich festgelegter technischer Qualität erstellen. Die technische Leitung und Verantwortung während des Dreheinsatzes obliegt den Kamerateams der Dienstleister. Die Rundfunkanstalt übernimmt keine Haftung für Personen- oder Sachschäden während des Dreheinsatzes. Die Dienstleister erhalten von der Rundfunkanstalt Pauschalen für volle oder halbe Drehtage und diverse Zuschläge für Nachtarbeit, Zusatzpersonal, Zusatzgerätschaften und Ähnliches. Sie übertragen der Rundfunkanstalt sämtliche Urheberrechte an dem erstellten Material.

Da die Dienstleister ein wirtschaftliches Risiko bei der Erstellung des Filmmaterials tragen und organisatorisch tätig werden müssen, erlagen sie urheberrechtlichen Schutz. Die Übertragung der Urheberrechte auf die Rundfunkanstalt ist der wesentliche Gehalt der von den Dienstleistern erbrachten Leistungen, da die Rundfunkanstalt das Filmmaterial nur auf diese Weise nutzen kann. Die Leistungen unterliegen daher nach Auffassung der obersten Finanzbehörden des Bundes und der Länder dem ermäßigten Umsatzsteuersatz.

Anders sieht der Fall bei Rechnungen an Produktionsgesellschaften aus, da sich der Nettobetrag nicht ändert. Wurden bislang EUR 1.000 + 19 % Umsatzsteuer (brutto EUR 1.190,00) in Rechnung gestellt, sind es dann ab sofort nur noch 1.000 + 7 % Umsatzsteuer (brutto EUR 1.070,00).

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Interview mit Sabine Bernardi & Iris Baumüller

Sabine Bernardi und Iris Baumüller | © casting-network

Anlässlich des heutigen Kinostarts von „Romeos…anders als du denkst!“ sprachen wir mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Sabine Bernardi sowie mit Casting Director Iris Baumüller (Die Besetzer | BVC) allen voran über das aufwendige Casting des Hauptdarstellers „Lukas“!

Ganzes Interview lesen?
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Auszüge:

S.B.: Wo ist der Schauspieler und wo die Privatperson? Das ist in diesem Alter natürlich besonders spannend. Am Theater oder an Schauspielschulen ist der Wunsch nach besonderen Rollen schon hoch im Kurs, vor dem Extrem der beiden Hauptrollen haben sich dann aber doch einige gescheut, viele auch wegen des Themas.

I.B.: Es passiert öfters, dass Agenten ihren Klienten meine Anfragen vorenthalten, weil sie das Buch vorlektoriert und als nicht passend befunden haben bzw. bereits andere (Karriere)Pläne für ihren Schützling haben, oder aufgrund des Budgets von vornherein „nein“ sagen. Das erfahre ich dann, wenn ich einen Schauspieler zufällig treffe und bei meiner Nachfrage gesagt bekomme, dass er/sie davon überhaupt nichts wusste. Ich finde es gut, wenn Agenten Projekte transparent machen.

S.B.: Ein Debütfilm ist natürlich ein wesentlicher Schritt, um beruflich Fuß zu fassen. Auch wenn „Romeos“ eine Kino-koproduktion mit dem ZDF war und ich sehr durch die Redaktion gefördert wurde, (…) lag das Budget bei 650.000 Euro, somit gehört es einfach dazu, seinen Debütfilm unter größten Anstrengungen zu stemmen und seinen Lebensunterhalt in der Zeit mit was anderem zu verdienen.

Anmerkung der Redaktion:
Der Film wurde von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren eingestuft. Als Begründung für diese Entscheidung nannte der Prüfungssitz „die Schilderung einer völlig einseitigen Welt von Homosexualität“ die eine „verzerrte Realität“ wiederspiegeln würde und daher „zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führe.“ Die FSK entschuldigte sich mittlerweile für diese diskriminierende Wortwahl in der Altersfreigabe. Es bleibt allerdings bei der Einstufung ab 16.

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Die FSK wird bunt!

"zugegeben, etwas unscharf, aber die FSK könnte dem ja Profil verleihen", so Sabine Bernardi zum symbolischen Geschenk "FSK 14"

Ich – Regisseurin und Autorin von “Romeos” – habe die Begründung des FSK-Urteils am 25.11.11 erhalten und es kurz darauf öffentlich gemacht. Gleichzeitig habe ich die FSK um eine Stellungnahme zu diesem zutiefst diskrimierenden Urteil gebeten. Noch ohne Antwort. Ich möchte klare Worte benutzen – die FSK Begründung ist eine Frechheit. Sie ist  beleidigend, verletzend und aufs schärfste zu kritisieren. Ich schließe mich dabei vollständig der Argumentation des LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) an, der sofort nach Bekanntgabe Beschwerde bei der FSK eingereicht hat. Die Beurteilung der FSK hat mich erstmal sprachlos gemacht – als Regisseurin des Films, vor allem aber als Mensch.

 

Inzwischen habe ich meine Sprache wiedergefunden und möchte ergänzend zur Stellungnahme des LSVD einen Offenen Brief an die FSK richten:

An die Geschäftsführung der FSK Frau von Wahlert und Herr Poßmann sowie die Vertreter der OLJB (Obersten Landesjugendbehörde) bei der FSK,

als Geschäftsführende der FSK fordere ich Sie zu einer überfälligen Stellungnahme bezüglich der FSK Begründung zu „Romeos“ auf und bitte Sie entschieden, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Ich setzte die Öffentlichkeit ins Cc: Weiterlesen

Ich fordere Sie auf

  1. zur Positionierung Ihrerseits hinsichtlich der Diskrimierung seitens der FSK
  2. zu einer Offenlegung der verantwortlichen GremiumsteilnehmerInnen und deren sofortige Entbindung von jeder weiteren bewertenden Gremiumsarbeit im Hause der FSK
  3. Datenschutz…jaja.
  4. gleichzeitig fordere ich die verantwortlichen GremiumsteilnehmerInnen auf, Ihre Identität öffentlich zu machen – nennen wir es ruhig: sich zu outen! (ja, ein Outing kann manchmal sehr unangenehm sein)
  5. illustrierend zu Punkt 2-4 möchte ich eine Figur aus meinem eigenen Film zitieren: „So Leuten muss man die Macht entziehen“.
  6. ab sofort müssen für alle weiteren Bewertungsgremien zum Jugendschutz VertreterInnen aus der GLBT-Jugendarbeit angefragt und vertreten sein. Es geht darum, Ihrer verzerrten Wahrnehmung der Realität kompetent und  konstruktiv etwas entgegenzusetzen.
  7. eine sofortige Überprüfung des FSK-Urteils zu „Romeos“! (kostenfrei bzw. vorherige Klärung der Kosten)

Ihre beleidigende Beurteilung läßt jedes Urteilsvermögen vermissen, es ruiniert Ihre Glaubwürdigkeit und – bringt Sie bei einer Neubewertung in die Klemme. Merken Sie das? Entscheiden Sie erneut auf FSK 16, werden Sie eine andere Begründung liefern – was ist die wert? Ich sage es Ihnen: nichts – für mich jedenfalls nichts. Entscheiden Sie nun doch für eine FSK 12, werden Sie viele andere und mit Sicherheit die Kirchen gegen sich aufbringen. Ob Sie sich das trauen?

Es geht hier nicht mehr nur um das Anfechten und Neubewerten eines Urteils, merken Sie das? Es geht darum, die homophobe und damit menschenfeindliche Haltung (feindlich gegenüber Menschen egal welcher sexuellen Ausrichtung und Identität) glaubhaft aus Ihrem Haus zu treiben. Sie sind am Zuge!

Wie entscheiden Sie? 12 oder 16? Schwarz oder Weiß.

Generell möchte ich Ihnen nun ebenfalls eine sehr verwegene Anregung mit in die Waagschale werfen. Achtung: tragen Sie der gesellschaftlichen Realität Rechnung und führen Sie die FSK 14 ein. Zugegeben, ein extremer Vorschlag, weil es unglaublicher Anstrengungen bedürfte: nicht nur die GremiumsteilnehmerInnen müssten sich dann in ihren Bewertungen gedanklich feiner justieren, es würde auch einen neuen Aufkleber erfordern. Symbolisch schenke ich Ihnen deshalb hiermit (wie oben) eine Plakette – “FSK ab 14″. Zugegeben noch etwas unscharf, aber Sie könnten dem Profil verleihen. Wäre auch änderbar auf 13. Ich habe überlegt zwischen rosa und pink. Will aber niemanden überfordern. Orange finde ich auch ganz hübsch, eingefügt in die Plakettenriege würde es das FSK Farbspektrum sicherlich bereichern. Ein bißchen könnte das Gesamtbild dann allerdings an einen Regenbogen erinnern. Aber nein, keine Angst, das Etikett gayfriendly schenke ich Ihnen noch lange nicht.  Da müssen Sie erst beweisen, dass Sie das verdient haben. Das sind Sie schuldig.

Verstehen Sie das? Das sind Sie dieser Gesellschaft schuldig.

Denn unsere Gesellschaft hat mehr Farben als schwarz oder weiß. Sie ist sogar bunt. Sie ist vielfältig. Diese diskrimierende Begründung ist keine Sache, die man einfach unter „Fehlurteil“ verbuchen kann und vom Tisch wischt. Ich fordere Sie hiermit zum ehrlichen Dialog auf, um auf diese erschreckende Homophobie in Ihrem Hause zu reagieren und Dinge konstruktiv im Sinne ALLER Jugendlichen zu verändern. Wenn Sie das nicht tun, spreche ich Ihnen die Kompetenz zur Jugendarbeit und Medienbildung ab. Sie sind nun an der Reihe.

Verstehen Sie das? Frau von Wahlert, Herr Poßmann und die Vertreter der OLJB, Sie als Geschäftsführende der FSK stehen in der Verantwortung! Reagieren Sie!  Machen Sie die FSK analog zur gesellschaftlichen Realität bunt. Nehmen Sie mein Geschenk an.

Sabine Bernardi.


Sabine Bernardi
, aufgewachsen in München und Bozen, studierte Filmregie an der ifs – internationale filmschule köln. Zu ihren Dozenten gehörten Dominik Graf, M.K. Lewis und Helga Reidemeister u.a. Bereits vor dem Studium sammelte sie mehrere Jahre Erfahrungen als Regieassistenz für Kino, TV-Movies und Serienproduktionen für ARD, ZDF und RTL sowie an den Schauspielhäusern Hamburg und Köln. Seit dem Abschluss an der ifs im Jahr 2005 ist sie als freie Autorin und Regisseurin für Spielfilm, Doku und Hörfunk sowie als Realisatorin für Daily-Formate für VOX tätig. Neben der Arbeit als Regisseurin außerdem tätig als freie Dozentin für Filmschauspiel und Kameratraining u.a. an der Arturo Schauspielschule, Theaterakademie und ifs – internationale filmschule köln, sowie am Medienprojekt Wuppertal mit der Leitung diverser Filmworkshops in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

Anmerkung der Redaktion:
Zum bundesweiten Kinostart von Romeos am 08. Dezember erscheint hier ein ausführliches Interview (cn-klappe) mit der Regisseurin Sabine Bernardi und der Casting-Directorin Iris Baumüller (Die Besetzer).

Die Entscheidung der FSK wird aktuell von Verbänden, dem ZDF und weiteren Institutionen massiv hinterfragt. Es sollen wohl schon Schritte zu einer Anfechtung eingeleitet worden sein. Die FSK-Begründung hier nochmal als Link!

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Wen interessiert’s? Europa verteilt seine Filmpreise

Heute werden in Berlin die „Europäischen Filmpreise” verliehen. Wahrscheinlich guckt wieder keiner zu wie schon vor vier Jahren beim Jubiläum. Die Gala ist glamourös, doch wie man sich selbst inszeniert, muss Europas Filmwelt noch lernen. | Foto © Europäische Filmakademie

Wenn demnächst mal wieder einer über Hollywood lästert, könnte man entgegnen, dass sich wenigstens das Publikum dafür interessiert. Drum müssen Hollywoods Produktionen auch zuerst mal im eigenen Land ihr Budget wieder einspielen, der Rest der Welt kommt dann als Extra dazu.

Sogar eine trockene Preisverleihung wird zum Großereignis, das dann (wie man hier ab der fünften Minute sehen kann) auch wieder für die eigenen Produkte adaptiert wird. Kurz: Wenn Hollywood sich selber feiert, schaut man gerne zu – und nicht nur im eigenen Land, sondern rund um die Welt.

Auch ein deutscher Privatsender schickt sein Team zur „Oscar“-Verleihung, um live am Roten Teppich brandheiße Statements einzufangen und die schönsten Abendroben zu bewundern. Und es gibt Leute, die sich gerne mitten in der Nacht vor den Fernseher legen und vier Stunden lang zuschauen, wie bekannte Filmstars auf der Bühne Witzchen reißen, die ihnen Drehbuchautoren aufgeschrieben haben. Auf Englisch, ohne Untertitel, und wenn die Sonne aufgeht, ist es Montag. Mehr als eine halbe Million sollen das in diesem Jahr gewesen sein – doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

Das gesamteuropäische Gegenstück gibt es seit 24 Jahren. Anfangs hatte er sogar einen richtigen Namen, heute heißt er weniger zauberhaft nur noch „Europäischer Filmpreis“, hat aber wenigstens eine Gala, die auch nicht so viel bescheidener ist als die in Los Angeles. Nur guckt kaum einer hin. Wieso auch, wenn die Hälfte der Filme, die auf der Auswahlliste stehen, eh keiner kennt, weil sie entweder nie zu sehen waren oder zwar filmkunstbegeisterte Kritiker auf Festivals erfreuen, aber filmkunstbegeisterte Kinobetreiber in den Ruin treiben? Weiterlesen

Das schreibe ich jetzt übrigens nicht als passionierter Mainstream-Fuzzi. Denn auch sowas hat mich fasziniert, und einer der schönsten Filme dieser Dekade sieht für mich so aus.

Wieso auch sollte einer zugucken, wenn der beste Regisseur und der beste Schauspieler des Jahres es nicht mal zur Verleihung des größten Filmpreises der Alten Welt schaffen, wie im vorigen Jahr geschehen? Im Jahr davor waren sogar drei der fünf nominierten Schauspielerinnen gar nicht erst zur Gala erschienen. Davor wurde sogar das Lebenswerk eines „Kultregisseurs“ in dessen (und einiger anderer Preisträger) Abwesenheit geehrt, wie das halt schon seit Jahren so geht. Wieso also sollte sich das Publikum für einen Preis für Filmschaffende interessieren, der selbst die Filmschaffenden nicht zu interessieren scheint.

Und wieso auch, wenn es den eigenen Medien ziemlich egal ist? Die Europäische Gala wird von Fernsehsendern rund um die Welt übertragen. Nur eben nicht live, sondern zeitversetzt, zum Teil um eine Woche, falls das dann noch jemanden interessieren sollte. In Deutschland läuft das Ganze sogar ziemlich früh, nämlich nur einen Tag später – am Sonntag um halb elf auf Arte.

Über den Filmzauber muss Europa noch ein bisschen lernen.

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Endlich Künstler! Rechtskräftiges Urteil zu Gunsten von Casting Directors

„Endlich Künstler!“ (Franziska Aigner)

Die Pressemitteilung von Franziska Aigner:

In einem bahnbrechenden Urteil vom 23.09.2011 hat das Finanzgericht München die Tätigkeit der Münchner Casting-Direktorin Franziska Aigner als künstlerische Tätigkeit im Sinn des § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG qualifiziert, so dass diese Tätigkeit nicht der Gewerbesteuer unterliegt.

Nach den Feststellungen des Finanzgerichts München erreicht die Tätigkeit der Klägerin in ihrer konkreten Ausgestaltung durch die Komposition des Schauspielerensembles eine künstlerische Gestaltungshöhe, da sie damit die dem Film Bild gebenden Akteure bestimmt und auf einen der primären künstlerischen Wirkungsgrade des Films – die personelle Bildgebung der Geschichte- in entscheidender Weise Einfluss nimmt.

Die vom Finanzamt München zuvor erlassenen streitgegenständlichen Gewerbesteuermessbescheide, gegen die sich Franziska Aigner im Klagewege gewehrt hat, wurden vom Finanzgericht München aufgehoben.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Eine anonymisierte Fassung des Urteils kann über die Rechtsanwaltskanzlei Michael Fröschl angefordert werden. Frau Sabine Falkenberg steht dort für weitere Auskünfte jederzeit gerne zur Verfügung.

Kommentar der Redaktion:
Nach zwei Jahren Rechtsstreit hat Franziska Aigner Recht bekommen:
Das Finanzgericht München erkennt die Tätigkeit als Casting-Direktorin als künstlerische Tätigkeit an.

Hier wäre auch ein Umdenken der Deutschen Filmakademie endlich an der Zeit. Die künstlerische Arbeit der Casting Directors wird in Deutschland (außer im Rahmen der Cologne Conference) nirgendwo anders gewürdigt, geschweige denn mit einem Preis ausgezeichnet.

Zur Person: Franziska Aigner wurde am 3. Dezember 1960 in Ludwigsburg geboren. Nach dem Abitur zog es sie nach Berlin, wo sie zunächst Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaften studierte, sich dann aber entschloss, in München eine Buchhändlerlehre zu absolvieren.
Nach der Ausbildung führte sie ihr Weg wieder in ihre Heimatstadt. Dort eröffnete und leitete sie zwei Buchhandel-Filialen des Familienbetriebes „Buchhandlung Eigner“.
1989 ging es zurück nach München. Nach der Kinderpause und Geburt ihrer zwei Kinder machte sie sich als Casting Director selbständig. Ihr Besetzungsdebut war ein „Tatort“ von Jobst Oetzmann.
Seit 1994 arbeitet sie nun als freier Casting Director in München.
2008 gewann sie den deutschen Casting-Preis im Rahmen der Cologne Conference. Zahlreiche Fernsehspiel- und Kinoformate zählen mittlerweile zu ihrer Filmographie.
www.franziska-aigner-casting.de

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