Auslandsdreh – wie geht das mit der Steuer?

Die Einzelheiten zur Besteuerung ausländischer Einkünfte ist in Doppelbesteuerungsabkommen geregelt.


Da immer häufiger Anfragen bei uns eintreffen, wie die Versteuerung bei Auslanddrehs funktioniert, möchten wir dies einmal an einem Beispiel erklären. Eine allgemeine Aussage kann – wie so häufig im Steuerrecht – dabei allerdings nicht getroffen werden, da die Versteuerung von Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abhängig ist, welche Deutschland mit den verschiedenen Ländern getroffen hat. Und wer jetzt denkt, die Einnahmen sind in Deutschland steuerfrei und müssen in der deutschen Steuererklärung nicht gemeldet werden, sollte lieber auch noch einmal weiterlesen. So drohen hier unter Umständen Steuerstrafverfahren, da die entsprechenden Einnahmen nicht angegeben wurden.

Da das Doppelbesteuerungsabkommen mit Österreich dem Muster-DBA entspricht, wollen wir nachfolgend die Besteuerung am Beispiel Österreich darlegen.

Nach dem in Deutschland geltenden Welteinkommensprinzip unterliegen sämtliche, weltweit erzielten Einkünfte von in Deutschland lebenden Steuerpflichtigen im Inland der Besteuerung. Damit sind grundsätzlich auch die Einkünfte, die ein Filmschaffender für die Tätigkeit in Österreich bezieht, in Deutschland steuerpflichtig (soweit es sich um Einkünfte aus einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis handelt wie z.B. von Schauspielern).

Darüber hinaus kommt es aufgrund der Beschäftigung in Österreich zu einer beschränkten Steuerpflicht in Österreich. Insoweit steht beiden Ländern ein Besteuerungsrecht zu. Um zu vermeiden, dass es tatsächlich zu einer doppelten Besteuerung kommt, wurde am 24.08.2000 ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Österreich geschlossen.

Das Abkommen sieht in Art. 15 Abs. 1 dabei vor, dass der Staat, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird – hier also Österreich -, das Besteuerungsrecht hat. Die Tatsache, dass Österreich das Besteuerungsrecht hat, bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland grundsätzlich auf die Besteuerung nach dem Welteinkommensprinzip verzichtet. Deutschland stellt die Einkünfte von der Besteuerung frei – allerdings unter Anwendung des Progressionsvorbehalts. Dies bedeutet, dass diese Einkünfte in der Steuererklärung zu melden sind. Sie werden allerdings nicht wie die anderen steuerpflichtigen Einkünfte behandelt sondern führen zu einer Erhöhung des Steuersatzes. Insoweit kommt es indirekt doch zu einer Versteuerung in Deutschland.

Aber kein Steuergesetz ohne Ausnahmen! So ist zu beachten, dass gem. Art. 15 Abs. 2 DBA das alleinige Besteuerungsrecht beim Wohnsitzsstaat Deutschland verbleibt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der in Deutschland lebende Steuerpflichtige hält sich nicht länger als 183 Tage im Kalenderjahr in Österreich auf und
  • das Gehalt für diese Tätigkeit wird nicht von einem österreichischen Arbeitgeber gezahlt und
  • das Gehalt wird nicht von einer österreichischen Betriebsstätte oder festen Einrichtung des Arbeitgebers getragen

Beispiel 1:

Die in Düsseldorf lebende Schauspielerin wird von einer österreichischen Produktionsgesellschaft engagiert. Die Dreharbeiten finden in den Monaten August bis September 2012 in Wien statt. Für den Dreh erhält sie 40.000 Euro. Im Jahr 2012 hat sie daneben in Deutschland steuerpflichtige Einkünfte i.H.v. EUR 30.000.

Aufgrund ihres Wohnsitzes in Deutschland ist die Schauspielerin in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig. Gem. des DBAs wird die Gage in Österreich versteuert, da sie von einer ausländischen Produktionsgesellschaft engagiert wurde. Die österreichische Produktionsgesellschaft hält im Rahmen der Lohnabrechnung 20 % Steuern, aufgrund der beschränkten Steuerpflicht, ein. Im Rahmen der deutschen Steuererklärung müssen die Einkünfte als “steuerfreier Arbeitslohn mit Progressionsvorbehalt” in der Anlage N der Einkommensteuererklärung gemeldet werden. Aufgrund des Progressionsvorbehalts kommt es sodann zu einer Erhöhung des Steuersatzes. Vergessen sollte die deutsche Schauspielerin die Einkünfte nicht in der Steuererklärung. So kann das Finanzamt in der Nichtmeldung schnell den Tatbestand der “Steuerhinterziehung” sehen, da unter Umständen hier hohe steuerliche Auswirkungen resultieren können, wie das Beispiel zeigt.

steuerpflichtige Einnahmen in Deutschland 30.000 Euro
Gage in Österreich 40.000 Euro
Steuerlast in Deutschland (mit erhöhtem Steuersatz) 8.000 Euro

Hätte die Schauspielerin die österreichischen Einkünfte nicht gemeldet, wäre es zu einer Steuerfestsetzung i.H.v. EUR 5.000,00 gekommen. Insoweit kommt es in Deutschland zu einer “indirekten Steuerfestsetzung” i.H.v. EUR 3.000 aufgrund des durch Progressionsvorbehaltes erhöhten Steuersatzes. In Österreich werden darüber hinaus Steuern i.H.v. EUR 8.000 einbehalten (20% von 40.000 Euro). Insgesamt resultiert aus den österreichischen Einkünften insoweit eine Steuerlast i.H.v. EUR 11.000.

Beispiel 2:

Die in Düsseldorf lebende Schauspielerin wird von einer deutschen Produktionsgesellschaft engagiert. Die Dreharbeiten finden in den Monaten August bis September 2012 in Wien statt.

Da sich die Schauspielerin nicht mehr als 183 Tage in Österreich aufhält, der Arbeitgeber eine deutsche Produktionsgesellschaft ist, die auch keine Niederlassung in Österreich unterhält, unterliegt die Gage ganz normal der Besteuerung in Deutschland und wird über die deutsche Lohnsteuerkarte abgerechnet. Die Einnahmen aus den Dreharbeiten in Österreich führen dabei zu einer Steuerbelastung von ca. EUR 15.000.

Völlig anders sieht der Sachverhalt bei selbständiger Tätigkeit und bei Lizenzeinnahmen aus. Die wichtigsten Regelungen hierzu haben wir auf www.medienvorsorge.de zusammengefasst.

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3 Antworten auf Auslandsdreh – wie geht das mit der Steuer?

  1. Hallo Herr Reichart, die Abrechnung in Österreich erfolgt als beschränkt Steuerpflichtiger. Eine Erstattung im Rahmen einer österreichischen Steuererklärung sieht nach meiner Kenntnis auch das österreichische Recht bei beschränkter Steuerpflicht hier nicht vor. Einzelheiten müssten bei einem österreichischen Kollegen erfragt werden.

    Grüße, Rüdiger Schaar

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  2. Hätte eine Frage zu Bsp. 1:

    Hätte die Schauspielerin die Möglichkeit in Österreich eine Steuererklärung zu machen um evtl. eine bessere Besteuerung (20%) ihres in Österreich verdienten Geldes zu erreichen ?

    Gruß Thorsten

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  3. Wenn ein deutscher Rentner nach Österreich zieht, und dort länger als 183 Tage wohnhaft ist, sind seine Renten (Angestellten- und Betriebsrente) in Österreich zu versteuern. Die Rentengelder gehen auf einer deutschen Bank ein.
    Ist diese Interpretation zutreffend?
    GALLARIAOY – Peter OYen

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