Cinema Moralia – Folge 62: Die deutsche Filmkritik und ihr visuelles Defizit

© 2013 STUDIOCANAL: Neil (Ben Affleck) und Marina (Olga Kurylenko)

Mal wieder Kritik der Kritik; eine Veran­stal­tung in der Akademie der Künste und der türkische Vorfrüh­ling – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 63. Folge

»Wenn ein Kopf und ein Buch zusam­men­stoßen, und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buch?« – Georg Christoph Lich­ten­berg, deutscher Physiker und Schrift­steller (1742 – 1799)

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Man muss mehr über Film­kritik schreiben, viel mehr infrage stellen, was Film­kri­tiker tun, was die Film­kritik tut, und was mit ihr getan wird. Man muss auch versuchen, genauer zu klären, was Film­kritik ist, und – viel wichtiger – was nicht. Grund­sät­z­lich natürlich ist Schreiben über Film poten­tiell auch Film­kritik. Aber wir alle wissen, dass vieles, was als Film­kritik daher­kommt diese eben nicht ist. Filmkritik ist nur da, wo sie keine dienende Funktion hat. Sie dient nicht dem Kino, jedenfalls nicht mehr, als das Kino ihr dient. Sie ist nicht Knecht und das Kino nicht Herr.

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Die Frage ist eine ganz grund­sät­z­liche, prin­zi­pi­elle: Wenn ich mit einem Film nichts anfangen kann, und es handelt sich um einen Filme­ma­cher, den ich nicht schon immer sowieso für einen schlechten gehalten oder jeden­falls nicht gemocht habe, und nicht etwa um einen Anfänger, sollte ich mich dann (übrigens selbst bei Anfängern) nicht grund­sät­z­lich erst einmal fragen, was denn der Filme­ma­cher bei dem scheinbar so unsäg­li­chen Mist sich gedacht haben mag? Sollte man möglicherweise dem Film und seinen Machern mehr Kredit geben, als sich selbst?

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Das ist die Frage, und ich will hier gar nicht behaupten, dass es mir selbst immer leicht fiele, in solchen Fällen nicht den bequemen Weg zu gehen und eben dann zu verreißen. Das tut jeder. Ab und zu jeden­falls. Man kann der Versu­chung, sich gehen zu lassen, gar nicht entkommen, scheint mir. Interessant wird es, wenn man versucht, nachzuprüfen wo einer sich gehen lässt, und wo er sich Mühe gibt. Mir scheint es offenkundig, dass die deutsche Filmkritik ein sehr besonderes Defizit im Visuellen hat. Sie hat besondere Mühe mit Filmen, die visuell stark sind, sich um ihren Plot nicht so sehr scheren. Sie hat Mühe mit musikalischen Filmen, mit poetischen und mit solchen, die sich an Malerei orientieren. Viel leichter tut sie sich, wenn ein Filme eine Art Theaterstück sind, ein bebildertes Hörbuch, oder Fortsetzung von Literatur mit andern Mitteln. Mit dem genauen Hingucken hat sie dagegen Probleme.
Das ist natürlich eher suboptimal, wenn man es man es mit einer visuellen Kunstform zu tun hat.

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Und das ist doch Kino, oder? Wenn bei einem Film der Ton ausfällt, kann man ihn immer noch mit Gewinn ansehen. Ihn aber anzuhören wenn das Bild ausfällt, ist Blödsinn. Selbst wenn es sich nicht um eine synchro­ni­sierte Fassung handelt. Wie Unge­nau­ig­keiten einander bedingen, belegt aber gerade die Tatsache, dass ausge­rechnet im Land der Synchro­ni­sa­tion auch die Bilder gering­ge­schätzt werden.

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Nahe­lie­gender Einwand: Wer ist denn »die« Film­kritik? Natürlich sind derartige Gene­ra­li­sie­rungen immer gewagt. Natürlich gibt es in Deutsch­land tolle Kritiker. Trotzdem glaube ich, dass die Allge­mein­heit der These gerecht­fer­tigt ist. Natürlich habe ich auch ganz bestimmte Namen im Kopf, die ich jetzt hier nicht nennen will. Führt zu nichts, stiftet nur Streit. Jeder kann nachlesen und sich seinen Teil denken. Ich versuche meinen Gedanken anders zu belegen, an konkreten Beispielen, bei denen es aber nicht um Kollegennamen geht, sondern um Filme.

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Wenn wir ein Musik­stück, sei es nun eine klas­si­sche Symphonie oder einen Popsong, gehört haben – würden wir dann darüber in der Weise urteilen, dass wir sagen: Musi­ka­lisch ganz gut, aber davon abgesehen taugt es nichts?
Oder würden wir bei einem Gemälde von Cézanne urteilen: Schön gemalt, aber da sind ja nur Äpfel und Pfirsiche drauf. Das ist nun wirklich ein irrelevantes Sujet.
Würden wir Proust oder Thomas Mann deshalb nicht mehr lesen, weil sie sich ja nur mit der Vergangenheit beschäftigen?

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Alles drei ziemlich unsinnige, banau­si­sche Vorge­hens­weisen. Bei der Film­kritik passiert dies aber tagtäg­lich. Auch im Fall von renom­mierten Kollegen. Auch hierfür kurze Beob­ach­tungen: Sowohl beim Berlinale-Eröff­nungs­film von Wong Kar-wai, The Grand­master, als auch letzte Woche beim neuen Film von Terrence Malick fallen die Kritiken aus Frank­reich wie aus den USA zu den genannten Film weitaus freund­li­cher aus, als die deutschen. Das sind beides Filme, die sich offen angreifbar machen. Aber sie haben auch eine Grund-Qualität, ein Niveau. Genau das wird in Deutsch­land nicht gesehen. Es zeigt sich ein Großteil der Kollegen einem Werk schlicht und einfach nicht gewachsen, das mit Bildern und in Bildern erzählt. Da wird zu Wong dann zwar bemerkt, der Film stünde »ästhe­tisch … Meis­ter­werken wie In the Mood for Love oder 2046 visuell in nichts nach« (Andreas Borcholte, »Spiegel«), doch dann sei er halt verwir­rend, episo­den­haft (sagt man das auch über »Tristram Shandy« oder den »Ulysses«?). Und es fällt der tolle Satz: »Einem Gesell­schafts­pan­orama wie Leones Es war einmal in Amerika lässt sich trotz aller lokal-histo­ri­scher Codie­rungen leichter folgen als einer Erzählung, deren Hinter­grund hier­zu­lande nur wenig bekannt ist.« Muss also hier der Regisseur den Film auf Sehge­wohn­heiten von »Spiegel«-Autoren abstimmen, oder viel­leicht der Film­kri­tiker mal ein Buch lesen, dass nicht von ameri­ka­ni­scher Geschichte handelt?
Ähnlich bei Malick. Wieder der »Spiegel«, der gern jeden Ami-B-Movie zum Meis­ter­werk aufbläst, wenn nur ein knackiges Starlet mitspielt: »Alters­sen­ti­men­ta­lität … dass dem Zuschauer vor lauter Süßstoff schier die Augen verkleben. … Null-Geschichte um Begehren und Verzagen. Feucht glänzt das Auge, blutrot zittert die Lippe, leber­tranig trieft der Kitsch.«
Man könnte so weiter­zi­tieren. Der Punkt ist: Schönheit steht hier immer unter Kitsch­ver­dacht und Bilder sollen einen Zweck erfüllen. Warum? Warum dürfen Bilder sich nicht selbst genug sein? Warum muss eine Story für alle Welt vers­tänd­lich sein und auser­zählt werden. Warum stören sich die gleichen Kollegen nie an Filmen,die karg und langatmig sind. Weil man denen keinen Ästhe­ti­zismus vorwerfen kann?

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Vor allem: Warum haben die US-Kollegen und die Franzosen mit alldem so viel weniger Probleme?

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Ein Verdacht meiner­seits: Die heimliche Angst der deutschen vor dem Fremden. Daraus resul­tie­rend ein System der gegen­sei­tigen Selbst­be­s­tä­ti­gung.
Erinnern wir uns nochmal an Cannes. In Cannes erkennt man die Deutschen daran, dass sie immer schon alles wissen. Sie treten auf als Bescheid­wisser. Als Checker. Sie haben keine Fragen, aber viele Meinungen und sind überhaupt nicht offen. Sie sitzen im Deutschen Pavillon aufein­ander, lästern sie über die, die gerade nicht da sind, und versi­chern sich gegen­seitig ihrer Aktivität und damit Bedeutung. Die Angst der Deutschen vor dem Fremden korre­spon­diert mit der Angst, selber unbe­deu­tend zu sein.
Der »deutsche Film« entpuppt sich mit alldem als Ideologie und als ein in seiner Konse­quenz tota­litäres Konstrukt, ein Phantasma. Denn er benennt Sünden­böcke – zum Beispiel die Kritiker –, und definiert sich nach innen wie außen gegen anderes, zum Beispiel »die Berliner Schule« und »die Franzosen«.
Man könnte auch sagen: Der deutsche Film ist wie Katja Riemann. Er fühlt sich immer ange­griffen, hat schon von Beginn an eine latent aggres­sive Vertei­di­gungs­hal­tung, die von außen betrachtet nichts als Unsi­cher­heit verrät und nur hyste­risch wirkt.
Wer irgendwie anders ist, oder etwas zu meckern hat, der stört, und gilt als Nest­be­schmutzer. Statt ein System der Selbst­kritik, der ständigen Selbst­ver­bes­se­rung durch Kritik zu sein, ist das deutsche Kino eine Maschine der Selbst­ver­schlech­te­rung durch gegen­sei­tige Selbst­be­s­tä­ti­gung.
CSU-Menta­lität aufs Kino umge­bro­chen: »passt scho«. Und zur Not dann halt: »ja mei«

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Derart borniert ist natürlich auch der größte Teil der deutschen Film­kritik. Das erkennt man zum Beispiel am Umgang mit Malick. Man darf ja mit dem Film Probleme haben. Aber die Einhel­lig­keit mit der man ihn blöd findet, weckt Verdacht.

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Ein Gegen­bei­spiel lieferte Peter Körte in der FAS. Sein Text über To the Wonder gefällt schon mal, weil er Fragen stellt, und keine Antworten vorgibt, aber in diesen Fragen dann doch eine Haltung dem Film gegenüber entwi­ckelt, die vorbild­lich ist.
Er ist aber auch darin, wie er die Einwände aufgreift, bei den Hörnern packt, ein Musterbeispiel von Kritik der Kritik. Wir zitieren: »Nichts leichter, als hämisch über diesen Film herzufallen; sich über seine Spiritualität zu mokieren und den Stimmen aus dem Off zu bescheinigen, dass sie nur deshalb da seien, weil Schauspieler diese Sonntagsschulsentenzen in einer Szene nicht sagen könnten; nichts billiger, als zu fragen, ob man Schauspieler wie Ben Affleck oder Olga Kurylenko nicht sinnvoller beschäftigen könnte; und ob da unbedingt Berlioz, Wagner, Górecki erklingen müssen, damit es möglichst feierlich und gravitätisch wirkt.
Und es ist noch nicht mal alles ganz falsch und abwegig, was da … geschrieben wurde. … Man entgeht dem Unbehagen beim Ansehen des Films auch nicht, indem man trotzig verteidigt, was angeprangert wird. Interessanter ist es da schon, nach den Problemen zu suchen, mit denen der Film kämpft, und nicht nach den Antworten, die er ungefragt gibt. TO THE WONDER mag ja eine starke Meinung haben zum Sinn des Lebens, zu den letzten und vorletzten Dingen, doch zunächst einmal ist der Film das Ringen um eine Lösung: Wie kann man eine Liebesgeschichte im Kino erzählen, die sich von den üblichen Mustern, Formen, Strukturen löst? Wie muss eine Form beschaffen sein, die einem festumrissenen Plot den Rücken kehrt? Wie lassen sich eindeutig konstruierte Szenen mit erklärenden Dialogen auflösen, ohne dass alles zerfällt; wie diese strukturschwachen Gebilde in einer assoziativen Montage verbinden, bis ein ganz eigener Rhythmus entsteht?«

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Mehr denn je zu bekämpfen ist die Bieder­keit unserer Film­kritik.

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Einen Film bieder anzu­gu­cken, heißt, ihn nur auf seine Story hin anzu­gu­cken, nicht auf formale Struk­turen. Es heißt, ihm Forma­lismus, Ästhe­ti­zismus vorzu­werfen, oder gar, dass er »zu schön« sei. Wie geht das überhaupt: zu schön?

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Wir lieben ja »Arte«. Genau, der deutsch-fran­zö­si­sche Kultur­kanal ist gemeint. Das muss man ab und zu mal sagen, auch zu sich selbst, gerade wenn man sich wieder geärgert hat. Letzte Woche habe ich die soge­nannte Cannes-Bericht­er­stat­tung auf »Arte« nach­ge­holt. Sie ist eigent­lich keine, weil offiziell einge­stellt, und dann doch im Netz präsent, aber auch schon deshalb, weil »Arte« jetzt auch immer mehr auf Quote schielt, und sich offenbar Cannes bei »Arte« keiner anschaut. Das wundert nicht, wenn man auch nur fünf Minuten lang zuguckt, wie zwei Franzosen in Cannes herum­schlurfen, sehr schlechte Witze machen, etwa Namens­witze, und Sprach­nach­äf­fungs­witze, über die allen­falls jene Teenies lachen, die »Arte« sowieso nicht gucken. Und dann wird einfach alles verrissen, und doof gefunden, nicht etwa vermit­telt, auch die von »Arte« selbst für teures Gebüh­ren­geld produ­zierten Filme, die in Cannes laufen – und dass ist dann der Moment, wo wir bei aller Liebe zu »Arte« uns mal kurz gefragt haben, warum um alles in der Welt man Gebüh­ren­geld dafür ausgibt, dass man die vom gleichen Geld produ­zierten Filme schlecht macht.

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Vor ein paar Wochen habe ich selbst in Istanbul demons­triert – gegen den Abriss des tradi­tio­nellen Emek-Kinos. Inzwi­schen ist dies passiert. Mit dem Emek begannen jene Unruhen, die inzwi­schen so breit geworden ist, dass wir alle davon gehört haben. Wir, aber nicht alle Türken. Denn die türkische Presse ist ökono­misch gleich­ge­schaltet durch einen Schweige- und Still­hal­te­pakt unter den türki­schen Medien, deren Verleger oft freund­schaft­lich und / oder geschäft­lich mit dem Minis­ter­prä­si­dent verban­delt sind.
Hierauf zielt ein Aufruf von Künstlern, Autoren und Filmemachern, der mich gestern erreichte. Es stehen gute Leute auf der Unterstützerliste, u.a. die Regisseure Fatih Akin, Semih Kaplanoglu, Nuri Bige Ceylan und Kutlug Ataman. Der Aufruf lautet: »We, as the filmmakers, writers and artists from Turkey, express our serious concern over the country-wide incidents incited with the Gezi Park protests. Please read the below declaration regarding media attitude towards these incidents is signed by leading figures of Turkey, including Fatih Akin, Kutlug Ataman, Nuri Bilge Ceylan, Semih Kaplanoglu, Yesim Ustaoglu and Zeki Demirkubuz among many others.
WE CONDEMN THE CENSORING ATTITUDE OF THE MAINSTREAM MEDIA TOWARDS THE GEZI PARK RESISTANCE!
In the movement initiated by the Gezi Park Resistance, we, as filmmakers, artists and writers of this country, condemn acts of censorship and the disregard of the principles of neutral and objective journalism by all mainstream television channels, especially NTV, CNN Türk, Habertürk, Kanal D, ATV, Star, Show TV and TRT, as well as, some newspapers, especially Star, Sabah and Habertürk, which have always defined themselves as Turkey’s prominent and objective media institutions. The Gezi Park Resistance and the protests all around the country are actions that spontaneously arose out of the people’s common conscience, independent of political affiliation. These actions symbolize an awakening of consciousness in Turkey, and worldwide, against a regime of oppression which increases its authoritarian presence every day. The common aim of those who participate in these peaceful actions is to claim their right to a life of freedom, and the right to contribute to the decisions about the place they live in, their own city and natural environment.
Much to our surprise and regret, possibly, in order to not oppose the political authorities or business magnates, we have observed that the mainstream media has featured almost nothing about this resistance movement. The provocative and aggressive approach of the police against this movement, which sometimes goes as far as trying to kill people, has also been barely covered by our mainstream media. However, as we have all witnessed, the media’s disregard has only served to reveal to Turkey and the rest of the world, the hidden agenda of those who disdain and attempt to subvert the resistance. We invite all concerned media companies in this historic moment to immediately leave their complacency, to broadcast and to publish with principles of unbiased and objective journalism, and to contribute to the establishment of a democratic and free media. This is a historic moment. An independent media will lay the grounds of trust and freedom for all of us. We will continue to witness this process.

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In Köln eröffnet jetzt das »Medi­en­forum NRW« zum 25. Mal. Wir wären sehr gern da, aber man kann ja nicht alles machen. Außerdem hat das Medi­en­forum keine sehr nette Einla­dungs­po­litik gegenüber Jour­na­listen – am Ende kommt zwar jeder irgendwie rein, aber es wirkt alles nicht so, als sei Presse richtig erwünscht.
Blickt man ins Programm mischt sich Freude mit Ärger. Zuviel Bertels­mann ist der erste Eindruck, dann folgt die Über­le­gung, dass sich das in NRW vermut­lich nicht verleiden lässt, und Bertels­mann ist immer noch besser als andere, also Schwamm drüber.

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Man ist modern. Die komplette Veran­stal­tung kann man sich im Netz per livestream angucken. Inhalt­lich geht es um mäßig origi­nelle Themen, wie die »Auswir­kungen des digitalen Wandels sowie … Chancen und Heraus­for­de­rungen für Medi­en­wirt­schaft, Medi­en­po­litik und Gesell­schaft«. Hm. Aber sie haben Robert Pfaller einge­laden, einen der origi­nellsten und tatsäch­lich inter­es­san­testen Gegen­warts­phi­lo­so­phen. Er spricht über »The Future of Identity«. Was sehr schade ist, ist dass all die inter­es­santen Leute, die auf dem Medi­en­forum zu inter­es­santen Themen sprechen, viel zu wenig Zeit bekommen! Acht Veran­stal­tungen mit insgesamt 39 Teil­neh­mern in vier Stunden – ein Wahnsinn. Allein bis sich vier Leute vorge­stellt haben und so einge­grooved, dass sie mal zum Punkt kommen, ist alles vorbei. So ist das ganze toll, aber eben auch eine einzige Ressour­cen­ver­schwen­dung, auch von öffent­li­chen Geldern. Man versteht nicht, warum all diese Menschen, die mindes­tens zum Teil Reise­kosten und Honorar bekommen, nicht auf zwei Tage verteilt werden.

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Von der SPD erreicht uns auch noch eine Meldung: »Schwarz-Gelb ist die soziale Absi­che­rung der Kultur­schaf­fenden total egal« heißt es da etwas salopp formu­liert. Und auch im Folgenden haut die Medi­en­fach­frau der Sozi­al­de­mo­kraten und stell­ver­tre­tende Vorsitz­ende des Ausschusses für Kultur und Medien, Angelika Krüger-Leißner, kräftig auf die Wahl­kampf­pauke: »komplette Ignoranz von Schwarz-Gelb gegenüber der Kultur«. Recht aber hat Krüger-Leißner mit ihrer Klage gegen den Beschluss der Regie­rungs­ko­ali­tion, die ursprüng­lich im Gesetz­ent­wurf vorge­se­hene turnus­mäßige Über­prü­fung der Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be­pflicht von Unter­nehmen durch die Träger der Renten­ver­si­che­rung aus dem Gesetz für die Künst­ler­so­zi­al­kasse (KSK) zu streichen. »Das ist mehr als fahr­lässig, da diese Über­prü­fung nun nicht mehr verbind­lich geregelt ist. Es besteht die Gefahr, dass der Abga­be­satz in den kommenden Jahren deutlich steigen könnte. Damit gerät die Stabi­lität der KSK insgesamt in Gefahr. Zudem werden gerade die ehrlichen Unter­nehmen, die ihrer Abga­be­pflicht nach­kommen, bestraft, indem die dringend notwen­dige Verbes­se­rung der Kontrolle vor allem der säumigen Unter­nehmen nicht erfolgt. Dabei ist das Thema Beitrags­ge­rech­tig­keit ein wichtiges für die Akzeptanz der Künst­ler­so­zi­al­ab­gabe. Am Ende sind viele Kultur- und Krea­tiv­schaf­fenden betroffen. Das für sie wich­tigste Instru­ment für eine ange­mes­sene soziale Absi­che­rung wird ohne Not gefährdet.«
Auch die »Akademie der Künste« sieht die Künst­ler­so­zi­al­kasse gefährdet. In ihrer aktuellen Meldung heißt es: »Der Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag hat am 5. Juni eine nicht nach­voll­zieh­bare Entschei­dung getroffen, die schwer­wie­gende Folgen für die soziale Lage tausender Künstler und Künst­le­rinnen nach sich ziehen kann.
Indem die regel­mäßige Über­prü­fung der Künst­ler­so­zi­al­ab­ga­be­pflicht von Unter­nehmen durch die Träger der Renten­ver­si­che­rung nicht mehr per Gesetz vorge­schrieben wird, entsteht für die Künst­ler­so­zi­al­kasse eine voraus­seh­bare Notlage. Da säumige Unter­nehmen, die der Abga­be­pflicht nicht nach­kommen, keine ernst­haften Sank­tionen zu befürchten haben, werden jene bestraft, die der Versi­che­rungs­pflicht nach­kommen und in Zukunft mit höheren Abga­be­sätzen rechnen müssen, um die zu erwar­tenden Ausfälle zu kompen­sieren.
Die Akademie der Künste fordert den Bundestag nach­drück­lich auf, in den wenigen verblei­benden Tagen der laufenden Legis­la­tur­pe­riode die Schaden stiftende Entschei­dung des Kultur­aus­schusses zu revi­dieren. Im Sinne der Beitrags­ge­rech­tig­keit muss die regel­mäßige Über­prü­fung der zu Abgaben an die Künst­ler­so­zi­al­kasse verpflich­teten Unter­nehmen unbedingt beibe­halten werden.«

(To be continued)

Unter dem Titel »Cinema Moralia« sind auf artechock in loser Folge Notizen zum Kino zu finden, aktuelle Beob­ach­tungen, Kurzkri­tiken, Klatsch und Film­po­litik, sowie Hinweise. Eine Art Tagebuch eines Kino­ge­hers.

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