Glanz und Elend des Deutschen Films II: Stars

Was macht einen Star aus? An der Aussprache kann’s nicht liegen, wohl eher an der Ausstrahlung. Teil zwei unserer Schnitzeljagd durchs Deutsche Kino. | Fotos © WDR/NDR, Montage: cinearte

1997 kam „Knockin’ on Heaven’s Door” in die Kinos. Ein Taxifahrer hatte Til Schweiger ein Drehbuch in die Hand gedrückt, und der war so begeistert, dass die beiden einen Film machten. So ging die Produktionslegende, die gerne weiterverbreitet wurde, weil man sich so ungefähr ja auch gerne das Filmemachen vorstellt … In diesem Falle scheint es tatsächlich so gewesen sein, freilich verfilmten die beiden ein anderes Drehbuch als das In-die-Hand-gedrückte, denn der Taxifahrer hatte noch viele weitere fertige Bücher in seiner Schublade, unter anderem eben das lustige Gangster-Buddy-Roadmovie „Knockin’ on Heaven’s Door”.

Der Film wurde ein Überraschungserfolg, brachte unter anderem Moritz Bleibtreu den Durchbruch und machte viele andere Darsteller bekannt. Nur Til Schweiger mußte einige Häme einstecken, weil seine Darstellung eines Todkranken, der von Hirnkrämpfen geschüttelt wird, unglaubwürdig wirke. Mir war das nicht so aufgefallen, denn ich weiß nicht so gut wie andere Kritiker, wie es aussieht, wenn tatsächlich Todkranke von Hirnkrämpfen geschüttelt werden, aber ich fand diese Darbietung zumindest nicht bemerkenswert unglaubwürdig (und schon gar nicht so nervend wie Tom Cruises Rumgeschreie in „Rain Man“, das allgemein gelobt wurde). Aber Til Schweiger, das war doch der Typ aus der „Lindenstraße”, der Proll aus „Manta, Manta”? So einem darf man so etwas doch nicht durchgehen lassen.

Ich bin sicher, daß sich hier schon das Problem zeigte, das der Schauspieler mit den Filmkritikern noch heute, fast zwei Jahrzehnte später hat.

Jedenfalls ging der Regisseur Thomas Jahn, Debütant ohne Filmausbildung, damals zum Kinostart auf Werbetour durch die Republik. Und da schwärmte er, wie üblich bei solchen Gelegenheiten, von den Dreharbeiten und wie lieb sich alle hatten. Sagte aber, angesprochen auf dessen Schauspielkunst, auch einen erstaunlichen Satz über seinen Hauptdarsteller: Schweiger sei schließlich der einzige Star, den der Deutsche Film vorzuweisen habe. Das fand ich ein großes Wort, weil Schweiger damals ja nur „Lindenstraße” und „Manta, Manta” vorzuwesen hatte, doch Jahn beharrte: Star sei keine Stufe der Berühmtheit, sondern zeige sich allein in einem: Der bloße Name lockt die Leute ins Kino, ungeachtet von Handlung oder Genre. Das schaffte bis dahin lediglich noch Götz George (den Schweiger unlängst selbst als Vorbild angeführt hat).

Naja, dachte ich, der spricht ja immerhin auch ein bisschen undeutlich, und ließ das damals einfach mal so stehen. Mittlerweile hat sich Jahn mit seiner Aussage bekanntlich als Prophet bewiesen. Und wenn auch inzwischen noch ein paar weitere Namen die Augen zum Glänzen bringen, strahlt Schweiger unter allen am hellsten. Nicht, dass sich darüber alle freuen würden …

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3 Antworten auf Glanz und Elend des Deutschen Films II: Stars

  1. Weil gleich die beiden ersten Kommentare sich darauf beziehen, will ich das Missverständnis umgehend aus dem Weg räumen: Mir ist bewusst, dass Dustin Hoffman den Titelhelden in „Rain Man“ gab, ich meinte tatsächlich aber seinen Gegenpart, den Tom Cruise verkörperte. Dessen Darstellung fand ich persönlich nicht allzu überwältigend, er wurde aber als (damals noch aufsteigender) Schauspieler weithin gelobt – unter anderem auch von Hoffman selbst. Ob das nun die übliche PR zum Filmstart war oder ernst gemeint, sei dahingestellt.

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  2. Wenn Herr Hartig jetzt tatsächlich Tom Cruise und Dustin Hoffman verwechselt haben sollte, dann….

    Ansonsten möchte ich stark in Frage stellen, ob nicht doch eher bestimmte Genres das deutsche Publikum in die Kinos locken und nicht der Herr Schweiger.

    Denn im Vergleich zu den Erfolgen von Schweigers seichten Komödien sind andere Filme mit und von Til Schweiger, namentlich “Phantomschmerz” und “Schutzengel”, im Kino “gefloppt”.

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  3. Der deutsche Film befindet sich in der Tat zwischen Glanz und Elend, die Kritik ist angebracht.

    Nur leider ist Ihnen bei ihrer Kritik ein Fehler unterlaufen, denn Sie schreiben folgendes: “Mir war das nicht so aufgefallen, denn ich weiß nicht so gut wie andere Kritiker, wie es aussieht, wenn tatsächlich Todkranke von Hirnkrämpfen geschüttelt werden, aber ich fand diese Darbietung zumindest nicht bemerkenswert unglaubwürdig (und schon gar nicht so nervend wie Tom Cruises Rumgeschreie in „Rain Man“, das allgemein gelobt wurde).”

    Tom Cruise hat auch nicht den Autisten gespielt in “Rain Man”, sondern lediglich den Bruder des Autisten. Der Autist wurde von Dustin Hoffmann gespielt, dessen Darstellung für einen Nichtbehinderten ziemlich gut war und zu den wenigen Fällen der Filmgeschichte gehört, wo ein Nichtbehinderter einen Behinderten überzeugend dargestellt hat.

    Ich hoffe, dass Ihnen meine Erklärung weiterhilft. ;-)

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