Deutscher Film: Neue Wege in die Zukunft II

An der großen Wand von Crew United konnten sich die Kongressgäste ihre eigenen Gedanken machen. Am Ende war sie voll. | Foto © Tom Nestler

An der großen Wand von Crew United konnten sich auch die Kongressgäste ihre eigenen Gedanken machen. Am Ende war sie voll. | Foto © Tom Nestler

Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film” haben Filmemacher und Fachleute Vorschläge erarbeitet, was besser gemacht werden könnte. Wir stellen die Handlungsempfehlungen vorab vor. Im zweiten Teil der Arbeitsgruppe „Förderung und Finanzen“ präsentierte die Regisseurin Julia von Heinz die Vorschläge zum Fernsehen:

Am zweiten Tag haben wir uns mit der Rolle des Fernsehens beschäftigt, mit der Rolle des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In keinem anderen Land ist der Einfluss auf das, was wir auf den Leinwänden sehen, so stark vom Fernsehen beeinflusst wie bei uns in Deutschland. Wir haben unsere Wertschätzung ausgedrückt für das, was das Fernsehen über Jahre für das deutsche Kino getan hat. Wir alle wissen, dass es bestimmte Stilrichtungen, bestimmte Filme nie gegeben hätte, ohne die Hilfe von Fernsehredakteuren, die nicht auf Kommerzialität angewiesen waren. Wir alle konnten viele Filme nennen, an denen das öffentlich-rechtlichen Fernsehen maßgeblich beteiligt war, die wir sehr lieben und schätzen, und hatten jetzt das Gefühl, dass wir uns in einer Umbruchsphase befinden und an einem Punkt, wo diese Kopplung zu einem Ende gekommen ist.

Die Freiräume des Fernsehens, die es bis in die 90er- und 00er-Jahre noch gab, werden kleiner. Filme, wie sie bis vor 10, 20 Jahren noch vielfach möglich waren, sind inzwischen kaum noch möglich. Und deshalb haben wir das Gefühl, dass das Fernsehen sich nicht mehr eignet als Nadelöhr, was es im Moment ist, um Zugang zu den Fördergeldern zu bekommen, und fordern eine Entkopplung von Fernsehen und Förderungen.

Wir schlagen vor, dass es eine Summe, die ungefähr so hoch ist wie das, was jetzt von den Sendern in Kino-Koproduktionen gesteckt wird (zirka 120 Millionen Euro) weiterhin gibt, das könnte ein staatlicher Fonds sein. Filme, die zu 70 Prozent finanziert sind durch Förderung, durch Verleih, Minimum-Garantien durch Weltvertrieb, durch privates Geld, kriegen automatisch die letzten 30 Prozent aus diesem Topf. Der wird später aufgefüllt, indem Sender diese Filme fertig ankaufen können für die Fernsehausstrahlung.

Sie sind nicht dazu verpflichtet, sondern haben die freie Auswahl. Wir haben den Eindruck, dass wir das Fernsehen dadurch auch entlasten. Teilweise fühlt man sich wie jemand, der die Redakteure belästigt, wenn man ihnen das nächste Drehbuch schickt, weil sie so viele bekommen, weil es auch eben Filme sind, für die sie keine Sendeplätze mehr haben.

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