Publizierungen von: Steffen Schmidt-Hug

Fachkräfte im Film: Mängelwirtschaft

Seit einem Jahr stöhnt die Branche immer lauter: Sie findet kaum mehr Fachkräfte für die Drehs. Selbst Schuld: Der Mangel in der Filmbranche ist hausgemacht! | Foto © cinearte

Seit einem Jahr stöhnt die Branche immer lauter: Sie findet kaum mehr Fachkräfte für die Drehs. Selbst Schuld: Der Mangel in der Filmbranche ist hausgemacht! | Foto © cinearte

Seit ein paar Jahren deutet er sich an. Voriges Jahr wurde er für alle sichtbar. Im Herbst mussten erste Produktionen wegen Fachkräftemangel abgesagt werden. Andere Produktionen drehten bereits etwa ohne Regieassistenz. Jetzt ist der Personalmangel schon im Februar wie Donnerhall zu hören und stellt alle vor eine Zerreißprobe – im Guten wie im Schlechten.

Zahlreiche Filmschaffende haben jetzt schon vor dem eigentlichen Saisonbeginn mehrere Anfragen gleichzeitig und sie können sich das Projekt mit den besten Arbeitsbedingungen heraussuchen. Auch lassen sich nun in den Verträgen Konditionen durchsetzen, die bei vielen Firmen oft schwierig waren, zum Beispiel statt (ohnehin unwirksamer) Pauschalgagen eine richtige Überstundenvergütung mit tariflichen Zuschlägen – das heißt bis zu 100 Prozent.

Anderseits haben die Produktionsfirmen massive Probleme, das notwendige Personal für ein Team zusammenzustellen. Versuche, Filmschaffende im benachbarten Ausland zu akquirieren, scheitern oft an der erforderlichen Qualifikation. Das Problem zeigt sich weniger „above the line“, da die Schauspiel- und Filmhochschulen weiterhin jährlich eine Vielzahl von Regisseuren, Kameraleuten und Schauspielern in den Markt spülen. „Below the line“ sieht es jedoch ganz anders aus. Gesucht sind die „Indianer“, insbesondere Requisiteure, Regieassistenten beziehungsweise 1st AD, Aufnahmeleiter oder Garderobieren.

Der Fachkräftemangel hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen mangelt es an Nachwuchs, zum anderen aber verlassen zahlreiche hochqualifizierte und langjährig erfahrene Filmschaffende die Branche. Beide Probleme sind selbstgemacht. Weil die Filmbranche es bis heute versäumt hat, verlässliche und verbindliche Strukturen aufzubauen – weder in der Aus- und Weiterbildung, noch im Arbeitsalltag. Wozu auch? Es ging ja auch so. Das Praktikanten­system als Ausbildungsmodell war billiger. Weiterlesen

Im Nachwuchsbereich rächt sich nun, dass die Produzenten und die auftraggebenden Sender für die Nachwuchskräfte (Praktikanten) nicht den seit vielen Jahren geltenden Mindestlohn bezahlen wollen. Auch mangelt es an einer nachhaltigen Personalentwicklung. So wird es etwa genügend qualifizierte 1st AD erst dann geben, wenn zuvor regelmäßig auch genügend 2nd und 3rd AD angestellt und herangezogen wurden. Professionelle Filmschaffende wachsen nun mal nicht auf Bäumen.

Produzenten denken aber selten nachhaltig. Für den kurzfristigen Effekt schöpfen sie sich für jedes Projekt nur die „Fettaugen“ von der Suppe ab: diejenigen Filmschaffenden, die gerade ausgebildet und erfahren genug sind, noch nicht zu alt und ausgelaugt, natürlich nicht krank und nicht schwanger. Woher aber diese ausgebildeten Filmschaffenden kommen, daran denken sie nicht. Die jahrelange Haltung, „der Markt wird es schon richten“, geht einfach ins Leere, wenn keines der Unternehmen mehr Nachwuchs (mit Mindestlohn) für den Markt ausbildet. Verkannt wird auch, dass die jungen Leute von heute nicht mehr fürs Filmemachen sterben wollen, sondern einen Anspruch auf eine „Work-Life-Balance“ erheben – ein Wort, welches die Verantwortlichen in der Branche bis vor kurzem nicht gekannt, ignoriert oder gar verhöhnt haben.

Der größte Aderlass für die Branche geht aber von den „alten Hasen“ aus, welche inzwischen zahlreich die Branche verlassen haben. Ursache für Branchen- und Berufswechsel war zum einen für viele der Wegfall des Arbeitslosengeldes, so dass sie finanziell nicht mehr über den Winter kamen. Vor allem aber sind die meisten Filmschaffenden nicht mehr bereit, ihr Privatleben gänzlich für den Film zu opfern.

Den häufig respektlosen Umgang und Wochenarbeitszeiten von 70 Stunden und oft (deutlich) darüber hinaus, wollen viele einfach nicht mehr mitmachen. Durch den häufigen Freitag-Nacht-Dreh wird dann auch noch der Samstag dem Familienleben und Freundeskreis entrissen. Mit über 60 schließlich stellen viele fest, dass ihre Knochen kaputt, Ehe und Familie ­(soweit jemals vorhanden) zerbrochen sind, ein nachhaltiger Freundeskreis mangels Pflege der sozialen Kontakte nicht wirklich aufgebaut wurde und am Ende die Rente durch die kurz­fristigen Arbeitsverhältnisse kaum zum Leben reicht.
Die Verantwortung daran tragen aber nur zum Teil die Produzenten. Vor allem die Rundfunkanstalten haben in den letzten 15 Jahren die Branche „kaputtgespart“.

Ganzjährig hochbezahlte und mit üppigen Pensionsansprüchen ausgestattete Sender–Manager tragen dafür die Verantwortung. Von den vormals über 30 Drehtagen für einen Fernsehfilm sind kaum noch 20 Tage übriggeblieben. Ein TV-Film dauert aber immer noch 90 Minuten. Das Sparen an allen Ecken und Enden ging immer auf die Knochen der Mitarbeiter. Dass diese inzwischen mit den Füßen abstimmen und der Branche den Rücken kehren, sollte niemanden wundern.

Auch die von den Sendern in der Quoten­diskussion sehnlichst gewünschten weiblichen Regisseure lassen sich kaum finden, solange sie (die Sender) weiter dafür sorgen, dass die Film- und Fernsehproduktion die familienfeindlichste aller Branchen ist – und das betrifft nicht nur die Frauen, sondern alle. Die Vereinbarkeit von Film und Familie ist in Deutschland noch nicht mal als anzustrebendes Ziel definiert.

Immerhin wird das Thema allmählich erkannt. Bei einer kürzlichen Fachdiskussion in Stuttgart wurde ich gefragt, was man gegen den Fachkräftemangel tun kann. Zunächst gilt es, eine Studie für die Branche zu erstellen, um den Ursachen von Abwanderung und Nachwuchsmangel qualitativ und quantitativ nachzugehen. Auf einer solchen Grundlage können gezielte Gegenmaßnahmen besser geplant werden. Aber auch schon nach heutiger Kenntnis würden meines Erachtens in den genannten Bereichen folgende Maßnahmen helfen:

Für den Aufbau von Nachwuchs sollten Produzenten und auftraggebende Sender sich verpflichten, in jeder Produktion mindestens vier zusätzliche Praktikanten-Stellen einzukalkulieren, natürlich mit Mindestlohn, denn der frühere „Praktikanten-Stadl“ nach der Devise „Ausbeutung statt Ausbildung“ ist endgültig vorbei. Diese echten Trainees sollten dann zwar auch in den jeweiligen Abteilungen kräftig mithelfen (und dadurch zum Beispiel die Mehrarbeit der Teammitglieder verringern). Deren Mitarbeit müsste aber anhand eines, auch gemeinsam mit den jeweiligen Berufsverbänden ausgearbeiteten, Ausbildungskonzepts erfolgen.

Auch ist es möglich, in unserer Branche „echte Ausbildung“ einzuführen, etwa in Gestalt eines „Volontariates“, was es auch bei mancher Rundfunkanstalt (zum Beispiel beim SWR zum Requisiteur) gibt. Ein solches zweijähriges Volontariat mag für die einzelne Produktionsfirma zu viel sein. Dafür bietet sich aber eine sogenannte „Verbundausbildung“ von mehreren Firmen an, die quartalsweise wechselt. Diese sollten von einer fundierten, überbetrieblichen, fachlichen Ausbildung begleitet werden, ähnlich wie Berufsschulen durch entsprechende Weiterbildungseinrichtungen wie Filmhaus Köln, Bayerische Presseakademie oder Münchener Filmwerkstatt. Erste Ansätze für so etwas hat nun endlich die Produzentenallianz unternommen, leider nur für den eigenen Produktionsbereich und nicht für all die anderen, auch künstlerischen Berufe.

Denkbar ist es auch, dass hier die Rundfunkanstalten Verantwortung und die Koordination solcher Volontariate übernehmen (wie es der NDR vor Jahrzehnten schon praktizierte) und die Mitwirkenden etwa in den Wintermonaten dann für Studioproduktionen einsetzen, so dass Regieassistenten, Aufnahmeleiter, Requisiteure und andere ihren Horizont erweitern können.

Vor allem aber gilt es, die Abwanderung aus der Branche zu stoppen! Schon der Umstand, dass so viele Abgewanderte sich beruflich dem Unterricht von Yoga und anderen Entspannungstechniken widmen, verdeutlicht die Ursache des Übels. Das Übel an der Wurzel zu packen, gelingt aber nur, wenn der Raubbau an Körper und Seele durch eine Normalisierung der Arbeitsbelastung (wieder) deutlich reduziert wird. Im Jahr 2019 wird ein Jahrhundert der Errungenschaft des 8-Stunden-Tags gefeiert. In unserer Branche sind wir aber auch 100 Jahre später weit davon entfernt. Selbst 10 Stunden tägliche Arbeit würden wohl auch die meisten Filmschaffenden noch mitmachen. Danach muss aber wirklich Schluss sein. Darüber hinausgehende Arbeitszeit ist nicht nur gesundheits- und sozialschädlich, sondern mindert die Konzentration, Kreativität und letztlich die Qualität der Filme!

Auch das Wochenende muss wieder den Filmschaffenden, ihren Familien und der Pflege der sozialen Kontakte gehören. Der Freitag-Nacht-Dreh gehört schlichtweg abgeschafft oder mit so hohen Zuschlägen belegt, dass er von Seiten der Produktionen, Regisseure (aber auch manchen Drehbuchautoren, die leichtfertig viele Nachtszenen schreiben) vermieden wird.

In Frankreich geht man den umgekehrten Weg; dort wird am Freitagmittag Schluss gemacht, damit die Mitwirkenden nach Hause zu ihrer Familie kommen und am Montag mit frischem Tatendrang beim Film zurück sind. Hierzulande haben hingegen auch die Tarifparteien, die Produzentenallianz und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), noch immer nicht die Zeichen der Zeit erkannt und glauben, mit immer (ein wenig) höherer Gage würde man den Interessen der Branche und ihrer Menschen gerecht. Weit gefehlt: Mehr Gesundheit und mehr Lebenszeit steht auf der Agenda und würde dafür sorgen, dass mehr Filmschaffende der Branche erhalten bleiben oder sie gar für junge Leute attraktiv wird.

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Geld für Überstunden

Wer Pauschalverträge unterschreibt, sollte ahnen, daß damit unbezahlte Überstunden auf ihn zukommen, meint das Arbeitsgericht. Zugleich kassierte es aber die Vereinbarung: Die „unangemessene Benachteiligung“ des Arbeitnehmers mache sie unwirksam. | Foto © Vincent Lutz

Das Arbeitsgericht Berlin hat vergangenes Jahr in einem von der Künstlerkanzlei Schmidt-Hug geführten Verfahren eine Berliner Produktionsfirma verurteilt, einem Filmschaffenden alle geleisteten Überstunden nachzubezahlen. Der Produzent vertrat zuvor die Ansicht, daß nach dem Vertrag „mit der vereinbarten außertariflichen pauschalen Vergütung“ alle Ansprüche abgegolten seien, zudem heiße es im Vertrag ausdrücklich, „der Vertragspartner hat keinen Anspruch auf Mehrarbeit (Überstunden, sechster Arbeitstag in der Woche, Nacht- und Sonntagsarbeit)“.
Mit Berufung auf das Bundesarbeitsgericht stellte das Gericht fest, daß der Arbeitnehmer bereits bei Vertragsschluß erkennen können muß, was gegebenenfalls „auf ihn zukommt“ und welche Leistung er für die vereinbarte Vergütung maximal erbringen muß. Bemerkenswerterweise konkretisierte das Gericht zum hier vorliegenden Fall der Pauschalvergütung in der Filmbranche ausdrücklich: „nach dem Inhalt der Regelung könnte der Arbeitnehmer mangels Festlegung irgendwelcher erkennbaren Begrenzungen theoretisch ,rund um die Uhr‘ arbeiten und unter Überschreitung der gesetzlichen Höchstarbeitszeiten, ohne hierfür eine zusätzliche Vergütung zu erhalten“. Dieser Regelung erteilte das Gericht eine deutliche Abfuhr und führte sie als „unangemessene Benachteiligung“ zur „Unwirksamkeit“ (Arbeitsgericht Berlin, Az.: 53 Ca 12217/14). Weiterlesen

Interessanterweise ging es in diesem Verfahren sogar um einen Filmschaffenden aus dem Bereich der Ausstattung. Bei diesen heißt es oftmals aus der Produktionsabteilung „Wir können Deine Arbeit ja gar nicht überprüfen“. In dem Gerichtsverfahren berief sich der Produzent entsprechend darauf, daß der Vertragspartner in der Gestaltung seiner „Arbeitszeit grundsätzlich ganz und gar frei gewesen sei … für den kleineren Teil am Drehort seien Terminabsprachen notwendig gewesen, was sich von selbst verstehe, ändere jedoch nichts daran, daß er seine Arbeitszeit habe frei gestalten können.“
Das Bemerkenswerte hierzu an dem Berliner Urteil ist eine Art Beweislastumkehr bei der Arbeitszeitdokumentation. Der Filmschaffende hatte seine Überstunden selbst aufgeschrieben und wöchentlich an die Produktionsabteilung geschickt. Der Produzent bestritt im Verfahren einfach die geleistete Mehrarbeit und berief sich darauf, daß die Produktionsleitung die Stundenaufzeichnungen nicht quittiert habe.
Dazu schrieb das Gericht der Branche ins Stammbuch: „dabei genügt der Arbeitnehmer seiner Darlegungslast, indem er vorträgt, an welchen Tagen er von wann bis wann Arbeit geleistet oder sich auf Weisung des Arbeitgebers zur Arbeit bereit gehalten hat. Auf diesen Vortrag muß der Arbeitgeber im Rahmen einer gestuften Darlegungslast substantiiert erwidern und im einzelnen vortragen, welche Arbeiten er dem Arbeitnehmer zugewiesen hat und an welchen Tagen der Arbeitnehmer von wann bis wann diesen Weisungen nachgekommen bzw. nicht nachgekommen ist.“
Da der Kläger zur Mehrarbeit im Rahmen ihrer Beweislast ihrer Verpflichtung der Arbeitszeitdokumentation nachgekommen ist, die Beklagte jedoch den ihr obliegenden Gegenbeweis nicht erbracht hat, verurteilte das Gericht die Produktionsfirma zur Nachzahlung aller Überstunden einschließlich aufgelaufener Zinsen.

Als Praxistip empfiehlt sich daher, auch bei einer (ohnehin unzulässigen) Pauschalgage im Vertrag (auch im Bereich der Ausstattung) gleichwohl, eine wöchentliche Stundenaufstellung zu machen und diese der Produktionsabteilung zu übermitteln (sehr bequem zum Beispiel mit der von Filmschaffenden entwickelten App Überstunden HD). Sollte sich dann am Ende der Produktion herausstellen, daß die Arbeit doch erheblich umfangreicher ist, als zunächst angenommen, sollte man (gegebenenfalls mit Hinweis auf das genannte Berliner ­Urteil) auf die Bezahlung der Mehrarbeit pochen.

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Realistischer kalkulieren

Es wird nachjustiert: Die ARD hat für Auftragsproduktionen einige Berufsgruppen erstmals anerkannt. Auch bei Vorsorge und Gagen sind Verbesserungen für die Filmschaffenden vereinbart. | Foto © Vincent Lutz

Nach zweijährigen Verhandlungen der Produzentenallianz mit der ARD hat diese nun im Januar eine neue „Selbstverpflichtungserklärung“ für künftige Auftragsproduktionen beschlossen. Die Produzenten konnten einige erhebliche Verbesserungen für sich erzielen. Manche davon bewirken mittelbar auch echte Verbesserungen für das Filmschaffen und die Filmschaffenden:

Unter dem Punkt „Kalkulationsrealismus“ haben die ARD-Anstalten nun zum einen die verbindliche Anerkennung des Tarifvertrages für Film- und Fernsehschaffende als Kalkulationsgrundlage erklärt, einschließlich der Mehrkosten für das Zeitkonto sowie Feiertags- und Nachtzuschläge. Künftig kann es also keine Ausflüchte mehr zu Sonn-, Feiertags- und Nacht­zuschlägen geben.

Dabei ist zu beachten, dass diese steuer- und sozialabgabenfrei sind, also brutto wie netto ausgezahlt werden. Daher sollte man sich bei Vertragsverhandlungen auch nicht statt dieser Zuschläge auf eine höhere Pauschalgage einlassen, weil die Hälfte der dadurch höheren Gage von Steuer- und Sozialversicherung „aufgefressen“ wird.

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Noch interessanter ist, dass die Sender die Bezahlung von Zuschlägen für immerhin zwei Überstunden pro Tag für das Produktionsteam einkalkulieren, folglich zehn Stunden Mehrarbeit in der Woche. Für die Vertragsverhandlungen sollten daher die in der Gagentabelle der Künstlerkanzlei in der zweiten Spalte bereits auf die 60 Stunden samt Zuschläge umgerechneten Gagen herangezogen werden.

 

Weitere Möglichkeiten gibt es für die Berufsgruppen der Abteilungsleiter. So heißt es in dem Eckwertpapier: „Angesichts der Tatsache, dass die sogenannten ,Heads of Department‘ (Stabgagen wie zum Beispiel Kamera, Schnitt, Szenenbildner) in aller Regel übertariflich vergütet werden, erklärt sich die ARD dem Prinzip der realistischen Kalkulation folgend bereit, diese zukünftig mit den effektiven Gagen zu kalkulieren.“ Somit dürfte für die Abteilungsleiter künftig die dritte beziehungsweise vierte Spalte der Künstlerkanzlei-Gagentabelle relevant sein.

 

Manche Berufsgruppe wurde nun überhaupt erst von den Sendern offiziell anerkannt, darunter: Continuity, Materialassistenz, Szenenbildassistent, Kostümbildassistent und Locationscout. Die oft verwendete Argumentation, diese Kollegen müssten aus dem jeweiligen Etat bezahlt werden, dürfte damit der Vergangenheit angehören.

 

Erfreulicherweise stellten die Sender auch die Erstattung der Beiträge an die Pensionskasse Rundfunk klar. Damit dürfte es kaum mehr Zweifel an der Bezahlung dieser so wichtigen ergänzenden Altersvorsorge geben. Noch nicht endgültig geklärt ist, wie die Erstattung der Beiträge bei den geförderten Fernsehproduktionen beziehungsweise bei Produktionen mit einem Senderanteil geringer als 65 Prozent erfolgt.

Für die Mitglieder der Pensionskasse gilt der satzungsgemäße Anspruch gegenüber der Produktionsfirma für alle Projekte, die „für“ die öffentlich-rechtlichen Anstalten gemacht werde. Bis die Erstattung durch die Sender verbindlich geregelt wird, ist aber höchste Vorsicht vor geförderten TV-Produktionen angesagt. Also diese entweder meiden oder sich die Beitragszahlung zur Pensionskasse im Vertrag oder Deal-Memo bestätigen lassen.

 

Die Produzenten erzielten auch sonst noch Verbesserungen ab 2017 bei den Positionen Herstellungsleiter (Gage ein Drittel über Produktionsleiter), Producer (in der Regel ein Prozent der Netto-Fertigungskosten), Head-Autor (bei Serien ab sechs Folgen) und Anerkennung der Positionen Assistenz der Filmgeschäftsführung und Motiv-Aufnahmeleiter.

 

Zudem wurde sogar die Höhe der Erstattung für Rechtsberatung genau geregelt. Allerdings gilt dies nur für Produzenten, leider nicht für die Rechtsberatung der Filmschaffenden.

 

Aus Produzentensicht ist nicht zuletzt die Beteiligung an Rechten der Auftragsproduktionen ein Erfolg sowie eine Erlös-Beteiligung an der Verwertung der Fernsehproduktionen durch DVD, Pay-TV, Video on Demand, Auslandsverkäufe in Höhe von 16 Prozent. Es bleibt abzuwarten, wieviel davon bei den eigentlichen Fernseh-Machern, den Kreativen, am Ende ankommt.

 

Sogar eine „Erfolgsprämierung“ der besten zehn Produktionen eines Jahres wird es geben. Anhand der gewonnenen („Grimme-“ und anderen) Preise sowie der Anzahl der TV-Ausstrahlungen erhalten die Produzenten der „Top-Ten“-Projekte jedes Jahr einen „Bonus“ von 60.000 Euro in Gestalt eines Entwicklungsvertrages für ein (damit quasi garantiertes) weiteres Projekt. Ob der Erfolgsautor oder -regisseur davon auch etwas hat, wird man ebenfalls beobachten müssen.

Die gesamte Vereinbarung zwischen ARD und Produzentenallianz findet sich hier.

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