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Ein Zeichen für die Filmkünste? Wie der „Europäische Filmpreis“ seine neuen Kategorien anpreist
Grenzenloser Spaß: Ein eigener Preis für Komödien soll künftig Europas Kinopublikum vereinen. Außerdem werden noch zwei weitere ‘wichtige’ Preise eingeführt. | Foto © EFA, Rene Rossignaud
Die Europäische Filmakademie (EFA) hatte Ende April eine Mitteilung verschickt, die mich erstmal gefreut hat, weil ich nur aufs Fettgedruckte achtete: Ab diesem Jahr werden beim „Europäischen Filmpreis“ auch Sounddesign und Kostümbild ausgezeichnet. Fein fand ich das, weil solche Filmarbeit ja sonst gerne vernachlässigt wird, und legte die Meldung erstmal beiseite; schließlich ist’s ja noch ein bisschen hin bis zur Preisverleihung im Dezember. Weil ich mich aber neulich anlässlich des „Deutschen Filmpreises“ wieder mal gehörig aufgeregt hatte, dass sich keiner um die Filmarbeit schert, wollte ich gerne mal zeigen, dass es auch Anlässe zur Hoffnung gibt – man muss nur ein wenig genauer hinschauen, um sie zu entdecken.
Beim genaueren Hinschauen Lesen fand ich die EFA-Meldung dann allerdings doch nicht mehr ganz so begeisternd. Denn wie die Akademie mit der Neuerung umgeht, lässt mich fragen, mit wie viel Herzblut die Vereinigung von 2800 Filmschaffenden tatsächlich dahinter steht. Das fängt schon in der Überschrift an: „Eine neue Auszeichnung für die Europäische Komödie – European Film Academy führt beim Europäischen Filmpreis 2013 eine neue Kategorie ein“ – kein Wort über Kostüm und Sounddesign … Aber am besten zeige ich das mal mit einer kleinen Textkritik: Kursiv gesetzt, folgt die komplette Originalmeldung, dazwischen meine Anmerkungen:
Cinema Moralia – Folge 62: Die deutsche Filmkritik und ihr visuelles Defizit
© 2013 STUDIOCANAL: Neil (Ben Affleck) und Marina (Olga Kurylenko)
Mal wieder Kritik der Kritik; eine Veranstaltung in der Akademie der Künste und der türkische Vorfrühling – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 63. Folge
»Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen, und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buch?« – Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker und Schriftsteller (1742 – 1799)
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Man muss mehr über Filmkritik schreiben, viel mehr infrage stellen, was Filmkritiker tun, was die Filmkritik tut, und was mit ihr getan wird. Man muss auch versuchen, genauer zu klären, was Filmkritik ist, und – viel wichtiger – was nicht. Grundsätzlich natürlich ist Schreiben über Film potentiell auch Filmkritik. Aber wir alle wissen, dass vieles, was als Filmkritik daherkommt diese eben nicht ist. Filmkritik ist nur da, wo sie keine dienende Funktion hat. Sie dient nicht dem Kino, jedenfalls nicht mehr, als das Kino ihr dient. Sie ist nicht Knecht und das Kino nicht Herr.
Kunst oder Kommerz, wo arbeiten die Filmfrauen?
Eine Auswertung von künstlerischen und kommerziellen Filmproduktionen für Kino und Fernsehen. Von Belinde Ruth Stieve. Schauspielerin. Berlin.
Letztes Jahr gerieten die Filmfestspiele von Cannes u.a. deshalb in die Kritik, weil im Wettbewerb kein Film einer Regisseurin nominiert wurde. Aber eigentlich war das keine so große Überraschung, denn in Cannes laufen überwiegend Filme von Männern, und erst einmal hat eine Frau die goldene Palme, die seit 1955 verliehen wird, gewonnen: die Neuseeländerin Jane Campion 1983 für Das Piano. Eine andere Regisseurin, die Dänin Bodil Ipsen, hatte 1946 gemeinsam Ko-Regisseur Lau Lauritzen Jr. für den Film Rote Wiesen den Grand Prix erhalten. In diesem ersten Wettbewerb der Filmfestspiele wurden 11 der 43 Wettbewerbsbeiträge gleichberechtigt ausgezeichnet. Neben Ipsen war noch die portugiesische Regisseurin Bárbara Viginia im Wettbewerb dabei.
2013 lief der Film einer Regisseurin im Wettbewerb: Un Château en Italie / A Castle in Italy, von der Italo-Französin Valeria Bruni Tedeschi, neben 19 Filmen von 20 Regisseuren. Und wie sah es sonst hinter der Kamera aus? Dafür habe ich den 6-Gewerke-Check durchgeführt, bei dem ich den Frauenanteil bei Regie, Drehbuch, Produzent/in, Kamera, Ton und Schnitt für die Gesamtheit einer Gruppe von Filmen – in diesem Fall um die Goldene Palme – ermittle. Hier die Werte für die 20 Wettbewerbsfilme:
Regie: 5 %
Drehbuch: 15 %
Produzent/in: 20 %
Kamera: 10 %
Ton: 13 %
Schnitt: 44 %
Die Story im Ersten: “Der Fall Mollath – in den Fängen von Justiz, Politik und Psychiatrie”
Out takes weist in der Regel nicht mit einem Artikel auf Sendetermine von Reportagen oder Dokumentationen hin, besonders nicht, wenn diese nicht die Kernthemen unseres Blogs betreffen.
In diesem Fall machen wir eine Ausnahme.
Die Story im Ersten: 3.6.2013, 22.45 Uhr, ARD | Foto © Report Mainz/SWR
Update vom 4.6.2013:
Die Sendung wurde am 3.6. ausgestrahlt und ist nun in der ARD Mediathek zu sehen:
http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage-dokumentation/15028746_die-story-im-ersten-der-fall-mollath
In den Medien trifft man regelmäßig auf die Begriffe “Schwarzgeld” oder “Steuerhinterzieher”, aktuell und prominent im Zusammenhang mit der Selbstanzeige von Uli Hoeness.
Im Schatten des finanziellen Schadens dieser illegalen Geldgeschäfte liegt eine verborgene Gefahr: Was kann Menschen passieren, die diese Geschäfte anzeigen wollen, wenn auf der anderen Seite Personen mit großem Vermögen und Einfluss stehen, die sich vor Aufdeckung schützen wollen?
Der Fall Mollath – 2002 bis 2006: Gustl Mollath wird verräumt
Heutzutage ist es ein erträgliches Geschäft, Beweise über Steuerhinterzieher zu sammeln. Man speichert diese auf einem Datenträger und verkauft die Informationen an Länder und Finanzbehörden.
Auch Gustl Mollath, geboren 1956 in Nürnberg, sammelte Beweise, aber nicht, um diese zu verkaufen, sondern, um den Geldtransfers in die Schweiz seiner damaligen Frau und weiterer Mitarbeiter der HypoVereinsbank (HVB) und deren “Kunden” Einhalt zu gebieten.
Als sich Gustl Mollath mit seinem Insiderwissen und den Beweisen zuerst an die betroffenen Banken und später an die Staatsanwaltschaft, Finanzbehörden und Politik wendet, wird er nicht belohnt, im Gegenteil, Gustl Mollaths Beweisen wird nicht nachgegangen, stattdessen wird er im Jahr 2006 mittels dubioser Beweisführung verurteilt und als wahnsinnig und allgemeingefährlich in die forensische Psychiatrie eingeschlossen.
Damit endet Teil 1 dieses Skandals.
Über die Schließung meiner Schauspieleragentur MG Management
Michaela Glocker | © Stéphanie Hill
Meine Schauspieleragentur MG Management aus München hat im Frühjahr 2013 ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Der Branche bleibe ich jedoch weiterhin mit der Komparsen- und Kleindarstelleragentur Casting Glocker erhalten. Ich verabschiede mich hiermit mit den folgenden Worten:
„Der von uns so sehr erhoffte Erfolg blieb aus – die Anfragen und Besetzungen kamen leider zu selten, um sich über Wasser zu halten. Ich bedanke mich für die vielen schönen Momente mit Ihnen und wünsche Ihnen allen ein glückliches, erfolgreiches Leben! Man trifft sich bekanntlich immer zweimal im Leben – wer weiß…”
Darüber hinaus habe ich anlässlich der Aufgabe von MG Management mit Tina Thiele beschlossen, meine persönlichen Beweggründe [ohne Anspruch auf repräsentativen Charakter, Anm. d. Red.] in einem kleinen Interview zu vertiefen.
BILANZAUFNAHME: Die deutsche Schauspieleragenturen-Landschaft!
© Straßenverkehrsamt
Auffällig viele Meldungen von Schließungen im Fachbereich Schauspieleragenturen/Managements erreichten unsere Redaktion in den vergangenen Monaten. Wobei, auf Wunsch der entsprechenden Agenten, nur schätzungsweise 50 Prozent dieser „Aufgaben“ im cn-magazin in dieser Rubrik veröffentlicht wurden. Wir fanden, dass es mal wieder Zeit für eine Bilanzaufnahme im deutschsprachigen Raum ist: Stirbt die private Agenturen-Landschaft aus? Aber blicken wir erst einmal zurück und schauen uns an, wie sich die Agenturenlandschaft in Deutschland entwickelt hat!
Ohne Glamour: Wie Festivalsieger entstehen
Auch auf dem roten Teppich in Cannes können Filmschaffende leicht mal im Regen stehen. | Foto © Archiv cinearte
Unter den Filmfestspielen dieser Welt strahlt eines besonders hell. Kein anderes Festival schafft es, Kinokunst und Glamour so glänzend zu verbinden. Die Filme im Wettbewerb und auf der Siegerbühne sind zwar auch nicht massentauglicher als die anderer Festivals (manchmal sogar das Gegenteil), dennoch ist Cannes rund um die Welt ein Begriff, das berühmteste, ach was: beliebteste Filmfest. Sogar Lieder wurden darüber geschrieben. Heute noch.
Als das Festival am Sonntag zu Ende ging, bekräftigte es einmal mehr seinen Einsatz für das Wahre, Schöne, Gute. Und für dessen politische Verantwortung: Mit der „Goldenen Palme“ wurde „La vie d’Adèle“ ausgezeichnet, was auf Deutsch soviel wie „Adeles Leben“ heißt, auf Deutsch aber voraussichtlich unter dem Titel „Blue Is the Warmest Colour“ herauskommen wird, was sich anscheinend noch schlechter übersetzen lässt, weshalb also ein französischer Film auf Deutsch einen englischen Titel tragen wird, der mit dem Original nur wenig zu tun hat. Da ist er nicht allein… Aber ich komme vom Thema ab: Über drei Stunden erzählt der in Tunesien geborene französische Regisseur Abdellatif Kechiche (Couscous mit Fisch) die Geschichte der 15-jährigen Schülerin Adèle aus, die sich mehr zu Mädchen hingezogen fühlt und das schließlich leidenschaftlich mit der etwas älteren Künstlerin Emma (Léa Seydoux) durchlebt.
Kultur als Ausnahme: Eine Petition für Europas Kino
Die Vielfalt Europas hatte nicht nur Cédric Klapisch inspiriert, der dem gemeinschaftlichen Kulturaustausch mit „L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr“ ein Filmdenkmal samt Fortsetzung errichtet hatte. | Foto © Universum
Während die Kinobranche in Deutschland noch mit dem Fernsehen ringt, droht draußen in der Welt schon neue Gefahr. Die USA und die Europäische Union verhandeln im Juni über ein Freihandelsabkommen (TTIP). Im Gegensatz zu früheren Vorschriften der Welthandelsorganisation ist dieses Mal aber keine „kulturelle Ausnahme“ für Audiovisuelles und Medien vorgesehen. Besonders das öffentliche Fördersystem, das nicht nur in Deutschland stark ausgeprägt ist, wird auf der anderen Seite als Wettbewerbsverzerrung gesehen.
Den wolle man ja gar nicht verzerren, erklärt dazu etwa Alexander Thies, Vorsitzender des Vorstands der Allianz Deutscher Produzenten. Doch im Gegensatz zur amerikanischen brauche die europäische Filmindustrie Förderung. Daß sie die auch bekommt, verzerre nicht den Wettbewerb, sondern mache ihn erst möglich: „Ohne Förderung, ohne ,kulturelle Ausnahme‘ gäbe es den europäischen Film nämlich gar nicht mehr, keine ,Oscar‘-Gewinner wie ,Liebe‘ oder europäische Blockbuster wie ,Ziemlich beste Freunde‘.“ – und somit keinen Wettbewerb. „Die Maßnahmen, mit denen in der EU und in den Mitgliedsstaaten Filme und andere audiovisuelle Medien gestützt und gefördert werden, sind die Voraussetzung für ein nennenswertes Filmschaffen in Europa.“
Diskurs der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF)
Diskurs der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) | Foto © casting-network
Ein Auftrag, den man nicht ablehnen kann –
Welches Programm fordert die Politik und welches liefern die öffentlich-rechtlichen Sender?
Es diskutierten zum Thema:
Peter Frey (Chefredakteur des ZDF)
Florian Hager (stellvertretender Programmdirektor ARTE)
Wolfgang Kubicki (medienpolitischer Sprecher der FDP Schleswig-Holstein)
Ines Pohl (Chefredakteurin der taz)
Dagmar Reim (Intendantin des RBB)
Begrüßung:
Gerhard Schmidt (Produzent & Vorstand DAfF)
Keynote:
Adriana Altaras (Schriftstellerin & Schauspielerin)
Moderation:
Harald Staun (Medienseite der FAS)
Die Veranstaltung fand am 14. Februar 2013 im Rahmen der Berlinale in der Landesvertretung NRW statt.
Offizielle Website der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF):
www.deutscheakademiefuerfernsehen.de
Link zum cn-klappe Video-Beitrag auf casting-network:
www.casting-network.de
Cinema Moralia – Folge 62: Flachheit, Dein Name ist Leib!
Still aus Laure Prouvosts Swallow
Überbau in Oberhausen: Die Internationalen Kurzfilmtage und grundsätzliche Fragen über Flachbildschirme, flächige Bilder, flache Dramaturgien und die Flachheit der Kritik – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 62. Folge
Man hört Atemgeräusche, man sieht eine sonnendurchflutete Sommerlandschaft, Gras, Bäume, ein Fluss, ein Bergsee. Dann Früchte: Himbeeren in einer Hand, eine aufgebrochene Papaya an einem Mädchen-Mund, eine Rosenblüte, Vögel auf Ästen, Fische, Schmetterlinge, eine Biene, Blüten, fließender Honig, Füsse, Brüste, Arme, Münder, eine Off-Stimme, die von Natur erzählt, von Tagträumen und Sinneseindrücken und immer wieder ein offener Mund, der betont einatmet…
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»You are inside this body… its wet.« – Eine so assoziative wie genau komponierte Montage aus nur scheinbar unzusammenhängenden Bildern und Tönen, die sich zu einem bezwingenden Bewusstseinsstrom zusammenfügt, der uns in einen Garten Eden zurückführt und in das verlorene Paradies aus Adoleszenz und Entdeckung der Sexualität. Man erinnert sich an Filme von Jane Campion, Sofia Coppola und Lucille Halilhazovic – drei Frauen, die im Kino einen ganz eigenen Blick auf die sinnlichen Gewissheiten unseres Lebens geworfen haben, einen Blick, der so analytisch kühl ist, wie konkret, nie kalt distanziert.
Das Thema, das hier unaufdringlich, aber zwingend in 12 Minuten auf der Leinwand entfaltet wird, ist die Natur und die Körperlichkeit. Ein Film, der trotz der Begrenzung auf zwei Filmdimensionen, vieldimensional wirkt.
Er heißt Swallow und stammt von der in London lebenden französischen Künstlerin Laure Prouvost, und lief bei den Oberhausener Kurzfilmtagen im internationalen Wettbewerb. Bei der Preisverleihung gestern Abend ging er unverdientermaßen leer aus.
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Doch nur wenige Filme passten so gut zu dem übergreifenden Thema und der sie in zahlreichen Podiumsdiskussionen umspinnenden Debatte, der diesjährigen Kurzfilmtage.
Es ist in Oberhausen guter Brauch ein Thema zu setzen, und die Fülle der jährlichen, auch immer ein bisschen zufällig wirkenden Formen und Themen der Programme, die hunderte von Kurzfilmen zwischen 1 und 60 Minuten zeigen, zu bündeln, und mit einer Fragestellung zu strukturieren.
Wie groß darf’s denn sein? Das deutsche Kino zwischen zwei Extremen
Kleines Debüt gegen großes Spektakel: Beim „Deutschen Filmpreis” machten zwei Filme die „Lolas” untereinander aus. Irgendetwas wird man schon daraus lesen können. | Foto © Deutsche Filmakademie, Michael Tinnefeld
Der „Deutsche Filmpreis“ ist ja nun auch schon wieder ein Weilchen her. Beschäftigen will er mich immer noch, weil vor und nach der Gala von Deutschlands führenden Filmjournalisten interessante und auch kluge Sachen über den Zustand des Deutschen Films geschrieben wurden, die nicht nur einiges über diesen Zustand verraten, sondern auch über diejenigen, die sich damit beschäftigen – und damit wieder über den Zustand des Films. Und weil sich da all die Themen in ganzer Pracht ausbreiten, von der Förderung bis zur Filmkunst, denn auf wundersame Weise ist ja alles irgendwie mit allem verknüpft, wie wir spätestens seit „Cloud Atlas“ wissen. Nur mit den Filmkünsten selbst hat man’s irgendwie nicht so.
„Besser ging’s nicht“ titelte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) nach der Lola-Gala. Vorher hatte Christine Peitz, Kulturchefin des „Tagesspiegels“, ausführlich und doppeltverwertet den schwachen Jahrgang beklagt. Obwohl: Man kann sich auch kleinreden. War es wirklich „kein großes Kinojahr“, in dem „ein klarer Favorit fehlt und dann so etwas wie der fatale Sog des Mittelmaßes entsteht“, wie Peter Körte in der „FAZ“ meinte?
Cinema Moralia – Folge 61: Schafft zwei, drei, viele Oh Boys!
Foto © Schiwago Film GmbH – Tom Schilling in "Oh Boy"
Die Verhältnismäßigkeit der Mittel, Grundversorgung gegen Quotendenken: Der Deutsche Filmpreis ist vergeben – nun macht das deutsche Kino gegen das Fernsehen mobil; und was uns der Filmpreis sonst noch lehrt – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 61. Folge
Tom Schilling hat Ost-Abitur. Am John-Lennon-Gymnasium. So etwas gab es bei uns im Westen leider nicht. Es war halt nicht alles schlecht in der DDR, zum Beispiel lernte man, das bewies Schilling am Abend des Bundesfilmpreises, gute Reden zu halten: Nach dem Spott über »das pointengespickte Ergebnis«, das ihm sein Redenvorformulierer vor seiner Laudatio auf Barbara Sukowa aufgeschrieben hatte, und das, so Schilling öffentlich »den Wunsch nach konventioneller Langeweile aufkommen ließ«, formulierte er eine tolle Lobeshymne: »Man glaubt immer, Männer hätten Angst vor intelligenten Frauen. Ich aber möchte Ihnen sagen, was Sie längst wissen: Das Gegenteil ist der Fall. Männer lieben intelligente Frauen.«
Es war auch lustig auf Schillings Gesicht zu blicken, während andere »witzische« Texte verlesen wurden: Ungläubiges, fassungsloses Entsetzen, »Oh Boy!«
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Und die Bibel hat doch recht: David gewinnt gegen Goliath – es kam wieder, wie es meistens kommt beim Deutschen Filmpreis, jedenfalls seit er nicht mehr im Juryverfahren sondern per Massenabstimmung vergeben wird: Die Preise bündelten sich auf ganz wenige Filme, aufwendige Großproduktionen sahnen die Technikpreise ab (diesmal Cloud Atlas), andere, die oft nominiert sind – wie diesmal Autorenkino-Veteranin Margarethe von Trottas Hannah Arendt – bekamen nur wenige Auszeichnungen, oder gingen wie Oskar Roehlers Quellen des Lebens sogar ganz leer aus, und ein vergleichsweise unabhängiger Film bekommt die Hauptpreise. Aber im Unterschied zu Jahren, als mit der allzu luftigen Bayern-Klamotte Wer früher stirbt ist länger tot, dem schwerblütigen Vier Minuten oder dem Gutmenschendrama Halt auf freier Strecke schwache Konsensfilme über alle Ansätze zu mutigerem Kino – von Das Parfum bis zu Barbara – triumphierten, ist Jan-Ole Gersters OH BOY! ein würdiger Sieger: Alles andere als konventionell, dabei so klug und witzig, wie es Ausländer dem deutschen Kino zwischen Wenders bis Schweighöfer gar nicht zutrauen.
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SMS: Mein Heimatdialekt – Das Festival des Heimatfilms

Vor zwei Jahren hieß es zum ersten Mal: Filmt Euch, zeigt Euch, präsentiert Euch! Fast 500 Schauspielerinnen und Schauspieler haben ihre selbstgedrehten Showreels eingereicht. Alles kleine filmische Kunstwerke, viele bevölkern seit dem die Schauspielerdatenbanken. Eine Auswahl von 15 Shorties haben wir im Rahmen des Münchner Filmfestes 2011 auf großer Kinoleinwand gezeigt – und gefeiert.
Das wollen wir dieses Jahr wieder tun. Wieder heißt es: Wartet nicht auf den Film, die Gelegenheit, die Szene, die Ihr dann irgendwann in Euer Showreel einbinden könnt – sondern: Seid euer eigener Regisseur, euer eigener Hauptdarsteller – in eurem eigenen Shorty.
Diesmal wollen wir das noch etwas zuspitzen beziehungsweise erweitern und geben deshalb ein Thema vor: Heimat!
Du bist Schauspieler/Schauspielerin? Dreh’ Dein eigenes Shorty. Auf technische Perfektion kommt es nicht an. Egal, ob mit Videokamera, Webcam oder Handy gefilmt – Hauptsache, Du zeigst Dich von Deiner persönlichen Seite: fantasievoll, persönlich, kreativ und vor allem selfmade, also mit weitgehend selbst konzipiertem und gedrehtem Material. Diesmal zum Thema „Heimat“. Dauer nicht länger als drei Minuten.
Zeig’ Dich in Deinem eigenen Heimatfilm – sehr gerne in Deinem Heimatdialekt.
Sprich, wie Dir der Schnabel gewachsen ist … in Deinen Dialekten und mit den Akzenten, die für Dich Heimat bedeuten.
Sehen und gesehen werden – das Festival
15 dieser Heimat-Shorties werden von einer Fachjury ausgewählt und am Freitag, 5. Juli 2013, um 14.00 Uhr im Rahmen des Münchner Filmfestes im Mathäser München groß präsentiert – und gefeiert. Das Publikum wählt seine drei Lieblings-Shorties.
Preise für die drei Lieblings-Shorties gibt’s auch:
1. Preis: 5 Jahre Premium Member video+ und 1 Jahr Premium-Bereich von casting network mit cast-box.
2. Preis: 3 Jahre Premium Member video+ und 1 Jahr Premium-Bereich von casting network mit cast-box.
3. Preis: 2 Jahre Premium Member video+ und 1 Jahr Premium-Bereich von casting network mit cast-box.
Alle übrigen 12 ausgewählten Heimat-Shorties: 1 Jahr Premium Member video+.
Alle nominierten Shorties bleiben auf schauspielervideos abrufbar.
Zwei Regeln und eine Bitte – mehr nicht! Einsendeschluss fürs Hochladen ist Montag, 10. Juni 2013, 12.00 Uhr Mittag. Länge des Shorties maximal drei Minuten. Wenn Ihr Dialekt sprecht, bitte bei der Anmeldung unbedingt angeben, welcher es ist.
So kommt Euer SMS zu uns. Bitte ladet Euren fertigen Film hier hoch:
http://www.schauspielervideos.de/ecasting/bewerbung/sms-festival-2013
Die Auswahl. Alle Einsendungen werden auf einen Server hochgeladen und sind nur für die Jury einsehbar. Aus den Einsendungen wird eine Vorauswahl getroffen und diese zusätzlich in einer gemeinsamen Jurysitzung gesichtet, um die 15 Finalisten zu ermitteln.
Die Jury (Stand 21.05.2013):
Festivalpräsidentin: Sabine Schroth – Casting Director
Silke Fintelmann – Casting Director, Hamburg
Corinna Glaus – Casting Director, Glaus Casting Zürich
Siegfried Wagner – Leiter des Besetzungsbüros der Bavaria Fernsehproduktion
Marc Schötteldreier – Casting Director, MSCasting Köln
Wolfgang Murnberger – Regisseur
Uli Aselmann – Produzent, die film gmbh, Vorstand der Produzentenallianz
Alexander Ollig – Produzent, Bavaria Fernsehproduktion
Marlene Morreis – Schauspielerin
Mirco Reseg – Schauspieler
Günther van Endert – Redaktionsleiter ZDF Fernsehspiel II
Petra Tilger – Redaktion ZDF, Fernsehspiel
Was ist ein Shorty? Ein selbstgemachter, kurzer Film, mit dem man sich selbst portraitiert und anderen präsentiert. Man setzt sich selbst in Szene. Das einfachste Shorty wäre etwa: „Hallo, I bin der Maier Schorchi, a Schauspuiler, und da bin i dahoam.“ Es gibt aber bestimmt interessantere Möglichkeiten, sich zu zeigen.
Für wen sind SMS – Self Made Shorties? Wenn fürs Showreel noch Material fehlt, dann ist unsere Devise: lieber selber machen – lieber selber etwas drehen, als auf die große Gelegenheit, die tolle Rolle warten. Diejenigen, die schon ganz viel Material auf ihrem Showreel haben, spricht SMS an, weil man sich hier endlich mal ganz persönlich vorstellen kann: „Super, jetzt zeig ich mal eine Seite oder Fähigkeit von mir, die noch keiner kennt.“ Außerdem sollen die SMS – Self Made Shorties Casting Directors, Regisseure, Redakteure, Produzenten ansprechen – weil man hier Persönlichkeiten entdecken kann.
Warum Heimatdialekt? Weil Dialekt als Fähigkeit gesehen wird, nicht (mehr) als Handycap, weil er Charakter gibt. Der Heimatdialekt verspricht dabei im besonderen Maße Authentizität, Wahrhaftigkeit und Originalität. Caster interessieren sich brennend dafür, wo sie Spezialisten mit Dialekt finden und fragen immer wieder danach. Weil der Heimatdialekt ein Teil von Dir ist – wie Deine Talente und Deine sogenannten Persönlichkeitsmerkmale.
Wie sollen die SMS aussehen – gibt es technische Vorgaben? Wir wollen keine Vorschriften machen, außer: weitgehend selbst konzipiert und gemacht und nicht länger als drei Minuten! Man kann mit Videokamera oder Webcam oder mit dem Handy drehen.
Wer darf mitmachen? Professionelle Schauspieler und Schauspielstudenten einer staatlich anerkannten Schauspielschule ab dem zweiten Jahrgang, keine Altersbeschränkung.
Wann erfahre ich, ob ich in der Auswahl bin? Beim Festival am 05. Juli um 14:00 Uhr im Mathäser, München. Kostenlose Tickets gibt es hier: http://sms.crew-united.com
Und hier noch einmal die 15 nominierten Shorties von 2011:
SMS Self Made Shorties 2011
Kontakt für alle Anfragen rund ums Festival:
Bitte wendet Euch an schauspielervideos.
E-Mail: (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen), Fon: +49.30 – 99 19 49 70
Das 2. Self Made Shorties – Festival ist eine Veranstaltung von crew united & schauspielervideos in Kooperation mit casting-network und out takes, unterstützt von cinearte, corduafilm, Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS), Gloria Palast München, dem Int. Filmfest München und cernodesign.
Konzeption und Beratung: ZAV Künstlervermittlung.
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Warum der deutsche Film so ist, wie er ist

Alle Jahre wieder, pünktlich zur Verleihung des Deutschen Filmpreises, erklingt die Klage über die Malaise des deutschen Films. Diesmal ist es Christiane Peitz, die auf Zeit Online unverblümt die Frage stellt: “Warum ist der deutsche Film so schlecht?”
Aber ist er das denn wirklich? Und vor allem, im Vergleich zu was? Welcher Filmindustrie – außer der amerikanischen – geht es eigentlich besser?
Trotz astronomischer Fördersummen schmort auch die französische Filmbranche vor allem in ihrem eigenen Saft. Kaum ein Film, der es über die Landesgrenzen hinaus schafft oder außerhalb Frankreichs ein nennenswertes Publikum findet. “Ziemlich beste Freunde” ist da nur die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Natürlich, es gibt François Ozon, die Dardenne-Brüder (die allerdings Belgier sind), Mathieu Kassovitz oder Patrice Leconte, die mit schöner Regelmäßigkeit Preise gewinnen, aber wir haben Petzold, Dresen, Glasner, Schmid und Tykwer die ebenfalls mit schöner Regelmäßigkeit Preise gewinnen. Internationale Erfolge fahren sie alle nicht ein. Von Jean-Pierre Jeunet oder Luc Besson, die auch außerhalb Frankreichs ein großes Publikum erreichen konnten, hat man schon lange nichts mehr gehört.
Förder mich! Deutschlands Filmlobbyisten und die „Welt“
Wer so organisiert Förderung fordert, kann ja noch nicht wirklich tot sein. Der Deutsche Film arbeitet zur Zeit am neuen Subventionsgesetz. | Illustration © outtakes
Vorige Woche haben sich die Interessenvertreter der deutschen Filmbranche getroffen, um zu tun, was die deutsche Filmbranche anscheinend am besten kann, nämlich Interessen zu vertreten, um Fördertöpfe zu streiten und immer mal wieder übers Publikum zu schimpfen, das echte Filmkunst nicht zu schätzen weiß.
Doch dazu will ich gar nicht weiterreden, weil in der „Welt“ bereits ein feiner Text dazu erschienen ist.




Warum dieser Text überhaupt entstanden ist, hat mich schon verwundert, weil solche Diskussionen zum Politikalltag gehören und selten einer Berichterstattung wert empfunden werden, es sei denn, es geht um den Export von hochgefährlichem Atomzeug oder Korruptionsvorwürfen, also Themen, mit denen man wiederum einen Film füllen könnte.