cn-klappe: Ein Interview mit Brien Dorenz und Heinrich Schafmeister

Wir sprachen mit dem Rechtsanwalt und dem Schauspieler in Ihrer Funktion als Justiziar und Vorstandsmitglied des BFFS über den Aufbau des Verbandes und über aktuelle Probleme, welche die Schauspieler und somit den BFFS beschäftigen: Urheberrecht, Tarife, GVL und Arbeitslosengeld 1.

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Zwangsversicherung für Selbständige

Als Steuerberater, der seine Aufgabe darin sieht, die Mandanten umfassend und langfristig zu beraten, müsste ich mich eigentlich über den Vorstoss der Arbeitsministerin von der Leyen freuen. So erzähle auch ich meinen Mandanten regelmäßig, dass sie etwas gegen eine drohende Altersarmut machen müssten. Der vorgesehene Zwang zum Abschluss einer Rentenversicherung mit monatlichen Beiträgen um die 400,00 Euro ist da allerdings der falsche Weg. Schön für die Versicherungskonzerne aber für einen Großteil der Selbständigen einfach nicht stemmbar! Weiterlesen

Der Großteil unserer Leser hier sollte mit dieser Problematik allerdings wohl nicht konfrontiert werden, da sie, soweit sie selbständig künstlerisch tätig sind, eigentlich über die Künstlersozialkasse versicherungspflichtig sind. Allerdings gibt es im Medienbereich eine Großzahl an Selbständigen, die sich nie bei der Künstlersozialkasse gemeldet haben (sei es, um sich den Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung zu sparen oder aber aus Unwissenheit) bzw. die von der Künstlersozialkasse abgelehnt wurden.

Worum geht es bei den Überlegungen der Arbeitsministerin genau?

Von der Leyen beabsichtigt, Selbständige per Gesetz zu zwingen, etwas gegen ihre drohende Altersarmut zu tun. Ob dies in Form einer privaten Versicherung oder aber in Form von Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung erfolgt, soll den Selbständigen selber überlassen werden. Nicht betroffen von dieser Regelung sollen Selbständige sein, die

  • bereits zwangsweise über die Deutsche Rentenversicherung versichert sind (u.a. Künstler, Hebammen, selbständige Lehrer),
  • wer über ein Versorgungswerk versichert ist (u.a. Ärzte, Architekten, Steuerberater),
  • wer über 50 Jahre alt ist bzw.
  • wessen monatlicher durchschnittlicher Gewinn unter EUR 400,00 liegt

Bei Selbständigen, die zwischen 30 und 50 Jahren alt sind, soll eine abgeschwächte Form greifen. Alle anderen Selbständigen sollen nach derzeitigen Informationen allerdings verpflichtet werden, monatliche Beiträge von ca. EUR 400,00 einzuzahlen.

Die Höhe des Beitrages soll insoweit nicht, wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung, vom Einkommen abhängig sein, sondern ist als Kopfpauschale zu sehen. Ziel soll es sein, dass die Selbständigen mit Hilfe der Zusatzrente ein Einkommen oberhalb der Grundsicherung erzielen können.

Was sind die Kritikpunkte?

  • Die angedachte Zwangsversicherung wird bei vielen Selbständigen, gerade bei Existenzgründern, zur Existenzbedrohung führen. So wird in Anfangszeiten der Gewinn häufig in die Expansion der selbständigen Tätigkeit investiert.
  • Eine Rentenversicherung sollte immer nur ein Teil der Altersvorsorge sein. Daneben sollte in Form von Kapital, Grundstücken oder aber auch durch das eigene Unternehmen für das Alter eine Vorsorge aufgebaut werden. Ob dies bei der Beitragshöhe parallel noch möglich ist, ist die Frage.
  • Bei den Versicherungsarten sollte aufgrund der Regelungen in der Besteuerung bei Rentenbezug ein Versicherungs-Mix gewählt werden. So gibt es steuerlich geförderte Rentenversicherungen (sog. Basisvorsorge, auch Rürup genannt), die bei Rentenbezug voll steuerpflichtig sind und Rentenversicherungen, die nur mit einem Ertragsanteil zu versteuern sind (hier wirken sich allerdings dann auch die eingezahlten Beiträge nicht wie bei der Basisversicherung aus). Nach den vorliegenden Informationen sollen die Pflichtbeiträge in die im Alter voll steuerpflichtige Basisversorgung einzuzahlen sein.
  • Häufig schließen Selbständige Rentenversicherungsverträge zur Basisversorgung mit geringen Monatsbeiträgen ab. So besteht bei dieser Versicherungsart die Möglichkeit, Einmalzahlungen vorzunehmen. So kann zum Ende des Jahres eine entsprechende Sonderzahlung geleistet werden, um die Steuerlast aufgrund eines hohen Gewinns, der meist am Anfang des Jahres noch nicht absehbar war, zu senken. Aufgrund der Höhe des Pflichtbeitrages wird es für die wenigsten Selbständigen möglich sein, Rücklagen zu schaffen, um dann optional eine Sonderzahlung vorzunehmen.
  • Bei vielen Selbständigen ist der voraussichtliche Jahresgewinn nicht abzuschätzen. So kann es bei Selbständigen auch zu Verlustjahren kommen. Wie soll dies technisch ablaufen? Werden bei Verlustjahren die Beiträge dann wieder erstattet? So soll die Versicherungspflicht nach derzeitigen Informationen nur gelten, wenn ein Gewinne von mindestens EUR 4.800,00 im Jahr erzielt werden. Kaum zu erwarten, dass die Versicherungskonzerne da mitspielen.
  • Aufgrund der Inflation bleibt abzuwarten, ob die hieraus resultierenden Rentenauszahlungen (ca. 700 EUR) tatsächlich zu der angemessenen Versorgung führen.

Wie ist die Resonanz auf die Vorschläge der Arbeitsministerin?

Junge Selbständige wehren sich mit voller Kraft gegen das Vorhaben. So wurde eine Petition ins Leben gerufen, die innerhalb weniger Tage über 50.000 Mitzeichner registrierte. Bis zum 22.05.2012 bleibt noch die Chance, sich gegen das Vorhaben auszusprechen. Weiterhin wurden Facebook-Gruppen gegründet und die Medien berichten umfassend über das Thema.

Resumé

Das Ziel, eine adäquate Altersvorsorge aufzubauen, sollte für jeden Selbständigen ganz weit oben auf seiner Liste stehen. Das Vorhaben der Arbeitsministerin, dies in Form einer Zwangsversicherung mit gewinnunabhängigen Versicherungsbeiträgen zu machen, ist allerdings der falsche Weg. Dass die Vorschläge der Ministerin aber wohl auch noch nicht vollständig durchdacht sind, zeigt sich daran, dass das Ministerium aktuell die Unternehmensberatung McKinsey mit einer Machbarkeitsstudie beauftragte. So ist zu hoffen, dass McKinsey zu dem Schluss kommt, dass den Selbständigen weiterhin selber überlassen werden sollte, welcher Form sie wählen und welche Höhe sie aufgrund ihrer finanziellen Situation aufbringen können.

Die verschiedenen Modelle einer möglichen Altersvorsorge für Medienberufe sind dabei vielseitig und für viele Medienschaffende leider nicht durchschaubar. Lasst Euch professionell, unabhängig beraten und geht, soweit noch nicht geschehen, den Weg zur geregelten monatlichen Einzahlung in die Altersvorsorge an.  In welcher Form auch immer!

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Lob und Lolas

Filmkunst bei der Arbeit: Vor der Verleihung der Lolas 2012 und dem Berliner Friedrichstadt-Palast. | Foto © Michael Tinnefeld, Marko Greitschus, Deutsche Filmakademie

Gestern wurden in Berlin die „Deutschen Filmpreise“ vergeben. All denen, die damit ein wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit für ihre Arbeit erhalten haben, gratuliert das Team von out takes herzlich.

Die ARD Sendung „Der Deutsche Filmpreis 2012“ vom 27. April steht noch eine Woche in der Mediathek hier zur Ansicht bereit.

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Eine einfache Frage

Wenn der deutsche Film Erfolge­ ­feiert, freuen sich auch die deutschen ­Filmförderer und lassen sich gerne publikumswirksam ablichten. Unter welchen Produktionsbedingungen mancher Erfolg möglich wurde, ­interessiert die Förderung freilich nicht. | Foto © Deutscher Filmpreis

In der Filmwelt rumort es – zumindest im Untergrund. Der rote Teppich endet für die meisten Filmschaffenden spätestens hinter den Kulissen, da, wo es ums Geld geht. Was in vielen Berufszweigen undenkbar ist, überrascht in der Filmbranche niemanden mehr: Man arbeitet für lau. Nicht immer, aber immer wieder und immer in der Hoffnung auf den nächsten, hoffentlich bezahlten Job. Oder man wird nur im Erfolgsfall bezahlt. Rückstellungsvertrag nennt sich das, wenn der Arbeitnehmer das unternehmerische Risiko mitträgt. Immer noch besser, als gar keine Arbeit zu haben. Obwohl man da durchaus anderer Meinung sein kann. Und längst betrifft das nicht nur Low-Budget- oder Studentenfilme.

„Viel Ehre, doch kaum Verdienst“: Zu diesem Schluss kam auch eine Studie der Forschungsgruppe BEMA der Universität Münster aus dem Sommer 2010. Wenngleich diese Studie vom Bundesverband für Film- und Fernsehschauspieler in Auftrag gegeben wurde, ist sie mit 710 Teilnehmern doch recht groß angelegt. Die Hälfte der Befragten schätzt dort den eigenen finanziellen Status als eher schlecht ein. Fast zwei Drittel verdienten von Sommer 2009 bis 2010 etwa 2.520 Euro im Monat. Der Rest: 833. Das entspricht laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden dem Existenzminimum in Deutschland. Laut BFFS-Studie können über die Hälfte der Befragten die neuen Bedingungen für das Arbeitslosengeld (ALG I) nicht erfüllen. Sie rutschen gleich ins ALG II, die beschönigende Bezeichnung für das, was früher Sozialhilfe hieß und heute gemeinhin „Hartz 4“ genannt wird.

Selber schuld, könnte man sagen – organisiert Euch halt. Nicht mal 4.000 Filmschaffende im Land sind Mitglied eines der Berufsverbände der Branche oder der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) – das ist vielleicht jeder zehnte. Wie soll da genügend Druck aufgebaut werden, wenn man mit der anderen Seite um Gagen und Arbeitszeiten streitet? Und dort sieht es auch nicht viel besser aus: Die Mitglieder der Produzentenallianz können frei entscheiden, wie sie’s mit dem Tarifvertrag halten, den ihr Verband ausgehandelt hat. Viele Filmschaffende halten es darum für besser, Einzelkämpfer zu bleiben in einer Branche, die sich selbst uneins ist und in der jeder nach seinen eigenen Regeln spielt. Und so wird es im Untergrund wohl noch lange weiter rumoren, ohne dass sich etwas ändert. Weiterlesen

Dabei geht es der Branche gar nicht mal so schlecht – ungeachtet aller Diskussionen um die Qualität des deutschen Films und Fernsehens, lässt sich der Zustand des deutschen Films als stabil beschreiben. Er ist vielleicht nicht gerade quicklebendig, siecht aber auch nicht dahin. Nach dem Jahresbericht der Filmförderungsanstalt des Bundes (FFA) sahen in den vergangenen beiden Jahren rund 20 Prozent der Kinobesucher heimische Produktionen. Und nicht nur die FFA überschlug sich zum Jahresanfang mit Erfolgsmeldungen: „Als großartiges Land fürs Filmemachen“ lässt die Film- und Medienstiftung ihr Nordrhein-Westfalen loben, Bayerns Filmfernsehfond jubelt über „Millionenerfolge mit großen 3D-Projekten“, und das Medienboard Berlin-Brandenburg freut sich über das „Comeback“ ihrer „internationalen Filmmetropole“. Wo immer ein Preisregen einsetzt, ein Überraschungserfolg gelingt oder ein Film die erste Million Zuschauer ins Kino gezogen hat, sind die deutschen Fördereinrichtungen als erste zu Stelle und gebärden sich, als wäre es ihre Produktion (Doppelnennungen sind möglich). Und wenn’s gar nicht anders geht, lobt man eben ein „erfolgreiches Förderjahr“ (dann wurde viel Geld in viele Filme gesteckt) oder den tollen Ländereffekt (dann kam durch die Produktion dieser Filme ein Vielfaches der Förderung wieder an den Standort zurück). Was will man machen. Wenigstens die deutsche Filmförderung ist halt eine Erfolgsgeschichte. Das betont ja auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann immer wieder.

Sie haben ja recht. Filmförderung gibt es auch anderswo auf der Welt. Aber das Geld, das die staatlichen Institutionen in Deutschland alljährlich in die Filmwirtschaft pumpen, macht doch einen beeindruckenden Anteil der Umsätze aus. Zwar fließt nicht alles, was die Förderer verteilen, unmittelbar in die Produktion von Kinofilmen; umgekehrt sind auch die Zahlen zu den Budgets, die die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) in ihrem „Filmstatistischen Jahrbuch 2011“ liefert, Durchschnittswerte, Hochrechnungen und die Dokumentarfilme nicht berücksichtigt. Doch für einen groben Eindruck reichen die Angaben: Rund 500 Millionen Euro betrug das Gesamtbudget der deutschen Kinospielfilmproduktionen und -koproduktionen im vorigen Jahr. Rund 200 Millionen gaben FFA, Deutscher Filmförderfonds und die fünf größten regionalen Förderungen für die Produktion aus (die Feuilletonchefin des Berliner „Tagesspiegels“, Christiane Peitz, kam in einem Artikel für die Zeitschrift „Cicero“ sogar auf 300 Millionen). Auch wenn sich die Zahlen bei genauerer Auflistung noch verschieben mögen: Die öffentliche Hand mischt kräftig mit im deutschen Filmgeschäft.

Und trotzdem läuft etwas falsch im Filmland – grenzenlose Überstunden und Gagendumping verderben vielen Filmschaffenden die Lust an der Arbeit. Selbst „oscar“-und filmpreisgekrönte Erfolge sind nur durch den Idealismus minderbezahlter Fachkräfte möglich geworden, für die Fortsetzung von Kassenerfolgen wird die Crew um eine Woche Gratisdienstleistung gebeten. Kaum einer wagt aufzumucken, aus Furcht, dass schon billiger Ersatz vor der Tür steht.

Dabei könnte es doch ganz einfach sein. Schließlich geht kaum eine deutsche Produktion ohne die staatliche Hilfe über die Rampe. „Ohne Förderung geht es also nicht und wird es auch auf absehbare Zeit nicht gehen“, folgert der Filmemacher Hagen Myller in einem Essay. Ob Autoren­dokumentarfilm oder großes Epos für den Weltmarkt: Fast alle hängen sich an die Fördertöpfe, die mit Steuergeld gefüllt werden. Da sollte man nicht nur erwarten, dass dafür auch die Spielregeln eingehalten werden, sondern sollte es zur Bedingung machen: Keine Förderung für Dumping-Filme! Es macht nur keiner. Warum eigentlich nicht?

Die böse Antwort: Weil’s niemanden interessiert, unter welchen Bedingungen Filme gemacht werden. Nur sagt das keiner. „Der Gesetzgeber will gar keine Überprüfung der Förderungsbedingungen, weil das angeblich nicht möglich ist“, meint Hans Schlosser, Geschäftsführender Vorstand der Bundesvereinigung Die Filmschaffenden, in der 14 Berufsverbände der Branche zusammenarbeiten. Dabei wäre das gar nicht das Problem: Schon vor sechs Jahren hatte die Bundesvereinigung ein Meldesystem zur Tariftreue installiert, das funktioniert, aber noch zu wenig genutzt wird. Was möglicherweise auch daran liegt, dass die Bundesvereinigung das auf ihrer Website ziemlich gut versteckt hat.

Teil des Problems sei auch, dass es sich bei der FFA etwa um eine branchenfinanzierte Förderung handelt und nicht um eine öffentliche, erklärt Angelika Krüger-Leißner, medienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag auf Nachfrage. Das Jahresbudget von 76 Millionen Euro kommt durch Abgaben der Fernsehsender, Kinobetreiber und Videovermarkter zusammen. „Die Filmabgabe ist eine wirtschaftsverwaltungsrechtliche Ausgleichsabgabe, die als Selbsthilfemaßnahme der Film- und Videowirtschaft ausgestaltet ist. Über Steuermittel verfügt die FFA nicht“, wird darum auch in der Selbstdarstellung auf der Website der FFA betont.

Dagegen lässt sich schwer argumentieren. Auch wenn die FFA eine Bundesanstalt des öffentlichen Rechts ist, wie auch die Sender ARD und ZDF, die gut ein Fünftel des FFA-Budgets bestreiten und ihre Einkünfte zwar nicht über Steuern, aber ähnliche Abgaben erzielen. Auch wenn die Arbeit der FFA durch ein eigenes Filmförderungsgesetz (FFG) geregelt ist. Auch wenn Bundestag und -rat ihre Vertreter im Verwaltungsrat der FFA sitzen haben.

Bei der größten Förderung im Land sieht es allerdings schon anders aus: 60 Millionen Euro verteilt der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) alljährlich im Deutschen Filmförderfonds. Aus Steuermitteln. Zuständig dafür ist – die FFA. Und egal, ob das Geld nun aus der Branche kommt wie bei der FFA oder aus den Steuereinnahmen des Staats wie beim DFFF: geregelt wird bei beiden viel. Unter welchen Bedingungen ein Film gefördert wird, schreibt Paragraf 15 des FFG vor: Wohnsitz des Produzenten, Sprachfassung des Drehbuchs, Sitz der Ateliers und Dienstleister, Anteil der Studioaufnahmen im Ausland, Nationalität des Regisseurs (oder ersatzweise die der anderen Filmschaffenden), Wahl der Motive, reihenweise inhaltliche und thematische Vorgaben, und schließlich eine Audiodeskription mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte. Ob gültiges Arbeitsrecht eingehalten wird, ist kein Kriterium.

Warum auch? Der Verwaltungsrat der FFA hat 36 Mitglieder, die zum größten Teil von Politik und Kirchen, Produzenten und Verwertern gestellt werden. Lediglich die Berufsverbände der Regisseure, Drehbuchautoren und Dokumentarfilmer haben jeweils einen Sitz. Alle übrigen Filmgewerke haben hier nichts zu melden. Andererseits darf der Deutsche Journalistenverband (gemeinsam mit Verdi) im Verwaltungsrat mitmischen. In der Vergabekommission ist die Gewichtung ähnlich.

Eine Verbesserung will die SPD vor drei Jahren versucht haben, berichtet Angelika Krüger-Leißner: „Als Arbeitsmarkt- und Filmpolitikerin stelle ich mir bereits seit Jahren die Frage nach den Möglichkeiten, wie wir die Einhaltung sozialer und tariflicher Standards bei Filmproduktionen an die Förderung binden können.“ Bei der FFG-Novelle 2009 wollte ihre Fraktion das als Förderbedingung ins Gesetz schreiben.  Am Ende stand etwas, das die Politikerin einen Kompromiss nennt, aber mit der ursprünglichen Absicht soviel zu tun hat wie eine Expedition zum Jupiter mit der Fotokopie einer gebrauchten Straßenbahnfahrkarte: Im Paragraf 2 des FFG, der die Aufgaben der Filmförderungsanstalt beschreibt, wurde der zweite der sieben Punkte mit einem Halbsatz erweitert. Da hieß es bislang: „…die gesamtwirtschaftlichen Belange der Filmwirtschaft in Deutschland zu unterstützen.“ Jetzt kam ein kompromissloses „einschließlich ihrer Beschäftigten“ hinzu.

Wie man sich diese Unterstützung der Beschäftigten vorstellt, wird an der Stelle übrigens auch erklärt: „insbesondere durch Maßnahmen zur Marktforschung und zur Bekämpfung der Verletzung von urheberrechtlich geschützten Nutzungsrechten sowie zur Filmbildung junger Menschen“ – wieder kein Wort über Produktionsbedingungen. Krüger-Leißner nennt die neue Formulierung trotzdem „ein klares Signal“ an die Branche: „Im Rahmen einer Selbstverpflichtung der Filmhersteller sollte eine Berücksichtigung sozialer Mindeststandards selbstverständlich sein.“

Dass dies nicht reicht, weiß auch die Politikerin. Bei der aktuellen Novellierung des Filmförderungsgesetzes will Krüger-Leißner das Thema „mit dem Ziel einer befriedigenderen Regelung“ noch einmal auf den Tisch bringen: Es sollte in den Förderbedingungen „eindeutig adressiert und mögliche Sanktionen formuliert werden.“

Ähnlich leidenschaftslos wie die Förderung des Bundes halten es auch die Institutionen der Länder. Die fünf umsatzgrößten hatten wir um eine Stellungnahme gebeten. Nordrhein-Westfalen und Berlin-Brandenburg antworteten auch auf Nachfragen nicht. Die anderen haben zwar durchaus Verständnis für faire Arbeitsbedingungen, sehen die Verantwortung aber in der Branche selbst: Wer Lohndumping und endlose Überstunden mitmacht, ist selber schuld. Den Förderern seien da die Hände gebunden, meint etwa Gabriele Pfennigsdorf in Bayern. Man sei „keine Filmpolizei“.

In Baden-Württemberg beruft man sich außerdem auf das Filmförderungsgesetz. Da würden zwar Regelungen zur „sparsamen Wirtschaftsführung“ getroffen, aber keine zu „angemessenen Gagen und Arbeitszeiten“.

Doch dass die Fördereinrichtungen als Polizei auftreten, verlangt ja auch niemand. Vielmehr geht es um die Verantwortung, was mit dem Geld geschieht, das man der Branche zur Verfügung stellt. Ob Gagen realistisch und fair kalkuliert werden, lässt sich anhand von Tarifen, Stablisten und Drehtagen relativ einfach überschlagen. Und diejenigen Produktionsfirmen, die das ernst nehmen, würden ebenfalls ünterstützt, berücksichtigte man das bei der Prüfung der Förderanträge. Denn in anderen Bereichen sind die Förderungen weniger zimperlich: Dass etwa der Regionaleffekt erfüllt wird, sieht Pfennigsdorf sogar als „besondere Verpflichtung“, da der FFF sich „maßgeblich auch aus Steuergeldern“ finanziere.

Und nicht nur in Bayern werden Kalkulationen und Abrechnungen von unabhängigen Wirtschaftsprüfern genau unter die Lupe genommen. Wer sich nicht an die Regeln hält, dem droht eine Anzeige wegen Subventionsbetrugs. Bedingungen stellen und kontrollieren, dass sie eingehalten werden, das tun die Förderer schon längst und mit allem Recht. Auch ohne Film­polizei.

 

Kleiner Anhang: Wieso gelten Regionaleffekte und Firmensitz als Kriterien für eine Förderzusage, nicht aber die Garantie angemessener Gagen und Arbeitszeiten? Wir haben die fünf größten regionalen Förderinstitutionen gefragt. Drei haben geantwortet:

 

MFG Baden-Württemberg: Die für unsere Juroren maßgeblichen Regularien finden sich in der Vergabeordnung der MFG Filmförderung Baden-Württemberg, die sich wiederum am FFG orientiert. Zudem beziehen wir uns auf die Richtlinien zum FFG, in denen zwar Regelungen zur „sparsamen Wirtschaftsführung“ getroffen wurden, jedoch keine zu „angemessenen Gagen und Arbeitszeiten“.

In eine Förderentscheidung und in die mit den Förderempfängern vereinbarten Darlehensverträge können aus unserer Sicht solche Regelungen nicht im Voraus einfließen. Konkreten Beschwerden von Betroffenen, die direkt an uns gerichtet sind, gehen wir selbstverständlich nach und fordern gegebenenfalls den  Förderempfänger (Produzenten) zur Stellungnahme auf. Möglicherweise könnte das Ergebnis einer solchen Prüfung im Einzelfall (über das wir das zuständige Vergabegremium unterrichten) dann bei einer erneuten Antragstellung des Produzenten negativen Einfluss auf die Förderentscheidung haben.

Uwe Rosentreter, Verleih-/Vertriebsförderung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

FFF Bayern: Die Verabredung von angemessen Gagen und Arbeitszeiten obliegt im Rahmen der Tarifverhandlungen den Tarifpartnern. Wenn trotzdem Verträge zwischen Filmschaffenden und Produzenten geschlossen werden, die sich außerhalb der Tarifabschlüsse bewegen, so ist dies eine Entscheidung des Filmschaffenden, so bedauerlich die Umstände hierfür auch sein mögen. Der FFF Bayern und auch die mit der Prüfung der Kalkulation und den Herstellungskosten beauftragte unabhängige Prüfungsinstitution haben darauf keinen Einfluss und auch kein Überprüfungsrecht. Weder der FFF noch die Prüfungsinstitution haben eine Möglichkeit, in Verträge einzugreifen, die zwischen dritten Parteien einvernehmlich untereinander geschlossen wurden. Daraus erklärt sich, warum der FFF Förderentscheidungen nicht davon abhängig machen kann, ob in jedem Einzelfall und bei jedem Kalkulationsposten angemessene Gagen bezahlt werden oder Arbeitszeitvereinbarungen tatsächlich einhalten wurden. Er könnte dies auch nicht überprüfen.

Selbstverständlich verbindet sich mit jedem FFF geförderten Projekt die Annahme, dass der verantwortliche Produzent sich an die bestehenden arbeits- und tarifrechtlichen Vorschriften hält. Wenn er es nicht tut, sind dem FFF jedoch die Hände gebunden, denn er ist keine Filmpolizei.

Bei Verstößen gegen die tariflich vereinbarten Rahmenbedingungen ist auch weiterhin jeder einzelne Filmschaffende selbst gefordert. Er ist der Vertragspartner des Produzenten und nur er hat die die Mittel, gegen Verstöße rechtlich vorzugehen. Weiterhin obliegt es den Berufsverbänden, sich gegen Missstände zu wehren und diese gegebenenfalls auch öffentlich zu machen. „Schwarze Schafe“ schaden nicht nur den betroffenen Filmschaffenden, sondern der ganzen Branche.

Gabriele Pfennigsdorf, Förderreferentin Fernsehfilm (Produktion, Projektentwicklung)

 

Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein: Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein ist sehr wohl interessiert, dass die Beschäftigung von Schauspielern und Stab bei von uns geförderten Filmproduktionen zu fairen, tariflich festgelegten Bedingungen erfolgt. Förderentscheidungen werden in Kenntnis der Kalkulation getroffen, offensichtliche Abweichungen von marktüblichen Gagen werden auch hinterfragt.

Uns ist aber bewusst, dass Filme gerade im Nachwuchsbereich oftmals nicht zustande kämen, würden nicht Schauspieler und Stab Teile ihrer Gage zurückstellen oder darauf verzichten.

Heike Goede, Assistenz der Geschäftsführerin

 

(Der Artikel von Silke Kandzora und Peter Hartig erschien in cinearte 264 vom 19. April 2012)

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cn-klappe: ecasting pro & contra

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Aktueller Videobeitrag: ecasting: pro & contra
Wie ernst zu nehmen ist dieser „neue” Markt oder ist es nur ein Modetrend? Ein Zusammenschnitt des Panels am filmhaus babelsberg.

Auf dem Podium sitzen:
Heidi Krell (BVC)
Suse Marquardt (BVC)
Charlotte Siebenrock (BVC)
Clemens Erbach (BVC & filmmakers)
David Althammer (schauspielervideos)
Heiko Reichenberger (Goldbaum Management & rising-star)
Antoine Monot (BFFS)

Als Gäste wurden desweiteren geladen:
Jacqueline Rietz (VdNA)
Daniel Krauss (Regisseur, Produzent & Schauspieler)
Sonja Döring (ZAV Berlin)
Birgit Menzel (Die Agentin)

Moderation:
Tina Thiele (Autorin, Journalistin: casting-network)

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Ethnie im deutschen Film, Fernsehen und Theater – Reaktionäre Rollenbesetzung

ARD/NDR TATORT: DIE BALLADE VON CENK UND VALERIE, am Sonntag (06.05.12) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Cenk Batu (Mehmet Kurtulus). Wie weit wird er gehen, um seine Freundin zu retten? © NDR/Sandra Hoever

Ich schaue relativ viele Fernseh- und Kinofilme und gehe gerne ins Theater. Ich streite mich gerne über die Qualität der deutschen Film- und Fernsehlandschaft und der Theaterbranche, aber eines kann niemand leugnen: Nicht deutsch-aussehende Schauspieler_innen werden viel zu wenig besetzt. Wenn ich den Fernseher einschalte sehe ich vor allem bei Serien und Reihen fast durch die Bank weiße, deutschsprachige Protagonist_innen. Mehmet Kurtulus war als Kriminalhauptkommissar Cenk Batu im Hamburger Tatort nahezu eine Ausnahme, doch jetzt übernimmt Til Schweiger die Rolle. Weiterlesen

Klischees und Stereotype
Im Schauspieler_innenportal „crew united“ kann man in seinem Lebenslauf bei „Ethnische Erscheinung“ von „mitteleuropäisch“, „arabisch“, „orientalisch“ über „osteuropäisch“, „schwarzafrikanisch“, „schwarzkaribisch“ bis zu „Mix weiß und asiatisch“ und „Mix weiß und schwarz“ wählen. Von 6824 registrierten, im deutschsprachigen Raum arbeitenden Schauspieler_innen, haben 88%, wie ich, „mitteleuropäisch“ angegeben. Wenn die kleine Minderheit der nicht „typisch deutsch“ aussehenden Darsteller_innen mal besetzt wird, werden sie von den Verantwortlichen in widerliche Rollenklischees gesteckt, in Stereotype, denen sie kaum entfliehen können. Eine Bekannte von mir, die in Teheran geborene Schauspielerin Elmira Rafizadeh, wurde früh mit dem Problem konfrontiert: „Für Film und Fernsehen bist du zunächst „Kopftuch“, „Ehrenmord“, „Islam“, „Migration“, „Terroristin“ und was es da sonst nicht alles rund um den Balkan und Orient zu erzählen gibt.“ Auch Daniel White, afrodeutscher Schauspieler beschreibt sein Rollenportfolio folgendermaßen: „US-Soldat, Dealer, zwielichtiger Gangster, der auch schon mal zuschlägt, und das wars dann auch schon. Der gemeinsame Nenner ist, dass es immer untrennbar mit meiner Hautfarbe verbunden ist.“ Aber warum kann er nicht mal einen Anwalt spielen, einen Familienvater, einen Kommissar? „Man sagt immer, das geht nicht, da schalten uns die Leute weg, Deutschland versteht das noch nicht“, so White. Die Exklusivität der „Eigenschaft deutsch“ und der Rassismus, der im Alltag ja sehr gerne von Medien und Gesellschaft geleugnet wird, wird in der Besetzung von Schauspieler_innen offen ausgelebt. Rollen, für die Schauspieler_innen wie Rafizadeh und White besetzt werden, stehen immer in einem Abhängigkeitsverhältnis. Nie sind es selbstbestimmte, frei handelnde Figuren wie „Chef_innen“. Wenn Abhängigkeit und ein niedriger sozialer Status mit Hautfarbe, Herkunft oder Aussehen gleichgesetzt wird, dann ist das Rassismus.

„Migrationshintergrund“ als Chance
Viele Schauspieler_innen, die sich ihre Rollen inzwischen aussuchen können und nicht aus finanziellen Gründen auf bestimmte Besetzungen angewiesen sind, lehnen solche Rollen ab und versuchen, sich auch in anderen Rollensparten zu profilieren. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Mark Zak, deutscher Schauspieler ukrainischer Herkunft stellte sich am Anfang seiner Karriere bei Castings folgendermaßen vor: „Guten Tag, hier Mark Zak, ganz einfach Z, A, K, falls Sie einen russischen oder osteuropäischen Banditen suchen, denken sie an mich…“. Er erklärt das damit, dass es für ihn als aus Fernsehsicht osteuropäisch wahrgenommenen Schauspieler zwar weniger mögliche Rollen gibt, aber die Auswahl der Schauspieler_innen auch geringer ist. „Man wird viel mehr wahrgenommen.“, so Zak.

Reproduktion von Alltagsrassismus
Dass sich Zak mit „Falls Sie einen russischen oder osteuropäischen Banditen suchen, denken sie an mich!“, quasi selbstironisch über die rassistischen Besetzungen stellt, macht das Problem aber nicht besser. Wenn „Banditen“ immer nur „ausländisch aussehend“ besetzt werden, reproduziert das rassistische Klischees. Wie soll Alltagsdiskriminierung verschwinden, wenn die Medien, die oft ein Vorbild für viele sind, die Denkweisen steuern und sogar manipulieren, ein Bild von Nicht-deutsch-aussehenden progagiert, das dermaßen reaktionär ist?

Muss jetzt eine Quote her?
Wenn man mit einer ähnlichen Strategie an das Problem gehen würde, wie die feministische Strategie, durch eine Quote mehr Frauen in Aufsichtsräte zu bekommen, könnte man sich jetzt Fragen: Braucht die deutsche Film-, Fernseh- und Theaterwelt eine „Migrant_innenquote“? Das hört sich natürlich erstmal sehr abwegig an, wurde aber durchaus schon ausprobiert. Mit Beginn der Intendanz von Karin Beier am Schauspiel Köln, führte sie 2007 eine Art Quote ein: 30% des Ensembles sollten aus nichtdeutschen Familien kommen, eine Zahl, die die Einwohner_innen Kölns widerspiegeln sollte. Beier wollte damit „eine Selbstverständlichkeit herstellen, so dass nicht jede Besetzung eine dramaturgische Bedeutung hat, sobald ein Darsteller eine andere Hautfarbe hat, als die gewohnte“. Hört sich ja ganz gut an, dachte ich, endlich mal ein schwarzes Gretchen, ein türkischer Romeo… Falsch gedacht: Mit Ausnahme der Eröffnungsinszenierung spielten die Neuen dann hauptsächlich in Stücken, die von Migration handelten und wurden auch größtenteils nach ein bis drei Spielzeiten wieder gekündigt. Chefdramaturgin Rita Thiele begründete das damit, dass ihnen wegen der Quote „umgekehrter Rassismus“ und „Paternalismus“ vorgeworfen wurde und dass Gastregisseur_innen in die Besetzungsentscheidung mit einbezogen werden sollen, und ihnen keine Schauspieler_innen durch eine Quote aufgezwungen werden sollten. „Das Ziel, einen deutlichen, möglichst großen Anteil von Kolleg_innenen aus internationalen Familien im Schauspielensemble zu beschäftigen, haben wir nicht aus dem Auge verloren. Der Anteil kann sich aber der künstlerischen Situation des Hauses entsprechend verändern, schwanken. Starre Vorgaben machen wenig Sinn“, so Thiele. Fail. Klingt irgendwie nach Kristina Schröder, Flexiquote und schwammiger Selbstverpflichtung.

Wenn sich in den Medien nichts ändert, tut sich auch in der Gesellschaft nichts!

Fest steht: Solange sich auf der Bühne, auf dem Bildschirm und auf der Kinoleinwand nichts ändert, solange Sat-1-Filme mit offen rassistischen Titeln wie „Buschpiloten küsst man nicht“ (2007) noch ausgestrahlt werden, in denen Afrikaner_innen als rückständige, abergläubische Ahnenritualist_innen dargestellt werden, ändert sich auch nichts am Alltagsrassismus der Gesellschaft. Nichtdeutsche sind viel mehr als „Gangster“, „Gemüsehändler“ und „Prostituierte“. Die Besetzungen spiegeln überhaupt nicht die Realität wieder, das Fernsehen, das Theater und der Film hinken wahnsinnig hinterher: Natürlich gibt es türkische Ärzt_innen, russische Familienväter und afrikanische Kommissare. Das kann man fiktionalisieren, ohne gleich eine Backgroundstory aufmachen zu müssen. Und wir haben doch so großartige Schauspieler_innen, die diese Figuren verkörpern können! Mit dargestellten Stereotypen, mit Rollenklischees und mit Rassismus muss endlich Schluss sein! In Sat1, im Stadttheater, in Dresden, im Kino, in Bayern, im Tatort, in Dortmund und überall: Rassismus raus aus den Köpfen!

Anmerkung der Redaktion
Weiterführende Links zu diesem Thema:
Stadt Revue “Die Quoten-Masche, Migranten am Schauspiel”
Spiegel Online “Integrationsdebatte, Was guckst du Thilo?”
NDR “Migrantin oder Dealer – Schwarze im Fernsehen”

Wir freuen uns über Ihre Meinung und weiteren Links/Verweisen in diesem Zusammenhang.

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Was ist Kunst wert? Sven Regener und das Urheberrecht

„Kopieren ist nicht stehlen“ lautet die bunte und fröhliche Hymne der freien Kultur im Netz. Und weil wir das ernst nehmen, gibt’s auch keinen Copyright-Hinweis zum Standbild, das wir mal eben kopiert haben.

Das passiert ja auch nicht oft, daß ein Radiomoderator sprachlos ist. Auf Bayern 2 wollte Erich Renz eigentlich nur ein knackiges Statement zum Urheberreicht einholen. Da war er bei Sven Regener aber an den Falschen geraten. Oder hatte einfach nur den falschen Moment erwischt. Oder besser den richtigen: Der Sänger der Band Element of Crime (und Autor der verfilmten Bücher „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“) hob stattdessen zu einer mehr als fünf Minuten langen Philippika an, der man ruhig mal zuhören sollte.

Ich fand’s jedenfalls klasse. Nicht nur wegen der Ansichten, die Regner als einer äußert, dessen Existenz letztlich davon abhängt, daß seine Leistungen und Rechte als Urheber respektiert werden. Sondern weil er es wunderbar auf den Punkt bringt: „Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.“

Über Respekt habe ich neulich geschrieben. Und dass er fehlt, zeigt sich eben nicht nur da, wo böse Produzenten ihre Belegschaft ausbeuten, sondern auch am anderen Ende der Verwertungskette, wo Leute meinen, das Netz sei ein Selbstbedienungsladen ohne Kasse. Auf dem Thema möchte ich eigentlich gar nicht weiter herumreiten. Erstens habe ich das hier ja schon einige Male versucht, zweitens wirkt man ja, wie auch Regener anmerkt, leicht uncool, wenn man aufs Urheberrecht pocht. Und drittens sind Wiederholungen langweilig. Also schaut das Video an, genießt es oder regt euch auf. Punkt.

Wer sich freilich noch ein bißchen mit mir gemeinsam aufregen möchte, kann ja hier weiterlesen: Weiterlesen

Denn andererseits kann man von dem Thema wohl nie genug bekommen, wie die Reaktionen auf den Radiobeitrag zeigen. Und dass man damit sogar prima bei Wahlen punkten kann, wenn man das Urheberrecht cool angeht, hatte im vorigen September die Piraten-Partei gezeigt, als sie das Berliner Abgeordnetenhaus enterte – mit wenig mehr, als das Thema „Internet“ hergibt, das allerdings kräftig aufgeblasen um Datenschutz, Bürgerrechte, Mitmachdemokratie und freien Zugang zu Kultur und Wissen. Wobei man sich letzteres so vorstellt, dass das Urheberrecht sich mal locker machen soll, weil es sowas wie geistiges Eigentum eh nicht gebe und das alles nur ein Trick der Verwertungsindustrie sei.

Na sowas! Datenschutz, Bürgerrechte und Mitmachdemokratie waren doch bislang Sache einer anderen Partei? Da durfte man sich bei den Grünen schon mal Sorgen machen, dass man vielleicht einen Anschluss verpasst: Weil sich hier offensichtlich eine politische Marktlücke auftut, voller Wähler, die sich für die klassischen grünen Themen begeistern. Also kam es, dass ein Teil der Grünen, beeindruckt vom Erfolg der neuen Protestpartei, die besseren Piraten sein wollten und zur 33. Ordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen ein „Netzpolitischer Leitantrag“ vorlag, der schon vorher für begründete Aufregung sorgte.

Der Versuch ging dann doch ein bisschen anders aus, weil bei den Grünen auch Leute sitzen, die ein bisschen andere Ansichten zum Urheberrecht haben. Und was dann vorläufig beschlossen wurde, war 16 Seiten lang und größtenteils gar nicht so schlecht. Was aber nur ich meine und viele andere nicht. Und dann wurde es mir langsam zu blöd: Weil offenbar sich niemand mit dem Thema der grenzenlosen Möglichkeiten alles und überall zu kopieren wirklich auseinandersetzen will, sondern nur das schön redet, was man tut: „Wir wollen aber nun mal kopieren, also darf das nicht schlecht sein.“ Also sagt man, die Industrie sei schuld oder die Zeiten seien halt so, und wer das nicht begreift, habe einfach keine Ahnung. Darüber kann man schlecht diskutieren. Also habe ich den Blogbeitrag, den ich damals dazu geschrieben hatte, nicht veröffentlicht.

Jetzt schreibe ich doch noch mal darüber, weil die Reaktion auf Regeners zornige Rede prompt kam und auf die übliche Weise und mit den immergleichen Argumenten, die nicht wirklich welche sind. Als da wären:

 

Die Welt hat sich geändert und ist heute digital, nicht mehr analog. Wer den Unterschied nicht begriffen hat, ist ein Dinosaurier. Das ist ein tolles Totschlagargument, da braucht man auch gar nicht mehr auf das einzugehen, was so ein Dinosaurier zu sagen hat, sondern schwurbelt einfach daher, was die eigenen Anhänger so freut, wie das der Sprecher der Piraten tut, der an der gleichen Stelle wie Regener auf der Website zu Wort kommt.

Vermutlich bin ich auch ein Dinosaurier, weil ich nur wenig jünger bin als der Sänger. Andererseits habe ich den Unterschied zwischen digital und analog ziemlich gut begriffen, und kann Piraten, Bloggern und anderen Revolutionären mit höherem Coolness-Faktor versichern: Die Welt ist nicht digital, sondern analog. Das merkt man, wenn man mal für ein paar Stunden den Laptop zuklappt, das iPhone abschaltet und aus der Tür geht. Trinkt ein Bier oder einen einen Latte Macchiato mit viel Haselnusssirup, spaziert durch den Park, geht ins Kino, schaut euch einen Sonnenaufgang an oder habt meinetwegen Sex. Das Meiste geht auch digital, ist aber irgendwie nicht das selbe. Und für beide Welten gelten die gleichen Regeln: Seid nett zueinander und lasst die Finger von Sachen, die euch nicht gehören.

Auf so putzige Gedanken kann man vielleicht nur kommen, wenn man ein Dinosaurier ist. Wenn das Alter aber ein Argument sein soll, will ich wenigstens darauf hinweisen, dass wir Dinosaurier schon mit knarzenden Modems durchs frühe Internet gerumpelt sind, als die coolen Piraten von heute noch analoge Panini-Bildchen getauscht haben.

 

Durch die Digitalisierung haben sich die Produktionsmittel und Vertriebswege demokratisiert. Das finde ich auch prima. Aber glaubt doch nicht, daß früher alles schlechter war. Es gab schon ein Leben vor dem Internet, und das war auch schon ziemlich demokratisch, nur halt analog. Musiktausch und Bootlegs gab’s auch damals, es gab Indie-Labels und Plattenläden samt Leuten darin, die Ahnung hatten. Die Rock Family Trees zum Beispiel gab es schon vor 30 Jahren, und die sind ziemlich cool. Heute gibt es sie auch im Internet als eine Art elektronische Faksimile der alten Drucke. Sinnigerweise hat die Netzkultur bis heute keine eigene Variante davon entwickelt, die die neuen technischen Möglichkeiten nutzt.

Bloß, auch wenn es toll klingt, mit Demokratie hat all das weniger zu tun, sondern mit Technik. Was sich verändert hat, ist die Möglichkeit, jederzeit und ohne Aufwand größtmögliche Mengen an Musik und Filmen zu kopieren. Die Kopiererei war auch früher nicht schön, hielt sich aber in Grenzen, die die analoge Realität zog: Erstens mußte man jemanden finden, bei dem man kopieren konnte, zweitens kosteten Musikcassetten Geld, drittens mußte man fürs Kopien einen leichten Qualitätsverlust in Kauf nehmen. Wenigstens konnte man, wenn man einen Gedanken daran verschwendete, sein Gewissen etwas damit beruhigen, dass ja für jede Leerkassette eine Art symbolischer Entschädigung an die Verwertungsgesellschaften und die Künstler gezahlt wurde.

„Genau!“ rufen da die Kopierer von heute, das tun wir ja auch. Genau, bloß passt auf eine Festplatte von heute wesentlich mehr als auf eine Kassette von damals, und wenn man danach die Abgabe berechnen würde, gäbe es ein ziemliches Geschrei.

 

Es ist doch nicht unsere Schuld, wenn die Industrie sich kein vernünftiges Bezahlsystem ausdenkt. Als gäbe es keinen iTunes-Store oder Online-Videotheken. Klar muss da noch vieles anders werden, aber was soll mit dem Argument eigentlich gerechtfertigt werden? Ich komme einfach nicht drauf … Und so lange muss ich einfach akzeptieren, dass die Industrie vielleicht einfach nichts verkaufen möchte, was zwar dumm wäre, aber ihr gutes Recht, nicht aber mein Recht, dieses Recht in die eigenen Hände zu nehmen. Vielleicht habe ich aber nur etwas grundlegend falsch verstanden, weil ich mich geistig in der falschen Welt bewege. Für die digitale Bohème gelten andere Regeln. Nämlich:

 

Kopieren ist kein Diebstahl. Das ist das tollste Argument von allen: Wer klaut, nimmt einem anderen etwas weg, und der steht dann mit leeren Händen da. Der moderne Pirat aber kopiert. Da hat der andere sein Original noch, nur ist es jetzt doppelt da. Wer kopiert, tut also sogar Gutes für die Welt.

Darüber kann man sich freuen, hat den Unterschied zwischen digital und analog aber nicht begriffen – beziehungsweise, dass es keinen Unterschied gibt. Wenn ich mir in der analogen Welt ein Buch kaufe oder eine Schallplatte, bezahle ich nicht für das Trägermaterial. Was will ich auch mit einem Stapel Papier, der noch dazu auf beiden Seiten bedruckt ist? Oder mit einem Klumpen Vinyl, den jemand zu einer Scheibe gepreßt hat? Ich bezahle für eine Geschichte, die ich lese, oder für Lieder, die ich hören will (weshalb auch bei Neuerscheinungen zehn bis zwölf Lieder auf CD mehr kosten als ein Film auf DVD, obwohl die Hülle kleiner ist). In der digitalen Welt entfallen Papier und Plastik, was mich freut, weil ich nun weniger Platz im Regal brauche. Das, wofür ich zahle, bleibt aber dasselbe. Und ich bezahle das, weil ich die Arbeit des Künstlers respektiere und möchte, dass er noch mehr davon produziert, was er aber nur kann, wenn er nicht Pizza ausliefern muss, um seine Miete zu bezahlen, weil seine Werke ja zum Wohl der Welt an ihm vorbei vervielfältigt werden.

Denn wer jetzt richtig aufpasste, hat längst begriffen, dass die Sache mit dem Vervielfältigen das eigentliche Geschäft ist. Der Musiker, der ein Lied komponiert, um es zu verkaufen, verkauft ja gar nicht das Lied, sondern gibt auch nur eine Kopie weiter – ob nun als Schallplattenrille oder als Internetstream. Das Lied hat er ja trotzdem noch. Mit der Kopie verdient er sein Geld. Wenn nun ein Pirat Kopien dieses Lieds weitergibt, behält der Künstler ebenfalls sein Original. Nur kann der Künstler eben an einige Leute keine Kopien mehr verkaufen. Er verdient also weniger Geld. Und das ist es, was der Pirat ihm mit der Kopiererei wegnimmt.

Es ist nicht leicht, das besonders denen zu erklären, die wohl am eifrigsten kopieren. Der Musiker und Schauspieler Jack Black hat’s auf die lockere Art versucht, doch lest mal die Kommentare. Aber selbst wenn einer mal richtig zuhören würde – wie sollen Halbwüchsige die Grundzüge ökonomischer Zwänge verstehen? Wo doch grade mal jeder Dritte selbst sein Geld für den Spaß verdient. Unterkunft und Verpflegung sind noch umsonst, die Wäsche macht Mutti, Vati schafft das Taschengeld heran (jedenfalls im Rollenverständnis der Dinosaurier), und der Strom für den Rechner kommt aus der Steckdose.

Schlimm wird’s aber, wenn auch, wer es besser wissen sollte, nichts davon wissen will. Komischerweise geht diese wohlfeile Mischung aus Exkulpation und Bigotterie meist nur bis zur eigenen Geldbörse. Die selbsternannte „Hymne der freien Kultur“, der tolle Clip über die Segnungen des wilden Kopierens am Anfang dieses Abschnitts, ist ein gemeinsames Werk des Komponisten Nik Phelps und der Animationskünstlerin Nina Paley. Letztere nimmt die Sache wirklich ernst. Ihren eigenen Film „Sita Sings the Blues“ verbreitet sie umsonst im Netz. Ihr Partner aber verdient sich mit seiner Musik vermutlich seinen Lebensunterhalt, jedenfalls verkauft Phelps auf seiner Website seine neue CD. Für 16 Dollar. Wieso eigentlich? Kann man doch kopieren.

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Interview mit Antoine Monot, Jr.

Antoine Monot Jr, | © Stefanie Ziellessen

Elmira Rafizadeh sprach mit dem Schauspieler, BFFS-Vorstand und Produzent über Schauspieler als „Markenprodukt“, Facebook, angemessene Vergütung und den DEUTSCHEN SCHAUSPIELERPREIS.

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Auszüge:
Hierzulande haben wir Schauspieler größtenteils noch nicht kapiert, wer wir sind, und zwar als Marke gedacht. (…) Alle haben immer diese Angst davor: „Ich will auf gar keinen Fall immer das gleiche spielen”. Diese Ansicht widerspricht im Grunde allen marktwirtschaftlichen Gegebenheiten.

Wir Schauspieler versuchen genau das Gegenteil. Wir versuchen unsere Kunden zu überzeugen, dass wir nicht nur Salat haben, sondern auch Burger und Pizzen und Calamari-Ringe und Haxe und ein bisschen Italienisch auch noch. (…) Das Hauptproblem ist, dass wir uns nicht als Produkt begreifen, sondern unsere ureigenste Erfüllung erleben wollen.

Ein wichtiger Gedanke ist dann auch, wer unsere Zielgruppe ist. Das Publikum oder die Branche? Sind wir ein Business-to-Consumer oder ein Business-to-Business-Unternehmen? Business-to-Consumer heisst, dass das Publikum unsere Zielgruppe ist. Ist dem aber wirklich so? Oder ist unser potentieller Arbeitgeber unsere Zielgruppe? Ich glaube, wir müssen uns darüber noch sehr viele Gedanken machen.

Dann kommen immer mehr Schamützel auf wie „Ist ja eine Auftragsproduktion” oder „Ist eine Co-Produktion”. Es ist mir völlig egal, ob Auftrags- oder Co- oder ausgegliederte Produktionsfirma. Am Ende des Tages hängt trotzdem ein öffentlicher Sender mit drin.
(…) Jetzt kann man sich fragen, darf denn der Staat Tarifbruch unterstützen?

Anmerkung Redaktion:
Im Kommentier-Bereich freuen wir uns über Eure Meinungen zum gesamten Interview.
Eine lebhafte Diskussion ist jederzeit willkommen.

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Faire Geschäfte

Seit über zehn Jahren spielt Nina Hoss ständig die Hauptrolle in den Filmen von Christian Petzold. Hinter der Kameralinie sieht es nicht viel anders aus. Auch das ist ein Zeichen, dass die Arbeitsbedingungen stimmen. | Foto © Christian Schulz, Piffl Medien

Wer mal echten „Production Value“ sehen will, sollte zur Zeit ins Kino gehen. Da läuft seit Donnerstag Christian Petzolds neues Drama „Barbara“, für das der Regisseur auf der diesjährigen Berlinale einen „Silbernen Bären“ erhielt und das auch sonst die Kritiker verzückte.

Das allein macht den Film aber nicht so herausragend, dass ich hier noch mal darauf hinweise, sondern ein anderer Preis, der ebenfalls auf der Berlinale vergeben wird. Nur wird darüber weniger berichtet, weil die meisten auf die Leinwände und roten Teppiche starren und mit der Arbeit am Set nicht so viel anzufangen wissen wollen. Der „Hoffnungsschimmer“ ist nämlich eine Auszeichnung, die von der Bundesvereinigung Die Filmschaffenden verliehen wird. Das ist die Dachorganisation von 14 Berufsverbänden der Branche, und dementsprechend trocken, weil praxisbezogen, ist das, was da gelobt wird: die Arbeitsbedingungen. Der „Hoffnungsschimmer“ ist für eine Produktion bestimmt, die sich vorbildlich an Gagen, Arbeitszeiten und -bedingungen gehalten hat – also eigentlich etwas Selbstverständliches im Drehalltag umsetzt, weshalb das Ganze ein Preis ist, den es eigentlich nicht geben sollte. Weiterlesen

Muß es anscheinend aber doch. Oder soll es. Denn im vorigen Jahr, als die Bundesvereinigung ihren neuen Preis vorstellte, erklärte sie dazu, ein positives Zeichen setzen zu wollen. Grund und Beispiele zum Nörgeln gibt es ja genug. Allerdings war es damals nicht ganz einfach gewesen, einen Preisträger zu ermitteln. Für die erste Auszeichnung waren nur wenige Produktionen in die engere Auswahl gekommen.

Im zweiten Jahr legte man die Entscheidungsfindung breiter an und tat sich deshalb mit dem Netzwerk Crew United zusammen. Im Internet konnten Mitglieder von Cast und Crew aus 668 Film- und Fernsehproduktionen, die übers Jahr entstanden waren, denjenigen anonym Schulnoten geben, an denen sie mitgewirkt hatten. Fünf landeten auf der Nominierungsliste. Aus diesen wurde schließlich durch eine E-Mail Befragung aller Team-Mitglieder der Gewinner ermittelt: Mit einer Durchschnittsnote von 1,0 wurde „Barbara“, eine Produktion der Schramm Film, Koerner & Weber, zur fairsten Film- und Fernsehproduktion 2011 gewählt – die anderen vier lagen auch nicht so weit hinter dem Klassenbesten.

Soweit ist das also eine feine Sache, und ich habe ja eingangs schon gemeckert, dass das noch zu wenige wirklich interessiert, obwohl Filme nicht auf dem roten Teppich oder den Empfängen der diversen Fördereinrichtungen und Fernsehsender entsteht. Doch warum sollen Bürokraten, Kritiker oder gar das Publikum sich für etwas interessieren, was selbst den meisten Filmschaffenden egal zu sein scheint, obwohl es sie unmittelbar angeht? Rund 22.000 Filmschaffende sind bei Crew United registriert, etwa 2.500 in der den Verbänden der Bundesvereinigung organisiert – doch gerade mal 1.400 machten bei der Abstimmung mit. Ein bisschen mehr Engagement an der Basis wäre sicherlich noch nötig, um einen Preis wie den „Hoffnungsschimmer“ tatsächlich überflüssig zu machen.

Was sind nun diese „fairen Arbeitsbedingungen“? Dass die Honorare stimmen und die Arbeitszeiten eingehalten werden, klar. So klar aber anscheinend doch nicht, wie immer wieder aus Erfahrungsberichten in der Branche herauszulesen ist. Auch das ist der Sinn des „Hoffnungsschimmer“: Auf diesen Missstand hinzuweisen und dass der Begriff „Low Budget“ längst nicht so romantisch ist, wie das auf manchen, der nicht unter solchen Bedingungen arbeiten muss, wirken mag. Es geht aber nicht nur um Zeit und Geld, das stellte auch Dorissa Berninger, Produktionsleiterin bei „Barbara“ in ihrer Dankesrede klar: „Das Problem ist die Haltung und der Respekt.“ Das betrifft nicht nur manche böse Produktionsfirma: Die eigentliche Arbeit am Film findet in den Feuilletons noch immer zu wenig Beachtung (was ich jetzt schon zum dritten Mal anmerke – mag nerven, ist aber so).

In anderen Branchen ist das anders. Da kann der falsche Umgang mit den Mitarbeitern, wenn er öffentlich wird, sogar die Existenz eines Unternehmens gefährden. Und die Fluktuation der Mitarbeiter ist auch ein Qualitätsmaßstab für die Unternehmenskultur.

Dieses Kriterium passt auch auf „Barbara“ – beziehungsweise Christian Petzold: Mit den meisten seiner „Heads of Department“ arbeitet der Regisseur seit vielen Jahren zusammen. DoP Hans Fromm hat bislang alle seine Filme fotografiert, Nina Hoss spielte  seit 2001 die Hauptrolle in allen Kinoproduktionen, nicht anders sieht es bei Montage, Musik und Szenenbild aus…

Nachdenklich machte mich lediglich der Schlußsatz in der Rede der Produktionsleiterin: „Wir werden immer Filme unter Tarif machen, sonst könnten wir sie nicht machen.“ Wahrscheinlich muss sie das sagen, weil sie auch mal wieder über Produktionen verhandeln muss, bei denen das Budget mehr als knapp ist. Und weil sie als Produktionsleiterin die Arbeitsbedingungen in der Branche kennt – die ja letztlich auch die Produktionsfirmen selbst treffen. Allerdings stehe ich nicht am Set, sondern sitze am Schreibtisch. Deshalb frage ich mich, ob es solche Filme, die man nur machen kann, indem man sie unter Tarif macht, tatsächlich geben sollte.

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Ein Interview mit Richard Sammel

Richard Sammel | © Björn Kommerell

Anlässlich der Oscar-Verleihung sprachen wir mit dem in Berlin und Paris lebenden Schauspieler (bekannt u. a. aus „Casino Royale”, „Inglourious Basterds” und ab Mai 2012 in „The Third Half” und in „La Montanha” zu sehen) allen voran über seine internationale Film- und Fernsehkarriere.

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Impressionen Berlinale 2012: Auf Wiedersehen!

Das war die Berlinale 2012: Auf Wiedersehen!
Den feierlichen Höhepunkt einer jeden Berlinale markiert die Vergabe der Bären.
Die Hauptpreise des Festivals, die am letzten Tag der Berlinale durch die Internationale Jury vergeben wurden auf einen Blick:

  • Lobende Erwähnung an | Silberner Bär an L’enfant d’en haut (Sister) von Ursula Meier
  • Alfred-Bauer-Preis – in Erinnerung an den Gründer des Festivals an Tabu von Miguel Gomes
  • Silberner Bär für das Beste Drehbuch an Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg für En Kongelig Affære (Die Königin und der Leibarzt) von Nikolaj Arcel
  • Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design an Lutz Reitemeier für die Kamera in Bai lu yuan (White Deer Plain) von Wang Quan’an
  • Silberner Bär für den Besten Darsteller an Mikkel Boe Følsgaard in En Kongelig Affære (Die Königin und der Leibarzt) von Nikolaj Arcel
  • Silberner Bär für die Beste Darstellerin an Rachel Mwanza in Rebelle (War Witch) von Kim Nguyen
  • Silberner Bär für die Beste Regie an Christian Petzold für Barbara
  • Silberner Bär Großer Preis der Jury an Csak a szél (Just The Wind) von Bence Fliegauf
  • Goldener Bär für den besten Film an Cesare deve morire (Caesar Must Die) von Paolo & Vittorio Taviani

Die Preisverleihung fan am Samstag, den 18. Februar im Berlinale Palast statt.

Unter dem Vorsitz von Jury-Präsidenten Mike Leigh (Regisseur/GB) brachten als Jury Anton Corbijn (Fotograf/NL), Asghar Farhadi (Regisseur/IR), Charlotte Gainsbourg (Schauspielerin/GB), Jake Gyllenhaal (Schauspieler/USA), François Ozon (Regisseur/F), Boualem Sansai (Schriftsteller/ALG) und Barbara Sukowa (Schauspielerin/D) filmische Leidenschaft und Sachverstand nach Berlin.

www.berlinale.de

Zum Ausklang ein paar Impressionen vom 9. bis 19. Februar 2012 aus Berlin.

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Impressionen Berlinale 2012: Podiumsdiskussion Bundesverband Regie (BVR) – Online-Verwertung von Filmen und Fernsehwerken!

Die traditionelle Berlinale-Podiumsdiskussion des Bundesverband Regie (BVR) widmet sich in diesem Jahr dem brandheißen Thema: Online-Verwertung von Filmen und Fernsehwerken.

Background:
Die Europäische Kommission hat als einen Schwerpunkt der EU-Medienpolitik für die kommenden Jahre die Förderung der transnationalen Vermarktung und Verbreitung sowie die Unterstützung des Auf- und Ausbaus flexibler neuer Vertriebswege im Internet ausgegeben. Außerdem hat die Kommission zu den damit in Verbindung stehenden komplexen technischen, rezeptionsästhetischen, ökonomischen und rechtlichen Aspekten des digitalen Medienumbruchs jüngst ein Grünbuch veröffentlicht und um Stellungnahmen gebeten.

Zentrales Instrument des Vertriebs wie des Konsums von Film- und Fernsehwerken dürfte zukünftig die Online-Verbreitung werden. Es ist wahrscheinlich, dass dies weit über die bereits bestehenden, in Deutschland bisher nur zögerlich angenommenen on Demand-Dienste hinausgehen wird. Die Wahrnehmung von Film- und Fernsehwerken wird in stärkerem Maße jenseits der bisher gewohnten räumlichen und zeitlichen Gebundenheit eines Fernseh- oder Kinoprogramms stattfinden. Darüber sind sich die meisten Fachleute wohl einig. Wenig Einigkeit besteht in der Vorhersage des Tempos und der Art und Weise dieser Veränderung, die am Ende ihrer Entwicklung die Rezeption von Filmen und Fernsehwerken neu gestalten könnte. Dass feste Programmstrukturen zumindest in den nächsten Jahren weiterhin ihre Bedeutung haben werden, ist aber nicht nur für das älter werdende Publikum anzunehmen. Damit wird auch das Programm-Fernsehen sehr wahrscheinlich keineswegs obsolet werden.

Zu diesem aktuellen medienpolitischen Zukunftsfeld standen folgende Fragen im Raum:

  1. Wie, in welchem Umfang, unter welchen Programm- und werkästhetischen Bedingungen und unter welchen wirtschaftlichen und rechtlichen Voraussetzungen kann die online-Distribution von Film- und Fernsehwerken erfolgen?
  2. Werden sich feste Programmformen und -orte auflösen und welche Anordnungen treten an deren Stelle?

Diskutanten von rechts nach links:

  • Dr. Urban Pappi (gf. Vorstand VG Bild-Kunst)
  • Alexander Thies (Vorsitzender ProduzentenAllianz Film und Fernsehen)
  • Ansgar Heveling (MdB, CDU)
  • Helga Trüpel (MdEP, Grüne)
  • Hans W. Geißendörfer (Produzent & Regisseur | BVR)
  • Peter Weber (Justiziar ZDF)

Moderation | Mitte:

  • Jobst Oetzmann (Regisseur, Vorstand BVR)

www.regieverband.de

Hier ein paar Impressionen des Panels vom 14. Februar in der Landesvertretung des Saarlandes.

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Impressionen Berlinale 2012: 15 Jahre Shooting Stars!

Zum 15. Mal wurden die Shooting Stars – anlässlich der Berlinale 2012 – vergeben.
Nominiert waren 23 junge Schauspieler, von denen die Jury, der dieses Jahr auch die deutsche Casting Direktorin Simone Bär angehörte, zehn Talente auswählte. SHOOTING STARS wird unterstützt vom MEDIA Programme der EU.

Dieses Jahr sind die folgenden Schauspieler/innen zum Shooting Star 2012 gekürt worden:

  • Anna Maria Mühe (Deutschland)
  • Adèle Haenel (Frankreich)
  • Ana Ularu (Rumänien)
  • Bill Skarsgård (Irland)
  • Antonia Campbell-Hughes (Schweden)
  • Isabella Ragonese (Italien)
  • Jakub Gierszal (Polen)
  • Max Hubacher (Schweiz)
  • Riz Ahmed (Großbritanien)
  • Hilmar Gudjósson (Island)

Wir gratulieren besonders Anna Maria Mühe und ihrer Agentur fitz+skoglund.

Die deutschen Shooting Stars der vergangenen Jahre waren:

  • 1998 Franka Potente, Jürgen Vogel
  • 1999 Maria Schrader, Moritz Bleibtreu
  • 2000 Nina Hoss, August Diehl
  • 2001 Heike Makatsch, Benno Fürmann
  • 2002 Antonio Wannek
  • 2003 Daniel Brühl
  • 2004 Maria Simon
  • 2005 Max Riemelt
  • 2006 Johanna Wokalek
  • 2007 Maximilian Brückner
  • 2008 Hannah Herzsprung
  • 2009 David Kross
  • 2010 in diesem Jahr wurde kein Shooting Star aus Deutschland gekürt
  • 2011 Alexander Fehling

www.shooting-stars.eu

Hier ein paar Impressionen des Auftritts der 10 Nachwuchstalente im Rahmen des Empfangs der Film und Medienstiftung NRW vom 12. Februar in der Landesvertretung des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Impressionen Berlinale 2012: Romantik-Kurzfilm Award BLAUE BLUME

Unter dem Motto „Wir suchen Liebe” den Romantik Award BLAUE BLUME trat der Filmpreis für romantische Kurzfilme – anlässlich der Berlinale 2012 und passend zum Valentinstag – erstmals ins Leben.
Die Expertenjury (Eva Habermann, Andrea Sawatzki u.a.) aus zahlreichen Einreichungen aus dem Genre Romantik entschieden: Zu den Anwärtern für die BLAUE BLUME 2012 gehören die Nachwuchs-Filmemacher und wurden wie folgt geehrt:

1. Platz: Enno Reese („Zwei Zimmer, Balkon“, 30 min)
5.000 Euro und hochwertiges Kamera-Equipment im Wert von 4.500 Euro

2. Platz: Maximilian Engert („Durch die Blume“, 13:40 min)
1.000 Euro

3. Platz: Luca Zamperoni („Lasagne“, 12:50min)
500 Euro

Die Filmproduzentin und Schirmherrin des Awards Prof. Regina Ziegler überreichte die Preise!
Moderation: Alexander Mazza (Agentur Kick)

www.blaueblume.tv

Hier ein paar Impressionen von der Preisverleihung vom 14. Februar aus dem historischen und romantischen Frühstückssaal am Potsdamer Platz!

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Impressionen Berlinale 2012: Diskurs Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF) – Stell Dir vor, es ist Quote und keiner zahlt!

Unter dem Thema „Stell Dir vor, es ist Quote und keiner zahlt!“ – anlässlich der Berlinale 2012 – hat die Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF) zum Diskurs geladen.

Keynote:

  • Hans Zischler (Schauspieler)

Diskutanten von rechts nach links:

  • Aelrun Goette (Regisseurin)
  • Claudius Seidl (Journalist FAZ)
  • Bettina Reitz (Geschäftsführerin der Degeto Film | ab Juni 2012 Fernsehdirektorin des BR)
  • Hubertus von Lobenstein (Partner bei der Berliner Werbeagentur Aimaq von Lobenstein)

Hubertus Meyer-Burckhardt (Geschäftsführer der Polyphon-Gruppe) konnte leider nicht kommen.

Moderation in der Mitte:

  • Lutz Hachmeister (Direktor des Instituts für Medien und Kommunikationspolitik | IfM)

Die Akademie versteht sich als „die Stimme der Fernsehschaffenden in der öffentlichen Diskussion über die Medien und ihre Inhalte“.
Sie will ein Bewusstsein schaffen für die kreativen und künstlerischen Leistungen derjenigen, die Fernsehprogramme gestalten:
www.deutscheakademiefuerfernsehen.de

Hier die Keynote und ein paar weitere Impressionen der interessanten Diskussion vom 13. Februar im NH Hotel.

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