SMS Self Made Shorties Festival 2019: Glück – Das Festival des Happy Ends

Ganz so einfach ist es nicht...

Gewinnerbild mit Daniel Philippen | Credit: Holger Borggrefe

Unter dem Motto: Glück – Das Festival des Happy Ends gaben Schauspielervideos, Crew United und die ZAV Künstlervermittlung in Zusammenarbeit mit Casting Network, Cinearte und Out Takes Schauspielerinnen und Schauspielern in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum vierten Mal die Chance, ihre Persönlichkeit in einem kurzen Film (max. drei Minuten) vorzustellen.

Am Freitag, den 28 Juni 2019 präsentierte die hochkarätige Jury in einem vollbesetzten Kinosaal im CinemaxX München die vorausgewählten 15 Self Made Shorties.

Zur Jury gehörten in diesem Jahr Castingstudio Simone Bär (Transit, Dark, Babylon Berlin), Nathalie Mischel (Casting Director des Hessischen Rundfunks), die Filmproduktion Claussen + Putz (Polizeiruf 110 – Tatorte, Die kleine Hexe, Der verlorene Bruder), Regisseur Hans Steinbichler (Winterreise, Landauer – Der Präsident, Das Tagebuch der Anne Frank), Jana Brandt, Fernsehfilmchefin des Mitteldeutschen Rundfunks (Weissensee, Charité, Hubert ohne Staller) und als Vertreter der Schauspielkunst Kevin Patzke (erster Preisträger des letzten SMS Festivals 2017) unter der Schirmherrschaft des Festivalpräsident Edgar Selge (Polizeiruf 110, Unterwerfung, Poll).

Im Folgenden ein paar Impressionen der Veranstaltung, Stimmen, weitere Eindrücke und natürlich die Gewinner-Shorties:

Ganz so einfach ist es nicht...

Der Gewinnerfilm bei der Vorführung im Cinemaxx | Credit: Alena Sternberg

1. Platz SMS Self Made Shorties 2019: Henrike Fehrs


2. Platz SMS Self Made Shorties 2019: Ela Paul

Platz 2:

3. Platz SMS Self Made Shorties 2019: Ragna Guderian


Stellvertretend für die vielen tollen Shorties, die es leider nicht in die Auswahl der 15 Nominierten geschafft haben, hat Urs Cordua eine Compilation mit Ausschnitten weiterer Love-Shorties zusammengestellt:


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PS: Leider ist es uns nicht möglich, alle 619 SMS-Shorties zu veröffentlichen. Weitere 100 Lieblinge der Jury könnt Ihr aber hier sehen:
https://www.schauspielervideos.de/ecasting/ergebnis/sms-festival-2019

Und wenn Ihr möchtet, gebt doch unter diesem Beitrag einen Kommentar ab und verweist per Link auf Euren Shorty mit Eurem Namen! Bis zum nächsten SMS Self Made Shorties Festival und 1000 Dank an alle, die mitgemacht haben und mitmachen werden.

Das 5. Self Made Shorties – Festival ist eine Veranstaltung von Crew United & Schauspielervideos in Kooperation mit casting-network und Out Takes, unterstützt von Cinearte, dem Int. Filmfest München und cernodesign.
Konzeption und Beratung: ZAV Künstlervermittlung.

Glück auf für Eure Shorties im Netz!

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Die zwei Welten des Filmfest München

Ganz so einfach ist es nicht...

Nicht satisfaktionsfähig für die Bonzen: Sophie Kluges Golden Twenties

Die Rela­ti­vitäts­theorie der Kinokrise: Das bestehende deutsche Film­system ist auf ganzer Linie geschei­tert, aber die Groß­kop­ferten machen weiter. Doch das Ende des deutschen Kinos könnte sein Anfang werden.

Von Rüdiger Suchsland (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)

Es war alles wie immer beim Filmfest München: Genauso viel Fest wie Film – viel Feiern bei Weißwurst, Schweins­braten und einem zünftigen Hellen schon am Morgen beim Empfang des FilmFern­sehFonds Bayern, Minis­te­rin­nen­reden und Minis­ter­prä­si­den­ten­ver­spre­chen unter leuchtend blauem Sonnen­himmel, bis zum nächt­li­chen Absacker im Schumanns oder bei einer der vielen Premie­ren­partys.

Dazwi­schen viele Filme, auch viele gute, ein Best-Of der inter­na­tio­nalen Werke der letzten Monate, dazu rund 20 deutsche Kino­pre­mieren in der wich­tigsten Reihe, dem Wett­be­werb um den »Förder­preis Neues deutsches Kino«, wo tatsäch­lich ein paar außer­or­dent­lich gelungene deutsche Filme liefen.
Alles genauso wie schon vor 37 Jahren war, beim ersten Filmfest.

Es war aber auch nichts wie immer. Denn im deutschen Kino herrscht Krise. Krise so hart wie noch nie. Krise, die sich nicht mehr über­tün­chen lässt.
Die Zuschauer bleiben weg, Produ­zenten und Verleiher leben aus den Beständen, Kinos machen im Dutzend dicht, sogar große Kino­ketten wie gerade das Cinestar im Herzen Berlins, am Potsdamer Platz, so wie ein paar hundert Meter weiter der große X-Verleih gerade taumelt.

Viele gute Filme­ma­cher bekommen ihre Filme nicht gefördert oder gerade genug Geld, um nicht gleich bankrott zu sein.

Diese Krise geht so weit, dass man fest­stellen muss: Das bestehende deutsche Film­system ist auf ganzer Linie geschei­tert.
Es kann und wird so nicht weiter­gehen.

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Aber über allem hängt von der Krise scheinbar unberührt eine fette Glocke aus Funk­ti­onären, Förderern, Redak­teuren und Gremien. Sie lächeln, machen „Business as usual“, und wollen sich nicht einmal rheto­risch infrage stellen.
Sie sind eine Clique des bleiernen Weiter-so. Manche von ihnen bekommen mehr Geld, als die meisten Filme­ma­cher, denen sie eigent­lich zu dienen hätten, und ohne die es sie nicht gäbe.

Diese Funk­ti­onäre geben schon seit Jahren unter der Hand zu, was ihre Entschei­dungen jeden Tag beweisen: Dass sie Kunst im Kino eigent­lich nicht wollen, allen Expe­ri­menten die Luft abschnüren. Über die Jahre haben sie eine engma­schige Günst­lings­wirt­schaft entwi­ckelt, Verhält­nisse, die manche einfach korrupt finden, von denen allen­falls zwei Handvoll Adabeis profi­tieren, während die meisten anderen außen vor bleiben und unterm Tisch an den Resten nagen dürfen.

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Sehr typisch für diese Verhält­nisse war beim Filmfest die Vergabe des neuge­schaf­fenen, mit 100.000 Euro dotierten Preises für inter­na­tio­nale Co-Produk­tionen.
Schon vorher hatten viele Gäste gewettet, dass die üblichen Verdäch­tigen die Preise absahnen würden. Und gehofft, dass es doch anders kommen könnte: »Bitte nicht schon wieder Michael Weber!«, »Nur nicht Match Factory« – genau diese Sätze hatte ich von mehr als einem halben Dutzend Menschen beim Filmfest gehört.
Aber
wer gegen solche Befürch­tungen noch an das Gute in der Welt glaubte, wurde am Freitag eines Schlech­teren belehrt. Die Jury aus Verlei­hern und Produ­zenten, zeichnete mit dem Köln ansäs­sigen Welt­ver­trieb und Co-Produk­tions-Händler »The Match Factory« genau die aus, die solche Preise am wenigsten nötig haben: die reichste, etablier­teste, best­ver­netzte Firma, einen Big Player, den schon lange auf dem hohen Ross sitzt und seine Macht genüss­lich auskostet.

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Zugleich hat das Filmfest viel vor: Der Freistaat hat mehr Geld verspro­chen, und inmitten des Kinoster­bens und der Krise spricht man in München über den Bau neuer Abspiel­stätten mit Kapa­zitäten von 1500 Zuschauern und Frei­licht­kinos. Der Krise setzt man Visionen entgegen, die gar nicht unrea­lis­tisch sind in Zeiten der Krise etablierter Verwer­tungs­formen und Festivals.

Man tut beim Filmfest auch viel für die Inde­pend­ents, bemüht sich um die Pflege des echten Auto­ren­films, darum, dem Neuen, Unge­wöhn­li­chen, Unge­se­henen einen Platz zu geben und es sichtbar zu machen.

Zum Beispiel den beiden Beiträgen im Wett­be­werb um den Förder­preis: Golden Twenties von Sophie Kluge und Mein Ende. Dein Anfang von Mariko Minoguchi – für viele die beiden besten Filme des Filmfests. Aber Outsider: Ohne Besuch einer Film­hoch­schule. Ohne deren Geld produ­ziert.
Ohne Fern­seh­sender. Mit vergleichs­weise geringen Förder­mit­teln ausge­stattet. Nicht satis­fak­ti­ons­fähig für die Bonzen.

Man zeigt beim Filmfest viele solche Filme von Regis­seu­rinnen, die kaum gefördert wurden und die oft keine Film­hoch­schule besucht haben. Gut so! Hoffent­lich macht das Filmfest damit weiter und etabliert sich so als Entdecker der Trends der Zukunft.

Aber in den wichtigen Jury sitzen dann wieder die Reprä­sen­tanten der Vergan­gen­heit, die Etab­lierten, die Groß­kop­ferten, die Funk­ti­onäre, die gar kein Interesse daran haben, das Neue, Ungefügte, Wider­s­tän­dige auch noch zu prämieren.
Das wurde am Abend der Preis­ver­lei­hung belegt: Zwei Frauen und ein Mann in der Jury gaben drei Männern vier Preise. Jan-Ole Gersters Film Lara ist aus meiner Sicht zwar einer der besten Filme des Wett­be­werbs gewesen, und ein verdienter Preis­träger. Aber im Konzert der anderen Preis­kan­di­daten dieser als Nach­wuchs­preises adres­sierten Auszeich­nung, sind dieser Film und seine Macher – unge­wöhn­lich schnell und gut mit Förder- und Sender­gel­dern ausge­stattet – eine Liga für sich.

Das Gesamt­ge­füge der Preis­ver­gabe stimmte nicht. Denn alle echten Inde­pend­ents im Wett­be­werb blieben unprä­miert, die gut finan­zierten Filme bekamen auch noch das Geld und die Zusatz­auf­merk­sam­keit.
Und um das Geld, um die Aufmerk­sam­keit geht es am Ende. Beides auszu­ba­lan­cieren, Verzer­rungen nicht noch zu vers­tärken, sondern abzu­dämpfen ist Aufgabe einer Jury.

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Das Filmfest München befindet sich mit alldem in einer schi­zo­phrenen Situation. Man steht derzeit auf allen Seiten gleich­zeitig. Man will es allen recht machen.
Das wird nicht mehr lange so weiter­gehen. Schmu­se­kurs und Harmo­nie­soße mögen vielen sympa­thisch sein, und manche Konflikte abdämpfen. Der deutsche Film und sein Nachwuchs aber brauchen Ecken und Kanten, und müssen das gerade auch von einem Festival erwarten können, das den Nachwuchs fördern will. Der nur aller­erste, aber
unver­meid­liche Schritt dafür: Die Jury­zu­sam­men­set­zung muss im kommenden Jahr korri­giert werden. Es muss jüngere, mutigere Preis­jurys geben, deren Mitglieder selbst für das Wider­s­tän­dige und Nicht-Etab­lierte stehen, statt seit Jahren und Jahr­zehnten über diverse Pöstchen mit dem Beste­henden, dem auf ganzer Linie geschei­terten deutschen Film­system verban­delt zu sein.

Das Filmfest München muss sich entscheiden, auf welcher Seite es steht. Es darf sich nicht kaufen lassen von den Millionen des Frei­staats, es darf seine Seele nicht verkaufen und nicht das Kino.

Wir brauchen eine Revo­lu­tion im deutschen Film! Eine Revo­lu­tion der Filme gegen die Funk­ti­onäre, der Filme­ma­cher gegen die Amigo-Klüngel, der Film­pro­du­zenten gegen die Allianzen der Verhin­de­rung und des Weiter-So, des Kinos gegen die Streaming-Dienste, der neuen Ideen gegen die Krise.

Dann, nur dann könnte das Ende des deutschen Kinos sein Anfang werden.

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Indiefilmtalk: Filmemachen ohne Bilder

Seit zwei Jahren bringt der Podcast Indiefilmtalk Filmemacher zum lockeren Gespräch zusammen. In Folge 46 sprachen Regisseur Dominik Balkow, Schauspielerin Vivien Andree und Produzent und Schauspieler Andreas Berg über die Beziehung zwischen Regie und Schauspiel. | Foto © Yugen Yah

Seit zwei Jahren bringt der Podcast Indiefilmtalk Filmemacher zum lockeren Gespräch zusammen. In Folge 46 sprachen Regisseur Dominik Balkow, Schauspielerin Vivien Andree und Produzent und Schauspieler Andreas Berg über die Beziehung zwischen Regie und Schauspiel. | Foto © Yugen Yah

Wenn Yugen Yah nicht selbst Filme dreht, redet er darüber – übers Filmemachen. Ganz ohne Bilder und mit Gleichgesinnten: Regiekollegen, Produzenten, Schauspielern, Filmwissenschaftlern, möglichst allen in der Filmszene. Seit zwei Jahren betreibt er den Podcast Indiefilmtalk.de mit seinem Co-Host, der Theaterwissenschaftlerin und Moderatorin Susanne Braun, über die eigene Website wie über Spotify und I-Tunes.
„Alle reden gerne über Filme. Selten über das Filme machen. Und noch seltener über das, was zwischendrin passiert“, erklärt Braun auf der Website. Fast 50 Mal haben die beiden inzwischen zum lockeren Gespräch geladen, dazwischen immer mal Sondersendungen mit Paneldiskussionen von größeren Festivals oder Filmhochschulen – fast jede Woche erscheint ein neuer Beitrag. Weiterlesen

Rund eine Stunde wird da über die unterschiedlichsten Themen gesprochen: Schauspielführung etwa, die richtige Strategie bei der Festivalauswertung oder „Scheitern oder warum es vielleicht dazu gehört.“
Die Idee sei, Filmschaffende in Deutschland wieder ein wenig näher zusammen rücken zu lassen und gemeinsam zu wachsen, sagt Yah. Darum gibt’s außerdem auch immer wieder mal wieder Textbeiträge in einer eigenen Rubrik.
Wir werden die neuen Indiefilmtalks fortan regel­mäßig in cinearte vorstellen, und beginnen gleich mit der brandneuen …

Episode 50: „Please make me a real boy?“ – KI in SciFi-Filmen
Die Künstliche Intelligenz (KI) als zentrale Figur ist seit Metropolis nicht mehr aus der Filmwelt des Science-Fiction wegzudenken. Faszinierende Technik, die mit einem Roboter im herkömmlichen Sinne nicht mehr viel zu tun hat. Schneller, klüger, menschlicher – die KI entwickelt sich in den bekannten Blockbusterstreifen immer mehr zum unüberwindbaren Antagonisten.
In dieser Episode schauen wir uns auf filmwissenschaftlicher Ebene die Entwicklungsstufen der verschiedenen KI an und beschäftigen uns mit dem sogenannten Spiegelmoment – dem Moment der Bewusstseinsbildung der jeweiligen KI in ihrem Filmsetting.
Zu Gast ist Medienwissenschaftler, Regisseur und Filmkritiker Christoph Dobbitsch, der neben seiner intensiven Auseinandersetzung mit KI in modernen Hollywoodfilmen, mit uns einen kleinen gemeinsamen Blick in die deutsche SciFi-Welt wagt.

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FFG 2022 – Stellungnahmen 5: Münchner Filmwerkstatt

Die Münchner Filmwerkstatt meldet sich in der Diskussion ums nächste Filmförderungsgesetz als Stimme der Aus- und Weiterbildung zu Wort | Foto © Münchner Filmwerkstatt

Die Münchner Filmwerkstatt meldet sich in der Diskussion ums nächste Filmförderungsgesetz als Stimme der Aus- und Weiterbildung zu Wort | Foto © Münchner Filmwerkstatt

Auf der ursprünglichen Liste, wen die Staatsministerin für Kultur und Medien um Anregungen für die Gesetzesnovelle bittet, hatte die Münchner Filmwerkstatt nicht gestanden. Weil aber „der Fachkräftemangel derzeit zu den brennendsten Themen unserer Branche gehört, die Einrichtungen und Institutionen der Aus- und Weiterbildung aber keinen Verband und damit keine gemeinsame Stimme haben“, erlaube man sich dennoch einige Vorschläge.
Ganz oben: Die Weiterbildungsförderung für Filmschaffende, vor sieben Jahren gestrichen, solle wieder eingeführt werden. Das alleine werde zwar den Fachkräftemangel nicht überwinden, „aber es wird dauern, bis es zum Beispiel genügend grundständige Studiengänge an den Fachhochschulen gibt, die den Bedarf unserer Branche an qualifizierten Mitarbeitern in ,Mannschaftsdienstgraden‘ decken.“
Zudem befinde sich die Branche in einem stetigen Wandel, von der Aufnahmetechnik bis zu den Verwertungsformen – „das verlangt von allen Beteiligten laufende Aktualisierung ihres Wissens“. Gleichwohl „kann und sollte“ der berühmte Quereinstieg langfristig eine Option bleiben, auch als Bereicherung für die Teams.
Nicht die Weiterbildungsanbieter und -veranstaltungen sollen gefördert werden, sondern die Teilnahme selbst: So „entsteht Wettbewerb zwischen den Veranstaltern, der der Qualität der Weiterbildungsangebote und damit der Absolventen nur gut tun kann.“ Weiterlesen

Wo das Geld für solche Ausgaben herkommen soll, hat sich die Filmwerkstatt auch überlegt: Zurzeit kann ein Produzent bis zu eine Million Euro Produktionsförderung pro Projekt erhalten. Wenn es floppt, wird aus dem Förderdarlehen ein verlorener Zuschuß. Hat derselbe Produzent mit dem nächsten Projekt Erfolg, muss er nur die Förderung für dieses Erfolgsprojekt zurückzahlen und kann alle weiteren Erlöse behalten. „Knapp zusammengefaßt könnte man dieses System so beschreiben, daß Verluste sozialisiert und Gewinne privatisiert werden“, so die Filmwerkstatt. Ihr Vorschlag: Fördermittel müssen nicht nur aus Erlösen dieses Projekts, „sondern in einer Art Cross-Collateralization auch aus Erlösen zukünftiger erfolgreicher Projekte zurückgezahlt werden.“
Schon 2009 verschwand ein ganzer Paragraf aus dem FFG und damit gewissermaßen eine Filmform: „Gemeinsame Aufführung mit Kurzfilmen“ war bis dahin der Paragraf 20 betitelt gewesen. Er schrieb vor, daß jeder geförderte Langfilm mit einem Kurzfilm aufgeführt werden müsse. Das wurde jedoch in der Regel unterlaufen, so dass auch die Kurzfilmagentur Hamburg es als kontraproduktiv bezeichnete und andere Arten der Unterstützung anregte. Inzwischen hat das FFG drei Neufassungen erhalten, doch die Lage der Kurzfilme scheint sich nicht groß verbessert zu haben.
Für die Filmwerkstatt lag dem „schon immer ein Mißverständnis“ zugrunde: „Die Idee, Kurzfilm als Vorfilm in den regulären Kinobetrieb zu integrieren, ignoriert die Logik kommerziellen Abspiels – wieso sollten Kinobetreiber auf eine Vorstellung am Tag verzichten, wenn sie dafür keine zusätzlichen Einnahmen generieren? Auch die Abspielförderung für Kurzfilm kann daran nichts ändern – zumal deren Geld kaum einmal in den Taschen der Filmemacher ankommt und daher getrost gestrichen werden kann.“ Das Kopplungsgebot habe dennoch „sehr wohl einen positiven Effekt“ gehabt, nämlich in Form der Ankaufssummen, die von den Verleihern an die Kurzfilmproduzenten gezahlt wurden. „Diese – echte, unkomplizierte, unbürokratische, dezentrale Nachwuchsförderung spülte etwas Geld in die Kassen der Kurzfilmproduzenten und -regisseure: Geld, das in aller Regel wieder der Kurzfilmproduktion und damit der Nachwuchsförderung zugute kam. Wir plädieren daher nachdrücklich für die Wiedereinführung dieser Verpflichtung der Verleiher, eine Kurzfilmlizenz anzukaufen, wenn ein mit FFA-Mitteln geförderter Film im Kino gestartet wird.“
„Kurzfilmförderung ist vor allem Nachwuchsförderung“, ist auf der Website der BKM zu lesen, und so will es auch die Filmwerkstatt umgesetzt wissen, denn „eine kluge Nachwuchsförderung ist mittel- und langfristig ein gutes Instrument gegen den Fachkräftemangel.“ Darum brauche es „eine Kurzfilmförderung ,mit der Gießkanne‘, um möglichst viele zarte Pflänzchen zum Wachsen zu bringen – also Breiten- statt Spitzenförderung, welche das Geld auf möglichst viele Projekte verteilt. Die Technik und Produktionsmethoden für kurze Filme „ermöglichen heute, mit geringsten Budgets filmisches Talent einzuüben und unter Beweis zu stellen.“
Das widerspricht Positionen, welche die AG Kurzfilm (die im Verwaltungsrat der FFA sitzt) zumindest bisher vertreten hat. Aus Sicht der Münchner Filmwerkstatt vertritt die nicht den gesamten Kurzfilm. Denn die AG Kurzfilm bestehe „weit überwiegend“ aus Kurzfilmfestivals und -agenturen, also Verwertern, deren Interessen andere seien, nämlich „möglichst wenige, dafür möglichst herausragende (und damit eventuell auch möglichst teure) Filme.“

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FFG 2022 – Stellungnahmen 4: Bundesverband kommunale Filmarbeit

Es dauert zwar noch fast drei Jahre, bis sich der Vorhang öffnet, doch es wird bereits um die Neugestaltung der Filmförderung diskutiert. Foto: Sabine Felber

Es dauert zwar noch fast drei Jahre, bis sich der Vorhang öffnet, doch es wird bereits um die Neugestaltung der Filmförderung diskutiert.
Foto: Sabine Felber

Ein düsteres Bild schickt der Bundesverband kommunale Filmarbeit (BkF) seiner Stellungnahme voraus: Das Kino ist in der Krise! Die Kinobesuche gehen gehen zurück, vor allem beim jüngeren Publikum. Mehr Leinwände und höhere Eintrittspreise könnten den Niedergang kaum kaschieren. In vielen Städten sind Kinos gänzlich verschwunden. Es gehe daher „auch um die Kinoerfahrung selbst, die sich nicht mehr auf dem Markt behaupten kann.“ Das neue FFG müsse „im Kern die Frage beantworten, wie das Kino als Auswertungsort von Filmen aufgewertet werden kann und welchen Stellenwert das Kino im Spektrum der Auswertungszusammenhänge künftig noch einnehmen soll.“
Von Ausgrenzung und Sperrfristen hält der BkF wenig: „Die Zukunft des Kinos kann nicht prohibitiv gestaltet werden. Bestandteil eines Zukunftsszenarios könnte überdies die Frage sein, ob und wie sich die Auswertung von Filmen in Kino und Internet gegenseitig befruchten könnte.“
Dazu könnten die Kinematheken und Kommunalen Kinos einen besonderen Beitrag leisten. Der nicht-gewinnorientierte Bereich der Filmauswertung sei in Europa „durch seine erhebliche Zielgruppenbindung entweder weniger oder gar nicht von Rückgängen betroffen.“ Soll heißen: Nur das kommerzielle Kino ist in der Krise. Weiterlesen

Da frohlockt der Cineast, ehe er kurz innehält: War nicht einiges von dem, was die Kinematheken so zeigen, einst auch kommerziell? Und ist nicht auch der idealistischste Filmemacher letztlich doch dem Zwang ausgeliefert, dass ganz ohne Geld sich gar nichts mehr dreht?
Die Lehre, die der BkF aus seiner Schilderung zieht, ist freilich nachdenkenswert und könnte auch dem kommerziellen Kino nützen: neue Ideen, Nachwuchs fördern, Kurzfilme zeigen, Experimente, unterrepräsentierte Kinematografien ins Bewusstsein bringen, „kurzum Filmgeschichte ebenso wie das Kino von morgen präsentieren.“ Das Kino als Traumort und Erlebnis bewahren, wollen sie natürlich auch. „Gerade bei der Erschließung neuer Zielgruppen und der Zielgruppenbindung haben Kinematheken und Kommunale Kinos ein erhebliches Potenzial, das nicht annähernd ausgeschöpft ist.“
Bei fünf Themen sieht der BkF „besonderen Anpassungsbedarf“: Kinoprojekt- und -referenzförderung, Filmerbe, Verleihförderung und Gremienbesetzung.
Die Digitalisierung der Kinos hat viel Geld und Kraft gekostet, Es gibt einen Investitionsstau, die nächsten Aufgaben kündigen sich an, es mangelt an Fortbildungsmöglichkeiten. „BKM und FFA sollten daher jene Bundesländer, in denen noch keine eigene Investitionsförderung für Filmtheater besteht, anregen, eine solche einzuführen. Für nachhaltiges Kino sollten zusätzliche Fördertöpfe geschaffen werden.“
Als eine Art Testlauf sieht der BkF das „Zukunftsprogramm Kino“, das noch vor der parlamentarischen Sommerpause starten soll. Fünf Millionen Euro werden in diesem Soforthilfeprogramm des Landwirtschaftsministeriums den Kinos im ländlichen Raum bei Investitionen zugute kommen. Da werde sich zeigen, „ob doch auch eine Erhöhung der Kinoprojektförderung notwendig ist“, meint der Bundesverband.
In den Kriterien für die Kinoprojektförderung müsse auch auf lange Sicht analoge Technik und Fortbildung berücksichtigt werden. Große Teile der Filmgeschichte würden „nie oder nur sukzessive digitalisiert werden. Filme, die nicht gezeigt werden, sind ebenso vom Verschwinden bedroht wie jene, die physisch zerfallen.“
Die Kinoreferenzförderung für das Abspiel deutscher und europäischer Filme stimuliere die Programmarbeit der Kinos und erhalte die Vielfalt. Darum sollte sie sogar ausgebaut werden.
Beim Filmerbe kommt der BkF zu keinem guten Urteil: „Ein schlüssiges Konzept zur Umsetzung fehlt bislang. Viele der analogen Materialien in den Archiven sind vom Verfall bedroht. Filmlager werden aufgelöst und massenweise Kopien entsorgt. Es gibt bislang keinen Überblick über die Gesamtsituation der Archive, Sammlungen und Nachlässe.“ Der Fokus liege auf den großen Institutionen wie Deutsches Filminstitut oder Defa-Stiftung. Die Filmgeschichte sei aber weit verstreut, teilweise in Privatbesitz.
Der BkF fordert darum umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung, Erfassung der Archivbestände und technische und konservatorische Standards. Für alle Filme, die eine Auswertung im Kino erfahren, soll es (entsprechend der Druckmedien) eine Pflichthinterlegung im Archiv geben. Bund und Länder sollen stärker in die Verantwortung genommen werden.
Und weil angesichts dieser „komplexen Prozesse“ die Expertise der Filmarchive und Kinematheken „in den nächsten Jahren dringend gebraucht“ werde, sollte sich das auch „in der Präsenz des Kinematheksverbunds im Verwaltungsrat niederschlagen.“
Kritik gibt es auch an der Verleihförderung: Ein Film mit hohem Budget erhalte in der Regel auch eine hohe Verleihförderung. „Filme mit niedrigeren Herstellungsbudgets und geringen Marktchancen scheitern bereits an der ausschließlich wirtschaftlich orientierten hohen Eingangsschwelle für die Antragstellung, ganz gleich wie hoch deren kulturpolitischer und ästhetischer Wert ist.“ Nach Meinung des BkF würden jedoch gerade diese Filme ein besseres Verhältnis von Verleihförderung zu den erreichten Zuschauerzahlen erzielen.
Die Verleihförderung sollte nicht allein an den Verleiher, sondern anteilig an die Kinos für die lokale Vermarktung des Films gehen, wie es die Europe Media Selective Distribution-Förderung vormacht.
Mit je einer Stimme in Verwaltungsrat und Kinokommission siehtt sich der BkF gut vertreten. Allerdings solle die Kinokommission nach den Regeln von 2014 besetzt werden, „damit die Vertretung aller drei Kinoverbände garantiert ist.“
Außerdem sollten in den Verwaltungsrat Vertreter*innen von drei weiteren Verbänden aufgenommen werden: AG Verleih, Verband der deutschen Filmkritik und Kinematheksverbund.

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FFG 2022 – Stellungnahmen 3: Crew United

„Soziale und ökologische Nachhaltigkeit jetzt!“ fordert die Branchenplattform Crew United. Oder einfacher gesagt:  Die Agenda 2030 gilt auch für die Filmbranche. | Foto © Archiv

„Soziale und ökologische Nachhaltigkeit jetzt!“ fordert die Branchenplattform Crew United. Oder einfacher gesagt:  Die Agenda 2030 gilt auch für die Filmbranche. | Foto © Archiv

Das Filmförderungsgesetz (FFG) prägt die deutsche Filmkultur und Filmwirtschaft, der Gesetzgeber schafft damit den gesetzlichen Rahmen und beauftragt die Filmförderungsanstalt (FFA) mit der Umsetzung. Eine Novellierung des FFG muss mit den kultur-, gesellschafts- und umweltpolitischen Zielen der Bundesregierung übereinstimmen.

Eines der wichtigsten Zielsysteme, denen sich die Bundesregierung verpflichtet hat, sind die 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030, die „Sustainable Development Goals“. Sie richten sich an Regierung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die deutsche Filmbranche ist bei sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit leider nicht Vorreiter, sie hinkt vielmehr weit hinterher: Studien weisen auf die drohende Altersarmut vieler Filmschaffender hin; Projektarbeiter*innen (insbesondere Solo-Selbstständige) fallen durch das soziale Netz; Diesel-Generatoren sind der Standard an Filmsets; der Gender Pay Gap ist bittere Realität vieler weiblicher Filmschaffender. Weiterlesen

Gesundheit und Wohlergehen, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit, weniger Ungleichheit, keine Armut, nachhaltige Produktion und Klimaschutz sind globale Ziele, die mit der FFG-Novellierung für die Filmbranche konkretisiert und spezifiziert werden müssen. Die Filmbranche betreibt aktuell Raubbau am Menschen und an der Umwelt. Die FFA und andere Filmförderungen fördern sozial- und gesellschaftskritische Filmwerke, gleichzeitig reproduziert das Fördersystem selbst soziale Mißstände und begünstigt prekäre Arbeit. 

Obwohl ein Hinwirken auf sozialverträgliche Arbeitsbedingungen als gesetzliche Aufgabe der FFA bereits seit der letzten FFG-Novelle verankert ist, hat die FFA im Bereich soziale Nachhaltigkeit bis heute nichts unternommen. Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit und die Pflicht, diese Mißstände mit der FFG-Novellierung zu verändern.

Die Branchenplattform Crew United macht mit dieser Stellungnahme zur FFG-Novellierung konkrete Vorschläge zur Stärkung der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit in der Filmbranche. 

Mit acht Kernforderungen zeigt Crew United konkrete Möglichkeiten für den Gesetzgeber und die FFA die Filmbranche sozial und ökologisch nachhaltig zu entwickeln. Crew United ist eng verbunden mit der Initiative „Zukunft Deutscher Film“ und sieht in den „Frankfurter Positionen zur Zukunft des Deutschen Films“ Forderungen zur Stärkung der Filmkultur, welche die eigene Stellungnahme ergänzen. Über folgende Frage lohnt sich ein Nachdenken: Führt eine sozial und ökologisch nachhaltige Filmproduktion langfristig nicht auch zu einer wirtschaftlich und kulturell erfolgreichen Filmbranche? Einfach weil Talent die entscheidende Ressource ist, die wir für die Branche begeistern und an sie binden sollten?

Umgekehrt funktioniert es auf jeden Fall nicht: Gut ausgebildete Absolvent*innen von  Filmhochschulen, deren Ausbildung sechsstellige Summen gekostet hat und die dann die Branche verlassen, weil sie keine Chance erhalten sich künstlerisch zu verwirklichen und/oder aus ihrer Passion ein funktionierendes Arbeits- und Lebensmodell zu machen, sind weder kulturell noch ökonomisch nachhaltig.

1. Nachhaltigkeit braucht Mindeststandards!

Wir fordern, dass für Projekte, die mit Mitteln der FFA, des DFFF und des GMPF gefördert werden, die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards auf Basis bestehender Gesetze und ­Tarifverträge durchgesetzt wird. Darüber hinaus müssen in einem Branchendialog Standards entwickelt werden, die den spezifischen Arbeitsformen der Film- und Fernsehbranche gerecht werden.

Begründung: Die FFA vergibt Mittel auf gesetzlicher Grundlage des FFG. Mit der Vergabe dieser Mittel geht aus unserer Sicht eine ethische, soziale und ökologische Verantwortung einher, welche die FFA bisher nicht wahrnimmt. Die zunehmende Prekarisierung von Film- und Fernsehschaffenden in Deutschland ist hinreichend belegt, die dringende Handlungsnotwendigkeit im Bereich Klimaschutz ist nur noch bei realitätsfernen Gruppen umstritten. Projekte, die durch FFA gefördert werden, sollten auf soziale und ökologische Mindeststandards verpflichtet werden. 

Zudem braucht es eine in Richtlinien mündende Verständigung darüber, was sozialverträgliche Arbeitsbedingungen und ökologische Standards in der Filmwirtschaft sind. Bei einer Förderung durch das Österreichische Filminstitut ist die Kalkulation kollektivvertraglicher Mindestgagen als Fördervoraussetzung beispielsweise in den Richtlinien definiert. 

Eine tragfähige und wirkungsvolle Festschreibung kann nur auf Grundlage eines gemeinsamen Konsenses entstehen, hierbei sollte neben den Sozialversicherungsträgern, den Vertretern der Gewerke, der Produzenten und Förderer auch die Wissenschaft beteiligt werden. 

Ein Nationaler Grüner Drehpass sollte gemeinsam mit der Branche entwickelt werden und verpflichtende ökologische Mindeststandards definieren.

2. Nachhaltigkeit braucht Dialog!

Wir fordern die Gründung eines FFA-Ausschusses für soziale und ökologische Nachhaltigkeit.

Begründung: In den Strukturen der FFA braucht es einen verbindlichen Raum für den Austausch zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit und eine Verortung des Themas als Querschnittsaufgabe der FFA. Es ist nicht ausreichend Nachhaltigkeit als Randthema in anderen Ausschüssen zu besprechen, eine Nachhaltigkeitsstrategie der FFA ist bisher nicht ersichtlich. Der Ausschuss für soziale und ökologische Nachhaltigkeit sollte die Berufsverbände und Interessenvertretungen der Filmschaffenden beteiligen und auch Kompetenz aus anderen Branchen der Kultur- und Kreativwirtschaft und der Wissenschaft integrieren. Die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie für die Filmbranche, die Nachhaltigkeit nicht nur behauptet, sondern auch selbst lebt, kann nur partizipativ gemeinsam mit der Branche geschehen. Der Ausschuss sollte in Folge auch beauftragt werden, Nachhaltigkeitsrichtlinien für die Förderkommissionen zu entwickeln.

3. Nachhaltigkeit braucht Ressourcen!

Wir fordern, mindestens zwei Prozent des Jahresbudgets der FFA für Fördermaßnahmen zur Stärkung der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit zu reservieren und zwei Vollzeitstellen innerhalb der FFA für diese Themen zu schaffen.

Begründung: Die Jahre seit der letzten Novellierung haben gezeigt, dass die Zuweisung von Aufgaben an die FFA ohne hinterlegte personelle und finanzielle Ressourcen keinen Fortschritt bringt. Nach Paragraf  159 FFG sind bis zu 10 Prozent der Einnahmen für die Erfüllung der Aufgaben nach Paragraf  2 FFG zu verwenden. Wir empfehlen hier zusätzlich einen Mindestanteil von zwei Prozent für Nachhaltigkeitsprojekte zu definieren und zu prüfen, ob die von der FFA verwalteten DFFF- und GMPF-Budgets in die Berechnung einbezogen werden können. Die Bedeutung und der Wert von Nachhaltigkeit für die Zukunft unserer Gesellschaft muss sich finanziell in der Budgetaufteilung der FFA widerspiegeln.

4. Nachhaltigkeit braucht Transparenz!

Wir fordern die Ausweitung der Berichtspflichten von Förderempfängern zu Aspekten sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit sowie eine verpflichtende CO2-Bewertung geförderter Projekte und die Einführung von Stichprobenkontrollen durch die FFA.

Begründung: Für die Bewertung und Steuerung von Nachhaltigkeit in der Filmbranche braucht es ein kontinuierliches Monitoring sozialer und ökologischer Themen mit einer einheitlichen, verlässlichen und breiten Datenbasis. Das Kalkulationsschema der FFA ist Branchenstandard und wird zum Beispiel von regionalen Filmförderungen adaptiert. 

Diesem Vorbild folgend, sollte die FFA eine Nachhaltigkeitsbewertung für Filmprojekte und Kinos entwickeln und als Branchenstandard etablieren. Dabei erscheint es sinnvoll, bei Antragstellung verpflichtend einen Katalog der geplanten Maßnahmen abzufragen, über deren Umsetzung Förderempfänger bei Förderabrechnung zu berichten haben. Damit verbunden sollte eine verpflichtende CO2-Bewertung geförderter Projekte (ex ante/ex post) sein. Ziel muss sein, Lernprozesse bei den Fördernehmern auszulösen, öffentlich verfügbare Best Practices aufzubauen und wiederholte Verfehlungen gegebenenfalls auch zu sanktionieren. 

Die aktuell in Paragraf 67 (11) FFG formulierte Informationspflicht des Filmherstellers gegenüber der FFA ist insofern nicht ausreichend, als es natürlich nicht nur darum gehen kann, ob ein Branchentarifvertrag oder vergleichbare soziale Standards „anwendbar sind“, sondern ob und welche sozialen und ökologischen Maßnahmen rückblickend auch wirklich angewendet wurden. 

Zu prüfen wäre auch eine Ausweitung der Transparenzpflichten der FFA hinsichtlich Förderentscheidungen. Die Argumentation der FFA, dass Stichprobenkontrollen zu aufwendig beziehungsweise zu kompliziert sind und personell nicht geleistet werden können, greift aus unserer Sicht nicht. Die Stichproben können einerseits (wie andere Schlussprüfungen) an eine Prüfungsgesellschaft ausgelagert beziehungsweise mit dieser kombiniert werden, zudem kann auch für eine Nachhaltigkeitsbewertung von geförderten Projekten ein standardisiertes Verfahren ähnlich wie bei der Prüfung von Regionaleffekten, deutschen Herstellungskosten oder kulturellem Eigenschaftstest entwickelt werden.

5. Nachhaltigkeit braucht Anreize!

Wir fordern Filmpreise für Fairness, Nachhaltigkeit, Gendergerechtigkeit oder Diversität wie zum Beispiel den FairFilmAward Fiction/Non-Fiction in die Referenzpunkteliste der FFA aufzunehmen.

Begründung: Der Erfolgsbegriff nach Paragraf 73 (2) FFG bedarf einer Nachjustierung. Der Erfolg eines Films sollte sich nicht nur am wirtschaftlichen Zuschauererfolg oder am künstlerischen Erfolg bei international bedeutsamen Festivals und Preisen bemessen, sondern auch an seiner erfolgreichen (im Sinne von nachhaltigen) Filmherstellung. Es sollte für Filmproduzenten ein Anreizsystem geschaffen werden, Filmwerke nachhaltig herzustellen.

6. Nachhaltigkeit braucht Expertise!

Wir fordern, Filmprojekte vor den Sitzungen der Förderkommissionen durch eine*n Sachverständige*n nach sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit beurteilen zu lassen und den Kommissionen fachliche Expertisen an die Hand zu geben.

Begründung: Die rotierenden Förderkommissionen beurteilen Filmprojekte vor allem nach wirtschaftlichen und künstlerischen Gesichtspunkten. Die Kompetenz, die Informationen und die Zeit zur Beurteilung nach sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit sind bei der Vielzahl eingereichter Projekte häufig nicht vorhanden.

Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg hat mit der Vorprüfung von Projekten durch eine*n Herstellungsleiter*in ein erfolgversprechendes Pilotprojekt gestartet, das ausgeweitet und von der FFA adaptiert werden sollte.

7. Nachhaltigkeit braucht Diversität und ­Gendergerechtigkeit!

Wir fordern die Einführung von Diversitätsstandards nach internationalem Vorbild und die Einführung einer Geschlechterquote vor und hinter der Kamera. Wir fordern, dass mindestens die Hälfte der Filmfördergelder an Projekte geht, in denen Frauen verantwortlich vertreten sind.

Begründung: Chancengleichheit, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Elternhaus und Hautfarbe muss Selbstverständlichkeit werden und ist eine Grundbedingung der Demokratie. Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund sind in der Filmbranche unterrepräsentiert, ihnen sollte der Zugang zur Branche erleichtert werden. 

Wir zitieren in diesem Punkt die Forderungen des Bundesverbands Regie und ProQuote Film, schließen uns diesen an und sehen die Diversity Standards des British Film Instituts und die Gender Equality Strategy von Eurimages als wichtige Referenzpunkte. Die Fördergremien, der Vorstand und das Präsidium der FFA sollen mit ihrer geschlechterparitätischen Besetzung dazu beitragen, dass Geschichten, die diverser und gendersensibler erzählt werden, gefördert werden. 

Für uns sind Geschlechtergerechtigkeit und Diversität untrennbare Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kinofilmbranche, denn nur so können neue Perspektiven, Diskurse, Dramaturgien und Erzählformen entstehen.

8. Nachhaltigkeit braucht gute Arbeit für Alle!

Wir fordern, die gesetzlichen Regelungen zu Sozialverträglichkeit auf alle Formen projektbasierter Arbeit auszuweiten und zum Beispiel Freelancer, Solo-Selbstständige und hybride Arbeitsformen zu berücksichtigen. Wir fordern eine Aus- und Weiterbildungsstrategie, um Projektpersonal in der Filmbranche nachhaltig zu entwickeln.

Begründung: Der Verweis auf den Tarifvertrag ist ein mögliches, aber kein hinreichendes Kriterium für sozialverträgliche und nachhaltige Arbeit. Dies gilt einerseits deshalb, weil der Anteil tarifgebundener Unternehmen laut Produzentenstudie 2018 nur bei zirka einem Fünftel der am Markt agierenden Produktionsunternehmen liegt, und andererseits, weil nur ein Teil der Beschäftigungsformen in der Filmbranche durch einen Tarifvertrag geregelt werden kann. Der Anteil an Freelancern und Solo-Selbstständigen ist in der Branche (wie in allen kreativen Branchen) überdurchschnittlich hoch. 

Die Filmbranche darf als Teil der Kreativwirtschaft daher nicht nur als Vorreiter in Punkto innovativer, sinnerfüllter und selbstbestimmter Arbeit politisch gepriesen werden, es liegt auch in der Verantwortung des Gesetzgebers, gute und nachhaltige Rahmenbedingungen für Arbeit zu organisieren. Konkret darf sich die Aufgabe der FFA nach Paragraf 2 Ziffer 9 FFG auf sozialverträgliche Bedingungen hinzuwirken nicht nur auf Arbeitnehmer als „beschäftigtes Personal“ beziehen, sondern muss unbedingt auch Freelancer und Solo-Selbstständige als „beauftragtes Personal“ berücksichtigen. 

Der aktuelle Fachkräftemangel bei Filmschaffenden macht deutlich, dass die junge Generation bei der Wahl von Ausbildung oder Studium Film und Medien nicht mehr automatisch auf Platz 1 setzt. Zudem zeigt sich, dass die Branche dabei versagt hat, eigene Ausbildungsstrukturen aufzubauen, Projektpersonal zwischen den Filmprojekten kontinuierlich weiterzubilden und Menschen in der Branche nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen – und sie nicht zu verbrennen.

 

 

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2. FairFilmAward Non-Fiction: Der Gewinner

Die Veranstalter, Laudator Thomas Frickel und alle Nominierten des 2. Fair Film Awards Non Fiction| Foto © DOK.fest München

Die Veranstalter, Laudator Thomas Frickel und alle Nominierten | Foto © DOK.fest München

Am 9. Mai 2019 wurde Kooperation mit dem DOK.fest München, mit Unterstützung der Pensionskasse Rundfunk und im Namen zahlreicher Branchenverbände zum zweiten Mal der FairFilmAward Non-Fiction verliehen. Er zeichnet die Produktionsfirma aus, welche die fairsten Produktions- und Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Dokumentarfilmen in den letzten zwölf Monaten ermöglichte.

Der Fair Film Award Non Fiction 2019 geht an die Ifage Filmproduktion! Herzlichen Glückwunsch!

Die Jury waren die Filmschaffenden selbst, die mit diesen Produktionsfirmen gearbeitet haben. Eine Bewertung setzt sich aus jeweils sieben Teilnoten zu folgenden Bereichen zusammen: Vertrag, Gagen und Entgelte – Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz – Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und Diversität – Kommunikation und Arbeitsklima – Professionalität und Qualifizierung – Nachhaltigkeit, Solidarität und Perspektiven – Umgang mit Protagonist*innen.

Die detaillierten Kriterien sind hier veröffentlicht: https://www.crew-united.com/downloads/fairness/FFA_Non-Fiction_2019_Kriterien.pdf

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FFG 2022 – Stellungnahmen 2: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband

Kino für alle! Zwar müssen geförderte Filme auch in einer Fassung mit Audiodeskription zur Verfügung stehen, doch nicht alle Systeme funktionieren überall. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband fordert darum eine kinounabhängige Lösung via App. | Foto © Sabine Felber

Kino für alle! Zwar müssen geförderte Filme auch in einer Fassung mit Audiodeskription zur Verfügung stehen, doch nicht alle Systeme funktionieren überall. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband fordert darum eine kinounabhängige Lösung via App. | Foto © Sabine Felber

Paragraf 47 schreibt es vor: Filme, die für Produktion oder Digitalisierung gefördert werden, müssen bei der Kinopremiere auch in einer barrierefreien Fassung vorliegen. Bei Verleih- und Kinoförderung wird das FFG noch strenger: Die barrierefreien Fassungen müssen „in geeigneter Weise und in angemessenem Maße zugänglich gemacht werden.“ Als hätten es die Verfasser schon geahnt, wo es bei der Umsetzung ihres Gesetzes knirschen wird.
Der Paragraf habe Wirkung gezeigt, meint der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV): Es gebe mehr Filme mit Audiodeskription, und darunter nicht nur Förderprojekte. Bloß: Sie sind nicht ohne weiteres zu hören. Weiterlesen

52 Filme habe die FFA im vorigen Jahr gefördert (die Zahl haben wir nicht überprüft, sie kommt aber auf den ersten Blick hin und soll eh nur die die Größenverhältnisse illustrieren). 30 davon machten ihre barrierefreie Fassung über ein kinounabhängiges Wiedergabesystem zugänglich, die App „Greta“. Die anderen 22 geförderten Filme hatten zwar über eine Audiodeskription, die sei jedoch nutzlos, meint der DBSV. Nach seinen Recherchen gebe es in ganz Deutschland lediglich etwa 20 Kinos, die über eine kinoabhängige Wiedergabemöglichkeit der Audiodeskription verfügen, und diese Kinos zeigten „nur einen Bruchteil der FFA-geförderten Filme“. „Ein Großteil“ dieser Betreiber nutze das „Cinema-Connect-System“ nicht für barrierefreie, sondern für fremdsprachige Fassungen.

Die kinounabhängige Lösung scheint dem Verband daher die praktischere und soll entsprechend in Paragraf 47 aufgenommen werden. ­Zugleich soll (wie bei allen folgenden Verwertungsstufen) die barrierefreie Fassung nicht nur auf einer Version, sondern allen Endkopien vorliegen.
Zudem soll definiert werden, was überhaupt ein barrierefreies kinounabhängiges Übertragungssystem im Sinne des FFG ist (für Begriffsbestimmungen hat das Gesetz den langen Paragraf 40 reserviert).

Das alles ermögliche nicht nur Sehbehinderten „eine deutliche Verbesserung ihrer Teilhabemöglichkeiten“, sondern ist nach Meinung des Verbands auch Arbeit an der Zukunft: Die Lebenserwartung steigt, die Kinobesucher werden immer älter: „Wenn also die deutsche Filmindustrie ihre Angebote auch in der Zukunft einem möglichst großen Publikum anbieten möchte, dann führt gar kein Weg daran vorbei, Barrierefreiheit strukturell mitzudenken und flächendeckend umzusetzen.“

Fortsetzung folgt.

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FFG 2022 – Stellungnahmen 1: Zukunft Deutscher Film und Hauptverband Cinephilie

Bewegte Bilder erreichen ihre Zuschauer inzwischen auf vielen Wegen. Das Kino bleibt für viele aber immer noch mehr als eine bloße ­Abspielstätte, sondern die Heimat der Filme und magischer Erfahrungsort. | Foto © cinearte

Bewegte Bilder erreichen ihre Zuschauer inzwischen auf vielen Wegen. Das Kino bleibt für viele aber immer noch mehr als eine bloße ­Abspielstätte, sondern die Heimat der Filme und magischer Erfahrungsort. | Foto © cinearte

Gemeinsam äußern sich zwei Initiativen, die die Kunst im deutschen Kino (und das Kino überhaupt) bewahren wollen. Die „Zukunft Deutscher Film“ hatte vor einem Jahr die „Frankfurter Positionen“ formuliert, auf die sich auch der „Hauptverband Cinephilie“ stützt, der sich während der diesjährigen Berlinale gründete.

Wer beide Male aufmerksam zugehört hatte, kennt die Forderungen. Die „Frankfurter Positionen“ wollen bekanntlich sehr vieles ganz anders machen als bisher. Und so ist auch die Stellungnahme mit zehn A4-Seiten ein Vielfaches länger als die der anderen Interessengruppen. Wir konzentrieren uns hier auf die ganz dicken Pinselstriche (was die kleineren Tupfer nicht weniger wichtig macht) – allen voran jene, die künstlerische Kriterien bei der Förderung zu stärken.

Das stehe „gerade nicht im Gegensatz zu einer wirtschaftlichen Herangehensweise“, behaupten die Verfasser, „denn künstlerisch eigenständige Filme sind nicht wirtschaftlich weniger aussichtsreich.“ Jedenfalls nicht automatisch: In der Produktionsphase wirken sich Budget und Fördermittel vielleicht auf die Qualität eines Films aus – ein Kassenerfolg muss er deshalb nicht unbedingt werden. Anders im Vertrieb: Je höher das Werbebudget, desto mehr Zuschauer. Ihre Forderung würde also die Chancengleichheit an der Kinokasse wahren, meinen die Initiativen. Weshalb „mindestens 50 Prozent der Förderung“ sich an künstlerischen Kriterien orientieren solle. Und zwar „durch alle Förderungen in Deutschland hindurch“.  Weiterlesen

Ob damit alle Förderinstitutionen oder Förderarten gemeint sind, liest sich nicht eindeutig heraus, ist aber letztlich wohl auch egal, denn die Frankfurter und die Cinephilen folgen insgesamt einen „ganzheitlicheren“ Ansatz: Gerne hätten sie einheitliche Förderregularien für Bund und Länder und wollen Regionaleffekte abschaffen, weil die nur „zur gegenseitigen Kannibalisierung der regionalen Filmwirtschaften führen und den Produktionsalltag praktisch immens erschweren.“

Bei den Förderarten bemängeln sie, dass sich Filmförderung bislang stark auf die Produktion von Filmen konzentriert habe, und zu wenig auf Stoffentwicklung und Vermarktung. Die Folgen: Oft müssten auch unausgereifte Projekte verwirklicht werden, weil nur so die Investitionen amortisiert werden könnten. Und diese halbgaren Projekte finden dann nur wenige Zuschauer, weil auch kein Geld da ist, um für sie zu werben.

Mindestens 10 Prozent ihrer Fördermittel soll die FFA darum in Drehbuchförderung und -Fortentwicklung stecken. Dazu soll die Entwicklungs-Förderung um strukturelle Förderung erweitert und eine anonymisierte Stoffentwicklungs-Förderung eingerichtet werden – auch wieder im Gedanken der Chancengleichheit, der sich ebenfalls durchs gesamte Konzept zieht.

Darum soll auch die Verleihförderung auf 100.000 Euro begrenzt werden. Daneben sollte es (nach französischem Vorbild) eine strukturelle Förderung für unabhängige Verleiher geben, die sich für künstlerisch wertvolle Filme einsetzen. 

Für die Produktion soll der Eigenanteil abgeschafft werden – und damit die Notwendigkeit, einen Sender dazuholen zu müssen, was wiederum gerade für künstlerische Film mit niedrigen bis mittleren Budgets die Wettbewerbsfähigkeit erhöhe. Ein erster Schritt könne sein, die Deckelung der öffentlichen Förderhilfen auf 50 Prozent zu beenden.

Letzteres wäre nicht unbedingt nötig, denn das FFG (wie auch die Richtlinien von Regionalförderern) halten den Deckel eh nur locker auf dem Fördertopf. Paragraf 67, Absatz 2: Bei „schwierigen Filmen“ könne man eine höhere Förderintensität zulassen. Was diese schwierigen Filme sein sollen, ist im Amtsblatt der Europäischen Union vom 26. Juni 2014 [Ziffer 140] recht weiträumig umschrieben: „Kurzfilme, Erst- und Zweitfilme von Regisseuren, Dokumentarfilme, Low-Budget-Produktionen oder sonstige aus kommerzieller Sicht schwierige Werke.“ Wieviel höher da die  Förderintensität sein darf, legt das FFG nicht fest. Der Spielraum ist damit grenzenlos. Denn genau genommen, erklären gleich zwei Regionalförderer unter vier Augen, seien ja die meisten deutschen Produktionen „schwierige Filme.“ 

Ein weiterer Schritt: Mindestens 30 Prozent des Budgets soll für den Erstförderer angesetzt werden, um Geklecker bei Filmen zu vemeiden, an die sich keiner so recht rantraut, wegen künstlerischem Anspruch und Kassenerfolg und so.

Und schließlich sollen die Handlungskosten und Produzentenhonorare „auf europäischen Standard“ von 10 beziehungsweise 5 Prozent angehoben werden, um die Produzent*innen zu stärken.

Das nicht weniger Wichtige im Schnelldurchlauf: Transparente Entscheidungsverfahren, deren  Kriterien und Spruchpraxis einsehbar sind. Rotierende Mini-Jurys aus drei Fachleuten für Entwicklungs- und Produktionsförderung. Sozialverträgliche Arbeitsbedingungen, seit der letzten Novelle noch unerledigte Aufgabe der FFA, sollen durch angemessene höhere Förderbeträge sichergestellt werden. Und: Die Hälfte der Fördermittel soll an Projekte gehen, bei denen Frauen „entweder in der Produktion, Regie oder im Drehbuch verantwortlich mitwirken“. Da scheinen sich die Verfasser verkalkuliert zu haben, denn über eine solche Quote dürften sich sogar jene freuen, die schon freiwillige Selbstverpflichtungen für eine Zumutung halten: Nur eine von drei Positionen muss weiblich besetzt sein, und das auch nur bei der Hälfte der Filme – macht 17 Prozent Frauenanteil in diesen Schlüsselpositionen. 

Dem Kino als Abspielort, Begegnungsstätte und Brutkasten der Filmliebe gilt die besondere Aufmerksamkeit: Wo sie Orte der Filmkultur sind, hätten sie meist „gar nicht die Chance, einen publikumsträchtigen Film zu buchen und werden als Startkino übergangen oder sie werden mit unrealistischen Anforderungen konfrontiert.“ Das zwinge cinephile Kinos „in eine Abspiel-Nische, in die sie selbst „im Hinblick auf die sinnvolle Mischprogrammierung gar nicht wollen“.

Die Entscheidung zwischen „Kunst“ und „Kommerz“ ist also keine ganz so freie Entscheidung. Wo Kinos solche Orte der Filmkultur sind, bräuchten sie Grundförderung, meinen die Initiativen. Mit Kinoprogrammpreisen allein lasse sich das nicht ausgleichen; sie seien dafür zu niedrig dotiert und wirkten nicht nachhaltig. Ähnliche Probleme hätten auch die kommunalen Kinos, deren kommunale Förderung meist bei weitem nicht ausreicht.

Unbemerkt kratzen die beiden cinephilen Initiativen da an einer grundsätzlichen Frage: ­Wieso eigentlich fördert die FFA den Verleih von Filmen, die einem Teil der Branche gezielt vorenthalten werden, um einem anderen Teil der Branche Wettbewerbsvorteile zu verschaffen? 

Fortsetzung folgt.

 

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Eine Weltsprache

Programmleiter Krystof Zlatnik (rechts) und Festivalorganisator Paul Andexel (Mitte) wollten dem „verschmähten deutschen Genrefilm“ eine Heimat geben und positionierten sich mit Namen, Logo und Termin unübersehbar gegen Deutschlands größtes Filmfestival. In der sechsten Ausgabe sei die Genrenale nun erwachsen geworden und suchte sich einen neuen Termin: am Wochenende, an dem der „Deutsche Filmpreis“ verliehen wird. | Foto © Genrenale

Programmleiter Krystof Zlatnik (rechts) und Festivalorganisator Paul Andexel (Mitte) wollten dem „verschmähten deutschen Genrefilm“ eine Heimat geben und positionierten sich mit Namen, Logo und Termin unübersehbar gegen Deutschlands größtes Filmfestival. In der sechsten Ausgabe sei die Genrenale nun erwachsen geworden und suchte sich einen neuen Termin: am Wochenende, an dem der „Deutsche Filmpreis“ verliehen wird. | Foto © Genrenale

Herr Andexel, die Genrenale hat einen neuen Termin – weg von der Woche vor der Berlinale in den Frühling. Was steckt dahinter?

Wir haben uns nun fünf Jahre lang parallel zur Berlinale für mehr Genre im deutschen Film eingesetzt und eine bekannte Marke geschaffen. Wir waren selber überrascht, wie groß und bekannt die Genrenale in den letzten Jahren wurde. Aber die Berlinale-Zeit ist Fluch und Segen zugleich: Auf der einen Seite ist fast jeder in Stadt, alle haben eine Affinität zum Thema Film, und das Publikum läßt sich treiben. Wir hatten etliche Besucher, die auf der Berlinale keine Tickets mehr bekommen haben und dann zu uns gekommen sind und sich vom deutschen Genrefilm und unserer Mission haben inspirieren und mit treiben lassen. Aber speziell viele Branchenvertreter hatten einfach einen engen Zeitplan, und somit war es ihnen selten möglich, auch mal aktiv zu uns zu kommen.
Hinzu kommt, dass die gesamte Presse-Situation während der Berlinale für uns nie die optimale war und viele potenzielle Partner sich einfach ihre Hände nicht schmutzig machen wollten und konnten, wenn sie nun statt der großen Berlinale Geld und Unterstützung für die kleine, etwas wilde Genrenale geben. Und hinzu kam auch der Punkt, dass meine Tochter im Februar Geburtstag hat und der Umfang der kindlichen Geburtstagsparties auch von Jahr zu Jahr steigt. Somit war der Februar speziell für mich auch immer ein extrem anstrengender Monat, sodass wir uns schon vor Jahren die Frage gestellt haben, ob es nicht eine Idee wäre, einmal konsequent den Termin zu verändern und zu schauen, ob die Genrenale nicht sogar an einem eigenständigeren Termin, speziell an einem Wochenende, funktionieren könnte.
Also haben wir nach unserem Jahr Pause vergangenes Jahr entschlossen, es nun einmal zu versuchen und haben uns speziell das Wochenende des „Deutschen Filmpreises“ heraus gesucht, weil es da dann trotzdem wieder etwas zu feiern gibt, fast jeder in der Stadt ist und wir das Thema Deutscher Genrefilm so richtig feiern und die Notwendigkeit thematisieren können. Weiterlesen

Ihr Festival will dem „verschmähten deutschen Genrefilm“ einen Platz geben, steht auf der Website. Wir sprachen vor zwei Jahren ausführlich darüber. Hat sich nicht inzwischen viel geändert? Zumindest im Serienboom schlagen sich deutsche Produktionen wacker mit „Genre-Stoffen“.

Absolut. Insbesondere der Einzug der amerikanischen Streamingplattformen in den deutschen Markt und der damit auftretende Konkurrenzdruck haben dazu geführt, dass sich auch die Denke bei deutschen Pay-TV-Sendern und auch TV-Sendern nach und nach wandelt und man das internationale und markenbildende Potenzial von Genrestoffen erkannt hat. Es ist plötzlich mehr Mut bei Entscheidern und Geldgebern vorhanden, nicht nur auf seichte vertraute Formate zu setzen, sondern mit neuem Geld und neuen Zielen gezielt in Genrestoffe oder zumindest Genre-Ästhetik zu investieren. Serien wie „Dark“ oder „Bad Banks“ können da genannt werden. Und es stehen viele weitere deutsche Genre-Serienprojekte in den Startlöchern oder befinden sich in der Entwicklung – ob nun die Alien-Invasion-Serie „Spides“, das Horrordrama „Hausen“, die Mystery-Serie „Souls“, Tech-Thriller wie „Biohackers“ oder Post-Apokalyptisches wie „Tribes of Europe“, um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Sind damit Ihre Ziele nicht tatsächlich erreicht?

All das ist aber immer noch nur ein guter Anfang, der Mut macht, aber auch verlangt, erst recht weiterzumachen. Und das wird keine Selbstverständlichkeit. Die allergrößte Menge an Stoffen und Projekten bei öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern als auch im deutschen Kino folgt noch völlig selbstverständlich den althergebrachten Mustern. Das massiv etablierte System von belanglosen und auch ästhetisch eintönigen Krimi-Reproduktionen, Heimatnostalgie und in großem Maße unterfinanzierten und unerfolgreichen Komödchen und Dramen im Kino hält sich weiterhin aufrecht. Bis Genrefilme und -serien eine Selbstverständlichkeit in Deutschland sind, wird es noch länger dauern.
Und dazu gehört auch ein etabliertes, routiniertes Wissen bei Autoren, Regisseuren und Produzenten, wie Genre erzählt und ästhetisiert wird. Um gerade auch international mithalten zu können, braucht es viel mehr Talente, Ausbildung, Wissen und genre-kulturelle Bildung, um den erhofften steigenden Bedarf an Qualität dann auch decken zu können. Genre als Erzählform entwickelt sich ständig weiter. Die Frage ist also nicht nur, in Sachen Idee, Stoffauswahl, Ästhetik und Finanzierung nicht nur irgendwann den Anschluss zu finden, sondern auch über die nächsten Jahre mithalten oder vielleicht sogar eigene Impulse aus Deutschland heraus setzen zu können.

Sie haben auch große Namen der Filmindustrie fürs Genre begeistern können: Arri Media ist mit einem Pitch, Avid mit einem Panel dabei.

Arri Media und Avid sind nicht erst Partner seit diesem Jahr, sondern stehen uns nun schon seit einigen Jahren als wichtige und leidenschaftliche Partner zur Seite, worüber wir sehr dankbar sind. Wir alleine als Einzelpersonen Paul Andexel und Krystof Zlatnik mit einer kleinen Gruppe von jungen Filmemachern werden das System und das Bewusstsein nicht verändert bekommen, da braucht es schon strategische und leidenschaftlichen Partner an der Seite, damit man langfristig mehr erreichen kann. Der Arri Media Genre Pitch hat sich mittlerweile zu einem bekannten Pitch entwickelt, wir erhalten knapp 130 Einreichungen aller Genre-couleur. Und speziell der Pitch zeigt immer wieder, dass das fehlende Genre im Deutschen Film nicht zwangsläufig damit zusammenhängt, dass Stoffe und Ideen fehlen. Die Autorenschaft ist quicklebendig, wild und hat unglaublich gute und vielseitige Ideen. Es scheint also vorrangig an anderen Stellen zu mangeln …

Veranstaltet wird die Genrenale ja durch Filmemacher, die sich außerhalb des Systems sehen: „Mitreißende und emotionale Unterhaltungsfilme“, die sie selbst eins fürs Kino entflammt hatten, seien in Deutschland kaum zu finden. Schuld an der Einfallslosigkeit seien Sender und Förderer. Da müsste Ihnen doch angesichts der aktuellen Diskussionen um Inhalt und Qualität doch das Herz aufgehen?

Diskussionen über Inhalte und Qualitäten werden schon länger geführt, die Frage ist halt, wer sie führt. Wir haben ein anderes Verständnis und Hoffnungen an diese Themen und wünschen uns natürlich mehr Mut, mehr Risiko und auch etwas mehr Chuzpe. Das Problem ist aber weiterhin, dass der deutsche Film und das Bewusstsein des deutschen Films stark von der Unterscheidung zwischen Anspruch und Unterhaltung geprägt wird und beides anscheinend weiterhin nur bedingt zusammengeht. Es muss ein Umdenken in den Köpfen stattfinden, dass Unterhaltungsfilme auch anspruchsvoll sein können, Genre nicht nur auf Horror reduziert werden darf und nur, weil man sich einmal im Fantastischen und nicht am Realismus bedient, ein Film nicht sofort den Stempel des Abartigen bekommen sollte.

Über-dramatisieren Sie das nicht etwas?

Es fängt ja schon im Kleinen an. Lesen Sie doch einfach mal die Kritiken zu Herrn Kreuzpaintners „Der Fall Collini“. Da wird sich teilweise schon über die reine Machart und Inszenierung beschwert, weil der Herr Regisseur etwas breiter und größer inszeniert und auf der größeren Klaviatur des Filmemachens spielt als für den deutschen Film sonst üblich. Ein Problem, dass auch Bully Herbig bei seinem großartigen „Ballon“ teilweise entschieden entgegenschlug. Ich denke, dass da schon ein grundsätzliches Problem herrscht.

Es würden nur die immergleichen Genres und Themen gefördert, klagen Sie. Im aktuellen Genrenale-Programm wirkt die Vielfalt aber auch ein wenig reduziert: Science-Fiction, Horror, Thriller, Mystery, die sich letztlich auf eines einigen: Action, zum Teil mit drastischem Kunstbluteinsatz. Gibt’s nicht noch andere Genres?

Es ist eine unzulässige Verkürzung, Genre in seiner krassen Vielfalt am Ende auf Action mit Kunstblut zu reduzieren. Es ist gleichzeitig ein treffendes Beispiel, gegen welche kulturell und gesellschaftlich tief eingeschriebenen Vorurteile und Abwehrmechanismen hierzulande alle ankämpfen müssen, die Genrestoffe in die Welt bringen wollen. Das sind alles bildungsbürgerliche Ideale, die da verteidigt werden sollen, um die seit Jahrhunderten eisern aufrecht erhaltene Trennung von „Kunst“ und „Kommerz“, von „Anspruch“ und „Unterhaltung“, von „Relevantem“ und „Trivialem“ immer und immer wieder zu bestätigen.
Aus unserer Perspektive erwarten wir in deutschen Redaktionen und Fördereinrichtungen zuerst immer, dass, egal wie divers und unterschiedlich, wie unterhaltsam oder anspruchsvoll vorgestellte Genrestoffe auch sein mögen, sie mit größerer Wahrscheinlichkeit einfach als „Action mit Kunstblut“ und damit trivial verstanden und aussortiert werden. Um so toller ist es dann, auf Redakteurinnen oder Förderrefferenten zu treffen, die sich für Genrestoffe stark machen und verstehen, dass Science-Fiction, Horror oder Fantasy die Grundlage für eine globale Kommunikation sind, weil die Formate international verstanden werden und begeistern.
Das Programm der Genrenale konnte aber jedes Jahr durch eine breite Diversität überzeugen, die soweit geht, dass sich Hardcore-Genrefans bei uns fast schon langweilen, weil es denen zu unblutig ist und zu wenig Splatter gibt. Wir sind mit der Genrenale aber mit der Mission angetreten, den Beweis anzutreten, dass Genrefilme aus Deutschland qualitativ auf ihrem Level funktionieren können und wir deshalb natürlich auch nach den herausragenden Werken suchen. Und wir möchten eben nicht, dass der Begriff „Genrefilm“ auf das Genre „Horror“ reduziert wird, nur weil es im Bewusstsein natürlich ein sehr effizientes und gerne produziertes Genre darstellt.
Auf uns kommen Zuschauer zu, die erfreut darüber waren, dass es so wenig Horror bei uns gibt, sondern jeder Kurzfilmblock als breites Potpourri des Genrekinos gefeiert wird und wir somit jedes Mal aufs Neue versuchen, die möglichen Genrearten und die Facetten des Deutschen Kinos aufzuzeigen und zu erweitern.

Die wären?

Dieses Jahr stechen, sehr zu unserer Freude, besonders die Regisseur*innen hervor, der uns mit ihren Filmen regelrecht weggeblasen haben. Da finden sich mit „F for Freaks“ eine mitreißende und sehr harte Dystopie, mit „Endzeit“ ein überzeugender Zombie-Film, der einen großartigen Twist aufweist und schon auf eine Graphic Novel einer Autorin zurück geht, und mit „Pan“ ein hervorragender Mystery-Thriller. Und wir zeigen als erste in Deutschland den erfolgreichsten luxemburgischen Film aller Zeiten, „Superchamp Returns“, der im vergangenen Herbst alle Besucherrekorde gebrochen hat und auf das erfolgreichste Comic in Luxemburg zurückgeht. Nun macht uns also auch das kleine Luxemburg noch an dieser Front etwas vor. Das finde ich sehr vielsagend für den Deutschen Film.

Ich sehe immer noch eine Vorliebe für bestimmte Genres …

Es stimmt natürlich, dass auch wir von der Genrenale nur einen Ausschnitt von unterrepräsentierten Erzähl- und Ästhetik-Formen präsentieren. Eben das, wofür unser Herz am stärksten brennt. Das heißt aber nicht, dass Genrefilme die einzigen Ausdrucksformen sind, die dem deutschen Film und der deutschen Serie fehlen. Wir stellen uns jederzeit an die Seite von anderen Filmemacher-Bewegungen, die sich für Vielfalt in der deutschen Medienlandschaft stark machen. Der radikale Independent-Film braucht genauso viel mehr Sichtbarkeit und Möglichkeiten. Auch Filmemacherinnen haben es immer noch schwerer, sich in diesem System durchzusetzen. Es gibt noch viele Leerstellen im aktuellen System. Wir können mit der Genrenale aber auch nur unseren Teil beitragen und leisten.

Wie sehen Sie denn die Zukunft des Kinos? Und die des Streaming? Und wo Ihre Filme?

Die Genrenale begleitet uns nun schon seit über sechs Jahren. Bisher leider weiterhin auf dem leidenschaftlichen Level, auf dem sie 2013 spontan entstanden ist. Hauptsächlich arbeiten wir für die Genrenale am Wochenende und nachts, wenn unsere Familien schlafen. Und natürlich hinterfragen wir das Ganze oft genug, wenn wir bei schönstem Wetter am Schreibtisch sitzen und ein Festival an den Start bringen, während die Familie draußen im See badet. Dass am Ende für uns als Organisatoren finanziell nicht wirklich viel übrig bleibt, brauche ich sicherlich nicht zu erwähnen. Wir finanzieren uns weiterhin ausschließlich durch Ticketverkäufe und einige Sponsoringgelder, die wohlgemerkt in den letzten Ausgaben auch mehr und mehr zurück gegangen sind und uns (und auch etliche andere Festivals da draußen) vor große Herausforderungen stellen. Wir sind dankbar über all unsere Partner, die uns mit ihren Mitteln unterstützen, zur Seite stehen und jedes Jahr somit auch motivieren, die Flinte nicht in Korn zu werfen.
Aber auch wir werden älter und kommen mehr und mehr an unsere Grenzen, sodass wir uns ernsthaft die Frage stellen müssen, wie lange wir dies noch auf diesem Level weiterbetreiben können und was eine möglich Zukunft wäre. Wir sehen die Genrenale als eine Investition in das Medium Kino und zelebrieren ja eben dieses Gefühl, gemeinsam mit Gleichgesinnten in einem großen dunklen Saal zu sitzen, um dort die Filme zu genießen, die uns begeistern. Deswegen sollte unsere Zukunft eher im Bereich des Community-Buildings und der gemeinsamen Attraktion liegen, statt das jeder alleine vor seinem Fernseher oder Laptop sitzt und unsere Filme streamt. Wobei ich auch nicht ausschließen möchte, dass dies ein spannender Weg wäre, um die Genrenale um eine Vertriebsstruktur zu erweitern, die das Thema weiter in die Welt hinaus bringt.
Ich sehe meine persönliche Zukunft nach der Genrenale 6 daher mehr in der strategischen Ausrichtung der gesamten Mission und weniger in der Festivalorganisation. Im besten Falle findet sich für die Genrenale 7 eine Person mit derselben Leidenschaft und etwas „larger-than-life“-Attitüde, die mich bisher angetrieben haben, die die Festivalorganisation übernimmt, eigene Ideen und Ansätze mit einbringt und die Genrenale so mitformt. Ich sehe mich mehr und mehr in der Position, gezielt darüber nachzudenken, wie man die Genrenale langfristig auf solide Beine stellen kann: Wie kann man die Filmemacher*innen, die die Genrenale erst zu dem machen, was sie ist, mehr in den Vordergrund rücken? Welche Tools kann man ihnen an die Hand geben, um die Qualiät und das Bewusstsein des deutschen Genrefilms mehr und mehr zu steigern und langfristig einen Film in die Welt zu bringen, der das Fass zum Überlaufen bringt?
Ich sehe die Genrenale an vielen Stellen als möglichen Katalysator, aber diese Dinge werden ohne die notwendige finanzielle Ausstattung von öffentlichen Mitteln, Förderungen, klugen Partnerschaften oder sonstigen Quellen nicht funktionieren. Und somit geht es in meiner zukünftigen Arbeit nun darum, mehr Lobbyarbeit für den Deutschen Genrefilm und die Genrenale zu machen.

Die Genrenale 6 läuft vom 2. bis 5. Mai im „UCI Colosseum Berlin“ (Schönhauser Allee 123).

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2. FairFilmAward Non-Fiction: Die Nominierten

ffa non fiction logo s_2019

Am 9. Mai 2019 verleihen wir in Kooperation mit dem DOK.fest München, mit Unterstützung der Pensionskasse Rundfunk  und im Namen zahlreicher Branchenverbände zum zweiten Mal den FairFilmAward Non-Fiction. Er zeichnet die Produktionsfirma aus, welche die fairsten Produktions- und Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Dokumentarfilmen in den letzten zwölf Monaten ermöglichte.

Am 15.4.2018, ist die erste Bewertungsphase abgelaufen, in der alle an non-fiktionalen Projekten der vergangenen zwölf Monate beteiligten Filmschaffenden und Dienstleister die Produktionsfirmen bewerten konnten. Eine Bewertung setzt sich aus jeweils sieben Teilnoten zu folgenden Bereichen zusammen: Vertrag, Gagen und Entgelte – Arbeitszeiten, Arbeitsschutz und Arbeitsplatz – Chancengerechtigkeit, Gleichbehandlung und Diversität – Kommunikation und Arbeitsklima – Professionalität und Qualifizierung – Nachhaltigkeit, Solidarität und Perspektiven – Umgang mit Protagonist*innen.

Nominiert für den 2. FairFilmAward Non-Fiction sind:

# Ifage Filmproduktion GmbH
# Flare Film GmbH
# Bilderfest Factual Entertainment

Der Gewinner wird bei der Verleihung FFA Non-Fiction & VFF Dokumentarfilm-Produktionspreis am 9. Mai bekanntgegeben.

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Filmförderungsgesetz: Mosaik der Stimmen

Klar geht’s bei der Förderung um Geld. Doch um die Filmindustrie zu stärken, braucht es noch anderes. Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film“ hatten voriges Jahr Filmemacher und Experten gemeinsam erarbeitet, was anders werden sollte, ­damit es besser wird. Diese ­„Frankfurter Positionen“ werden plötzlich aktuell, wenn man schaut, wer gerade so alles gerade wieder an der Zukunft der Deutschen ­Filmförderung arbeitet. Vielfalt ist da noch nicht zu erkennen – Teile der Branche sind gar nicht vertreten. | Foto © Klaus Redmann

Klar geht’s bei der Förderung um Geld. Doch um die Filmindustrie zu stärken, braucht es noch anderes. Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film“ hatten voriges Jahr Filmemacher und Experten gemeinsam erarbeitet, was anders werden sollte, ­damit es besser wird. Diese ­„Frankfurter Positionen“ werden plötzlich aktuell, wenn man schaut, wer gerade so alles gerade wieder an der Zukunft der Deutschen ­Filmförderung arbeitet. Vielfalt ist da noch nicht zu erkennen – Teile der Branche sind gar nicht vertreten. | Foto © Klaus Redmann

2022 gibt es ein neues Filmförderungsgesetz (FFG). Das ist zwar noch eine Weile hin, doch die Arbeit hat schon begonnen. Im Januar ließ die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) 66 Adressaten um ihre Stellungnahmen zum künftigen Gesetz bitten.

Die gegenwärtige Fassung hatte 2017 einige Neuerungen gebracht, die über die Frage hinausgingen, wer wann wie viel Geld bekommt und wer warum was bezahlen muss. Von sozialverträglichen Beschäftigungsbedingungen war plötzlich die Rede, von Umweltschutz und Gleichbehandlung. Wie’s dazu kam, hatten wir hier,  hier, hier und hier ausführlich dargestellt. Eine Erkenntnis: In der nächsten Runde wollen wir’s anders machen und begleiten bereits den Entstehungsprozess. Wir wollen nicht meckern oder mit dem Finger zeigen, aber uns gelegentlich halblaut wundern – vielleicht und hoffentlich hilft es ja dem Prozess der Entscheidungsfindung. Weiterlesen

Gearbeitet wird am Filmförderungsgesetz in den Büros der BKM. Das Gesetz schreibt vor, was die Filmförderungsanstalt (FFA) des Bundes zu tun hat und wie. Und auch die Regionalförderer orientieren sich am FFG.

Das BKM holt sich zur Entscheidungsfindung die Meinungen aus der Branche ein. Hier beginnt die Lobbyarbeit, hier wird entschieden, wo für die nächsten Jahre Schwerpunkte liegen.

Seit zwei Jahren stehen also Soziales, Gender und Umwelt auf der Liste der FFA. Was ist bisher passiert? Zu den letzten beiden Punkten einiges – von kleinen Statistiken zur Geschlechterverteilung bei den geförderten Projekten bis zur Studie „Gender und Film – Rahmenbedingungen und Ursachen der Geschlechterverteilung von Filmschaffenden in Schlüsselpositionen in Deutschland“ oder von der Anerkennung etwaiger Mehrkosten durch „Grünes Drehen“ bis zum Handbuch zu diesem Thema. Gut, Gleichberechtigung und Klimakollaps werden zurzeit fast überall und quer durch die Gesellschaft diskutiert, doch die FFA rennt da keinem Trend hinterher. Sie führt aus, was ihr das FFG vorschreibt. Und das Bundesgremienbesetzungsgesetz. Oder die „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“ der Bundesregierung. 

Zum ersten Punkt, der sozialen Frage, ist noch nichts passiert. Zwar gibt’s Arbeitszeitgesetz und Tarifvertrag, doch kaum einen kümmert’s, ob die angewendet werden. Dem Rest der Welt kann man eh kaum erklären, warum beim Film ein Arbeitstag von zwölf Stunden schon ein Fortschritt sein soll, und warum ein Tarifvertrag wenig hilft, weil nicht mal jede fünfte Produktionsfirma im Lande sich daran gebunden fühlt – besagt die aktuelle Studie der Produzentenallianz auf Seite 103, Ende zweiter Absatz. 

Den Rückstand beim Sozialen kann man der FFA nicht allein vorhalten. Sie ist nur Vollstrecker von dem, was im Gesetz steht. Und das ist denkbar schwammig formuliert, um zwei gegensätzliche Positionen zusammenzubringen.

Interessanterweise ist das Thema „Sozialverträglichkeit“ weder im Referentenentwurf der BKM vom Februar noch im Gesetzentwurf vom April 2016 zu finden. Es kam erst über den Bundesrat ins Gesetz, also die Länder. Interessanterweise waren es auch zwei Länderförderungen (MFG Baden-Württemberg und Nordmedia), die ein Jahr später konkreter wurden, indem sie die Beschäftigungsbedingungen zum Kriterium erklärten.

Soweit wollte die Bundesregierung damals noch nicht gehen. Doch immerhin fand der Keim jener Idee ins Gesetz. Produzenten müssen die FFA nun informieren, ob „ein Branchentarifvertrag anwendbar ist oder auf anderem Weg die Einhaltung entsprechender sozialer Standards vereinbart wurde“; die FFA muss dazu in ihrem alljährlichen  Förderbericht eine statistische Auswertung liefern. 

Im Bericht für 2017 [PDF], dem ersten Jahr des aktuellen FFG, war noch nichts davon zu finden.  Vielleicht brauchte die FFA ja das Jahr, um sich auf die neuen Erfordernisse einzurichten. Wir werden es im Bericht für 2018 sehen, der im Sommer erwartet wird.

Soll heißen: Wer soziale Nachhaltigkeit in der Förderung verankern will, müsste das Thema stärker öffentlich machen, um die FFA zu motivieren. Oder einwirken aufs neue FFG. Möglich wär’s: Die Stellungnahmen laufen seit Januar, eigentlich sollte Ende März die Antwort eingegangen sein, doch wurde die Frist bis Ende April verlängert. Nötig wär’s auch, das springt gleich ins Auge: Unter den 66 Adressen stehen nur drei Einzelgewerke mit ihren Verbänden: Regie, Drehbuch und Dramaturgen. Alle anderen fehlen. Kein einziger Setberuf wird gehört. 

Nun könnte man sagen, die werden ja durch die Deutsche Filmakademie und die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft vertreten – doch das gilt ebenso für die drei erwähnten Berufsgruppen. Und es hat sich schon gezeigt, dass die Berufsverbände mitunter andere Meinungen und Interessen haben als Filmakademie oder Gewerkschaft. 

Aber gab es nicht mal die Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände? Auf der aktuellen Adressliste der BKM steht sie noch. Das muss man nicht der BKM ankreiden, weil ja keiner wirklich Zitierfähiges zu sagen weiß, was aus der Bundesvereinigung geworden ist, nachdem sie nur noch zwei Mitglieder hatte. Die Web-Adresse jedenfalls wurde zwischenzeitlich verkauft. 

Allerdings gehörten der Bundesvereinigung schon bei der letzten Runde vor vier Jahren nur wenige Berufsverbände an, lediglich die Filmeditoren hatten damals noch eine Stellungnahme abgegeben. Man hätte inzwischen schon mal nachhaken können, wo die fehlenden Fachleute stecken. Die hätten sich freilich auch selber melden können. Denn das BKM scheint doch offen zu sein, Verbände oder neue Netzwerke „nachzunominieren“, wie etwa jüngst den Hauptverband Cinephilie, der sich erst während der jüngsten Berlinale im Februar gegründet wurde. Auch Pro Quote stand schon beim vorigen Mal als noch junge Interessenvertretung auf der Liste.

Wer auch immer da mangelndes Interesse zeigt – der Stand der Dinge ist: das FFG wird zurzeit novelliert ohne diejenigen, die den Film wirklich herstellen. Wer soll sich da für ihre Arbeitsdingungen am Set stark machen?  

Interessant ist an dieser ersten Liste also auch, wer automatisch mitgedacht wird und wer sich erst selbst ins Spiel bringen muss. Natürlich sind erstere all jene, die in den Gremien und Beiräten der FFA sitzen. Nicht nur die Teilhaber des Fördersystems wie Produzenten, Verleiher, Sender und Kinobetreiber, sondern auch die Kirchen bis zum Journalistenverband. Sogar das Product Placement wird zur Lobbyarbeit eingeladen.  

Das ist das alte Denken, dass sich allein an akuten wirtschaftlichen Fragen orientiert und alles andere außer acht oder „dem Markt“ überlässt. Doch über Inhalt, Qualität, Entwicklung, gar über eine „Identität“ des deutschen Films wird ja nicht bloß auf Festivals oder in einer fernen Independentszene diskutiert – auch streng marktwirtschaftlich agierende Großproduzenten machen sich dazu immer wieder öffentlich Gedanken. Die einen nennen es „Wettbewerbsfähigkeit“, die anderen „Kunst“. 

Wandert der Blick länger über die Liste, stolpert er über kleine Steinchen, die zusammengefügt diesen Eindruck bestätigen, und zugleich vermitteln, wie es zugeht in der deutschen Kinowelt. Die Landesvertretung der US-amerikanischen Motion Picture Association etwa, der Lobbyarm der sechs großen Hollywood-Studios – und, ach ja, seit diesem Jahr ist auch Netflix im Bunde. Das ist ­komisch, wo es doch um ein deutsches Gesetz geht … Aber Anregungen vom großen Vorbild zu erhalten, kann ja nicht schaden. 

Man könnte freilich fragen, wieso uns nicht entsprechende Verbände auf europäischer Ebene interessieren. Wo doch immer mehr koproduziert wird im vereinten Europa, gerade, um auch gegen die großen Hollywood-Studios bestehen zu können. Oder wenigstens daneben …

Gut, wenn man so eine eigene Organisation hat. Denn es werden bei Gesetzgebungsverfahren in der Regel nur Verbände gehört und Netzwerkstrukturen. Aber hoppla: Zum FFG dürfen auch zwei Unternehmen eine direkte Stellungnahme abgeben! Die Produktions- und Lizenztöchter der öffentlich-rechtlichen Sender – Degeto und ZDF Enterprises. Die Sendermütter werden außerdem zu Wort gebeten, wie sie sich die Förderung der deutschen Filmwirtschaft so vorstellen.

Man kann noch weiterstolpern: Welche Verwertungsgesellschaften werden gehört? Nur die produzentenorientierten VGF und VFF. Die VG Bild-Kunst fehlt in der Liste ebenso wie die VG Wort oder die Gema.

Wer übrigens auch noch fehlt neben den Filmschaffenden: Ihr Nachwuchs! Keine deutsche Filmhochschule wird um ihre Meinung gebeten, die ja vielleicht auch eine interessante Perspektive beitragen könnten. 

Stichwort Perspektive – letzte Steinchen: Rund 400 Festivals betrachten in Deutschland das Filmtreiben aus den mannigfaltigsten Blickwinkeln, bieten ein Podium, bringen Filmmenschen zusammen. Gehört wird nur eines: das riesige Publikumsfestival Berlinale.

 

 

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SMS: Glück – Das Festival des Happy Ends

quer

SMS: Glück – Das Festival des Happy Ends Was für ein Glück: gesehen, entdeckt, erkannt zu werden! Darum sei Glücksfee oder Glücksschmied in eigener Sache, nimm’ die Kamera selbst in die Hand und zeige Dich im eigenen Film. Was versprichst Du Dir vom Glück? Was ist Dein idealer Moment, die Welle, die Dich trägt, Dein größtes Glück? Wir freuen uns auf viele geglückte Entdeckungen. Vielleicht mit Happy End.

DER OPTIMIST: Hey, Glück – Das Festival des Happy Ends – tolles Thema, da steckt ja sooo viel drin.
DER PESSIMIST: Ja, viiiel Pech und Unglück.
DER OPTIMIST: Aber auch die Schwestern vom Glück:  Zufriedenheit und Zuversicht … den Zufall nicht zu vergessen!
DER PESSIMIST: Ach, wer das Glück sucht, landet im Unglück –
DER OPTIMIST: Und wer sich gar nicht erst aufmacht, steckt schon mittendrin.


Gesehen, erkannt, entdeckt werden
Auf die Frage, wie sie entdeckt wurde, antwortete die große Schauspielerin Rosemarie Fendel: sie habe einfach Glück gehabt. In den meisten Berufen brauche es entweder Talent oder Können oder einfach nur Glück, im Schauspielberuf aber alle drei. – Talent und Können setzen wir voraus, dem Glück helfen wir auf die Sprünge, mit dem SMS Festival des Happy Ends.

Glücksbringer

Ganz so einfach ist es nicht... © Mathias Bothor

Wir freuen uns sehr, dass Edgar Selge (Polizeiruf 110, Unterwerfung, Poll) die Idee des SMS Festivals als Festivalpräsident unterstützt.

Und eine tolle Jury steht uns zur Seite: das Castingstudio Simone Bär (Transit, Dark, Babylon Berlin), Nathalie Mischel (Casting Director des Hessischen Rundfunks), die Filmproduktion Claussen + Putz (Polizeiruf 110 – Tatorte, Die kleine Hexe, Der verlorene Bruder), Regisseur Hans Steinbichler (Winterreise, Landauer – Der Präsident, Das Tagebuch der Anne Frank) und Jana Brandt, Fernsehfilmchefin des Mitteldeutschen Rundfunks (Weissensee, Charité, Hubert ohne Staller). Als Vertreter der Schauspielkunst: Kevin Patzke, Erster Preisträger des letzten SMS Festivals.

Glücksversprechen
Jedes SMS Shorty wird auf einen Server geladen und ist dann für die Jury (und die ZAV Vermittler und Vermittlerinnen) online sichtbar. Eine Vorauswahl schaut sich die Jury gemeinsam im Kino an, um daraus schließlich die 15 Festival-Beiträge zu bestimmen. Nicht der Aufwand zählt, sondern 15 beispielhafte Möglichkeiten, sich selbst gut in Szene zu setzen.

Seines eigenen Glückes Schmied
Ihr selbst habt es in der Hand, auch über das Festival hinaus sichtbar zu sein, wenn Ihr Euren Film ins Netz stellt. Wer immer auf der Suche nach der richtigen Besetzung ist, möchte Persönlichkeiten entdecken. Also habt Mut zum eigenen Glück, zum eigenen Film.

Happy End im Cinemaxx
Zum guten Ende wollen wir Euch mit dem SMS Festival als Filmemacher feiern. Am Freitag, 28. Juni, um 14:00 Uhr im CinemaxX München, Isartorplatz 8. Wir präsentieren die 15 ausgewählten Shorties, das Publikum wählt drei Lieblingsshorties, dann ist Preisverleihung und anschließend gehts zum Get-Together ins Vits – Die Kaffeerösterei, Rumfortstraße 49. Wer weiter feiern will: abends findet der Crew Call München statt, die Party für alle vor und hinter der Kamera (dafür sind eine eigene Einladung und Anmeldung erforderlich). Das alles am zweiten Tag des Int. Münchner Filmfests 2019.

Nur zwei Regeln – Mehr nicht!
*Einsendeschluss einhalten: Montag 3. Juni 2019, 15.00 Uhr
*Länge des Happy-End-Shorties nicht über drei Minuten. – Es darf aber auch ausdrücklich kürzer sein!

Preise für die glücklichen Gewinner und Gewinnerinnen:
1. Preis: 5 Jahre Premium Member video+ und 1 Jahr Premium-Bereich von casting-network mit cast-box.
2. Preis: 3 Jahre Premium Member video+ und 1 Jahr Premium-Bereich von casting-network mit cast-box.
3. Preis: 2 Jahre Premium Member video+ und 1 Jahr Premium-Bereich von casting-network mit cast-box.
Bei Teamarbeiten bis zu drei Beteiligten gelten die Preise für alle drei. Sind mehr Schauspieler beteiligt, werden die Preise für drei auf alle aufgeteilt.

Und für die übrigen 12 ausgewählten Shorties: 1 Jahr Premium Member video+ für jeden am Glücks-Shorty beteiligten Schauspieler.

Alle nominierten Shorties bleiben auf Schauspielervideos abrufbar.

Wege zum Glück
Bitte ladet Euren fertigen Film hier hoch: https://www.schauspielervideos.de/ecasting/bewerbung/sms-glueck-das-festival-des-happy-ends
(Hinweis für alle, die gemeinsam ein Shorty machen: Bitte nur einmal anmelden und den Weg zur Einreichung ohne Profil wählen. Bei allen Pflichtangaben (wie z.B. Geschlecht) bitte eine Option frei wählen. Die Namen (Vor- und Nachnamen zusammen) der beteiligten Schauspieler/-innen mit Kommas getrennt in die Felder für „Vorname“ und „Nachname“ so verteilt eintragen, dass beide Namensfelder gefüllt sind. Und bitte eine E-Mail-Adresse angeben, unter der die Einreichung für das gesamte Team abgewickelt wird. Als Foto am besten ein Gruppenbild hochladen. In der Nachricht an das Casting-Team sollten die Namen den Rollen zugeordnet werden bzw. kurz beschrieben werden, wer was macht.)

Was ist ein Selfmade-Shorty Ein selbst gemachter, kurzer Film, in dem man sich selbst in Szene setzt.

Wem nützt es? All jenen, denen Showreelmaterial fehlt. Hier heißt die Devise: lieber selber machen, als auf die tolle Rolle warten. Als Ergänzung für jene, die schon etliche Rollen auf ihrem Showreel haben, damit aber noch nicht diese eine andere Seite oder diese eine besondere Fähigkeit zeigen konnten. Und natürlich all jenen, die Rollen besetzen, weil man hier Persönlichkeiten entdecken kann.

Wie soll es sein? Weitgehend selbst konzipiert und selbst gemacht. Man kann sich gegenseitig helfen, aber es geht immer um Euch als darstellende Künstler*innen, nicht um Autoren, Regie-, Kamera- oder Cutterprofis.

Wer darf mitmachen? Professionelle Schauspieler und Schauspielerinnen sowie Schauspielstudenten und -studentinnen staatlich anerkannter Schauspielschulen ab dem 2. Jahrgang. Keine Altersbeschränkung.

Wann erfahre ich, ob ich in der Auswahl bin? Die letzte Jurysitzung findet zwei Tage vor dem Festival statt – dann gilt’s …

Wo gibt es Tickets für das Festival?
Kostenlose Tickets kann man ab Anfang Juni online bestellen. Die Adresse wird hier bekannt gegeben.

Noch eine Bitte: Verwendet Euer Shorty öffentlich erst nach dem Festival am 28. Juni 2019, um die Spannung zu erhalten. Dann aber wo immer es geht!

Ein Traum
Eindrücke aus dem letzten Festival: SMS – Mein Traum – Neues aus der Traumfabrik

Glückspilze von 2011, 2013 und 2015
Hier im Interview: Nadine Wrietz, Florian Hacke und Florentine Schara https://www.out-takes.de/index.php/2017/zeit-zum-traeumen/

Und alle bisher nominierten Shorties von 2011, 2013, 2015 und 2017:
SMS Self Made Shorties 2011 – Die Nominierten
SMS Self Made Shorties 2013 – Die Nominierten
SMS Self Made Shorties 2015 – Die Nominierten
SMS Self Made Shorties 2017 – Die Nominierten

Casting Network wird wieder die Berichterstattung machen.

Unser Festival ist natürlich auch auf Facebook zu finden:
SMS Self Made Shorties 2019 auf Facebook

Kontakt für alle Anfragen rund ums Festival:
Bitte wendet Euch an Schauspielervideos.
E-Mail: (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen), Fon: +49.30 – 99 19 49 70

Glück auf
für Eure Shorty-Produktion

wünschen

Daniel Philippen ZAV, David Althammer und Urs Cordua Schauspielervideos, Oliver Zenglein und Vincent Lutz Crew United

Das 5. Self Made Shorties – Festival ist eine Veranstaltung von crew united & Schauspielervideos in Kooperation mit casting-network, Out Takes und Cinearte.

Grafische Gestaltung: Cernodesign

Konzeption und Beratung: ZAV Künstlervermittlung.

 

 

ZAV Künstlervermittlung Film / TV
Kapuzinerstr. 26,
80377 München
Tel +49 (0)89 381 707-19
mobil +49 (0)176 430 648 52
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Innovationskonferenz: Grüner Filmen

Mit der Innovationskonferenz präsentierte Crew Tech im März Stand und ­Ergebnisse nach einem halben Jahr Netzwerkarbeit. Und band die Gäste gleich mit ein. | Foto © Louis Dickhaut 

Mit der Innovationskonferenz präsentierte Crew Tech im März Stand und ­Ergebnisse nach einem halben Jahr Netzwerkarbeit. Und band die Gäste gleich mit ein. | Foto © Louis Dickhaut

Innovationskonferenz an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Rund 80 Teilnehmer sind am vorigen Donnerstag erschienen. Ich erinnere mich noch gut an die erste Infoveranstaltung im September auf der cinec. Vor einem halben Jahr konnten sich dort noch alle per Handschlag begrüßen und hätten nicht mal eine Minute gebraucht.

Das Netzwerk Crew Tech hatte sich da vorgestellt, in dem die unterschiedlichsten Akteure miteinander an Lösungen für mehr Nachhaltigkeit in der Branche arbeiten sollen. Im Vordergrund steht der ökologische Aspekt, doch Fragen nach wirtschaftlicher und sozialer Nachhaltigkeit tauchen auch da immer wieder auf – irgendwie hängt wohl doch alles zusammen. Gefördert wird Crew Tech von außen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Form der Innovationsforen Mittelstand.

Das Thema interessiert die Branche noch wenig. Aber es gibt Bewegung. „Green Shooting“ ist Thema bei Podiumsdiskussionen und Seminaren, mehrere Regionalförderer arbeiten an einem gemeinsamen „Grünen Drehpass“, viele Akteure kennen sich und tauschen sich aus, doch das Crew-Tech-Netzwerk soll noch weiterreichen und den einzelnen Initiativen die Möglichkeit bieten, ihre Kräfte und Erfahrungen zu bündeln. Die Konferenz soll einen Einblick geben, wie das gehen soll und was in dem ersten halben Jahr bereits gewachsen ist.  

Die 80 Gäste hier und heute interessiert das. Zwar haben etliche von ihnen gar nichts mit Film zu tun, doch so soll es auch sein. In den meisten anderen Branchen ist man beim Thema Nachhaltigkeit nämlich schon viel weiter, hat Erfahrungen und Lösungen, die sich auch auf andere Branchen übertragen ließen. Weiterlesen

Also halten Branchenfremde die Impulsvorträge. Zur Begrüßung schildert gleich Christoph Bals von der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch, wie Klimapolitik und Nachhaltigkeit Deutschland verändern werden. Es ist Ende März, seit einem Monat streiken Freitags in Europa Schüler gegen die Untätigkeit der Politik, die 16-jährige Greta Thunberg begeistert sogar die Medien. Und in der Münchner HFF schwärmt selbst Bals, der selbst schon seit zweimal 16 Jahren für Umwelt und soziale Gerechtigkeit kämpft, von Organisationsfähigkeit und Kompetenz der neuen Generation und warnt: „Es könnte ein Generationenkonflikt auf uns zukommen, der 1968 in den Schatten stellt.“

Womit auch der Zustand der deutschen Filmbranche recht gut in der Zeit verortet wäre: Es entsteht bald der Eindruck, dass andere Branchen beim Thema Umwelt schon ein halbes Jahrhundert weiter sind (über soziale Nachhaltigkeit braucht man gar nicht erst zu reden). Doch die Traumfabrik bläst unterdessen weiter dunkle Kohleschwaden aus ihren Schornsteinen.

Vor zwölf Jahren hatte die University of California in einer Studie [PDF] die Film- und Fernsehindustrie mit anderen für Kalifornien „relevanten“ Branchen verglichen. In der Region Los Angeles trug sie stärker zur Luftverschmutzung bei als die anderen fünf untersuchten Branchen, blies fast ebenso viele Treibhausgase in den Himmel wie Flugzeug- und Raumschiffbau, und verzeichnete 17 tödliche Unfälle im Jahr (der Nächstplatzierte kam auf 5).

Die großen Studios in Hollywood hatten schnell darauf reagiert. Eigene Websites stellen nun vor, wie nachhaltig und umweltschonend inzwischen angeblich gedreht wird – selbst der Hulk kommt nun richtig grün auf die Leinwand. 

Die neue Zeit kommt auch auf Deutschland zu. Auch darauf will Crew Tech vorbereiten. Indem man möglichst viele Akteure aus möglichst unterschiedlichen Bereichen zusammenbringt, und sieht, was sie gemeinsam erreichen. So stark vereinfacht, klingt das erstmal beliebig, im besten Fall nach einem dieser „Runden Tische“, die üblicherweise gebildet werden, wenn ein Problem auftaucht, dass zu kompliziert erscheint, als dass es sich mit einem Federstrich lösen ließe. Im besten Fall einigen sich solche Runden Tische auf einen Kompromiss in Form von Handlungsempfehlungen, die mehr oder weniger oder gar nicht umgesetzt werden. Problem gelöst.

Bei Crew Tech geht man das Problem anders an und stellt erstmal „zusammenbringen“ und „gemeinsam erreichen“ in den Vordergrund. Schließlich sollen die so unterschiedlichen Akteure ein gemeinsames Ziel definieren und schließlich auch noch Lösungen erarbeiten, die alle mittragen, schreiben die Organisatorinnen in einem ersten Zwischenbericht. Vier Workshops sind dafür vorgesehen, drei sind bereits geschlossen, als mit der Innovationskonferenz der aktuelle Ergebnisstand vorgestellt wird. Der vierte läuft erst im Mai.

Das ist ungewöhnlich. Normalerweise gibt’s Ergebnisse erst ganz am Schluss: Das war das Problem, hier ist unsere Lösung, fertig! Und alle gehen wieder heim. 

Hier aber wirkt alles plötzlich ungewohnt ­offen. Die Arbeit ist ja noch nicht abgeschlossen, es darf weiter diskutiert und beigetragen werden, das Thema bleibt in der Welt und im Bewusstsein…

Später erfahre ich, dass die Konferenz aus anderen Gründen vorgezogen wurde. Es passt trotzdem. Schließlich sollen mit der Konferenz weitere Interessenten eingeladen werden mitzumachen und nach dem letzten Workshop noch längst nicht Schluss sein.

„Es geht uns um einen Bewusstseinswandel, eine Veränderung in der Haltung, um die Übernahme von Verantwortung“, erklärt mir Janine Golisano, eine der vier Organisatorinnen von Crew Tech und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Crew Tech möchte die innere Haltung weg von einem ich hin zu einem wir verändern – wir alle tragen die Verantwortung.“

Schnelle Entscheider mögen es weltfremd finden, wenn sich soviel um Gruppendynamik statt um Problemlösung dreht. Doch wenn es alleine um eine effiziente Entscheidung ginge, wäre das Problem tatsächlich mit einem Federstrich vom Tisch. Denn die Technik, die Standards und alle weiteren Lösungen sind da. 

Sie werden nur nicht genutzt. 

Wie schwierig es ist, die Umwelt und die Branche auf Anordnung zusammenzubringen, berichten viele, die es schon versucht haben. Ein Klassiker ist die Anekdote vom Veggie-Day, der am Aufstand fleischsüchtiger Beleuchter scheiterte. Auch auf der Innovationskonferenz wird eine Version erzählt; diesmal ist der Bühnentrupp schuld.

Mit einer effizienten Entscheidung allein ist es offenbar nicht getan – auch das gilt es zu berücksichtigen, glaubt man im Netzwerk. Und nachzusehen, woran es bisher hakte. Um die Nachhaltigkeit in die Branche zu bringen, haben die Workshopteilnehmer vier Ansatzpunkte ausgemacht, die sogenannten „Hotspots“: Synergie, Öffentlichkeitsarbeit, Technologie, Förderung. Zwei Arbeitsgruppen befassten sich unter jedem dieser vier Aspekte mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Filmbranche. Die Zustandsbeschreibung in Kürze: Es mangelt an Kommunikation, die technischen Verbrauchsdaten sind noch nicht genügend dokumentiert, es brauche eindeutige Regularien von Seiten der Filmförderer – es reiche nicht, sich auf das persönliche Enga­gement einzelner Filmemacher allein zu verlassen. 

Mögliche Lösungen wurden skizziert, aber nicht allzu detailliert vorgestellt, und auch das soll so sein. Denn mit dem nachhaltigen Netzwerk sollen ganz praktisch auch Produkte entstehen. „Acht konkrete Ideen haben wir jetzt schon“, sagt Golisano. 

Darum, das wird zum Abschluss der Konferenz nochmals bekräftigt, soll das Netzwerk eine dauerhafte Struktur bekommen, vielleicht als Verein, dem alle Interessenten der Branche und darüber hinaus beitreten können. Vielleicht könnte man aber auch gleich über die Form einer Genossenschaft nachdenken, regte ein Teilnehmer aus dem Publikum an. Was letztlich daraus wird, werden die heutigen und künftigen Netzwerker selbst entscheiden. 

Die Konferenz selbst gibt einen Eindruck, wie in den Workshops wohl gedacht und gearbeitet ,wurde. „Keine Frontalbeschallung“ hatten die Veranstalter ja versprochen. Und so finden sich die Teilnehmer nach Bals’ Impulsvortrag und der Präsentation der Arbeitsgruppen plötzlich selbst in einer wieder. „Weiterentwicklung Hotspots“ heißt das im Programm. 

Den Hotspot durfte man sich noch selbst aussuchen, schon findet man sich mitten drin im Denkprozess, wo sich die neuen Gäste mit den Veteranen aus den Workshops mischen. Kurze Vorstellung und Einschätzung, wo man sich selber sieht in Bezug zur Nachhaltigkeit. Wenig überraschend: der und die einzelne Filmschaffende zeigt ein völlig anderes Umweltbewusstsein als die Branche selbst.

Dann geht’s ans Thema. An der Wand hängen Fragen, die es nochmals in Aspekte aufteilen. Jeder heftet seine Antworten dazu. „Welche Probleme gibt es aktuell mit der Filmförderung?“ und „Welche Hindernisse für mehr soziale Gerechtigkeit siehst Du in der Filmbranche?“ sind übrigens die Favoriten, zu denen den meisten etwas einfällt.  

In kleinen Schritten und Aufgaben zwischen 10 und 20 Minuten, einzeln und in Kleingruppen, nähert man sich „seinem“ Thema an, unterbrochen von Präsentationen und Diskussionen, kreist es ein, immer streng getaktet von den Moderator*innen. Denn dies ist ja keine Talkrunde, sondern es wird tatsächlich gearbeitet. So fühlt man sich zumindest nach zweieinhalb Stunden. 

Wer noch mehr wissen will, findet währenddessen ein paar Türen weiter Antworten in den sogenannten „Open Spaces“: kleine Fachvorträge und Präsentationen zur Stromversorgung am Set, Innovationsförderungen des Bundes, CO2-Rechner oder die Ergebnisse einer Umfrage, wie grün schon in Deutschland gedreht wird.

Die gleiche Struktur am zweiten Tag. Zwei Impulsvorträge von außen stimmen wieder auf den Tag ein. Mit einem Unterschied: Die Mikrofone im Audimax bleiben aus. Und so müssen die Teilnehmer alle weiter nach vorne kommen und etwas näher zusammenrücken. Guter Trick.

Der Unternehmer Klaus-Michael Koch begann in der Baubranche, war Weltmarktführer mit seiner Speziallösung, 2010 gründete er die Photovoltaik-Firma Koco, um die Energiewende mit voranzutreiben. Er erzählt in seiner Impulsrede eine Geschichte von Erfolgen und Tiefschlägen und Neubeginn, wie sie wohl auch in einem Existenzgründer-Seminar gut ankäme. 

Seine Lehre beschränkt sich aber nicht auf Unternehmergeist und Erfindungskraft des Mittelstands, sondern blickt weiter. Denn die Energiewende packt nicht einer alleine, sondern muss sich zusammentun. Natürlich fürchte jeder einen Nachteil, wenn er zuviel Wissen preisgebe, sagte Koch mit Blick auf das Netzwerk, das gerade entstehen will. Doch wenn man lerne, zu vertrauen, erkenne man gut, wem man vertrauen kann – das habe er von seinem Großvater gelernt. Und: „Geld ist nicht das Ziel unseres [unternehmerischen] Handelns, sondern das Ergebnis.“ Das zu beherzigen, helfe gegen die Kurzatmigkeit unserer Zeit. 

Der Filmbranche habe Probleme, wie andere Branchen auch, meinte Koch. Und da war er, der unverstellte Blick von außen: „Sind denn auch Drehbuchautoren da?“ fragte Koch in die Runde. 

Schweigen. 

Komisch: Wenn sonst über Nachhaltigkeit diskutiert wird, geht es um Technik und Catering und Reisen, vielleicht noch um Produzentenwillen und Fördererunterstützung; aber Drehbuchautoren? Nochmal komisch: Am Vortag hatte schon mal jemand danach gefragt … 

Das sei in seiner Branche auch nicht anders, meint Koch. Wenn alle Experten gemeinsam über einem Problem brüten, fehlten meist die Architekten. „Doch diejenigen Architekten, die bei uns mitmachen, entwerfen hinterher bessere Gebäude“, sagte er schmunzelnd. Man müsse ja nicht mal jeden erreichen: „Mir reicht es, wenn ich 50 Architekten habe, mit denen ich bauen kann. Dann brauche ich die anderen 50.000 nicht.“

Derart angespornt, geht’s wieder in die Arbeitsgruppen. Doch erstmal Kaffeepause. Kurze Ruhephasen sind im strengen Programmtakt eingeplant, in denen sich um die Stehtische neue Grüppchen bilden. Neues erfährt man hier oder wird daran erinnert, was man sich hätte merken sollen. Etwa, dass Sky schon seit Jahren nachhaltig arbeitet. Weil der Europa-Chef persönlich es so wollte. Effiziente Entscheidung. Scheint aber zu klappen. Alexandra Coffey, CSR-Beauftragte bei Sky Deutschland, zeigt sich jedenfalls zufrieden.

Oder dass Sony Pictures Deutschland Nachhaltigkeit bereits groß schreibt. Doch nicht etwa, weil die Mutter in Hollywood es vorführt, sondern aus eigenem Antrieb, erklärt Maria Spisic, Assistentin der Herstellungsleitung bei Sony.

Zwischen Kameramann und Kostümbildnerin, Produzenten und mehreren Schauspieler*innen stehen auch die Experten aus anderen Welten. Das sind die Vorteile des Netzwerks – leicht kann man sich die Schnipsel des aufgeschnappten Halbwissens für einen Moment zu einem klaren Bild zusammensetzen lassen. Doch man behält auch die Ahnung, dass vieles, was in der Filmbranche noch als unmöglich erscheint, anderswo schon beinahe Standard ist.

Und man gewinnt neue Blickwinkel. Von den Bavaria Studios ist irgendwann die Rede, dem „klimaneutralen Produktionsstandort“. Ich lobe den Idealismus. Jaja, schmunzelt mein Gegenüber – und erklärt mir, dass die Studios nun auch etwas haben, das Babelsberg und Prag nicht bieten können. Schau an: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil.  

Nur einer fehlt in der Runde: Schade, dass ausgerechnet kein Förderer dabei sei, wurde mehrmals  bemerkt, gerade deren Mitarbeit brauche man doch hier. Lediglich am ersten Tag war ein Vertreter der Bayerischen Filmcommission anwesend. Eine Teilnehmerin findet es „seltsam“, wo doch gerade mehrere Förderer über einen deutschlandweiten Grünen Drehpass nachdächten. Ein anderer nickt und sagt etwas von Entscheidungen hinter verschlossenen Türen …  

Zurück zur Arbeit in der Gruppen. Die Zeit läuft. Zu viert nimmt man sich zwei Ideen vom Vortag von der Wand, heftet sie in die Mitte eines Blatts, daneben seinen Kommentar und reicht es weiter. Das Blatt macht zweimal die Runde, um die Idee in der Mitte sind acht weitere gesprossen, und es ist sogar noch Zeit übrig. „Ideation Blossom“ heißt das Konzept, eines von vielen „agilen“ Werkzeugen, mit denen vor allem die Softwarentwicklung arbeitet. Indem alle zugleich eingebunden sind, werden die Entwicklungsprozesse transparent und ständig überprüft, Fehler werden minimiert, und das alles soll sogar wesentlich schneller gehen als nach den üblichen „linearen“ Abläufen. Effiziente Entscheidung sozusagen.

Die Nachhaltigkeitsberaterin und Ingenieurin Nikola Knoch und Stefanie Rall haben dieses „Design-Thinking“-Konzept für die Workshops übernommen. Man komme damit ziemlich schnell ins konkrete Arbeiten, meint Katrin Richthofer, die vierte Frau hinter Crew Tech und Geschäftsführerin des Studienzentrums für Filmtechnologie der HFF München.

Jede Gruppe stimmt nun ab, welche von beiden Ideen ihr besser erscheint. Und bearbeitet sie weiter im nächsten Schritt. Der spielt sich wieder auf einem Papier ab: „Prototyping Canvas“ ist oben zu lesen, grob gesagt, ist es ein Stufenplan, um ein neues Produkt zu entwickeln. Schritt für Schritt, jeder mit einem Kasten vorgegeben – in unterschiedlicher Größe, auch da hält man’s streng. Interessant: Die rechte Hälfte des Blatts bleibt leer – sie sind schon vorab für Kommentare reserviert.

Was eben noch Idee war, soll nun ein Produkt werden. Und dem soll man als erstes einen Namen geben. Einen interessanten noch dazu. Na gut: „Förderung nachhaltiger Filmproduktion“. Klingt zwar nicht interessant, doch die Zeit läuft. 

Nächster Schritt: „Warum?“ Blöde Frage! da fallen uns doch reihenweise Gründe ein … Ach so: „Welches Problem wird dadurch gelöst?“ steht als Erläuterung dahinter. Wir sollen nicht bloß das Problem darstellen, sondern einen halben Schritt weitergehen und gleich die Lösung mitdenken. Clever.

„Wie?“ fragt das nächste Feld. Es gilt, die Idee und wie sie funktioniert, in wenigen Worten zu beschreiben. Kein Problem, die Ideen aus der Vorrunde fließen aufs Papier. Nächste Frage:

„Wie genau?“ Die „Prototyp Canvas“ fragt ganz schön lästig. Und sie kann noch lästiger sein: Die Antwort soll als Zeichnung auf Blatt. 

„Für wen?“ wird nach den Nutzern gefragt, denn ohne die hätte alles keinen Sinn. Und dann folgen schon die sechs Umsetzungskriterien: Zeit, Geld, Arbeitskraft und die dreifache Nachhaltigkeit, nämlich ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Für jedes soll der Aufwand eingeschätzt werden – ob gering, hoch oder dazwischen.    

Es folgen wieder Präsentation und Feedback-Phase vor den anderen, doch damit hat das Denken noch kein Ende. Denn nun soll all das, was zusammengetragen und diskutiert wurde, in eine fassbare Form gebracht werden, damit es nicht nur ein fröhlicher Ideenaustausch gewesen sein mag. Als Drehbuch. Kein Problem. Die Zeit läuft, wir sind im Thema.

So in der Art dürfte das Ergebnis der Workshops aussehen – natürlich deutlich ausgereifter. Das wären die „Produkte“, von den Golisano gesprochen hatte. Und weil zum Netzwerk mit André Klein auch ein Berater für Förderungen zum Netzwerk gehört und mit den Innovationsforen Mittelstand auch andere Branchen für die Umsetzung zur Seite stehen, werden diese Produkte am Ende auf alle Möglichkeiten abgeklopft, wie die Innovationsideen Gestalt annehmen können. Neue Teilnehmer sind eingeladen.    

 

 

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Fachkräfte im Film: Mängelwirtschaft

Seit einem Jahr stöhnt die Branche immer lauter: Sie findet kaum mehr Fachkräfte für die Drehs. Selbst Schuld: Der Mangel in der Filmbranche ist hausgemacht! | Foto © cinearte

Seit einem Jahr stöhnt die Branche immer lauter: Sie findet kaum mehr Fachkräfte für die Drehs. Selbst Schuld: Der Mangel in der Filmbranche ist hausgemacht! | Foto © cinearte

Seit ein paar Jahren deutet er sich an. Voriges Jahr wurde er für alle sichtbar. Im Herbst mussten erste Produktionen wegen Fachkräftemangel abgesagt werden. Andere Produktionen drehten bereits etwa ohne Regieassistenz. Jetzt ist der Personalmangel schon im Februar wie Donnerhall zu hören und stellt alle vor eine Zerreißprobe – im Guten wie im Schlechten.

Zahlreiche Filmschaffende haben jetzt schon vor dem eigentlichen Saisonbeginn mehrere Anfragen gleichzeitig und sie können sich das Projekt mit den besten Arbeitsbedingungen heraussuchen. Auch lassen sich nun in den Verträgen Konditionen durchsetzen, die bei vielen Firmen oft schwierig waren, zum Beispiel statt (ohnehin unwirksamer) Pauschalgagen eine richtige Überstundenvergütung mit tariflichen Zuschlägen – das heißt bis zu 100 Prozent.

Anderseits haben die Produktionsfirmen massive Probleme, das notwendige Personal für ein Team zusammenzustellen. Versuche, Filmschaffende im benachbarten Ausland zu akquirieren, scheitern oft an der erforderlichen Qualifikation. Das Problem zeigt sich weniger „above the line“, da die Schauspiel- und Filmhochschulen weiterhin jährlich eine Vielzahl von Regisseuren, Kameraleuten und Schauspielern in den Markt spülen. „Below the line“ sieht es jedoch ganz anders aus. Gesucht sind die „Indianer“, insbesondere Requisiteure, Regieassistenten beziehungsweise 1st AD, Aufnahmeleiter oder Garderobieren.

Der Fachkräftemangel hat vor allem zwei Ursachen: Zum einen mangelt es an Nachwuchs, zum anderen aber verlassen zahlreiche hochqualifizierte und langjährig erfahrene Filmschaffende die Branche. Beide Probleme sind selbstgemacht. Weil die Filmbranche es bis heute versäumt hat, verlässliche und verbindliche Strukturen aufzubauen – weder in der Aus- und Weiterbildung, noch im Arbeitsalltag. Wozu auch? Es ging ja auch so. Das Praktikanten­system als Ausbildungsmodell war billiger. Weiterlesen

Im Nachwuchsbereich rächt sich nun, dass die Produzenten und die auftraggebenden Sender für die Nachwuchskräfte (Praktikanten) nicht den seit vielen Jahren geltenden Mindestlohn bezahlen wollen. Auch mangelt es an einer nachhaltigen Personalentwicklung. So wird es etwa genügend qualifizierte 1st AD erst dann geben, wenn zuvor regelmäßig auch genügend 2nd und 3rd AD angestellt und herangezogen wurden. Professionelle Filmschaffende wachsen nun mal nicht auf Bäumen.

Produzenten denken aber selten nachhaltig. Für den kurzfristigen Effekt schöpfen sie sich für jedes Projekt nur die „Fettaugen“ von der Suppe ab: diejenigen Filmschaffenden, die gerade ausgebildet und erfahren genug sind, noch nicht zu alt und ausgelaugt, natürlich nicht krank und nicht schwanger. Woher aber diese ausgebildeten Filmschaffenden kommen, daran denken sie nicht. Die jahrelange Haltung, „der Markt wird es schon richten“, geht einfach ins Leere, wenn keines der Unternehmen mehr Nachwuchs (mit Mindestlohn) für den Markt ausbildet. Verkannt wird auch, dass die jungen Leute von heute nicht mehr fürs Filmemachen sterben wollen, sondern einen Anspruch auf eine „Work-Life-Balance“ erheben – ein Wort, welches die Verantwortlichen in der Branche bis vor kurzem nicht gekannt, ignoriert oder gar verhöhnt haben.

Der größte Aderlass für die Branche geht aber von den „alten Hasen“ aus, welche inzwischen zahlreich die Branche verlassen haben. Ursache für Branchen- und Berufswechsel war zum einen für viele der Wegfall des Arbeitslosengeldes, so dass sie finanziell nicht mehr über den Winter kamen. Vor allem aber sind die meisten Filmschaffenden nicht mehr bereit, ihr Privatleben gänzlich für den Film zu opfern.

Den häufig respektlosen Umgang und Wochenarbeitszeiten von 70 Stunden und oft (deutlich) darüber hinaus, wollen viele einfach nicht mehr mitmachen. Durch den häufigen Freitag-Nacht-Dreh wird dann auch noch der Samstag dem Familienleben und Freundeskreis entrissen. Mit über 60 schließlich stellen viele fest, dass ihre Knochen kaputt, Ehe und Familie ­(soweit jemals vorhanden) zerbrochen sind, ein nachhaltiger Freundeskreis mangels Pflege der sozialen Kontakte nicht wirklich aufgebaut wurde und am Ende die Rente durch die kurz­fristigen Arbeitsverhältnisse kaum zum Leben reicht.
Die Verantwortung daran tragen aber nur zum Teil die Produzenten. Vor allem die Rundfunkanstalten haben in den letzten 15 Jahren die Branche „kaputtgespart“.

Ganzjährig hochbezahlte und mit üppigen Pensionsansprüchen ausgestattete Sender–Manager tragen dafür die Verantwortung. Von den vormals über 30 Drehtagen für einen Fernsehfilm sind kaum noch 20 Tage übriggeblieben. Ein TV-Film dauert aber immer noch 90 Minuten. Das Sparen an allen Ecken und Enden ging immer auf die Knochen der Mitarbeiter. Dass diese inzwischen mit den Füßen abstimmen und der Branche den Rücken kehren, sollte niemanden wundern.

Auch die von den Sendern in der Quoten­diskussion sehnlichst gewünschten weiblichen Regisseure lassen sich kaum finden, solange sie (die Sender) weiter dafür sorgen, dass die Film- und Fernsehproduktion die familienfeindlichste aller Branchen ist – und das betrifft nicht nur die Frauen, sondern alle. Die Vereinbarkeit von Film und Familie ist in Deutschland noch nicht mal als anzustrebendes Ziel definiert.

Immerhin wird das Thema allmählich erkannt. Bei einer kürzlichen Fachdiskussion in Stuttgart wurde ich gefragt, was man gegen den Fachkräftemangel tun kann. Zunächst gilt es, eine Studie für die Branche zu erstellen, um den Ursachen von Abwanderung und Nachwuchsmangel qualitativ und quantitativ nachzugehen. Auf einer solchen Grundlage können gezielte Gegenmaßnahmen besser geplant werden. Aber auch schon nach heutiger Kenntnis würden meines Erachtens in den genannten Bereichen folgende Maßnahmen helfen:

Für den Aufbau von Nachwuchs sollten Produzenten und auftraggebende Sender sich verpflichten, in jeder Produktion mindestens vier zusätzliche Praktikanten-Stellen einzukalkulieren, natürlich mit Mindestlohn, denn der frühere „Praktikanten-Stadl“ nach der Devise „Ausbeutung statt Ausbildung“ ist endgültig vorbei. Diese echten Trainees sollten dann zwar auch in den jeweiligen Abteilungen kräftig mithelfen (und dadurch zum Beispiel die Mehrarbeit der Teammitglieder verringern). Deren Mitarbeit müsste aber anhand eines, auch gemeinsam mit den jeweiligen Berufsverbänden ausgearbeiteten, Ausbildungskonzepts erfolgen.

Auch ist es möglich, in unserer Branche „echte Ausbildung“ einzuführen, etwa in Gestalt eines „Volontariates“, was es auch bei mancher Rundfunkanstalt (zum Beispiel beim SWR zum Requisiteur) gibt. Ein solches zweijähriges Volontariat mag für die einzelne Produktionsfirma zu viel sein. Dafür bietet sich aber eine sogenannte „Verbundausbildung“ von mehreren Firmen an, die quartalsweise wechselt. Diese sollten von einer fundierten, überbetrieblichen, fachlichen Ausbildung begleitet werden, ähnlich wie Berufsschulen durch entsprechende Weiterbildungseinrichtungen wie Filmhaus Köln, Bayerische Presseakademie oder Münchener Filmwerkstatt. Erste Ansätze für so etwas hat nun endlich die Produzentenallianz unternommen, leider nur für den eigenen Produktionsbereich und nicht für all die anderen, auch künstlerischen Berufe.

Denkbar ist es auch, dass hier die Rundfunkanstalten Verantwortung und die Koordination solcher Volontariate übernehmen (wie es der NDR vor Jahrzehnten schon praktizierte) und die Mitwirkenden etwa in den Wintermonaten dann für Studioproduktionen einsetzen, so dass Regieassistenten, Aufnahmeleiter, Requisiteure und andere ihren Horizont erweitern können.

Vor allem aber gilt es, die Abwanderung aus der Branche zu stoppen! Schon der Umstand, dass so viele Abgewanderte sich beruflich dem Unterricht von Yoga und anderen Entspannungstechniken widmen, verdeutlicht die Ursache des Übels. Das Übel an der Wurzel zu packen, gelingt aber nur, wenn der Raubbau an Körper und Seele durch eine Normalisierung der Arbeitsbelastung (wieder) deutlich reduziert wird. Im Jahr 2019 wird ein Jahrhundert der Errungenschaft des 8-Stunden-Tags gefeiert. In unserer Branche sind wir aber auch 100 Jahre später weit davon entfernt. Selbst 10 Stunden tägliche Arbeit würden wohl auch die meisten Filmschaffenden noch mitmachen. Danach muss aber wirklich Schluss sein. Darüber hinausgehende Arbeitszeit ist nicht nur gesundheits- und sozialschädlich, sondern mindert die Konzentration, Kreativität und letztlich die Qualität der Filme!

Auch das Wochenende muss wieder den Filmschaffenden, ihren Familien und der Pflege der sozialen Kontakte gehören. Der Freitag-Nacht-Dreh gehört schlichtweg abgeschafft oder mit so hohen Zuschlägen belegt, dass er von Seiten der Produktionen, Regisseure (aber auch manchen Drehbuchautoren, die leichtfertig viele Nachtszenen schreiben) vermieden wird.

In Frankreich geht man den umgekehrten Weg; dort wird am Freitagmittag Schluss gemacht, damit die Mitwirkenden nach Hause zu ihrer Familie kommen und am Montag mit frischem Tatendrang beim Film zurück sind. Hierzulande haben hingegen auch die Tarifparteien, die Produzentenallianz und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), noch immer nicht die Zeichen der Zeit erkannt und glauben, mit immer (ein wenig) höherer Gage würde man den Interessen der Branche und ihrer Menschen gerecht. Weit gefehlt: Mehr Gesundheit und mehr Lebenszeit steht auf der Agenda und würde dafür sorgen, dass mehr Filmschaffende der Branche erhalten bleiben oder sie gar für junge Leute attraktiv wird.

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