Deutscher Film: Neue Wege in die Zukunft III

Zum Abschluss des Kongresses „Zukunft Deutscher Film” in Frankfurt wurden die Verbesserungsvorschläge vor vollem Saal präsentiert. | Foto © Klaus Rebmann

Zum Abschluss des Kongresses „Zukunft Deutscher Film“ in Frankfurt wurden die Verbesserungsvorschläge vor vollem Saal präsentiert. | Foto © Klaus Rebmann

Beim Kongress „Zukunft Deutscher Film” haben Filmemacher und Fachleute Vorschläge erarbeitet, was besser gemacht werden könnte. Wir stellen die Handlungsempfehlungen vorab vor. Alfred Holighaus präsentierte die Ergebnisse der Arbeitsgruppe „Ausbildung und Nachwuchs“:

Viele junge Menschen zieht es in die Berufe unserer Branche, viel mehr, als im Arbeitsmarkt langfristig ein Auskommen finden können. Ihre Talente, Biografien, Erzählanliegen sind höchst heterogen und kaum lässt sich der Wert des späteren Beitrags des einzelnen Nachwuchsfilmschaffens für die Zukunft des deutschen Films erkennen. Dementsprechend erscheint es uns wichtig, möglichst vielen potentiellen Talenten erst einmal eine Chance zu geben. Entsprechend begrüßenswert ist die heterogene Ausbildungslandschaft mit allein in Deutschland sieben Hochschulen von Weltrang, angewandten Medienstudiengängen an Hochschulen und Filmklassen an Kunsthochschulen.

Die Vielfalt dieser Ausbildungswege ist begrüßenswert und entspricht der Vielfalt der Biografien. Sie bedeutet für die Angenommenen oft eine Finanzierungszusage für eine Reihe für Projekten und den Zugang zu einem Netzwerk von Kommilitonen und Alumni, das in einer beziehungsgetriebenen Branche wie unserer kaum von zu überschätzendem Wert ist. Im Fokus der Filmausbildung sollte das praktische Filmschaffen und die Konfrontation mit dem Publikum stehen.

Ein virulentes Problem der Filmhochschulen ist die Fixierung der Studierenden auf einen 90-minütigen Abschlussfilm in Zusammenarbeit mit einem TV-Sender als Visitenkarte für das Entrée in die Branche. Künftig sollte der Abschlussfilm nicht an ein Format gebunden sein, damit steht auch die Möglichkeit, diese Arbeit unabhängig vom Sender stehenzulassen, und in der Branche soll trotzdem diese Arbeit in jedem Format als Visitenkarte gelten.

Dennoch werden, nach unseren Ideen, die öffentlich-rechtlichen Sender nicht aus der Pflicht entlassen, sich eindeutig und kontinuierlich um die Förderung des filmischen Nachwuchses zu kümmern. Wir finden, diese Verpflichtung sollte Gegenstand des Rundfunkstaatsvertrags werden. Neben den geordneten Ausbildungsgängen gibt es in unserer Branche schon traditionell auch Autodidakten und Quereinsteiger, ein vielleicht steinigerer, aber sicher gleichwertiger Weg.

Der Pluralismus aus Länderförderern, FFA, BKM, Kuratorium mit zehn anderen Finanzierungsquellen gibt auch besonderen Ansätzen eine Chance, einen Finanzierungspartner zu finden, der sich genau hierfür begeistern lässt. Daher schient nicht die Konzentration, sondern eher noch eine Verbreiterung der Möglichkeiten angesagt, und zwar durch einen bundesweiten Nachwuchs-Topf, wir nennen ihn den „Talent-Topf“, der für Projekte mit sportlichen Budgets als Allein-Finanzierungsquelle dienen kann. Bei diesem Topf, wie allen anderen vorher genannten Finanzierungsoptionen, sollen die Projekte von Autodidakten und Quereinsteigern die gleiche, faire Chance bekommen, wie die von Hochschulabsolventen.

Uns schwebt da eine möglichst automatische Förderung in zwei Stufen vor: Entwicklung und Produktion, wobei auch hier die Entwicklung dazu führen kann, dass es vielleicht nicht zur Produktion kommt.

Insgesamt erscheint es uns klug, eher mehr Projekte zu fördern, statt einzelne Nachwuchsprojekte mit Budgets in Millionen-Höhe auszustatten. Für den Erfolg gelten eindeutig Kriterien auch jenseits der klassischen Kino-Auswertung, weil diese Förderung nicht an eine Kino-Auswertung gebunden sein soll.

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